2. Oktober 2015 – Erfurt, Hamburg, Notaufnahme, Bremen

Boys in der Bahn am Bahnhof Fulda.

Krass. Genau einen Monat ist die Reise nach Erfurt und Hamburg her. Es ist die bisher längste Beatpoeten-Reise für mich. Eine Reise in Städte, zu Menschen, zu mir selbst vielleicht. Denn die Konzertausflüge verliefen dann doch wieder etwas anders als geplant.

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Zunächst schauen wir in Erfurt vorbei. Die Gewerkschaft kümmert sich dort längst nicht mehr nur um Lohnforderung und Kündigungsschutz. AfD-Höcke peitscht dort jeden Mittwoch besorgte Bürger und Neonazis durch die Innenstadt und ist damit so erfolgreich, dass er später beim Jauch sitzen darf und eine Deutschlandfahne verkehrt herum auf seine Armlehne drapiert. Hui, dieser Höcke, der sich auf Stauffenberg beruft und zum Widerstand aufruft. Seine Anhänger verstehen ihn direkt. Die Gegendemonstranten werden gezielt angegriffen. Unsere Gastgeber im Filler tragen tatsächlich Schrammen und Beulen. „Ich geh nicht mehr ohne Pfeffer raus“, erklärt uns ein Gast. „Wir brauchen Sportgruppen.“ Deutschland, 2015. Der Selbstschutz von Antifaschisten scheint vor allem in Sachsen und Thüringen absolut notwendig.

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Wir spielen ein Konzert für Refugees. Einmal Stonerrock, einmal Punk begleiten uns. Die Geflüchteten kommen langsam rein, tanzen dann aber auch. Wir schunkeln mit alten Bekannten und Freunden und versuchen, einfach nur Kraft zu geben. Die Wochen später wird Erfurt neben Dresden zur Vorzeigestadt der besorgten Bürger. Die Neue Rechte feiert den Schulterschluss der AfD und Neonazis in der Stadt. Nach dem Modell laufen Demos in Magdeburg, Hamburg und Rostock. Andreas Speit erklärt die Strategie in der taz.

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Wir schlafen in einer herrlichen Pension, erinnern uns an Wagenplatzfeiern und Poetry Slams, Buko und Textfestivals in Erfurt und sitzen wieder in der Bahn. Besuchen das Ihme-Zentrum und freuen uns auf ein Wiedersehen mit Supershirt. Die Audiolith-Band hat uns lange begleitet. Wir spielten in deren Vorprogramm im Kulturzentrum Faust, im Kellerklub Stuttgart und trafen das Duo und Trio in der Glocksee, bei der Fusion auf Leipziger Flohmärkten. Nach zehn Jahren zieht die Band den Stecker. Mehr Ruhe. Guter Ansatz. Wir wollen uns verabschieden, schleichen uns ins Molotow, tanzen mit. Einmal noch.

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8000 Mark. Irgendwas ist immer. Ich springe nach zwei Sekt dann doch einmal von der Bühnenkante. Früher waren die Punker kräftiger. Früher waren Studenten vielleicht auch einfach öfter beim Sport. Nun ja. & das nüchtern. Costa holt ein Taxi. In der Notaufnahme gibt es drei Schmerztabletten. Liegen, kühlen, abwarten.

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Das Abwarten dauert zwei Wochen. Wir müssen die Lesung und das Konzert beim Twisted Chords-Labelfest in Leverkusen absagen, Diskussionsveranstaltungen, Moderationen, Jobs. Stattdessen lieg ich mit einer Beckenprellung im Bett und warte bei jedem Pizzaboten direkt mit dem Telefon an der Tür, weil ich es nicht rechtzeitig vom Bett zur Tür schaffen würde. Ja, Demut ist ein großes Wort. & man kann sie lernen. Ich verspreche Costa, irgendwann Gymnastik zu machen.

