Die schönen Dinge

Mal was fürs Herz. Weil uns gerade Oktober & Leben zu schaffen machen. & man kann ja nicht nur Yann Tiersen hören. Davon geht die Welt nicht unter. 50 Dinge, die das Leben so schön machen. PS: Ja, es ist ein Werbesong. Aber schön.

  1. Im Auto Schlager nach der ersten Strophe mitsingen, ohne sie zu kennen
  2. Rauchen, allein & einfach so
  3. Aufs Meer starren
  4. Aufs Feuer starren
  5. Dem Mond einen Namen geben
  6. Ein Muskelshirt anziehen und die Bude zu „Run to the hills“ fegen
  7. Sich danach im Spiegel anschauen
  8. Eine bunte Tüte allein leer essen
  9. Allein mit geschlossenen Augen tanzen
  10. Mit Erdnussflips von zu Gutenberg im Fernseher bewerfen
  11. Rotwein trinken und schlechte Gedichte für gut befinden
  12. Aus Kursbüchern Kartenhäuser bauen
  13. Räucherstäbchen anzünden
  14. Asian Dub Foundations „Fortress Europe“ aufreißen und abwaschen
  15. Sich total mit dem Fahrrad verfahren & nur Rentner nach dem Weg fragen
  16. Costa schreiben, dass man sich freut, nicht mehr 17 zu sein
  17. Wodka trinken, sich wie 17 fühlen & sich bei SchülerVZ anmelden
  18. Im Kino einschlafen
  19. Am Strand einschlafen
  20. Schwimmen bis man das Gefühl hat 1,34 Meter groß zu sein
  21. Einen Donnerkeil finden
  22. Sigur Ros auf dem Kopfhörer haben & den Schaffner nicht hören
  23. Einen Vordrängler einfach machen lassen
  24. Eine Frau einfach anlächeln
  25. Peter Licht mitsingen
  26. Heinrich Bölls „Ansichten eines Clowns“ nochmal lesen
  27. Ein Xylophon so langsam spielen, als hätte jeder Ton eine Bedeutung
  28. Einen Witz merken
  29. Beim Sex einschlafen & es ist okay
  30. Ein gutes Foto von sich finden
  31. Ein Regal aus Standgut bauen
  32. Seinen Freunden sagen, dass man sie gern hat ohne sich kitschig zu fühlen
  33. Luftgitarre zu Grauzone spielen
  34. Colabier & Wodkamate predigen & nach einem halben Jahr wieder etwas völlig anderes verehren
  35. Zu Minimal tanzen ohne es zu merken
  36. Direkt in die Sonne schauen
  37. Drei Stunden baden
  38. Die Kioskfrau wegen der „Deutschen Stimme“ ansprechen
  39. Den Servicepoint-Mitarbeiten sagen hören, dass das so nie passiert & es besser wissen
  40. Bei Panteon Rococo schwitzen
  41. Pommes in der Destille bestellen & sie um 4 Uhr bekommen
  42. Im Izarro den Kopf auf den Tisch legen
  43. Orangensaft
  44. Frühstücksfernsehen mit Sven
  45. CDs und Bücher sortieren
  46. & schon wieder „Absolute Giganten“ schauen
  47. Zuhören können & einmal den richtigen Rat geben
  48. Auf der Bühne stehen & wissen warum
  49. Aufwachen & es läuft „How I met your mother“
  50. Wissen, dass es weiter geht, immer*
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20. Oktober 2010 – Geh-offline-Tag

Sie sagen, du solltest nicht so angepasst leben,
dafür hauen sie dir Pfefferspray ins Gesicht.

Sie sagen, du musst noch viel mehr lernen,
und lassen dich Studiengebühren zahlen.

Sie sagen, du solltest dich integrieren,
dabei leben sie weit weg von den Menschen.

Sie sagen, du solltest fünf Fremdsprachen kennen,
und selbst verstehen sie ihre eigene nicht einmal.

Sie sagen, du brauchst noch mehr Arbeitserfahrung,
doch niemand gibt dir einen Job.

Sie sagen, du solltest die Umwelt schützen,
und vergraben Strahlenmüll in der Natur.

Sie sagen, du solltest sparsam sein,
doch verschenken sie dein Geld an ihre Freunde.

Sie sagen, du solltest nach Hamburg gehen, nach Leipzig und Berlin,
dort ist die Szene, die Musik, die Party, das Leben, nur nicht dein Herz.

