14. bis 16. März 2013 – Berlin und Leipzig

Popper lesen Punk

Intro: Katja Riemann war so frech und hat bei einer Schnarchnasen-Sendung nicht die vorher geübten Sätze aufgesagt. Feiern wir natürlich ab. Clemens Meyer richtet seine Wut auf chauvinistische Altmännerliteratur und schreibende C-Promis bei der Leipziger Buchmesse auch gegen das Publikum, das wohl lieber Martin Walser oder den Glöökler sehen wollte.

In Berlin ist der Alte Rote Löwe Rein schon unsere Stammkneipe. Idyllisch gelegen in Neukölln-Rixdorf ist der Löwe Ruhepol und gleichzeitig Start- und Endpunkt vieler Reisen durch die Hauptstadt für uns geworden. Am Donnerstag durften wir dort die zweite Lesung unserer „Popper lesen Punk“-Reihe machen. Also wir hatten Spaß, vor allem weil Berlinauftritte inzwischen immer mehr zum Klassentreffen werden, bei dem man viele tolle Leute aus den letzten Jahren trifft, die sich inzwischen dort tummeln. Danke an alle. Und Danke an Tapani von The Incredible Herrengedeck für das Foto.

Vorher ließen wir uns von Freunden eine Führung durch die taz-Redaktion geben, schauten uns die Kreativen in Kreuzberg an und spielten In-die-Augen-von-Verrückten-gucken auf dem Hermannplatz. Dufte.

Am Freitag ging es dann nach Leipzig auf die Buchmesse. Wir mussten da nichts präsentieren, aber Costa war noch nie da, und ein paar nette Leute trifft man immer. Während Egge zielgerichtet durch die Hallen steuerte, blieb Costa immer mal wieder an Ständen stehen, hörte sich an, was es Neues in der Rosenzucht oder in der Papierschnitzelforschung gibt und war überaus geschockt, dass es nirgendwo Bücher zu kaufen gibt. Mist. Also schnell die Freunde vom Gonzo-Verlag und vom Unsichtbar-Verlag besuchen, den Trittin bei Wagenbach zuschauschen, den Steinbrück bei irgendeinem anderen Stand anlächeln, Fotos mit Cosplayern machen und weg nach Reudnitz.

Das Zu Spät ist ein veganes Bistro/Kiosk, oder Späti, wie der Leipziger sagt mitten in Reudnitz: leckere tierfreie Hotdogs, gute Getränkeauswahl und einen gemütlichen Keller. Es war unser dritter Auftritt mit der Lesung, die Bude voll und sehr viele erstaunlich textsicher. Yeah. Danke dafür. Und unbedingt da hin gehen, sich den Bauch vollschlagen und anschließend ein paar Meter weiter im Atari feiern gehen.

Nach Prosecco auf der Karl-Heine-Straße, Neo Rauch im Museum der bildenden Künste und Pizza mit extrem vielen Chilischoten waren wir am Samstagabend in Schleußig gemeinsam mit Pablo Haller im Schlechten Versteck. Es war ein wilder Ritt durch Beatliteratur und Elektro-Lyrik. Einem hat es gar nicht gefallen, er verließ wild schreiend das Konzert und beschimpfte uns als Agitatoren. Später versuchte er noch einma, uns zu beleidigen. Naja. Wir ließen den Abend bei Absynth und Solei ausklingen. Draußen schneite es mal nicht.

Advertisements

Beatpoeten treffen – Heute: Fips Asmussen

Einen hat er noch, immer. Außer man fragt ihn am Telefon danach. Da sagt er: man soll zur Show kommen. Man müsse das erleben. Aha. Fips Asmussen ist ein Entertainer der alten Schule. Man könnte sagen, der ganz alten Schule. Das muss man aushalten. Und für viele Menschen ist der Herr eine echte Herausforderung. Zur Sexismusdebatte wollte er darum wohl auch nichts sagen. Das Interview gibts nun trotzdem.

Fips 2

„Ich schmeiße meine
Haare nicht rum“

Fips Asmussen serviert seit 40 Jahren Sprüche am Stück. Ein Gespräche über hektische Comedians, talentfreie Fernsehstars und Herrenwitze im Wandel der Zeit.

Herr Asmussen, seit mehr als 40 Jahren treten sie als Komiker auf. Sie gelten als Vater aller Stand-Up-Comedians. Kritiker werfen Ihnen vor, den Herrenwitz etabliert zu haben. Haben Sie das?
Entschuldigung, ich erzähle keine Witze. Ich erzähle Geschichten, in denen ich mich oft über mich selbst lustig mache. Es kommt darauf an, wie gut Formulierungen sind. An guten Gags muss man feilen. Auch bei pikanten Sprüchen kommt es darauf an, wer ihn wie und wo macht.

Sie wurden oft kritisiert, weil sie Sprüche über Ausländer, Schwule und Frauen gemacht haben. Kommt es wirklich nur auf die Formulierung an?
Sehen Sie, die Zeiten haben sich sehr verändert. Und manchmal macht man Fehler und lässt dann manche Formulierungen weg. Vor 20 Jahren durfte man keine Witze über Arbeitslose machen. Heute sind die Leute viel entspannter und schlucken mehr. Frauen lachen auch über Frauen.

Haben Sie ein Beispiel?
Nö. Ich werde jetzt nicht aus meinem Repertoire vortragen. Das muss man einfach erleben.

Zu ihren Auftritten kommen in den letzten Jahre immer mehr junge Leute. Warum eigentlich?
Keine Ahnung. Vielleicht liegt es am Internet. Ich habe sieben Millionen Tonträger verkauft. Vielleicht haben sie meine Sprüche noch auf Kassetten gehört.

