31. August 2010 – Das Ende des Sommers

Ein Sommer zwischen Wiesenluft und Platzregen, zwischen Bullipannen und Klimakatastrophen in Zugabteilen, zwischen Kulturkosmos, Neuland und Freier Republik. Ein Sommer mit Schall und Rausch. Faetzig. Die Top-Ten der schönsten Momente:

10.: Faetzig Camp in Rothenburg:

Die Fahrt der Begegnungen: Zwischen Baggerseehalten und Literaturtagen in Erfurt waren wir in einem Auto mit viel Rost & Charakter irgendwo im Nirgendwo angekommen. Auf dem Weg fanden wir Kamele, einen Fußball und eine Tourmanagerin, die einfach vor dem Auto schlief. Vor Ort trafen wir die Echse und die Erklärung des Campalarms („Hört ihr dann schon“). Höhepunkt: Gemeinsam mit Ausfallschritten schöner Goa-Tänzer das Camp eröffnen.

09.: Neuland in Bremen

Die Fahrt der Fahrten: Wir fuhren gleich mit zwei Autos an – und verfuhren uns an der gleichen Stelle. Gemeinsam gings dann auf ne schöne Bretterbühne, während die Technoheads schon gefühlte 24 Stunden in den Knochen hatten. Vor uns gabs feinen Diskotrashpop nach uns Diskocrust mit Stromausfall – offensichtlich zu viel Disko. Höhepunkt: nach nem schönen Auftritt fuhr Egge gegen Mitternacht auf die A1 – doch da wurde ne Brücke gesprengt. Die Strecke von Hamburg nach Bremen dauerte 2 ½ Stunden!

08.: Schall & Rausch in Norderstedt

Die Fahrt mit dem Geräusch: Wir fuhren wieder mit dem Bulli. Doch der ließ sich wie gewohnt nicht nur schlecht zum Schalten bringen, diesmal erklang auch ein neues, ohrenbetäubendes Krächzen aus dem Motorraum. Wir hielten, schauten unter den Bulli und stellten fest, das wir keine Ahnung haben – und fuhren weiter. In Norderstedt musizierten wir für nette Punks und bekamen wunderschöne Backstagebänder – einen grünen Faden. Ein schöner Nachmittag voller Goa und Gemütlichkeit. Nur das Krächzen im Bulli ist bis heute geblieben. Höhepunkt: Als wir zu mehr Liebe auf dem Festival aufriefen, fingen zwei Hunde vor der Bühne direkt damit an.

07.: Breminale in Bremen

Die Fahrt der Helden: „Hallo ich bin Dota!“, sagte sie und lächelte. Haben wir früher nicht in alle Myspace-Gästebücher geschrieben, dass wir uns heimlich in die Kleingeldprinzessin verliebt haben? „Kleingeldprinzessin klang zu sehr nach Kindermusik“, sagte am Abend die Kleingeldprinzessin, die nun Dota hieß und irgendwie schon immer so hieß. Wir lächelten nur verliebt – um uns Sekunden später in Rainer von Vielen zu verlieben. Dann tanzten wir, ließen uns auf Händen tragen und fühlten uns wohl. Höhepunkt: Feststellen, dass die alten Punkerbände immer noch tragen. Und immer wieder die guten Menschen vor der Bühne: Jan, Gerald vom Anares-Vertrieb, die Liebsten. Toll!

06.: Zytanien in Immensen-Arpke

Die Fahrt durch den Regen: Und plötzlich stehen 50 Leute neben uns auf der Bühne und tanzen einfach da weiter, weil es vor der Bühne regnet. Und plötzlich feiern noch vier mehr Leute doch vor der Bühne weiter, im Dauerregen, weils Spaß macht. Hammer! Höhepunkt abseits des Trubels: Ein Gast schläft tatsächlich am Stehurinal ein.

05.: Ajuca in Lärz

Die Fahrt in die Ferien: Im Sommer feiern in Lärz 50000 bis 60000 Menschen bei der Fusion. Knapp eineinhalb Monate später tanzen auf demselben Gelände 5000. Wir versuchten uns am Campradio, summten Synapsenkitzlermelodien und lasen die Campzeitung auf gemütlichen Sofas. Höhepunkt abseits der tanzenden Menschen: Im offenen Bulli sitzen, Tee trinken und den Himmel anschauen. Später Witze erzählen & den Massen lauschen: „Wer macht den Beat? Er macht den Beat!“ Gänsehaut.