Die Top 100-Songs wenn nichts mehr geht

Cool, im November macht Egge das erste Mal seit seiner Schulzeit den DJ. Bei ner duften kleinen Fete zweier dufter Frauen darf er auflegen, was ihm in den Sinn kommt. Also sucht er seit einer Woche (!) all die schönen Songs, die ihm das Herz erwärmen. Folgende Auswahl sei Euch darum wärmstens empfohlen. Geht immer. Nur Ignoranten gefällt das nicht. Hui, spreche schon wie ein DJ. „Jaja, spiele ich später.“

 

 

  1. Joy Division – Love will tear us appart (schön)
  2. Violent Femmes – Add it up (Arschtrittlied, so siehts aus)
  3. Billy Idol – Dancin with myself (DER Ausfallschrittsong)
  4. Grauzone – Eisbär (bitte nochmal die Gitarre mitsingen)
  5. Kim Wilde – Kids in America (Ich auch!)
  6. Radiohead – Creep (Songs des Jahrzehnts)
  7. The Clash – Should I stay or should I go (Luftgitarre!)
  8. The Clash – London Calling (genau!)
  9. Sisters of Mercy – Temple of Love (weils dermaßen kickt)
  10. REM – Its the end of the world as we know it (Mitsingkick)
  11. The Cure – Love Cats Extened Version (eingängig, schön)
  12. Rainbirds – Blueprint (schönste Mitgröhlhymnen)
  13. New Order – Blue Monday (das Schlagzeug macht ZACK!)
  14. Buggles – Video killed the radiostar (dachte man einst)
  15. Justice – We are your friends (das Lied der Nullerjahre)
  16. Pixies – Where is my mind (das Heinz-Lied)
  17. Wombats – Lets dance to Joy Division (genau)
  18. Cure – Boys don’t cry (weils gelogen ist)
  19. Guns’n’Roses – Paradise City (politisch komisch, aber geil)
  20. Ugly kid joe – Everything about you (Jeanslöcher!)
  21. Iggy Pop – Lust for life (weil dazu all tanzen)
  22. Culture Club – You spin me right (Der Remix machts!)
  23. Beat Dis – Bomb the Bass (Sample-Gewitter vorm Herrn)
  24. Visage – Fade to grey (da möcht man schwarze Hemden)
  25. DAF – Tanz den Mussolini (das wird ein Fest!)
  26. Roxette – How do you du (Hallo, Jugendsünde)
  27. The Who – My Generation (Drogen machen Sprachfehler)
  28. Joy Division – Transmission (DANCE!)
  29. The Smiths – Panic (ach ja)
  30. Grizzle Bear – Two weeks (weils so schöööön ist)
  31. Daft Punk – Around the World (muss man machen)
  32. The Doors – L.A. Woman (einer der besten Doors-Songs)
  33. Einstürzende Neubauten – Stella Maris (so schön)
  34. Fettes Brot – Nordisch by Nature (Version mit Jan Delay)
  35. Soft Cell – Tainted Love (Rock’n’Roll mit Synthies)
  36. Ultravox – Dancing with tears in my eyes (siehe oben)
  37. Iggy Pop – Im a passenger (da tanzt man automatisch)
  38. New Order – Tempation (so schön)
  39. Vampire Weekind – A-Punk (so klingt Swing heute)
  40. Beck – Loser (weil alle mitsingen werden)
  41. Emiliana Torrini – Jungle Drum ( rakataka)
  42. Fugazi – Waiting Room (es darf getanzt werden)
  43. Talking Heads – Burning down the house (Straftat tanzbar)
  44. Talking Heads – Psycholkiller (für Costa direkt hinterher)
  45. Frittenbude – Die Sterne Seagull RMX (Audiolith hörbar)
  46. Leila K – Open Sesame (Abrakadabra, was die losrockt)
  47. Offspring – Self Esteem (weils rockt)
  48. Offspring – Pretty Fly (aha, aha)
  49. Klaxons – Atlantis to Interzone (schöner Tempowechsel)
  50. Grandmaster Flash – Breakdance (mal schauen)
  51. REM – Losing my religion (so hab ich englisch gerlernt)
  52. Prodigy – No Good (Prodigy hat mir Drum’n’Bass geschenkt)
  53. Prodigy – Voodoo People Pendulum RMX (Prodigy heute)
  54. Radiohead – No suprise (weils so schön ist)
  55. Green Day – Basket Case (so kam Punk nach McPom)
  56. Lady Sovereign – So human (Elektropop)
  57. Iron Maiden – Run to the hills (Yes!, Tempowechsel bei 54 s)
  58. Fettes Brot – Jein 2010 (ach war das schön!)
  59. Army of Lovers – Crucified (Strapse in der Stimme)
  60. Judas Priest – Painkiller (für die Metalfraktion)
  61. The National – Fake Empire (tiefe Stimme, große Melodie)
  62. Einstürzende Neubauten – Was ist ist (fast tanzbare Perle)
  63. Zarah Leander – Davon geht die Welt nicht unter (Yeah!)
  64. Daft Punk – Robot Rock (Weils bebt)
  65. Madonna – Material Girl (Geiler Song, mit Klingel)
  66. Goldfrapp – Ooh lala (das sind Tiefen)
  67. Kate Nash – Foundations (süß)
  68. Aphex Twins – Come to daddy (wenns zu poppermäßi wird)
  69. Toten Hosen – Hier kommt Alex (darf man sicher)
  70. Fischerspooner – Merge (wasn Krach)
  71. Royksopp – The girl and the robot (80er-Song der 0er)
  72. Donna Summer – Hot stuff (Tanzansage!)
  73. Basement Jaxx – Where’s your head at (soll ja knallen)
  74. Hot Chip – I feel better (kann zwar keiner zu tanzen)
  75. Digitalism – Pogo (pack ich rein, weil se sonst fehlen, gell?)
  76. Justice – No Stress (siehe oben)
  77. Camouflage – Great Commandment (hart 80er, aber nett)
  78. Naughty by nature – Hip Hop Hooray (Hip-Hop!)
  79. Annie – Heartbeat  (noch einen für die Popfraktion)
  80. Libertines – Music when the lights go out (sehr spät)
  81. Nina Simone – Feeling good (für Bea am Abend)
  82. Gang of four – I love a man in uniform (trauen!)
  83. Pet Shop Boys – Always on my mind (DAS defintiv auch)
  84. AC/DC – Thunderstruck (naja, eher ein Kompromiss)
  85. T Rex – Get it on (dazu Gin Tonic)
  86. The KLF – America (90er-Tehno)
  87. Alphaville – Big in Japan (Gruß an die Altgewordenen)
  88. Underworld – Born Slippy (Egges erste Single)
  89. Animal Collective – My Girls (vertrackt)
  90. The Specials – Monkey Man (und den Rudy)
  91. The Futureheads – Hounds of love (schnöder Rock’n’Roll)
  92. Public Enemy – Bring the noise RMX (so knallt Rap)
  93. Pulp – Disko 2000 (Schwofmusik)
  94. The Black Kids – Dieser lange Titel halt (Disko!)
  95. Violent Femmes – Blister in the sun (wie im Anderen Kino)
  96. Sandie Show – Puppet on the string (niedlich)
  97. Pink Floyd – The Wall (für Gerd)
  98. Nina Hagen – My Way (das Ende einleiten)
  99. Lou Reed – Take a walk on the wild side (muss)
  100. Hildegard Knef – Für mich solls rote Rosen regnen (ach ja)

