28. Juni 2013 – Lärz – Oase

Wir danken der Rakete und allen, die sie mit antreiben. Jetzt warten wir nur noch darauf, dass der Bass wieder einsetzt.

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22. Juni 2013 – Hof – InDie Festival

Die Boys von Findus und Egge beim Wärschtlamo

„Wir müssen unbedingt in die Innenstadt, dort gibt es eine Statue von einem Kerl, der den mobilen Würstchen-Verkauf erfunden hat.“ Egge macht den hibbeligen Reiseleiter und will die Jungs von Findus überzeugen, sich gemeinsam den Wärtschlamo anzugucken, das Wahrzeichen von Hof, auf das nicht jeder stolz ist, aber jeder kennt. Um das Jahr 1871 hat der Kerl sich diese mobile Art des Würtschenverkaufs ausgedacht. Das klingt nach einem Hightlight!

Rettet Leben: Obazda-Brezn

Das InDie-Festival in Oberfranken gehört zu den kleinen, feinen Nicht-mehr-ganz-Geheimtipps der deutschen Musikszene. Es ist eine Kulturbastion, dessen Team liebevoll, familiär und absolut professionell Kultur in die Provinz bringen, die sonst eher von Jugendlichen gemieden oder sogar verlassen wird. Die Region leidet unter Abzug, Strukturschwäche und seit ein paar Jahren unter der Verbreitung von Crystal Meth, die alle zusammen das Leben erschweren.

Ach, Oberfranken

Das Festival bietet dabei einen Höhepunkt für Jung und Alt mit einem breiten musikalischen Angebot: die Lokalhelden Emma Stoned und Koaliker, Findus aus Hamburg, Großstadtgeflüster aus Berlin und Talco aus Italien – für jeden war etwas dabei und die Stimmung bei praller Sonne immer super. Nach einigem Rumirren durch die Hofer Innenstadt fanden wir dann gemeinsam mit den Boys von Findus das große Denkmal und machten den Touristen, bevor wir dann bei der Aftershow-Party in der Gaststätte Zur Linde bei Gin Tonic und Oasis seelig wegschlummerten. Danke für einen unglaublich schönen Tag!

Kleine Diskographie

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Die Musikers kennen das vielleicht unter Euch. Man basteln Lieder, manchmal nimmt man es sogar auf, vieles schmeißt man besser weg oder machts wieder neu. Am Ende verliert man die Überblickt und wird gefragt: Habt ihr eigentlich schon was draußen? So richtig, mein ich? Na? Und wo bekommt man das, bei Euch in der WG-Küche oder was? Mimimimi.

Das muss nicht sein. Daher haben wir mal geschaut, was aus den Aufnahmen der letzten Jahre geworden ist & ob man das noch bestellen kann.

2007: Sampler: „[poli070] semper fidelis“ / policide.net
(mit „Dorothy Gale“)

Jawoll! Es war 2007, das Jahr der Proteste in Rostock und Heiligendamm, Mark Medlock gewinnt bei DSDS und Anna Nicole Smith stirbt unter komischen Umständen. Egal. Wir entdecken das Internet und werden um nen Samplerbeitrag gebeten. Ein Internetalbum von Blogcheckern. Wir geben uns weltmännisch und beamen das Wave-Dingens mal rüber. Abmischen? Konnten wir damals noch selbst. Glauben wir zumindest. Nun ja. Das Stück haben wir später in Hamburgs Pudel aufgeführt, samt Textblatt und Maleroutfits. Nun ja.

2008: Album: „Unterwegs“ / Sprechstation

2009: Sampler: „20 Jahre Silke – SXX Compilation“ / n.UR-Kult releases (mit „Samstag Nacht“)

2010: EP „Früher fand ich die noch cool, heute sind die mir zu kommerziell“ / Sprechstation

2010: Sampler: „Rote Hilfe“ / Fire & Flames (mit „Wer macht Geschichte?!“)

2012: Album: „Man müsste Klavier spielen können“ / Twisted Chords.

2013: Sampler: „5 Jahre Atari Leipzig / zum goldenen hirsch“ (mit „Alman Usulü“)

2013: Sampler: „Elektrolyrik in Deutschland“ (mit „70.000 Worte“) – geplant

2013: Sampler: „Twisted Chords Labeltour Sampler“ (mit „Mein Freund ist Hipster“) – geplant

30. Mai 2013 – Frankfurt – Blockupy

Blockupy

Es war vor dem Sturm, nach dem Regen. Auf dem Rebstockgelände in Frankfurt hatte die Vorhut der Blockupy-Proteste das Camp aufgebaut, eine Volxküche eingerichtet, Regeln zum gemeinsamen Leben besprochen und wollte nun beim Bier gemütlich in die Protestwoche starten. Es gab Vorträge zum Recht auf Stadt, später wurde gemeinsam Boxen und Anlage aufgebaut. Mittendrin in der Camp-Bar standen dann wir und versuchten Kabarett zu machen, wo es längst ernst wurde. Und doch lächelten die Menschen. Wir trafen Bekannte aus Hannover, drückten Freunde, die längst nach Frankfurt abgewandert waren, und trafen freundliche und entschlossene Menschen, die für Gerechtigkeit und Grundrechte demonstrieren wollten. Zu diesem Zeitpunkt glaubten wir alle, dass das doch in diesem Jahr möglich sein musste, jetzt, wo zumindest die Justiz die Hauptdemonstration legitimiert hatte.

Am nächsten Morgen trafen wir nervöse Polizisten, Taxifahrer, denen das alles zu viel Trubel ist und immer wieder Aktivisten mit Isomatten, Schlafsäcken und Lust, eine Innenstadt symbolisch stillzulegen. Am Freitag setzten sie sich entsprechend vor Geschäfte, die noch eben in Bangladesch nähen ließen, um jetzt davon nichts mehr zu wissen, oder versuchten am Frankfurter Airport auf die Rückführungspraxis der Bundesregierung aufmerksam zu machen. Die Frankfurter Zeil wurde zur Blockuparty, schrieb die Rundschau am Freitag und sah ihren aufklärerischen Ton bestätigt: eigentlich alles friedlich.

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Es folgte der Sonnabend und die Demonstration, bei der die Polizei zum Ausputzer der Politik wurde. Wenn man eine Demonstration schon nicht verbieten kann, dann verhindert man sie eben. Ein Kessel an der Spitze eines Demonstrationszuges kann dabei selbst zur Blockade werden. Auch über Stunden. Egal.

Wir lesen fassungslos den Bericht der Rundschau  und schließen uns gern dem Kommentar der SZ an. Und wir ziehen daraus eine ganz eigene Lehre. Wir spielen nicht mehr auf einem Blockupy-Camp, um für gute Laune und Zerstreuung zu sorgen, wenn Demonstranten später in ihren Grundrechten verletzt werden. Wir spielen nicht mehr Animateure, wenn Menschen dann massiver Polizeigewalt ausgesetz werden. Wir spielen nicht mehr mit. Wenn Politik und Polizei keinen Spaß mehr verstehen, tragen wir keine Lieder mehr vor – sondern den Protest noch lauter in die Zentren und Verantwortung für eine gerechtere Welt. Unsere Campbar ist künftig überall.

„Lieder machen nicht Geschichte, die Geschichte macht sich Lieder.“

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Unsere Solidarität gilt allen Verletzten dieser politisch gewollten Auseinandersetzung. Wir teilen gern die Bitte um Unterstützung des Camps.