04.: La Libertad in Gersdorf

Die Fahrt in die Katastrophe: Wir hätten keine Witze über den Regen gemacht, hätten wir gewusst, dass das später ne ziemlich verheerende Flutkatastrophe wird. So freuten wir uns einfach nur über warmen Ingwertee unter nem improvisierten Dach, matschige Böden und rappenden Reggaekünstlern darauf und die Nachricht, dass wir besser im Keller spielen. Höhepunkt: In Metzgerkatakomben den Veranstalter stagediven lassen, während uns ein netter Kerl trommelnd auf nem Benzinkanister begleitet. Hui!

03.: Verzauberter Garten in Hannover

Die Fahrt ins Paradies um die Ecke: Plötzlich macht einer der alten Punkerheroen Noise-Elektro, längst verschollen geglaubte Freunde trinken am selbstgebauten Tresen Gurkenschnaps und tanzen zu Klängen der fünfziger Jahre und irgendwann liegt man betrunken im Kanal. Höhepunkt: Let’s twist again.

02.: Féte de la musique in Hannover

Die Fahrt nach Hause: Wir machen seit November 2006 Musik, haben dabei Konzerte zwischen Stand-Up-Comedian und aggressiven Kunststudenten ertragen, in Müllbergen und zugerauchten Küchenkunstkaschemmen gepennt und mindestens 20000 Kilometer zurückgelegt. Egge kann mittlerweile mit einem 90 Grad zur Seite geknickten Kopf an der Zugscheibe schlafen, Costa erträgt 30 Minuten Singer-Songwriter-Geschrammel ohne ihnen die Gitarrensaiten um den Hals zu wickeln. Wir haben gekämpft und werden mittlerweile bei fast jedem Auftritt dafür belohnt. Und das liegt in erster Linie an Euch. Ihr seid da, singt die Lieder mit, tanzt, umarmt euch und lacht. Auch beim Heimspiel beim hanns am Historischen Museum. Ein Traum. Höhepunkt: „Habt ihr schon gehört, heut Abend gibt’s ne Party!“

01.: Fusion in Lärz

Ein kurzes Drücken am Bühnenrand. Der Gang durch die Zirkuszeltwände, die aufgehende Sonne. Kurz das Gleiche denken. Und JA sagen zum Leben und der gemeinsamen Leidenschaft. Wissen, dass es richtig ist. Fühlen, dass es richtig ist. „Weißt du was ich manchmal denke? Es müsste immer Musik da sein. Bei allem, was du machst. Und wenn es so richtig scheiße ist, dann ist wenigstens noch die Musik da. Und an der Stelle, wo es am allerschönsten ist, müsste die Platte springen – und du hörst immer nur diesen einen Moment.“

DANKE!

Wir sehen uns im Oktober und November und sind für Euch unter beatpoeten(ät)web(dot)de da. Zwischendurch erzählen wir hier, was Costa letzten Sommer getan hat.

28. August 2010 – Immensen – Zytanien

(Zugegeben, hat nicht direkt etwas mit Zytanien zu tun…)

Dort, wo die Blumen wild wachsen und die Felder leicht im Wind wogen. Dort, wo der Wald grün und dicht ist. Dort, wo der Himmel weit ist und es viel Platz gibt. Dort, wo einmal im Jahr ein eigenes kleines Land ist, mit eigenen Regeln und viel Musik. Dort, wo Althippies, junge Raver, Stadtfesthelden und Künstler jeglichen Coleurs zusamenkommen. Dort, wo fahrendes Volk selbstgemachtes Essen und Kleidung verkauft. Dort, wo auch ein sintflutartiger Regenfall und knietiefer Schlamm den Spaß nicht zerstören kann. Dort, wo ebensoviele Menschen auf der Bühne hüpfen und springen und ausrasten, wie davor. Dort, wo aus einer alten Industriebrache vor mehr als zwanzig Jahren ein kleines Paradies gemacht wurde. Dort, wo der Sound warm klingt und die kalten Füsse wieder zum Zucken bringt. Dort, wo die Müdigkeit aus den Knochen weicht, sobald der erste Beat aus den Boxen dröhnt. Dort, wo man nicht mehr von der Bühne gelassen wird. Dort, wo der heiße Kaffee genau in dem richtigen Moment gekommen ist. Dort haben wir unseren Abschluss der Open-Air-Saison gefeiert. Danke Zytanien!