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Zwei Wochen später läuft in Bremen eine Poetry Slam-Landesmeisterschaft. Viele Bekannte turnen vor der Bühne rum. Ich hänge eingeknickt wie ein zu cooler Hipster im Raum und versuche zumindest ein wenig zu stehen. Das Lagerhaus ist ein schöner Laden, wir waren schon öfter da. Nur diesmal ist es schwierig. Ich muss tatsächlich kämpfen, verbiete mir Sprünge und Ausfallschritte. So eskaliert wohl Roland Kaiser. Costa beschließt, nie wieder mit mir in so einem Zustand aufzutreten, also verordnen wir uns Ruhe und denken auf LP-Cover rum. Dieses schafft es leider nicht:

Cover

Mittlerweile kann ich wieder laufen. Ich erreiche knapp abfahrene Busse und denke zu laut über Yoga-Kurse nach. Es läuft. Die Ibus hab ich aufbewahrt. Kann man immer gut gebrauchen. Wir spielen noch zwei Konzerte in diesem Jahr. Einmal mit Klavier in Hannover, dann mit Gewalt in Zwickau. Schonen wir uns nun? Ich glaube nicht. Dafür macht der Kram mit euch einfach zu viel Spaß.

Was bleibt?

Ich hab endlich meine Krankenkassenkarte aktualisiert – jetzt mit Bild!
Crime-Serien von Castle bis The Metalist sind gar nicht soo scheiße.
Beckenständer sind besser als Krücken, denn sie sind höhenverstellbar.
Ich brauche dringend einen Hausarzt.
Das Alter ist großartig – man hat jetzt Chirurgen im Freundenkreis (Ihr seid die besten!).
Der neue Asterix ist okay.
Obst, ey. Gut!

Sommer 2015

Kennen Sie diese Pinguine?

In Deutschland brennen wieder Heime. „Besorgte“ Bürger zeigen ihre hasserfüllte Fratzen in die Kameras und brüllen die Stimmen der Vernuft nieder. Während der Klimawandel das Wetter heiß und trocken macht und die Medien die besten Tipps gegen Wespen sammeln, schleichen durch die Städte Gestalten, die mit Schaum im Mund ihre vermeintliche Überlegenheit zelebrieren. Doch es gibt auch die vielen positiven Meldungen und Fotos von Menschen, die Geflüchtete versorgen, aufnehmen, mit ihnen ihr Essen, Wohnung und Zeit teilen.

Und wir stehen irgendwo auf einer Bühne, machen unsere Musik, ein paar Witze, tanzen, lachen. Steigen in München nackt in die Isar, gehen immer wieder in der Ostsee baden, feiern auf dem Platzprojekt in Hannover das bunte Leben im Container, machen Freestyle-Rap auf dem Bauwagenplatz in Erfurt mit unseren Braunschweiger Freunden von Kackschlacht, trotzen dem Sommersturm im Nexus bei der Punk-Lesung und machen Emo-Selfies mit Mülheim Asozial, erklären beim Geburtstag des AJZ Neubrandenburg, wie die Jugend dank Texten von Kollegah oder Haftbefehl besser mit Konflikten bei der Arbeit, in der Uni oder im Plenum umgehen, gehen im Tollensersee baden (immer wieder toll!), machen beim Openflair Teenie-Trinkspiele mit dem Lumpenpack und Rainervonvielen, lernen viele tolle neue schlechte Witze beim Sommerfest des SZ Norderstedt und schaffen es endlich in die schöne Stadt Schwerin zum Sommerfest des Komplex.

Dazwischen turnen wir auf dem Ajuca herum und bringen jungen Menschen Nachhaltigkeit bei, fahren durch Südeuropa, jagen Wellen hinterher und treffen immer wieder die tollsten Menschen. Während in den Medien Europa totgeschrieben wird, erfahren wir Hilfsbereitschaft, Liebe, menschliche Wärme, tolle Ideen und Kultur, die einen morgens aus dem Bett aufstehen lässt. Der Sommer ging viel zu schnell vorbei. Wir sind unendlich dankbar. Immer noch. Mit so einem aufgefüllten Herz kann uns der Herbst nichts!

