21. November 2013 – Bielefeld – AJZ

Der Mensch mag gerne etwas Nahrung. Für den Bauch und für den Kopf und für das Herz. Das wollen wir auch. Und ab und zu ein Dosenbier.

Kartoffellauchsuppe mit Brot. Als Nachtisch Gebäck. Dazu ein Becher Glühwein und ein Glas Leitungswasser. Textsichere Menschen. Gute Musik. Viel Humor und gute Stimmung. Und einen Euro für jedes „Bielefeld? Gibt’s doch gar nicht.“, das wir hören müssen, wenn wir diese tolle Stadt und ihre Menschen besuchen. Danke allen Menschen vom AJZ für eine schöne Lesung. Wir kommen wieder.

5./8. November 2013 – Vom Wort zur Kunst

Gezeichnet von Markus Freise

Poesie 2013. Was kann, was darf, was will die Poesie heute? Ganz viel, anscheinend, wie wir in den vergangenen Tagen miterleben durften: In Bielefeld trafen sich vergangene Woche die besten Poetry-Slammer Deutschlands, der Schweiz und Österreichs. Die deutschsprachigen Meisterschaften sind jedes Jahr wieder so etwas wie eine Klassenfahrt trifft Hyperaktivenkulturcamp. Lauter tolle Leute, viele schöne Geschichten, einiges zu Lachen und natürlich Tanz, Trinken und Tobsucht nach den unterschiedlichen Runden. Ohne die Poetry-Slam-Szene wären wir als Band niemals so weit gekommen, daher war es für uns eine große Ehre, am Dienstag bei der Revue im Theaterlabor das Ganze mit zu eröffnen. Gemeinsam mit Pierre Jarawan, Jule Weber, Fee, dem Briten Dizraeli, dem Dänen Frank Langmaack und unseren Leipziger Freunden André Herrmann und Julius Fischer alias Team Totale Zerstörung. Moderiert von Ingolf Lück zeigte diese Gala, was Text heute kann und darf. Wir waren sprachlos und sehr froh, dabei sein zu dürfen. Ein riesiges Dankeschön an Karsten Strack und Markus Freise für die Einladung und Orga. Wer sehen möchte, was die Dichter alles drauf haben, kann beim WDR alles noch einmal nachschauen.

Foto von Tanja/Ruhrpott-Knipse

Kunst 2013. All die Räume, die Kunst erobert, sich erkämpft, sich einschmeichelt, sich reinzeckt, einfach sagt: „Hallo, ich bin die Kunst, ich bin das bunte Leben, ich lebe jetzt hier“. Einmal im Jahr sagt die Kunst in Marl genau das in einem Einkaufszentrum. Zwischen Bong-Laden, Ein-Euro-Shop und Drogerie finden sich dann zahlreiche Werke von internationalen Künstlern. Das Team des Marler Kunststern kann inzwischen auf eine lange Tradition zurückblicken, sogar der Bürgermeister war da und hielt eine Rede. Wir verneigen uns vor der Leistung, in so einem Rahmen mit so viel Liebe, Humor und Hingabe so eine Veranstaltung zu stemmen. Merci!

November 2013 – Twisted Chords Labeltour Süden

Was ist Punk im Jahr 2013? Konfetti im verschwitzten Gesicht? Bierflaschen mit den Zähnen aufmachen? Lederjacke und Nietenarmband? Aufnäher mit politischen Statements drauf? Ohne Shirt Schlagzeug spielen? Dem Sänger ins Gesicht spucken? Drei Akkorde lernen und eine Band gründen? #Einszweidreivier? Hier die zehn Gründe, woran du erkennst, dass du immer noch Punk bist.

10. Als Punk darfst du alles, sogar Künstler sein

Kunst, irgendwie.
Alte Punkrockklassiker im Stile von Goethe oder Schiller vortragen? Konfetti-Duschen? Klolektüre schreiben? Kunstwerke hinklotzen? Kein Problem, denn als Punk darfst du quasi alles. Du musst vorher nur laut genug pöbeln und ein Dosenbier aufmachen – dann weiß dein Umfeld sofort, dass das alles ganz punkertypisch ironisch gemeint ist. Und nicht ernst im Stile eines Kunststudenten.