28. August 2010 – Hannover – Jugendmedientage

(Trailer zu den niedersächsischen Jugendmedientagen 2010)

„Irgendwas mit Medien!“ Der Ausruf prägt ja irgendwie schon unsere Generation der Spätzwanziger, die meisten unserer Freunde befinden sich in irgendeinem Dienstleistunsproletarierjob oder haben das eine oder andere Praktikum hinter sich.

Damit sich all die Horden von jungen Schreibern, Bloggern, Nachwuchsredakteuren zwischen dem Wust an Informationen auch ordentliches Handwerkszeug aneignen, gibt es regelmäßig die Jugendmedientage. Neben den bundesweiten gibt es natürlich auch einigen Landesverbänden organisierte Seminartagungen, so zum Beispiel die niedersächischen Jugendmedientage. Und eben dessen Macher haben uns schüchtern aber sehr nett gefragt, ob wir uns nicht vorstellen könnten, bei ihnen auf dem ehemaligen Expo-Gelände einen kleinen Auftritt zu machen, damit zwischen Interview-Training und Satire-Seminar auch die Kultur nicht zu kurz kommt.

Hatten wir natürlich. Costa war früher selbst Mitglied bei der Jungen Presse Niedersachsen und Egge arbeitet ja als freier Journalist – wir hatten also nicht nur Bühnenruhm im Kopf, als wir zusagten, sondern wollten gerne was an jüngere Kollegen weitergeben. Es hat Spaß gemacht, auch wenn die vielen Kameras der Videoseminarteilnehmer schon ein wenig nervös gemacht haben. Aber die mediale Abdeckung jedes Details gehört bei einem Medienwochenende sicherlich dazu. Auch wie sich niemand mehr wundert, wenn man einen Blog betreibt.

18. August 2010 – Lärz – Ajuca

Dort arbeiten, wo andere Ferien machen. Das scheint das Motto der Ajuca zu sein, einer Art antifaschistischen Jugendfreizeit mit Seminaren, Gesprächsrunden und leckerem veganen Essen. Wir durften an einem Tag die Abendgestaltung übernehmen. Wild war’s und unglaublich nett.

Und gerade weils so schön war, noch ein paar Worte mehr. Das Camp gibt es in diesem Jahr schon zum siebten Mal und dient vor allem dem Austausch politischer Aktivisten in Mecklenburg von Rostock über Greifswald bis Neubrandenburg (hallo, AJZ!). In diesem Jahr waren erstmalig auch Gruppen aus Brandenburg und Berlin eingeladen, und es ging vor allem darum zu diskutieren, wie man im Norden mit Nazis fertig werden kann, wie alternative Jugendarbeit sinnvoll gestaltet werden kann & wie man die Welt noch etwas schöner macht. Dazu gab es eine Woche lang Workshops zu Selbstbehauptung, DJ-Technik bis Streetart und inhaltliche Seminare von Anarchismus in Spanien über Tierhaltung bis Gen-Technik. Es gab Gruppen die vor Ort ein Camp-Radio organisieren (um 8 Uhr werden die Teilnehmer mit der Fusion-Hymne vom Synapsenkitzler geweckt), Zeitungen herausgeben (da wird u.a. sehr schön in einem Comic erklärt, was DIY bedeutet) & Leute die schauen, ob nicht doch vielleicht ein paar Nazis das Gelände stürmen.

Wobei wir bei einem Grund für dieses Camp sind. Denn wie bekannt ist McPom und Brandenburg immernoch Lieblingstreffpunkt für rechte Schläger, die sich immer seriöser vor Ort geben. Egge kommt ursprünglich aus Eggesin an der polnischen Grenze und auch dort gehörte & gehört der rasante Kurzhaarschnitt wie der zur Schau getragene Ausländerhass zum Alltag. Für Jugendliche vor Ort sind Nazis keine Einzelfälle, Mediengespinste oder Randphänomene. Die Gefahr ist konkret, hat Namen, Gesicht und ne Menge Wut auf denkende, antifaschistisch tickende Menschen. So ist es kaum bekannt, dass die schöne Oderhaff-Stadt-Ueckermünde mit Ueckermünde-Ost einen Stadtteil hat,  in dem die NPD Hartz-4-Beratung anbietet – und dafür mit mehr als 20 Prozent der Stimmen der Bevölkerung gewählt wird. In einem Landstrich in dem es kaum Ausländer gibt! Rechts ist okay, denn die NPDler sorgen vermeintlich für Ruhe und Hilfe. Umso wichtiger ist es, durch Jugendarbeit vor Ort den Jugendlichen Alternativen zu den rechten „Helfern“ anzubieten. Und umso wichtiger ist jedes einzelne Jugendzentrum, das über Nazistrukturen und Naziideologien aufklärt – und deren Aktivitäten entgegentritt. Und genauso wichtiger ist es da, den Leuten, die sich in der Provinz den Arsch gegen Nazis aufreißen, Mut zu machen, sie zu motivieren, ihnen konkret zu helfen. Manchmal einfach, indem man sie besucht.

