31. März 2011 – Boah, ist das voll hier!

Der Mitteleuropäer mag keine Menschen. Er hasst es, Fremden zu nahe zu kommen und kann es nicht leiden, wenn er irgendwie das Gefühl bekommt, zu viele Menschen um sich herum zu haben.
Das ist keine hochtrabende soziologische Beobachtung, sondern das Gefühl, das ich bekomme, wenn ich in meinem Bekanntenkreis Gespräche über Freizeit- und Abendgestaltung mitbekomme. Im Schwimmbad kommt man nie dazu, gerade Bahnen zu schwimmen. Beim Klettern muss man warten, bis man wieder an die Wand kann. Und beim Fußball steht immer irgendwo ein Bein, das den Ball nach einem tollen Lauf stoppt.
In all den Jahrzehnten, in denen wir mit eigenem Kinderzimmer, eigenem Spielzeug, eigenem Computer, eigenem Soundtrack auf dem Ohr aufgewachsen sind, haben wir anscheindend vergessen, mit anderen Menschnen zusammen zu leben.
Wir meckern, wenn Klubs zu voll sind, verlassen sie aber sofort wieder, wenn nichts los ist. Wir gehen auf Demos, um mit anderen gegen Atomkraft oder gegen Nazis zu demonstrieren, meckern aber, dass es zu voll ist und lästern über andere. Wir ziehen in Städte, weil sie lebendig und voller toller Menschen sind, beschweren uns aber, dass alles so oberflächlich ist und die anderen nur Poser sind.
Natürlich braucht jeder mal Ruhe, und natürlich freut sich niemand morgens in der vollen U-Bahn seinem Mitfahrer zu nahe zu kommen. Aber ist es wirklich so schlimm, jemanden nett zu fragen, wenn man mal durch will, etwas gereicht bekommen möchte oder einfach nur Hilfe braucht?

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30. März 2011 – Platz machen für die Nächsten

(Geborgt vom großartigen Comic-Tagebuch-Macher Flix)

Woran merkt man eigentlich, dass man älter wird?

Herr Costa legt vor:
Du bist der einzige im Klub, der sich mit seinen Freunden über Kindernamen, Steuertipps und dem vom Arbeiten kaputten Rücken unterhältst.
Du kennst die Bands nicht mehr, die der DJ auflegt. Spielt er dann etwas von früher, und du singst laut mit, wirst du komisch angeschaut.
Du trinkst zwischendurch Wasser.
Du findest die Röcke zu kurz.
Du findest die Shirts zu bunt.
Du gehst lieber Pide essen, anstatt auf die nächste Party.
Du bist zu müde, um mitten in der Woche feiern zu gehen.
Du freust dich aufs Wochenende, weil du dann früh auf den Markt kannst.

Egge legt nach:
Du magst Dr. House.
Du hast entdeckt, dass jeden Tag „Tatort“ läuft.
Sunrise Avenue gibt auf dem Parkplatz Interviews, während du mit Matthias Reim über sein Insolvenzverfahren sprichst.
Sunrise wer?
Du weißt aber wer Ritter Rost ist.
Du wirst gefragt, ob Sie mal Feuer haben.
Jugendlichen hören damit auf, auf den Boden zu spucken, wenn Du auf sie zukommst. Sie machen Platz.
Du kannst zehn Flaschen Goldkrone kaufen ohne deinen Ausweis vorzeigen zu müssen. Eigentlich musst du deinen Ausweis gar nicht mehr zeigen.
Deine Eltern machen sich keine Sorgen um dich, sondern erzählen dir von ihren Sorgen.
Du beginnst Deine Sätze mit „Früher“.
Du gehst zu Hause aufs Klo bevor Du feiern gehst.
Du hast Kopfschmerzen.
Du bist beim Sex schon einmal eingeschlafen.
Du sagste Dinge wie „Ein gutes Buch, ein guter Film, ein Vollbad, ein gutes Gespräch sind besser als…“
Du hast nicht nur eine Steuernummer sondern auch einen Steuerberater.
Du erträgst Maria Furtwängler.
Du hattest bei der Anto-Atom-Demo KEINEN schwarzen Pulli an.
Du willst mal ein Fotoalbum mit Bildern von all deinen Freunden anlegen.
Du führst einen Geburtstagskalender.
Du erwägst wirklich mal zum Zahnarzt zu gehen.
Du sagst: „Na denn, ffn“ in einen Telefonhörer.
Du nimmst Ohrenschützer bei Mogiau.
Du möchtest mal einen Tanzkurs machen.
Du hast einen Ersatzanzug.
Du findest Lena so frisch und unkonventionell.
Du benutzt das Wort frech.
Du musst dir eine Dropbox erklären lassen.
Du sagst DER Blog.

16. März 2011 – Jeder Stadt seinen Kurzen

In jedem Dorf, in jeder Stadt gibt es ein Getränk, das Kult ist, das jeder trinken muss, um dazuzugehören. Hier eine kleine Auswahl:

Polnische Rakete / Leipzig
Himbeersirup, Tabasco, Wodka

Mexikaner / Hamburg
Tabasco / Korn / Tomatensaft / Extras

Ölfelder / Hannover
Das Ferkel: „Erst 1/3 43er, dann 1/3 Sambuca und dann 1/3 Jägermeister. Es ist zudem wichtig, sie sehr vorsichtig einzugießen, und alle Zutaten sollten eiskalt sein, damit sie sich nicht vermischen.“

Gisela / Leipzig
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Trümmerling / Dresden
Kümmerling im Februar

Kaffee Kairo / in Jena erfunden
Egge: „Kaffee mit Schnaps und das Ganze anzünden.“

Welche kennt ihr?