Liegt der Zuspruch an der Entwicklung des Comedy-Formates? Künstler wie Mario Barth oder Bülent Ceylan füllen heute schließlich große Hallen.
Diesen Vergleich sehe ich überhaupt nicht. Barth rennt zehn Minuten von der einen Bühnenseite zur anderen und erzählt, dass er eine Frau hat. Ein Freund meinte neulich, in der Zeit hätte ich drei CDs produziert. Bei mir kommt Gag auf Gag.

Zählt in der Komikerbranche heute mehr die Show als die Pointe?
Das mag sein. Aber ich lebe vom Wort und sehe mich eher im Kabarettbereich. Ich schmeiße meine Haare nicht rum. Ich formuliere eher am Gag. Ich habe so 45 verschiedene Tonträger aufgenommen. Comedians kommen und gehen. Man kommt mit dem Ignorieren gar nicht mehr nach. Ich glaube, die sterben eh bald aus.

Sie sind auch nicht mehr der Jüngste.
Manche sagen so, manche so. Das Alter ändert sich auch jedes Jahr. Auch da kommt man nicht mehr mit. Meine Programme dauern aber immer noch drei Stunden. Es trainiert mein Gehirn, ich komme nie ins Stottern.

Schon mal einen Witz vergessen?
Ja. Und das ärgert mich dann. Aber das Publikum merkt es ja nicht. Und es kommt kaum vor.

Sammeln Sie noch immer neue Witze?
Ja natürlich. Neulich habe ich meine Frau gefragt, ob sie sich einen Dreier vorstellen könnten. Da sagte sie, sie sei mit dem 5er-BMW sehr zufrieden.

Im Kabarett geht es um politische Themen. Welches interessiert Sie?
Ich mache mich nicht ernsthaft über Politik lustig. Das ist anstrengend. Das klingt nach Talkshow. Für Renate Künast zum Beispiel ist Gulasch Fleisch von freilaufenden Pferden.

Höhö.
Man muss die Geschichten kurz und knackig servieren. Das macht es aus.

Gibt es Dinge, denen Sie nichts Komisches abgewinnen können?
Ich mache keine Witze über Krankheiten. Man kann über Schwächen sprechen, aber man muss sie ins Positive drehen.

Warum sollte man überhaupt witzeln? Ist die Welt zu traurig?
Die Welt ist negativ. Wenn ich Fernsehen schaue, ist da nichts Positives. Stuttgart verliert, es gibt Morde, Nordkorea macht Stunk. Die Leute suchen bei mir Abwechslung vom täglichen Stress. In den Medien werden sie ja nur mit Müll vollgeballert. Im Fernsehen erkennt man erst, was der Rinderwahn angerichtet hat. Da sind Frauen ohne Mikrofonstimme und haben einen breiten Arsch. Sonst nichts. Die Leute schauen Cindy von Marzahn zu, nur um zu sehen, ob sie wirklich so dick ist. Und die kann nicht singen, tanzen, ein Instrument spielen und lässt sich ihre Witze schreiben wie der Barth auch.

Sie waren jetzt doch auch im Fernsehen?
Ja, bei RTL. Zehn Minuten. Das bringt nicht viel. Aber ich habe auch meine Miete und RTL hat meine Gage gezahlt. Das machen nicht alle. Neulich sollte ich zu diesem „Circus Harlekin“.

„Circus HalliGalli“ bei Pro7?
Ja. 300 Euro für ein paar Gags wollten dir mir geben. Ich wäre ja im Fernsehen. Sehen Sie, ich habe so viele Fernsehshows gemacht. Da habe ich abgesagt.

Nun kommen Sie nach Hannover. Einen Spruch zur Stadt?
Nee. Dafür kenne ich Hannover zu wenig. Aber ich biete eine großartige Stimmung im Saal und drei Stunden Humorpower.

Fips

08. März 2013 – Winterschlaf, such dir neue Opfer

Egge und Hans

Ja, wir machen jetzt nicht nur so Musik, sondern wir spielen auch die Lyriker. Nach einer tollen Premiere in der hannoverschen Kneipe Team Nordstadtbraut letztes Wochenende, gehen wir mit dem Programm Popper lesen Punk nun auch auf Tour: Am 14. März in Berlin, am 15. März in Leipzig, am 8. Mai in München. Weitere Termine, unter anderem in Hamburg, Neubrandenburg und Köln, sind in der Mache.

Am 16. März dürfen wir gemeinsam mit den geilen Leuten vom Gonzo-Verlag deren Leipziger-Buchmesse-Aftershow-Party bespielen. Mit auf der Bühne im Schlechten Versteck steht Pablo Haller. Rumkommen!

Neulich in der Zeitung

Daneben arbeiten wir natürlich auch an neuen Liedern. Einen ganzen Tag haben wir nur Klavier aufgenommen. Mit unserem alten Freund Hans von Freymacher, der auch schon die ersten Aufnahmen vor rund sechs Jahren mit uns gemacht hat. Ein wenig ungewöhnlich, aber es soll ja nicht immer nur bumbumbum machen. Kommende Woche in Berlin geht’s ins Studio, Drum-Sounds, E-Orgel und weitere Stimmen aufnehmen. Hachja.

Außerdem arbeitet Costa gerade noch an seinem wissenschaftlichen Vortrag, den er Anfang Mai bei der re-publica halten wird. Es geht um die Rolle der Bratwürste in der politischen Berichterstattung. Aha.