Das Jahr 2020 aus Egges Perspektive

Maske & Herzen: Nur zwei Mittel, um 2020 zu überstehen.

Okay. Der Januar 2020 war überraschend. Ich sollte also Papa werden. Und dazu stellten sich ein paar Fragen: Wie geht das denn überhaupt? Wo bekommen wir eine zumindest etwas größere Wohnung im Kiez her? Kennt jemand eine Hebamme? Und wie läuft das eigentlich konkret? Costa blieb gelassen, schraubte die Musik runter & begann, Leute regelmäßig zum Tischtennis zu überreden. Eine gute Übung für den 13. März. Lockdown. Auftritte beim Punx Picnic in Neubrandenburg oder bei der Bunten Republik Neustadt in Dresden wurden abgesagt. Der jährliche 24 Stunden-Ausflug nach Freiburg auch. Fuck. Wir versuchten coole Leute und Initiativen zu unterstützen, die Einkaufsgemeinschaften organisierten, kauften bunte Soli-Shirts & versuchten den „Popper lesen Punks“-Podcast vergeblich bei Spotify unterzubringen, weil die Rechte am Intro bei diesen Beatpoeten lag (Alter!). Ich besorgte Lederhandschuhe, um bei Rossmann schon mal safe Windeln zu kaufen. & irgendwann brannte Moria. Scheiße, ey.

Am Start, ey
BLM
FFF
Erfurt gegen Nazis

Erfurt gegen FDP-Ideen.

Gute Konzerte gab es in diesem Jahr kaum:

  1. Voodoo Jürgens im Lux (Danke, Komplex 7)
  2. Jeremias bei der Autokultur
  3. Herr Müller und sein Chauffeur im Georgengarten
Bad Nenndorf hat nicht nur Nazi-Aufmärsche.

Ausflüge auch nicht:

  1. Gotha, Eisenach, Halle, Arnstadt, Erfurt
  2. Süntel & Lippoldshöhle
  3. Zumindest einmal Feldstern in Hamburg
Endlich Spießer: Egge wohnt in Linden Nord in einem Traum von 1969.

Dafür habe ich eine Menge gelernt:

  1. Geburtshäuser sind top
  2. Hausgeburt geht aber auch
  3. Wohnungsanzeigen in Printzeitungen schalten, hilft
  4. Immer wenn man denkt, der Name fürs Kind ist sehr besonders, nicht die Jahrescharts der Kindernamen lesen
  5. Wir brauchen mehr Blumensträuße vor die Füße nach Macht strebender Idioten

Der Sommer war eigentlich ganz schön. Ich habe Freibäder in der Region ausprobiert & hab einen neuen Kaffeeladen entdeckt. & ja, wir haben Poetry Slams vor Autos durchgezogen. Generell musste ich nun mehr vor Kameras moderieren, als vor Menschen. Das war ganz abgefahren, hilft der Veranstaltungsbranche aber kaum.

Talk-Runde 2020: Vier Expert*innen sprechen über Verkehrspolitik & Klimawandel.

Zehn Business-Moderationen

  1. Museotech: Erst virtuelle Messe der Museumsbranche
  2. HAZ-Foren zu Hannover bewegt sich zur Verkehrswende
  3. Corona-Krisentalk mit Bernd Althusmann, Volker Müller, Hildegard Sander, etc. für das Land Niedersachsen
  4. Medientag der Landeskirche Hannover
  5. Startup Impuls-Wettbewerb für Wirtschaftsförderung & Sparkasse
  6. micromobilty expo aus dem Messegelände
  7. TECHTIDE auf dem Messegelände zu Smart Living & Tourismus
  8. Auftakt des neuen Integrationsplan (LIP 2.0)
  9. „Alles geregelt?“ & „Alles digital?“-Reihe für die Sparda-Bank
  10. Talkrunden für das Klinikum Region Hannover
„Hannover hört hin“ war ein Kopfhörerkultur-Festival in Hannover.

Zehn Lieblings-Moderationen & Auftritte

  1. „Hannover hört hin“: ein dreitägiges Kopfhörer-Festival in den Herrenhäuser Gärten mit Lesungen, Konzerten, Live-Hörspielen
  2. Poetry Slam in den Herrenhäuser Gärten als Doppel-Folge
  3. Beatpoeten-Lesung in Hamburg-Dulsberg
  4. Erstsemester-Begrüßung an der Leibniz-Universität
  5. Anstoß-Talkreihe mit Kenan Kovac, Gunter Gebauer, Sebastian Kurbach
  6. Science Slam Digital für die IdeenExpo
  7. Poetry Slams bei der Autokultur auf dem Schützenplatz
  8. Krisen-Talk-Runde in den Herrenhäuser Gärten
  9. Poetry Slam zum Thema Depressionen im Haus der Region
  10. Kurzlesung bei „Talk & Show mit Desimo“ im Apollo-Kino

Was ging eigentlich musikalisch?