20 Lieder, die ich gekauft habe, die dann aber doch aus der Playlist fielen:

  1. Liquido – Narotic (weils beim Hören schon peinlich ist, Hüpf!)
  2. Münchner Freiheit – Ohne Dich (ich suchte nach Trash, fand Müll)
  3. Spandau Ballet – True (Ich will dazu NIE Sex haben, bitte)
  4. Curits Mayfield – Move on up (bei aller Heldenverehrung, dit nervt!)
  5. Technotronic – Pump up the jam (der Witz zündet nicht)
  6. Kings of Leon – Use somebody (für mich Bon Jovi der Nullerjahre)
  7. Donald Fagan – Igy (Gott, bitte!)
  8. Jürgen Paape – We love (verstehe ich nicht)
  9. Mary Hopkins – Those were the days (in der Version nicht spielbar)
  10. Kajagoogoo – Too Shy (Hasch-Hasch mich, Alter!)
  11. Beth Dito & Jarvis Cocker – Temptation (ich mochte das Original)
  12. Animals – House of rising sun (schön, aber passt nirgends)
  13. Band of Horses – Funeral (dauert einfach zu lang)
  14. M.I.A. – Paper planes (zu Pop, zu viel von allem, blubblub)
  15. Robert Wyatt – Sea Song (was hatte mich da geritten?)
  16. Roxy Music – More than this (bitte, auch 80er haben grenzen)
  17. Boy George – Karma Chameleon (siehe oben)
  18. Moderat – A new error (zu eintönig)
  19. Moderat – Seamonkey (siehe oben)
  20. Die Toten Hosen – 1000 Gründe (ist toll, passt aber nie irgendwo rein)