Juli 2015 – Bremen und München

Cooler Egge ist cool.
Cooler Egge ist cool.

Sonntag, abends – München

Irgendwo in den reichen Vororten von München kamen wir langsam wieder runter. Im Autoradio besang Enrique Iglesias einen Helden, und die Autotüren waren nicht richtig geschlossen. „Inshalla“, sagte ich. „Was willste machen? Kannste nichts machen.“ A. manövrierte uns geschickt zwischen den Porsches, BMWs und Mercedes-Limousinen durch, bis zu einer typisch bayerischen Oase. Auf einem Hügel über der Isar stand dieser Biergarten. Davor noch mehr Luxusautos, komisch getunete Motorräder und eine übergroße Statue von Bavaria mit einem Gesicht von Franz-Josef Strauß. „Das ist so geil München hier“, sagte S. und zeigte auf eine Gruppe gelangweilt aussehender Tweens, alle mit weißen Hemden und kurzen Hosen in Farben, die Lachs, Mauve oder Babyblau genannt werden. Die niederländische Blues-Band coverte große US-Hits, und auf den Tischchen standen Amerika-Flaggen. Hier wurde der Independence Day gefeiert. Auf unsere überschwänglichen „USA“-Rufe zwischen den Liedern stimmte ein rotgesichtiger Voll-Bayer mit Cowboy-Hut ein. Krasses Wochenende.

Dadada da!
Dadada da!

Samstag, morgens – Bremen

Die Hühner in dem Verschlag schauen mich neugierig an. Die Sonne geht gerade auf, und vor dem Zaun streiten sich zwei Betrunkene um einen Döner. Egge liegt irgendwo in einem der Bauwagen und schnarcht. Auf dem ganzen Platz ist eine Stille, die nur von den vorbeifahrendenen Zügen unterbrochen wird. Ich habe die Nacht durchgemacht, es ist viel zu heiß zum Schlafen. Und Egge geht nicht an sein Handy. Auf dem Weg hierher, vorbei am alten Güterbahnhof Bremens konnte ich das reiche Deutschland begutachten. In jeder Ritze, unter jedem Dach lagen die Wohnungslosen in selbst gebauten Hüten, in Zelten oder unter freiem Himmel. Während der Hafen der Hansestadt zu einem der wohlhabendsten Viertel Norddeutschlands umgebaut wird, findet man hier die echte Armut. Und dazwischen den Bauwagenplatz und das Kulturzentrum Spedition, auf dem wir vor vielen Stunden unsere Punk-Rock-Lesung gemacht haben. Ich wecke Egge, und wir gehen zum Bahnhof: Sechs Stunden Zugfahrt bis München liegen vor uns.

Samstag, abends – München

Nach zwanzig Minuten kommt der Strom wieder. Mitten im Set fiel die ganze Anlage auf der Bühne aus. Einfach so. Wir klatschten und sangen weiter, das Publikum half uns. Als dann der Beat wieder reinkommt, wird gekreischt und geklatscht und gejohlt. Wir schwitzen und freuen uns. Das Kafe Marat in München ist unsere Homebase in der bayerischen Hauptstadt. Tolles Essen, tolle Stimmung, tolle Menschen. Der Abend wird gekrönt von dem DJ, der ausschließlich mit 7-Inch-Platten Hits aus den 80er-Jahren auflegt. Alle zeigen ihre geheimsten Moves und Tanzschritte. Wahnsinn. Mit der letzten Kraft schleppen wir uns zur Isar, ziehen uns nackt aus und springen in das kalte Wasser. Als wir auftauchen, steht da eine Blues-Band und zaubert Klassiker auf ihren Instrumenten. Dieses München, verrückt.

Konfetti sorgt für Hausverbot.
Konfetti sorgt für Hausverbot.

