25. August 2012 – Schanzenfest/BootBooHook

Foto: Frank Lüdemann

Kurz vor Hamburg steht alles, nichts bewegt sich auf der A7. In einer halben Stunde sollen wir auf der Bühne stehen. Panik. Ich mache laut Klassik an, und wir schneiden Grimassen für die Insassen der anderen Autos. Es gibt viele Dinge, die kann man bei einer Tour planen: Equipment und Wechselklamotten einpacken, Zahnbürste nicht vergessen. Bahntickets kaufen oder Auto volltanken.  Den Weg raussuchen. Telefonnummern der Veranstalter dabei haben. Das Handy voll aufladen. Eine Regenjacke mitnehmen. Du kannst aber niemals sicher sein, dass nicht doch wieder die halbe Autobahn umgebaut wird. Die Klimaanlage im ICE ausfällt. Ein Vulkan ausbricht und den gesamten Flugverkehr in Europa durcheinander bringt. Dass wir es trotzdem meist pünktlich schaffen, auf die Bühne zu kommen, grenzt dabei an ein Wunder.

Die Bühne steht mitten auf dem Schulterblatt. Zwei Minuten Soundcheck, Wasser und Bier in die Hand. Los geht’s. Zum Schluss nimmt sich ein Punk Egges Schellenkranz, haut damit auf den Boden und brüllt: „Ich zerstöre Deutschland.“ „Nein, du machst nur das Instrument kaputt“, brüllt einer aus seiner Nähe. Vor Schreck lässt er erstmal eine Wasserflasche fallen. Wir sind Schuld am ersten Flaschenwurf beim Schanzenfest 2012.

Foto: Simone Rudloff

Fünf Stunden später stehen wir in einem Zirkuszelt auf dem ehemaligen Expo-Gelände in Hannover. Das BootBooHook-Festival ist nach Jahren mitten in Hannover-Linden auf die Wiese gezogen. Wieder stecken wir in einer Situation, die wir nicht planen können. Der Zeitplan wird um eine Stunde verschoben, wir bekommen weniger Zeit zum Spielen und eine Minute für den Soundcheck. Im ersten Lied stürzt dann mein Synthesizer zweimal ab. Eine kurze Besprechung zwischen den Liedzeilen, und irgendwie muss es weiter gehen. Wir schauen uns viel an an diesem Abend, ich muss auf viele Effekte und schnelle Wechsel verzichten. Am Ende ist das Zelt voll, alle singen Echt-Lieder mit (Sänger Kim Frank war vor Ort, lachte uns aber aus, als wir ihn fragten, ob er mit uns singen wollte) und wir dürfen uns wieder einmal glücklich verbeugen.

Foto: Nancy Heusel

Diese Band, die wir seit fast sechs Jahren machen, ist nicht geplant und auch nicht planbar. Daran werden wir immer wieder erinnert. Und meist ist es auch gut so. Danke für einen wunderbaren Tag.

18. August 2012 – Jena – Haus

Egge und ich arbeiten gerade an einem neuen Lied. Über den richtigen Namen sind wir uns noch nicht einig, der Text ist aber:  „Eure Industrie, bringt uns um.“ Ein Video davon wird auch bald fertig. Wir treffen uns gerade mit vielen Menschen, die wir mögen und fragen, was soll raus, was soll drinbleiben, bei dem, was wir da machen. Darüber entwickeln wir erst eine Skizze, mit der wir dann im Herbst in Aufnahme gehen. Auch dabei unterstützen uns gerade tolle Menschen.

Hier ist eine erste Version, aufgenommen etwa Anfang August 2012:

Nach der Aufnahme dieser Version sind wir nach Jena zu einem Auftritt auf einem Geburtstag gefahren. Es war eine Flapsidee. Wir sprachen bei einem Frühstück auf der Fusion darüber, dass einer der Kerle bald Geburtstag feiern würde. Wir, mit unseren großen Klappen: „Wir spielen für dich!“ Wir hatten nicht daran gedacht, dass die Freunde mitmachen würden. Aber sie taten es, und deshalb stand ich irgendwann in der Fankurve des Fußballvereins Carl-Zeiss-Jena und schaute mir die erste Runde im DFB-Pokal gegen Leverkusen an.

„Für einen Wessi bist du eigentlich ganz korrekt.“ Geil, ein Kompliment. Wenn ich mich so umschaue, sind die Jungs hier in der Südkurve von Carl-Zeiss-Jena nicht so großzügig, was Nettigkeiten austeilen angeht. Und ich als Südkurvenpraktikant sollte da lieber auch ein wenig ruhiger sein. Mrtn hat mich an diesem Samstag mit zum DFB-Pokalspiel gegen Leverkusen genommen. Einmal Fußball schauen in einem der berüchtigsten Oststadien. Zuhause musste ich immer wieder erklären, dass es sicherlich keine Gewalt bei dem Spiel geben würde. Meine Mutter war sehr sensibel, was meine Reisen angeht. Mein Bruder schrieb mir nur zurück, ich solle mich vor einer Truppe Gewaltbereiter in acht nehmen. Sie würden immer dunkle Kleidung tragen und am Wochenende zu allen Spielen der Bundesliga fahren. Manche von ihnen tragen sogar Helme. Mein Bruder ist Arzt. Auch wenn Jena das Spiel verlor, es war ein echt spannender Besuch. Viel Leidenschaft und Liebe, aber auch viel Enttäuschung über den Verein.

Die zweite Version habe ich nach einem tollen Abend bei einem anderen Geburtstag gebastelt. Nachdem ich laut Rammstein hörend mit dem Fahrrad durch die Nacht nach Hause fuhr. Ich fuhr schnell. Als die Polizei in der Nähe war, fuhr ich ordentlich. Ich hatte mein Licht zu Hause vergessen.

Nachtrag vom Egge: Als ich in Jena ankam, wusste ich nicht, ob Costa in einer Ecke liegt und mit Hools gespielt hatte. Oder sie mit ihm. Er lag nirgends. Er trug Muskelshirt und Mate und musste unbedingt in einen See. Wir fanden einen und wunderten uns, dass man in Jena immer direkt auf Handtuchnähe besteht. Komisch. Anschließend versuchten wir eine Premiere: Punkrockkaraoke ohne Karaoke und Punkrock. Wir ließen nach jedem Song den Beat laufen, verteilten die Texte von Punkhymnen von Schleimkeim bis Slime und ließen die Leute einfach auf dem stumpfen Bass singen. Ja, manches war grausam. Anderes wieder wunderschön. Danke für dieses einmalige Erlebnis. e.

14. August 2012 – Es ist ein Video

Hach, wir sind stolz. Es ist fertig. Das neue Video zum Song „Ted“ vom aktuellen Album „Man müsste Klavier spielen können“. Vielen Dank an Jan, Kevin, Julian, Helge, Ayse, Peter, Kerstin und allen, die uns sonst geholfen haben. Es war ein Fest mit Euch auf dem Opernplatz zu feiern. Wir grüßen gen Fête-Team & Exposive & die Bands Frames und Schneewittchen. Nächstes Jahr wird in Berlin gefeiert. Jan, du musst mit!