Aus diesem Grund fahren wir gern mit der Regionalbahn in die Pampa, weil wir glauben, dass es richtig ist. Und darum fahren wir auch gern zum Ajuca – vor allem wenn die Leute dann auch noch ein so schönes Gelände wie das vom Kulturkosmos in ein beleuchtetes Paradies verwandeln, uns Saitan-Berge schenken und uns wirklich böse Witze erzählen. Wir hatten sehr viel Spaß, haben in der Tubebox Sozpäd-Pogo getanzt, Leute auf Händen tragen lassen und mit Ted’s ’n Grog angestoßen. Irgendwann haben die tanzenden Verrückten die Bühne geentert und eben dort weitergefeiert. Die leisen Töne gingen schnell unter, aber da kaufte man sich eben Egges Buch. Ein schöner Abend.

Und darum: Meldet euch, wir können bestimmt nicht immer, aber geben immer alles. Und warum nicht ne kleine Wismar-Rostock-Greifswald-Runde und pünktlich im Juli wieder ne Badesaison im schönsten Ausfluglokal Neubrandenburgs. Zum Nachreisen ausdrücklich empfohlen. Und bitte: macht weiter, treibt es bunter & wilder. Und wie es gestern immer wieder hieß: „Schön, dass ihr da seid“.

14. August 2010 – Bremen – Neuland

Pippi Langstrumpf hätte ihre wahre Freude gehabt an diesem kunterbunten Haus, das im Westen von Bremen einen Sommer lang Kulturprojekt, Klub, Festivalgelände und Exklave des Zucker-Clubs sein durfte: ein riesiger Garten, buntbemalte Wände, Holzkreaturen und liebevoll angelegte Beete. Dazwischen den einen oder anderen Beitrag zur urbanen Kunst zwischen Hecke, Blume und Baum. Doch bald ist es vorbei mit Neuland: Auf dem Gelände soll eine Schnellstraße den Verkehr ins Zentrum der Hansestadt beschleunigen. Irgendwie ziemlich 80er das Ganze. Nur das heutzutage die Atomstromlobby mit Abschalten droht.

Unser Auftritt war für den frühen Abend auf einer der Außenbühnen geplant, also hatten wir noch genügend Zeit, uns mit Whöner zu versorgen und 11-Jährigen beim Punkrock zuzuhöhren. Auf der Bühne angekommen empfing uns wieder einmal eine sitzende Menge, die zwar Texte mitsang und klatschte, zum Tanzen aber lieber später auf den Technofloor ging. Spaß hat’s aber trotzdem gemacht. Vor allem, weil neben der Technik, der Verpflegung und allem drumrum alles sehr liebevoll gemacht war. An dem Kurzschluss kurz nach unserem Auftritt waren wir aber nicht Schuld.

08. August 2010 – Sankt Pauli – Hafenklang

Was sind das eigentlich für Läden, in denen wir spielen dürfen? Punkkeller, Elektroklubs, Hippiecafés, Bauwagenplätze, illegale Raves in Fabriketagen, Literaturhäuser, Theater, Studentenläden, Do-It-Yourself-Festivals, WG-Küchen, Schrebergärten, Fensterrahmen, ehemalige Flugzeughangars, Stadtteilzentren, alte Kinos, Zirkuszelte, Stadtfeste, Wohnzimmer, Wäldchen, VW-Bullis, Turnhallen, Ausflugslokale, Seminarräume, Metzgerkeller, Bibliotheken, besetzte Häuser, auf der Straße – immer dort, wo es eine Anlage und zwei Mikrofone gibt.

Entweder sind wir nicht wählerisch genug oder wir haben ein klares Problem, uns irgendwo zugehörig zu fühlen. Denn schließlich passt zu jeder Art von Musik meist auch eine bestimmte Umgebung. Es passiert ja nicht jeden Tag, dass beispielsweise Klassik im Technoklub läuft. Nur scheint es, dass wir unsere noch nicht gefunden haben oder es gibt einfach keine. Auf jeden Fall ist es immer wieder toll, in einem komplett anderen Umfeld aufzutreten, anstatt das übliche Dreierlei Backstage – Bühne – Bar zu haben. Und wenn wir es nicht genießen würden, ins kalte Wasser zu springen, hätten wir wohl schon längst aufgehört.