Freitag, abends – Bremen

Das Meet the Needles Festival in der Bremer Spedition ist ein Treffpunkt für Tätowierer, Künstler, Punkies und den üblichen Feierexperten, die Lust haben, auf Buntes, Tombola, Dosenwerfen und geile Musik. Wir machen die Einheizer und verschwinden dann zum Soli-Pfeffi. Die Hitze ist stärker als wir, wir kühlen uns in einem Babyplanschbecken. Egge gewinnt bei der Tombola eine pinke Kunstlederjacke und lacht wie ein kleiner Junge.

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Nazi-Dosenwerfen in Bremen.

Überall finden wir diese schönen Momente mit tollen Menschen. Wir haben ein so großes Glück, diesen Weg gehen zu dürfen. Wir verbeugen uns und sagen Danke! Wir hoffen, dass wir euch alle bald wiedersehen. Kuss.

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Hoch hinaus bei den Tätowierten.

 

Nachtrag vom Egge:
Ich steh ja vor allem auf die Musik bei unseren Ausflügen. In Bremen waren da ein DJ-Paar, irgendwo aus der Schweiz. Da kam ich mit meinem Kim Wilde-Halbwissen nicht weit. Superjungs, hab leider den Namen vergessen. Dafür absolut zu empfehlen: 100 Blumen. Kennt ihr ja. Einer der Halunken hat letztes Jahr mal in Düsseldorf im Linken Zentrum Krawall gewordene Musik aufgelegt. Die Ohren bluteten, wir verstanden uns. Nun also mit Band. Wäre die Technik nicht so herrlich besoffen gewesen, wäre mein Kopf vermutlich voller Glück explodiert. Es tut mir leid, dass ich Euch alle anschließend umarmen musste. Für Trashley war ich leider schon zu oft beim antifaschistischen Dosenwerfen. Gute Sache: man klebt die örtlichen Nazifressen auf Dosen und kassiert für jeden Wurf mit ner Art Minisandsack Geld für Projekte. Ich hab irgendwann doch gewonnen – eine Adriano Celentano-Platte, die ich den betrunkenen Technikern schenkte. Guter Abend. Schade, dass der Costa bei den Hühner gepennt hat. Tschuldigung. Kommt nicht wieder vor.

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Baden in München

Die Musikentdeckung in München hieß: Levitations. Die Band aus Berlin kam mit Mülltüte angefahren und präsentierte sich erst herrlich New Wave Punk Dingens-mäßig und zack: plötzlich werden Instrumente getauscht & klassischer Punkrock läuft. Sehr sympathisch. Haben auch direkt ein Loch in die Bühne getreten. Höhepunkt des Abends für mich: endlich ein Lady Gaga-Shirt in der Freebox, dazu Vleischpflanzerl mit Stampf & nächtliche Arschbomben. Letzte Worte zum Abend: holt Euch mehr Tattoos vom Ex-Chemnitzer. Guter Typ. München, was bist du für eine herzliche Gemeinde. Dankeschön.

Juni 2015 – Dresden – Bunte Republik Neustadt

"Künstler" vor Waldlandschaft

Samstag, nachmittags

„Warte, gleich kommt die Überraschung.“ Egge grinst mich kurz an, dann dreht er sich wieder um. Der Regen prasselt liebevoll auf die Blätter über uns, neben uns. Um uns herum ist die grüne Hölle. Die Sächsische Schweiz, das Kirschnitztal. Und wir wandern da durch. Wir hätten heute irgendwo spielen können, aber wir haben am Abend vorher in Dresden bei der Bunten Republik Neustadt gespielt und wollten endlich mal gemeinsam wandern. Und da ist Sachsen ziemlich weit vorne.

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Als wir um die Ecke biegen, liegt vor uns ein Flüsschen, mitten zwischen zwei steilen Abhängen. Der Stein ist mosig, große Bäume hängen daran, die Wurzeln in fantastische Formen verschlängelt. Eine Märchenlandschaft. Und vor einem Bootshaus kauft sich gerade ein Motorrad-Rocker mit Halstattoo eine Bockwurst. „Schöne deutsche Heimat“, deklamiert ein Senior in Funktionskleidung. Zwei Bundeswehrsoldaten prosten sich mit Eiweißshakes zu: „Läuft bei uns.“

Wald.