09. Du kennst Deutschland wie deine Nietenwestentasche

Fischfilet trifft Krauts trifft Poeten

Eingezwängt in einen alten Bus, wenn du Glück hast ein Mercedes, geht es jedes Wochenende auf die Autobahn. Nur Brummi-Fahrer reißen mehr Kilometer herunter. Deine Mitinsassen stinken (nur zur Information: auf dem Bild finden Sie Mitglieder der Kapelle Feine Sahne Fischfilet, Kaput Krauts und den üblen Beatpoeten), machen stumpfe Witze, stecken sich gegenseitig an. Mit Schnupfen, schlechtem Humor oder der Begeisterung für den kommenden Abend. Doch bis dahin geht es darum, die geheimen Abkürzungen, die geilsten Raststätten, die saubersten Klos oder auch die Insider-Tipps fürs punkige Shoppen zu aktualisieren. Punkbands kennen Deutschland besser als mancher Volksvertreter.

08. Du machst alles selbst

Abfukk auf Tour
Klar, T-Shirts machen, Platten aufnehmen, Tour buchen, Essen kochen – Do It Yourself ist die große Religion (jaja: Kein Gott! Kein Staat! Kein Fleischsalat!), und du machst alles, um alles selbst zu machen. Das hat einerseits den Vorteil, dass es sehr günstig ist. Andererseits gibst du dich dann auch nicht dem Konsumterror großer Corporations hin. Zahnschmerzen? Einfach mit Wodka gurgeln. Kabel gebrochen? Einfach selbst löten. Autoreifen kaputt? Geile Warnwesten anziehen und, richtig: Reifen einfach selbst wechseln. (Dit is ABFUKK, dit raffste nie.)

07. Du kennst keinen Schmerz

Barfuß vor der Mainstage tanzen? Scheiße!
Als Punk bist du robust und gegen jede Form von Leid imprägniert wie eine geile vegane Lederjacke. Da macht es dir auch nichts aus, barfuß auf der Bühne durch Scherben zu laufen, Zahnschmerzen zu haben, den einen oder anderen Pöbler eigenhändig rauszuschmeißen (oder zu küssen) oder nach einer Stunde Schlaf sofort tonnenweise Equipment zu schleppen.

06. Dich kann nichts mehr schocken

Tolerante Punks
Über Schimmel lachst du, vor Nazis hast du keine Angst, und Polizisten siehst du gar nicht mehr. Denn als Punk hast du schon alles gesehen, gewollt oder nicht. Egal ob Bandkollegen, die aus dem fahrenden Bus kotzen, Autobahnrennen mit offenen Seitentüren, gestreckte Nasensprays oder nackte Stagediver – dich kann nichts mehr schocken. Locker lässt du dich mit Bier anspucken und danach mit Konfetti einseifen. Kein Problem, wenn dir jemand eine Bierflasche in den Nacken oder die Unterhose steckt. Und Betrunkene dekorieren? Darüber hast du deine Bachelor-Arbeit verfasst.

05. Dich können doch viele Dinge schocken

OKF
Jetzt mal ehrlich: Wer scheißt schon komplett auf alles in dieser Welt. Als echter Punk bist du nicht nur Anarchist, Nihilist und Bierathlet, sondern auch Moralist. Krieg, Gewalt, Rassismus, Sexismus, Antisemitismus, Lebensmittelindustrie, Finanzwesen, der „Staat“, jeder findet etwas, dass er richtig scheiße findet. Und wenn es die anderen Punks selbst sind, die dich nerven. Witze wie „Woran erkennt man einen Veganer auf einer Party? Er wird es dir erzählen.“ bringen dich zur Weißglut, und gelebte Ungerechtigkeit sind dein Treibstoff. So schaffst du es, dich auch während des schönsten Konzerts über Dinge wie Sound, Licht, Outfit der Band und Shirts aufzuregen. Fuck Yeah! (Peter Lustig sagt: „Jedes Dagegen ist auch ein Dafür.“)

04. Du lebst Minimal

Down-to-earth-Sleeping

Du brauchst nicht viel zum Leben: Ein bißchen was zu essen, ab und zu ein Bier, eine Dusche und einen Schlafplatz. Als Punk bist du es gewohnt, wenig zu haben und wenig zu nutzen. Wer verlangt schon nach weichen, warmen Betten, wenn er mit 20 anderen Punks im Backstage schlafen kann? Und wenn dann doch mal etwas fehlt: Dann baust du es dir selbst (Siehe Do It Yourself).

03. Du braucht nur drei Akkorde, um auf Deutschlandtour zu gehen

Kreativität, yolo.
Noten lesen findest du, richtig, scheiße. Und die Gitarre richtig stimmen – warum? Als Punk brauchst du nur ein paar Töne auf deinem Gerät hinkriegen, und schon geht es auf Tour. Es sei denn, du bist der Bassist. Dann reicht es schon, ein Instrument zu haben und richtig böse zu gucken. Bassisten sind fast so schlimm wie Drummer. Aber nur fast (Ausnahmen: Todeskommando Atomsturm, Kaput Krauts, Abfukk & alle Twisted Chords-Bands, natürlich). Und wenn du noch nicht einmal einen Bass hast, dann kaufst du dir einen Synthesizer. Soll auch bei manchen klappen.