12. März 2011 – Internationaler Tag der Meinungsfreiheit im Internet

1. Die Gedanken sind frei
Wer kann sie erraten?
Sie rauschen vorbei
Wie nächtliche Schatten.
Kein Mensch kann sie wissen,
Kein Jäger sie schießen.
Es bleibet dabei:
Die Gedanken sind frei!

2. Ich denke was ich will
Und was mich beglücket,
Doch alles in der Still
Und wie es sich schicket.
Mein Wunsch und Begehren
Kann niemand verwehren.
Es bleibet dabei:
Die Gedanken sind frei!

3. Und sperrt man mich ein
Im finsteren Kerker,
Das alles sind rein
Vergebliche Werke;
Denn meine Gedanken
Zerreißen die Schranken
Und Mauern entzwei:
Die Gedanken sind frei.

4. Nun will ich auf immer
Den Sorgen entsagen,
Und will mich auch nimmer
Mit Grillen mehr plagen.
Man kann ja im Herzen
Stets lachen und scherzen
Und denken dabei:
Die Gedanken sind frei.

5. Ich liebe den Wein,
Mein Mädchen vor allen,
Die tut mir allein
Am besten gefallen.
Ich sitz nicht alleine
Bei einem Glas Weine,
Mein Mädchen dabei:
Die Gedanken sind frei.

09. März 2011 – Die Sache mit den Monstern

(Das Bild gehört nicht uns, sondern der Sesamstraße)

Carlos versucht sich immer wieder als Hobbypsychologe und stellt allen möglichen Leuten komische Fragen. Eine seiner Lieblingsfragen lautet „Welche Monsterangst hast du?“ Dann erzählt er davon, wie er lange Zeit Angst vor Außerirdischen hatte – nicht ET – und wie jeder Mensch so eine Angst hat. Erst schauen die Befragten ein wenig fassungslos, dann kriecht ihnen ein kleiner Schauer den Rücken hoch. Werwölfe, Schlangen, Drachen, Gremlins, Männer in Anzügen, Zombies – alles schon gehört, von Männern. Frauen antworten zu neunzig Prozent auf die Frage: „Männer, Psychokerle mit bösem Blick.“ Welche Angst habt ihr?

ps. Wenn ihr uns irgendwo mal live seht, malt doch ein Plakat, auf dem ihr euer (Lieblings)-Monster schreibt. Carlos freut sich, denn dann muss er nicht jeden einzelnen fragen.

Island Teil 1

Okay, es reicht. Zu viel Arbeit, zu viel unterwegs, zu viel von allem. Egge haut im April ab und gönnt sich Ruhe. Und weil das in Hamburg und Hannover schwierig ist, wird er nach Island flüchten. Da ist Ruhe, Natur und Schönheit. Sonst nix. Und das ist gut so. Als Vorbereitung bastelt er in den kommenden Tagen nicht nur an seinem Bulli, sondern liest Island-Literatur. Die schönsten Erkenntnisse wird er hier zusammenfassen. Los geht’s mit dem lesenswerten Buch „Neues von der Elfenfront“ von Wolfgang Müller. Der macht nicht nur gute Musik, sondern führt seit 1998 das geschlossene Goethe-Institut in Reykjavík als Walther-von-Goethe-Foundation weiter.  Und los mit dem ersten Teil:

– auf den ersten Euroscheinen fehlte Island
– der größte Erotikhändler Islands hat sich eine Internetseite namens pen.is schützen lassen
– klitor.is haben zu wenige Isländer verstanden
– es gibt kaum Singvögel auf Island, 15 Sperlinge auf einem Hof namens  Hof gelten seit 1992 als Sensation
– Heidentum und der Glaube an Elfen wurde von den Christen zunächst nicht verboten, noch heute bekommen Elfen Opfergaben und werden um ihren Segen gebeten, wenn ein Tunnel gebaut wird
– Elfen sind unsichtbare Menschen
– der Mann, der nahezu sämtliche Filmmusiken isländischer Filme schrieb und fleißig mit  Sigur Rós zusammengearbeitet hat, leitet seit 2003 die Heidenbewegung
– die Heiden kennen keinen Himmel und Hölle nur die Unterwelt. Wie man dahinkommt? Der Chef der Heiden sagt: „man muss nur die richtigen Leute kennen“
– in Islands heißen Quellen lebt das kleinste Bakterium der Welt, es heißt nanoarchaeum equitans
– boxen war bis 2002 in Island verboten – Einheimische hatten sich zu professionell gegen Polizistn gewehrt, offiziell ist Boxen einfach als
gesundeitsgefährdend eingestuft worden, heute ist nur olympisches Boxen mit Helm erlaubt
– Die Isländer sollen die ersten gewesen sein, die Schokolade mit Lakritz vereint haben
– 1826 schlug ein isländischer Vogelforscher vor, Vögeln mittels Musikunterricht schönere Melodien beizubringen
– 1997 konnte noch jeder ins kleine Häuschen von Kurt Schwitters auf  eine Insel von Island. Collagen lagen einfach so rum.
– Stare imitieren dort angeblich auch die Ursonate (Müller hat ne CD)
– 1973 wurde in Island das Z abgeschafft – es wurde wie das S ausgesprochen und es gab zu viele Fehler
– nur das Wort Pizza blieb weil pissa pissen bedeutet

Fortsetzung folgt.

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