  1. Ich hätte Akne Kid Joe ihr 2020 von Herzen gegönnt. Plastic Bomb-Cover, jetzt Trust-Cover. Krasse Tour-Planung mit Audiolith. Freue mich auf 2021 mit den guden Leuten.
  2. Blond sollten im Mai in Hannover spielen. Ich hatte die vor Jahren im Noch Besser Leben in Leipzig mal gesehen. 15 Leute. Darunter dieser Sänger von Kraftklub. Anfang 2020 endlich das Album gehört. Verdammt, ist das gut. Freue mich auf das Konzert im September im Musikzentrum.
  3. Acht Eimer Hühnerherzen. Jepp, das war die Band, die wir 2018 spontan zum Slamfestival nach Hannover eingeladen hatten. Damals gab es die „Eisenhüttenstadt“-Single und sonst nicht viel. 2020 kam schon das nächste Album und auch ein Trust-Cover. Zu Recht. Bleibt eine der Lieblingsbands.
  4. Hinter der Crucci Gang stecken sympathischer Musiker, die man aus anderen Projekten kennt. Mit Francesco haben wir mal beim Boot Boo Hook-Festival an einer Feuertonne improvisiert und, ähem, gerappt. Nun covert seine Truppe wunderbare Popsongs. Klingt vorhersehbar. Funktioniert aber richtig gut. Lieblings-Cover liegt ausgerechnet bei Wir sind Helden.
  5. GrGr: Vor Ewigkeit in München kennen und schätzen gelernt. Was für ein geiler Typ. Elektropunk mit Gothic und 8Bit-Einschlag. Und hat in diesem komischen Jahr alles richtig gemacht. Tracks rausgehauen. Und alles wird eingängiger und immer, immer geiler. Dieser Typ spielt auf der nächsten Beatpoeten-Party. Muss. Kuss.
  6. FCKR & Melmacs haben ne Split veröffentlicht. So weit, so toll. Aber FCKR covern auch noch Keimzeit. Ja, abseitig. Aber toll!
  7. Carsten Friedrichs & Erobique haben sich auch endlich zusammengetan. „Ich mag Leute“ ist so wunderbar harmlos. So hätte man sich die Pandemie gewünscht.
  8. Und noch ne Mixzone: Isolation Berlin trifft Solomun: „Kreatur der Nacht“ ist ziemlich düster geraten. So klänge unsere Band, wenn wir singen könnten, und noch mehr GrGr hören würden.
  9. Nasenspray. Die Band gefällt. Nicht nur weil Audiolith eine Rolle spielt und Linus Volkmann auffällig laut dafür trommelt. „Nasenspray“ war auf jeden Fall gut.
  10. Im Dezember veröffentlichte Schreng Schreng & La La noch ein Cover von Aeronauten. „Freundin“ Wie das Original: wunderschön.

Und dann waren da noch Lieder von Leuten, die man noch nie gehört hat & die man nicht mehr missen möchte

Inga – Frau Adolf

Pippa – Egal

Rong Kong Koma – Scheiß Berliner

Tristan Tricks – Gravity Loss

Pater Vortex – Nicht mit den Cops

Und das war auch noch

Ja, Östro 430 hat noch etwas rausgehauen. & Theodor Shitstorm. & Pogendroblem. Alles gut. Die Isländer hätten sicher den ESC gewonnen.

Ich danke 2020, das mir sehr deutlich gezeigt hat, auf was es künftig dann doch noch mehr ankommt: Empathie, Solidarität & ein gesellschaftliches Miteinander, das nicht an den Grenzen Europas aufhört. Es ist doch abgefahren, dass Krisen dann doch offenbaren, was den meisten vorher klar war:

Die AfD und die Populisten dieser Welt haben keine Konzepte, wenn man dringend Konzepte braucht. Im Gegenteil. Sie lassen Menschen sterben, um ihrer gefühlten Linie treu zu bleiben. Sie leugnen eine Pandemie selbst, wenn sie daran erkranken. Sie lehnen Wissenschaft, Demokratie & freie Presse ab. Sie lügen. Sie nutzen jede Gelegenheit, um ihre Macht und Position zu stärken. Es kann keinen sinnvollen Austausch oder Dialog mit ihnen geben. Sie stürmen Parlamente. Sie greifen Journalist*innen bei Demos an. Sie tun, was Nazis tun, wenn man sie tun lässt. Sie sitzen nicht irgendwo in Prepper-Kellern. Sie sitzen in den Parlamenten. Bei der Polizei & Bundeswehr. In der Nachbarschaft. Es gilt mehr denn je: klare Kante. Keine Räume für Nazis.

Und: Schon immer anfällig für Quatsch gewesen? Die Pandemie wird dir helfen, besonders dumm zu glänzen. Im Freundes- und Bekanntenkreis: Leute glauben plötzlich an die Corona-Diktatur, tragen ernsthaft „Geimpft“-Sterne aufm Shirt, vergleichen sich mit Menschen aus dem Widerstand gegen die Naziherrschaft. Alter. Spannend, wie schnell die Solidarität mit den Schwächeren aufhört, wenn der eigene Horizont bis zum Internetanschluss reicht. Entfreunden, outen, meiden. & daran hindern, dass ihr Geschwurbel irgendwen erreicht. Erinnert Euch bidde auch nach der Pandemie, wer da nochmal kurz den Holocaust relativiert hat.

Es kann auch keine Lösung einer globalen Pandemie im Staatenrahmen geben. Toll, dass in den reichen Ländern schon Millionen Menschen geimpft sind. Wie viele sind es aktuell in Afrika? Ach so, es soll dort erst 2024 losgehen. Fuck, ey. Zudem: Holt die Menschen endlich aus den Lagern. Nicht nur auf den Inseln im Mittelmeer. Auch in Bosnien-Herzegowina. Unterstützt die Seebrücke. Zeigt Euch grenzenlos solidarisch.

Streich- und Streicheleinheiten.

Und zuletzt: drückt (wenn es wieder geht) die Menschen länger und liebevoller, die mit Euch sind. Es sind so einige 2020 und zuletzt gestorben. Einige viel zu früh. & das macht mich traurig. Denn sie hatten kluge Gedanken, die noch nicht ausgeführt waren; Ideen, Einfälle, die ich gern mit ihnen umgesetzt hätte. Ich ärgere mich sehr, dass ich Krankenhausbesuche oder Anrufe immer wieder verschoben habe. Das wäre mal ein Vorsatz für 2021. Sei mal am Start, ey.

Auf ein Neues, egge

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