02. Du bist ein Experte, für alles

01. Du hast deinen eigenen Style

Treffen sich zwei Jeansjacken und gründen eine Band.

Du bist ein Individuum. Du hast deine eigene Meinung, deine eigene Sicht auf die Welt und deinen eigenen Style. Dass alle anderen auch vorwiegend schwarz oder Jeans tragen, ist Zufall. Auch Kapuzenpullis siehst du eher selten, wenn du mit anderen Punks unterwegs bist. Das macht es natürlich schwierig, sich auf Partys gegenseitig als Gleichgesinnte zu erkennen. Vor allem, wenn fast niemand Piercings oder Tattoos hat. Gut, dass es ein grenzenüberschreitendes Mittel gibt, sich gegenseitig als Punk zu erkennen. Das hier zu schreiben, hat uns der Verfassungsschutz aber verboten.

(Disclaimer: Dit is Punk, dit raffste nie.)

c.

Zugabe:

Was Egge gelernt hat

– zwei Flaschen Rhabarbarsaft, eine Flasche Korn & 3 Tüten Vanillezucker macht: Watteschädel
– Radio Corax in Halle macht duftes DIY-Programm
– nur rauchen darf man nicht im Studio
– in Leipzigs Bermudadreieck kann man Punkern Turnschuhe abkaufen
– es gibt tatsächlich drei Läden in LE die Bermudadreieck heißen
– ja, es gibt Menschen die verbessern Schreibfehler in WIZO-Texten
– jajaja, WIZO!
– Zivilpolizisten lauchen am lautesten
– der kleine Dicke, der am Bühnenrand wie irre immer SPRING DOCH schreit, wird dich immer, wirklich immer, fallen lassen
– niemand hat ein Smartphone für die Mitfahrgelegenheit nach Dresden
– alle haben ein Smartphone, um die krude Geschichte bei Facebook zu posten
– man kann Holzlatten auf einem Crashbecken spielen
– RMB ist die meist unterschätzte Elektrokapelle der neunziger Jahre
– wir wissen auch nicht, warum diese dann auf einer Achtziger-Party läuft
– wenn man sich bei „Asterix bei den Pikten“ zwei Finger in die Mundwinkel steckt und den Mund auseinanderzieht und versucht den Titel … ach lassen
– der beste Antifa-Witz überhaupt? „Macht die Handys aus, dann erzählen wir..“
– Seitanüberdosis führt zu Magencrust
– Dosenfisch im Tourbus ist ein Verstoß gegen die Menschenwürde
– im Münchner HUIJ gibts vegane Weißwurscht
– im Münchner kafe marat sympathische Eltern im Moshpit
– blöde, prügelnde Punks, die Sieg Heil vorm letzten autonomen Zentrum in München brüllen, sind vielleicht tatsächlich nur blöde und prügelnde Punks
– ein alter Schuh als Deko verkauft doch keine einzige Platten mehr
– die literarische Fachzeitung in München heißt DRECKSBLATT
– Pablo Haller und Hartmuth Malorny veröffentlichen darin
– Soul ist der neue Punkrock
– auf Knieen rutschen ist wieder angesagt
– man findet im 3 Uhr nachts in München keine Taxen
– naja, keine leeren Taxen
– in Tübingens Eppelhaus riecht es nach Mandeln & Weihnachten
– der K. ist ein sehr freundlicher Gastgeber
– Hirsebällchen fallen immer mit der weichen Seite auf den Boden
– John Travolta-Gedächtnis-Tanzschritte sind 2013 nicht mehr peinlich
– Im Basler Hirscheneck lädt man zu lieblichen Hardcore-Klängen die Familie zum Essen & Verweilen ein
– Bomben an Grenzübergängen nerven die im Stau sitzenden Anarchisten
– „Ey die Hunde“ hat mehr Strophen als es Mülheim Asozial für möglich halten
– „Auto“ ist das lyrischste Lied der Kaput Krauts
– aber Lyriker sollten Fußnoten lesen können
– Gruppenkuscheln ist der neue Blutpogo
– Fliegt doch nach Berlin!

Anhören, anfreunden, abfeiern:

Kaput Krauts
Todeskommando Atomsturm
ABFUKK
Amen 81
Twisted Chords
Atari Leipzig
kafe marat München
Epplehaus Tübingen
Basel Hirscheneck