Die Party startet im November. Und natürlich fehlen die Goldi, Superpunk und alle die schönen Bands, die Egge noch auf Platte hat. Nur muss er die noch irgendwie auf den Rechner kriegen. Wird schon. Danke für Kommentare!

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08. Oktober 2010 – Magdeburg – LIZ

Mehr als fünf Jahre ist es schon her, dass Oury Jalloh in einer Dessauer Polizeizelle verbrannt ist. Die Umstände sind bis heute ungeklärt, aber die Faktenlage höchst brisant. Damit sein Tod nicht in Vergessenheit gerät, hatte das Libertäre Zentrum in Magdeburg zu einem Infoabend mit anschließendem Konzert eingeladen. Wir durften dort spielen, gemeinsam mit den coolen Boys von Meier und Erdmann.

Es war das erste Konzert seit anderthalb Monaten, während unserer Spielpause hatte der Herbst die Bäume gefärbt und unsere Lebensmittelpunkte ein paar hundert Kilometer auseinander gerissen. Umso mehr freuten wir uns, dass vor der Bühne noch eine Menge Leute standen, die uns beim Quatschmachen zusehen wollten.

Das Libertäre Zentrum ist seit ein paar Monaten legal, die circa zwanzig Bewohner Besitzer ihres tollen Hauses. Draußen wachten zwei kräftige Jungs, weil der letzte Nazi-Angriff keine zwei Wochen her ist. Im Hof stand schon das Holz bereit, mit dem im Winter die Kessel beheizt werden. Einer erzählte von einem Besuch des SEKs bei ihm auf dem Bauwagenplatz und in der Küche brutzelten leckere Veggie-Burger in der Pfanne. Zwei Skins machten Pogo auf dem Perserteppich und hauten einen um, dem vor ein paar Tagen der Hund weggenommen wurde, und eine junge Dame war extra aus Leipzig gekommen und verbrachte die Nacht auf dem Bahnhof Magdeburg , wenige hundert Meter von der Truppe großer, kurzhaariger Männer, die auf ihren schwarzen Jacken dick „Sicherheit“ stehen haben. Nach dem Konzerten entschwanden wir in die Nacht, hörten laut alte Punk- und Technohits und landeten irgendwann in einer Kneipe, in der es nach vier Uhr noch Pommes gibt und der Besitzer weiß, was er bringen soll, wenn man „Lütje Lage“ bestellt.

03. Oktober 2010 – 20 Jahre Wiedervereinigung

Komisch, so ne Wiedervereinigungsfeier. Die einen demonstrieren, die anderen demonstrieren zumindest patriotische gefühle. Und die Beatpoeten? Die Stellen fest, dass der eine aus dem OSten nun im Westen wohnt, und der aus dem Westen im osten. und beide schauen sich den 3. Oktober an. Gemeinsam. Hui!

Leipzig

Die Sonne hängt warm über den Bäumen. Einige Väter lassen mit ihren Kindern Drachen steigen, andere versuchen, ein paar Tiere aus dem Zoo hinter den Büschen zu erblicken. Die Polizei fährt Streife in Kampfuniform und am Hauptbahnhof steht ein Mann und spielt amerikanischen Blues auf seiner Gitarre. 20 Jahre Wiedervereinigung und die meisten Menschen in Leipzig gehen ihrem eigenen Sonntagsalltag nach. Opa geht mit Enkelin und einem riesigen Teddy spazieren. Ein paar Jugendliche zählen die Kotzepfützen vor der Kleinmesse. Und irgendwie sind die Kastanien auf dem Boden und die bunten Blätter an den Bäumen interessanter als Politik. (Costa)

Hamburg & Bremen

Eigentlich wollte ich am Sonnabend und Sonntag in Bremen demonstrieren. Eben Flagge zeigen gegen Gr0ßstaatereianspruch, Deutschtümmelei, Staatshörigkeit und Nationalismus, der nebenbei die deutsche Abschiebepraxis genauso rechtfertig wie die Kriege, die im Namen der Freiheit gerade geführt werden. „Deutschland muss sterben!“, sangen einst Slime, „damit wir leben können.“ Und ich hätte sicher auch zum Lautisoundtrack mitgesungen, denn vieles was in Deutschlands Namen läuft, hat mit meiner Meinung wenig zu tun. Ich regiere mich gern selbst.