Wir holen uns zwei Tickets für eine Bootsfahrt, zwei Bier und fragen die Verkäuferin, ob die Hutnadeln schön wären. „Hässlisch“, schmettert sie uns im fröhlichsten Sächsisch entgegen. Wir lachen, prosten uns zu und steigen auf das Boot. Während der Bootsmann in auswendig gelernten, nach einer schweren Depression oder Trinksucht klingenden Sätzen erklärt, welche Tiere wir in den Steinen erkennen können, wieso es diesen Fluss gibt und welche Rolle der Baum in Sachsen hat, grinsen wir uns an. „Eine Runde Mitleid an die Menschen, die jetzt irgendwo im Büro sitzen oder sich mit ihren Beziehungen streiten.“ „Ja, genau.“ Prost.

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Nach der Flussfahrt geht es zurück auf den Wanderweg. Eine Stunde steiler Aufstieg auf den Königsstein. Eine Abkürzung, wie Egge sagt. Die Beine brennen, die Lungen öffnen sich weit für die saubere Luft. Der Sauerstoff geht direkt ins Gehirn. Wir schwitzen, wir lachen, wir machen doofe Sprüche, wir singen alte Lieder. „Aber dennoch hat sich Bolle ganz köstlich amüsiert.“ Lieder, die uns unsere Väter beigebracht haben. Dann stehen wir auf dem Königsstein und vor uns das Waldmeer. Ein Gefühl wie ein Bild von Caspar David Friedrich. „Kanzler-Gefühle kriegt man hier“, sagt Egge und lacht. Es fühlt sich an, als hätte der ganze Weg, den wir bislang zusammen gegangen sind, fast zehn Jahre als Band, als hätte dieser Weg die ganze Zeit schnurstracks genau auf diesen Moment geführt. Bäm.

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Damit kennen sich die Sachsen aus.

Freitag, nachts

Keine fünf Minuten mehr, und wird es eine Schlägerei geben. Die Dresdener Neustadt pulsiert. Bebt, nicht nur vom Bass aus der Box, die seit Stunden Drum’n’Bass in die Gasse pumpt. Fünf Meter weiter ist jetzt House-Abfahrt angesagt. Studies im globalen Feier-Look, Atzen mit mahlenden Kiefern, drei Leute mit Camouflage-Jacken. Und Polizei in Kampfuniform, die bedrohlich schaut. „Gut, dass die Bullen hier sind“, sagt ein Punk neben uns. „Bitte was?“ „Naja, früher haben die eingegriffen, wenn die Nazis kamen. Jetzt schützen die uns vor den normalen Deutschen.“ Die Bunte Republik Neustadt sei ganz anders als noch vor einigen Jahren, erzählt er. Wir hätten mit unserer Bühne Glück gehabt, da wären keine Idioten gewesen, aber rundherum, das sei Mallorca.

Micky Maus ist im Haus.

Freitag, nachmittags

„Hartmut Engler hat bei der Show ‚Sing mein Song‘ geweint, weil er von seinen ‚Emotionen zugeprasselt‘ wurde“, zitiere ich eine Zeitung. Draußen braut sich eines der krassesten Stadtfeste Deutschland zusammen: Die Bunte Republik Neustadt. Wir haben uns vor dem Regen und den Massen an Menschen in eine Kneipe geflüchtet, Kaffee bestellt und spielen – zum ersten Mal in unserer Band-Karriere – Schach. Egge gewinnt, eindeutig. Wir dürfen heute im Areal II bei den Bretterbuden spielen, die Treberhilfe Panama e.V. hat uns eingeladen, es ist ein Soli-Konzert. Freunde aus Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen sind da. Es wird sich herzlichst umarmt. Im Alaunpark spielt eine Grunge-Band.

Dessert.

