30. März 2012 – Platte kommt raus

Nur was auf Wikipedia steht, existiert auch. Gut, dass wir dem jetzt ein kleines Stückchen näher gekommen sind. Denn mit unserer Unterschrift auf den Vertrag mit Twisted Chords werden auch wir dort bald aufgeführt. Yeah oder so.

Wir haben also jemanden gefunden, der unser zweites Album „Man müsste Klavier spielen können“ herausbringt. Ob der Chef von Twisted Chords, der liebe Toby, überhaupt weiß, worauf er sich eingelassen hat?! Immerhin hat er vorher schon Alben von Bands wie duesenjaeger, Chaoze One, Sin Dios oder Rejected Youth gemacht. So richtig Punkrock. Auf der Internetseite des Labels gibt’s schonmal einen Track von uns für umme. Das Album kommt Anfang Mai. Wir gehen schonmal in den Keller und üben drei Akkorde.

Hier die Daten für die Releasepartys in Bremen, Leipzig und Hannover.

29. März 2012 – Wärme

Welch ein Singen, Musiziern,
Pfeifen, Zwitschern, Tierelier’n!
Frühling will nun einmarschier’n,
Kommt mit Sang und Schalle.

Es riecht nach See. Der Wind bringt eine Brise wie an der Küste. Seit Tagen scheint die Sonne mal kurz nicht. Kurz vergisst man den Frühlingsanfgang, die Wärme, die einem die Knochen und das Gesicht liebkost hat. Der Himmel ist grau. Bald.

Beatpoeten empfehlen: Saul Williams

Wir müssen an dieser Stelle zugeben: Wir sind dreckige Diebe. Die Idee, moderne Musik mit gesprochenem Wort zu mischen, haben wir uns nicht ausgedacht. Klar, keine Überraschung! Dass wir uns aber einerseits mit unserer Herangehensweise und auch durch den Namen direkt auf die amerikanischen Beatpoeten beziehen, ist vielleicht manchem nicht so bewusst gewesen.

Die Einflüsse dieser Generation der wilden und experimentierfreudigen Literatur reichen bis heute. Einer der größten Vertreter des modernen Spoken Words in den USA ist Saul Williams. 1972 im Bundesstaat New York geboren, hat es Williams in seiner Heimat zu einem der besten Künstler in diesem lebendigen, jeweils von allen Schubladen stattfindenden Kulturbereich gebracht. Er trat mit seinem Sprechgesang gemeinsam mit Rappern und Bands wie The Fugees, De La Soul, NAS, Nine Inch Nails oder Zach de la Rocha auf. Seine Texte erschienen unter anderem in der New York Times. Sein Auftritt im Poetry-Slam-Film „SlamNation“ von 1996 gehört zu einem der Meilensteine der Slam-Geschichte. Inzwischen lebt er in Paris und arbeitet weiterhin wie ein Besessener an der Verschmelzung von Poesie, Musik und Kunst.

Am 16. Juni stellt dieser Tausendsassa sein Programm „NGH WHT“ im Rahmen der Kunstfestspiele Herrenhausen in unserer Heimatstadt Hannover vor.  Unterstützt vom Arditti String Quartett bringt dieser Held des amerikanischen Untergrund-Hip-Hops seine Worte in eine außergewöhnliche Performance. Klassik trifft auf Hip-Hop, Lyrik auf Musik, Spoken Word auf die atmosphärische Tiefe der Musik.  Für uns eine logische und wundervolle Verschmelzung. Wir freuen uns, das Konzert von Saul Williams und dem Arditti String Quartett am 16. Juni in Hannover als Paten begleiten zu dürfen. Wir sehen uns in der ersten Reihe!

20. März 2012 – 800 Jahre Thomaner Chor

Sie ignoriert die rote Ampel und fährt durch, und es blitzt. Zweimal orange. Weil auf der anderen Spur so ein komischer Typ an seinem Auto stand und irgendwas reparierte. „Der sah gruselig aus.“ Also lieber um 1 Uhr nachts geblitzt werden. „Beschwer dich nicht, ist immer noch billiger als vom Flughafen mit dem Taxi nach Hause fahren.“ Wenige Stunden später kamen wir in Leipzig an.

Der Thomanerchor feierte seinen 800. Geburtstag mit einer ganzen Festwoche. Preußen, Nazis, Kommunisten – alle verschwanden irgendwann wieder aus Leipzig, nur die Thomaner, die sind immer noch da. Und sehr lebendig: Sogar der frisch gewählte Bundespräsident war gekommen. Der Pastor der Herzen, der Freiheit. In der Innenstadt ging gar nichts mehr. Neben der Thomaskirche und Auerbachs Keller hatten die zahlreichen Touristen, Leipziger und Sachsen einen wahren Magneten in ihrer Innenstadt. „Der Gauck. Einer von uns!“ Unsere Freunde, deren  Eltern im Rahmen der Montagsdemos die ganze Macht des Staatsapparats abbekommen hatten, konnten nur mit den Achseln zucken. „Wichtigtuer.“