Nun komm ich aus dem Osten (und suche parallel nach einem Text zum Mauerfall) und verbinde mit dem 3. Oktober tatsächlich das Ergebnis einer friedlichen Revolution, auch wenn die gar nicht am 3. Oktober stattfand. Ich verbinde damit den Kampf gegen ein Unrechtssystem und nicht den Untergang der DDR. Ich verbinde mit dem 3. Oktober nicht Deutschland, sondern den Wunsch nach Freiheit. Mir geht es nicht um staatliche Fragen, nicht um den Unterschied und Übergang von DDR zu BRD, mir geht es um das Aufbegehren gegen Unterdrückung und Unrecht! Mir geht es um die Menschenrechte! Und mir geht es um den süßen Duft der Freiheit! Mir bedeutet der Fall dieser verdammten Mauer so verdammt viel. Da können Politiker & Medien noch so versuchen den historischen Akt als Staatsbekenntnis zu vereinnahmen, den 3. Oktober zur Deutschlandhuldigung benutzen.

Das alles hätte ich in Bremen erklären können, die Bullen anschreien, Passanten vollquatschen. Und vielleicht hätte ich auch Krawall schlagen können, wie es mancher Politiker und Polizeichef sicher gern als Rechtfertigung für den massiven Einsatz gesehen hätten. Aber ich wollte nicht mitspielen, wie die Demonstranten vor Ort auch nicht. Die Demo blieb friedlich, die Polizeipräsenz präsentierte den Staat am Feiertag deutlich genug. Mehr brauchte es nicht – schon gar nicht nach den Bildern der Stuttgart-21–Schülerdemo. Ich drehte um und schaute mit die Wiedervereinigungsrevue auf 3 SAT an.

Und? Man kann viel über mediale Ausbeutung von Geschichte schreiben, gegen Jan-Josef Liefers Betroffenheitsmiene lästern, wie über komische Auftritte von Karat und dem beschissenen Scherben-Cover von Ben Becker. Am Ende wurde aber an Schauspieler (Paul 6 Paula, Spur der Steine) erinnert, an Künstler (Dresdner Schauspieler und ihre Proklamation & Leipziger Pfeffermühle) und Mucker wie Klaus Renft; allesamt Menschen, die sich mutig dem Staatsdruck entgegenstellten. Und man wurde wütend und am Ende ziemlich traurig. Und ich schenkte mir nen Sekt ein, auf alle, die sich gegen Unrecht wehren: in Bremen, in Dresden, in Leipzig! (Egge)

Gibt es ein Land auf der Erde,
wo der Traum Wirklichkeit ist?
Ich weiß es wirklich nicht.
Ich weiß nur eins und da bin ich sicher,
dieses Land ist es nicht. Dieses Land ist es nicht.
Dieses Land ist es nicht. Dieses Land ist es nicht.

Hinweis zu den Autoren: Egge ist in Crivitz in Mecklenburg Vorpommern geboren und wuchs in Sukow bei Schwerin, Finsterwalde und in Eggesin auf. 1996 zog er in den Westen. Seine Heimatstadt Eggesin war eine der erste „national befreiten Zonen“, wie die Schweine schreiben. Zwei Vietnamesen wurden dort fast totgeschlagen. Die NDP ist dort eine der stärksten Parteien bis heute. Trotzdem hält Egge Nordost-Mecklenburg immer noch für seine Heimat und grüßt die Genossen in Neubrandenburg, Greifswald, Rostock, Ueckermünde und Pasewalk. Haltet durch*

Costa ist in Hannover geboren, hatte eine richtige Westkindheit mit Nimm-2-Oma und Reihenhaus und erlebte Ostdeutschland zum ersten Mal im Winter 1990. Dem folgten Austausche mit einer Schule Halle, Urlaube in Dresden, Dessau, Leipzig und zahlreiche Festivalbesuche. Seit Oktober 2010 studiert er in Leipzig.

PS: Egges Mauerfalltext folgt hier.