Überraschungen gehören eben dazu. Für uns, wie für die Gäste: Im Goldenen Salon des Hafenklangs erlebten wir wieder einmal die typische Reaktion eines Publikums, das gekommen ist, um eine bestimmte Art von Band zu sehen: Die eine Hälfte verließ mit dem ersten Ton, den wir spielten, angewidert den Raum. Die andere hingegen blieb, teils skeptisch, teils interessiert. Würde mir aber auch so gehen, wenn ich zwei Hardcorepunkbands sehen wollen würde und so Elektrohippies deutsche Texte sprechsingen.

Auf dem nächtlichen Heimweg nach mehr als 24 Stunden auf den Beinen versuchten wir dann noch Egges Stimme mit Ingwer, Mate und Wasser wiederherzustellen. Am nächsten Tag sollte er vor Kindern moderieren, und da passt eine Stimme wie Lemmy eben auch nicht. Die meisten Dinge haben eben doch ihren Platz.

ps. Wenn jemand ein Boot, eine Gefängnisaula, einen Strandkorb oder irgendeine andere abgefahrene Location kennt, wo wir spielen können, bitte melden!

Teil Drei von Drei – Teil Eins und Teil Zwei.

07. August 2010 – Norderstedt – Schall und Rausch Festival

Hundert Kilometer nördlich von Hannover wurden wir endgültig wieder wach. Bis dahin waren wir bereits sechs Stunden erst mit dem Zug, dann mit dem Auto unterwegs. Waren durch Sachsen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen gefahren und hatten einen regnerischen ersten Tourtag hinter uns. Nun hieß es schnell auftanken, Tee für Egges Stimme holen und dann weiter nach Norderstedt, zum „Schall und Rausch„. Da wir ausnahmsweise mit dem Auto unterwegs waren, hatten wir natürlich mehr Platz, und da im Radio außerdem keine gute Musik lief, kam uns der nette junge Mann sehr gelegen, der fragte, ob wir ihn mit nach Hamburg nehmen wollten. Um eine original „Fear and Loathing in Las Vegas„-Aktion zu machen, waren wir zu müde, also unterhielten wir uns lieber über Musik und das Leben und der junge Mann rückte mit der Info raus, dass er auf einem Bioland-Hof arbeitete, nur um kurz darauf selbstgemachten Ziegenkäse hervorzuholen und uns zu schenken. Lecker!

Nachdem wir den jungen Herren dann in Wilhelmsburg abgesetzt und uns durch den Stau vor dem Elbtunnel gequält hatten, erwartete uns in Norderstedt ein tolles Bild: Mitten in einem Wäldchen, auf einer ehemaligen Cross-Strecke, waren wie über Nacht Zelte, Bühnen und Stände aufgebaut worden. Auf einem Floor wurde der verzerrten Gitarre gehuldigt, während in der Kuhle der Bass des Goa-Floors pulsierte. Jemand hatte sogar einen Styroporpilz in den Wald gestellt.

Nach einer riesen Portion Falafel, mehreren Liter Wasser und einem leckeren Espresso standen wir auf Alternative-Bühne und spielten ein eher punkiges Set. Viele vor der Bühne hat das am Anfang natürlich eher weniger interessiert, lieber ließen sie ihre Hunde Bälle fangen oder gegenseitig kämpfen. Immerhin hat sich so auch ein hündisches Pärchen gefunden, dass sich direkt vor unseren Augen die Felle gegenseitig leckten und auch noch mehr probiert hätten, wenn die Herrchen und Frauchen nicht eingegriffen hätten. Die üblichen Zweifel, die sich einstellen, wenn man auf einer Bühne rumhampelt, während unten eher geschaut als getanzt und mitgegrölt wird, wurden aber schnell wieder beseitigt. Mit dem üblichen Spruch „Normalerweise höre ich ja keinen Elektro, aber bei euch mache ich ne Ausnahme“ ließen wir uns Honig ums Maul schmieren.

Gerne hätten wir gesehen, wie das Wäldchen nach Anbruch der Dunkelheit zum Zauberwald wird, aber wir mussten noch nach St. Pauli, eine Aftershow-Party wollte bespaßt werden…

Teil Zwei von Drei – Teil Eins über La Libertad hier.