Egal, dort wo Geschichte geschrieben wird, da wollen wir sein. Mit der ganzen Kraft aus einem Sektfrühstück! Beim Bier im sonnigen Clara-Zetkin-Park mischten wir uns unter das freudig erregte Volk – Gauck, keine fünf Kilometer weit entfernt. Und dazu noch der Thomanerchor, der umso heftiger seine Motteten daherkommen ließ. Ein Traum! Wir sammelten uns zur Extase bei ein, zwei Escorial grün und schwelgten in der Aufbruchstimmung, die unserem Land dank Wulff, Eurokrise und WM-Aus so gefehlt hatte. Und entschieden, die nächste EP „Blühende Landschaften“ zu nennen.

sta

17. März 2012 – Urlaub

Am nächsten Tag war der Himmel bewölkt. Der Wind hatte Sand von Afrika gebracht und die Sonne verdunkelt. Kalima, der Wind aus der Sahara, der auch im weiten Amazonas-Regenwald die Orchideen mit Nährstoffen versorgt. Es war immer noch warm. Die Luft legte sich wie eine samtene Decke auf alles. An den Fenstern hingen staubige Schlieren. Die Frauen im Dorf hantierten mit Wasserschläuchen, machten die weißen Wände ihrer Häuser wieder blank. Auf der Mole knackte der Kellner des einzigen richtigen Restaurants im Dorf Krebse, weidete Fische aus. Um ihn herum eine riesige Meute Möwen. Im Hintergrund kitzelten die letzten Sonnenstrahlen das Gebirgsmassiv, den ehemaligen, nun schlummernden Vulkan. Ich verabschiedete den Tag und trank mein Bier aus.

Auf dem Dorfplatz treffen sich die Bewohner in der Croisanteria bei Carlito. Niemals nebenan bei Jaime. Wegen einer alten Dorffehde, will der Aussteiger aus Freiburg wissen. Alle nicken. In der einen Ecke unterhalten sich die Surfnomaden über Wind, Wellen, Strömung im internationalen Vokabular des Beachhipsters. Ein älteres Ehepaar trinkt in Ruhe seinen Kaffee. Beide im Dress der Rennradfahrer, kein Gramm Fett am Körper. Die Surfshopjungs drehen sich mit ihren Skateboards auf der Straße um sich selbst. Ohne T-Shirts. Mit Handy, Eis, Bier in der einen Hand. Einer trägt den anderen im Gips. Immer wieder fällt jemand hin und wird ausgelacht. Die Hunde haben sich in den Schatten verkrochen. Ein Pick-up fährt langsam über die Hauptstraße. Laute Raggaton-Musik erklingt.

„Hier leben und arbeiten, das wär’s!“ Die drei Süddeutschen Ingenieure gönnen sich gerade ihre dritte „Una Zärväza, poa favorä“ und schwelgen in Träumen. „Ja, einfach abhauen und das Alte hinter sich lassen. In den Tag hineinleben.“ Der Surflehrer aus Flensburg grinst vom Tisch nebenan. Er hat vor Jahren das kalte Mitteleuropa verlassen, um hier seinen Traum des Surferlebens zu erfüllen. Jeden Tag bringt er postpubertierenden Lehramtsstudentinnen und süddeutschen Ingenieuren Wellenreiten bei. Oder Robben tummeln, wie er es nennt.

Im Wasser sieht jeder Schatten wie eine Haiflosse aus. Der Schaum der Wellen trägt kleine Partikel Algen, aber auch Plastikmüll, die sich an der Surfbrettleine verhangen. Mit jeder anrollenden Welle verschwindet ein Stück Alltag aus meinem Kopf. Mit jeder gesurften Welle kommt mein Kopf der wohligen Leere näher. Ich schaue an den Strand, links das Bergmassiv, rechts das Dorf. Geradeaus Die Bademeister, die die ganze Zeit Sportzigaretten rauchen und noch nicht mal ein Boot haben, um zu retten. Die nächste Welle rauscht an, ich bringe mich in Position und fange an zu paddeln.

sta

Beatpoeten treffen Mirco Buchwitz

Es gibt Menschen in diesem Universum voller Bühnen, Backstageräumen und Hinterhofbänken, die sind immer genau dann da, wenn man sie braucht. Einer davon ist für uns der Künstler Mirco Buchwitz aus Hannover. Ein Wort dazu.

Es war Ende der neunziger Jahre als Egge das Kulturzentrum Faust betrat und ein Kerl in Jeansjacke Gummierdbeeren an sein Publikum verteilte, während er mit Stimmen aus dem Off redete. Die Texte waren mal urkomisch, mal melancholisch, immer nah am Leben. Mirco verband Musik schon mit Texten, als Egge noch an eine Lyrikkarriere glaubte. Nur, dass er sich nach fast jedem Song umzog, war irgendwie merkwürdig.

Die Jeansjacke trägt er manchmal immer noch, aber gut getarnt unter einer Lederjacke. Nach etlichen Hörspiel-CDs, Auftritten in ganz Europa mit eigenem Programm, Kabarettpreisen und Auszeichnungen für seine Hörspielminiaturen, hat er sich hingesetzt und einen großen Roman geschrieben. „Nachtleben“ erschien bei Aufbau und ist eines der besten Bücher 2011 gewesen. Wir freuen uns, dass Mirco Zeit fand, um uns ein kleines Video zu basteln.

Wir danken dir und sehen uns in der Glocksee, auf deinem Sofa, unterwegs. Und wenn wir dran denken, bringen wir dir eines dieser schwarz-weißen Flohmarktbilder mit. Am besten einen Kindergartencowboy mit großem Hut. „Just Cruisin'“.

www.mircobuchwitz.de