Samstag, nachts

Fossi von unserer Lieblingspunkband Kaput Krauts aus Berlin-Mitte schreit sich den Leib aus dem Hals. Das besetzte Haus in Jena dreht durch. Geil, Pogo. Wir sind nach Thüringen gefahren, nachdem wir im geilsten Landgasthof Ostsachsens Mittag gegessen haben. Jetzt hängen wir mit den Verrückten aus Jena und den Muckern aus Berlin zusammen. Die Krauts und Das Flug sind zusammen auf Tour, und wir mussten sowieso was im Haus abgeben. Also tanzen wir, flirten wir, singen wir, freuen uns. Genießen.

PS vom Egge: Bastei ist hübsch, aber voller Touristen. Fahrt zur Oberen Schleuse und lauft zur Grenze. & überhaupt: Costa trägt echt Funktionsunterwäsche. Wow.

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Juni 2015 – Braunschweig und Potsdam

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Diese Menschen immer. Die so nett sind, dass wir uns immer wieder freuen, sie irgendwo in der Weltgeschichte zu treffen. Zum Beispiel diese eine Band aus München, mit dem abgefahrenen Namen: Todeskommando Atomsturm. Münchens heißester Punkscheiß, korrekte Kerle und eine korrekte Frau. Auf der Bühne wie wilde Derwische. Und gute Haare haben die auch alle. Und gesundeHaut. Unfair ist das. Im Braunschweiger Nexus durften wir nach langer Zeit mal wieder die Bühne mit unseren Label-KollegInnen teilen. War geil. Im Oktober spielen wir mit denen beim diesjährigen Twisted Chords-Label-Festival in Leverkusen. Sehr sehr geil.

Und dann diese anderen Menschen, die man kennen- und sofort liebenlernt. Mit ebenfalls abgefahrenen Namen für ihre Band: Ich meine, wer kommt denn auf Kackschlacht? Für uns Hannoveraner ist die Sache klar: Die müssen aus Braunschweig sein. Sind sie auch und standen ebenfalls im Nexus mit uns auf der Bühne. Und haben gerockt, alterverfalter. Neue EP, diesdas. Jungs und Mädchen, schaut sie euch an, bevor sie wegen des Ruhms durchdrehen und auf Youtube eine eigene Sendung bekommen. Jetzt wo der Raab weg ist.

Noch ein Satz zum Nexus: ja, das war dieser wunderbare Laden in Braunschweig, der uns schon 2008 eingeladen hatte. Damals hat Egge seine Texte noch abgelesen und wir liefen als Hörspiel. Egge hatte da auch vorher mal mit Steven Gedichte gelesen und traf Leute wie Axel Klingenberg und Daniel Terek, die alte Bumsdorfer Gerüchteküche-Bande halt. Damals wurde noch viel saniert. Heute gibt es Bandwohnungen und ein Dachstuhl mit Sonnenbänken, also Bänke mit echter Sonne. Da ist mächtig was entstanden. Schön! Danke L. fürs Vertrauen!

Ein paar Tage später sitzen wir brav auf einem Sofa in Potsdam und rezitieren vor dem vollen Saal des Kuze mal wieder die gesammelten Werke der Punkerlyrik. Seit zwei Jahren machen wir den immer gleich schlechten Witz, dass diese Texte ja eigentlich der beste Lernstoff für die Schule wären. Und zack, sitzt da eine 11. Klasse im Publikum und freut sich, dass wir ihnen die prüfungsrelevanten Inhalte so zielgruppenorientiert verabreichen. Hat das Studium ja doch was gebracht. Nur mit dem Schnaps, das war dem Lehrer vielleicht doch nicht so geheuer. Dafür war sogar die Presse da, soff und analysierte den Auftritt fachgerecht. Wahnsinn! Was bleibt? Noch ein paar Grüße gen AStA, Uhlandstraße, Spartacus & Freiland. Ihr wisst schon, wer alles gemeint ist. Ganz MV in Brandenburg eben.

PS: Wer den Text von Knochenfabriks „Filmriss“ nicht mehr, ähem, zusammenbekommt, kann ihn in Potsdam aufm Klo nachlesen. Bildung, ey.

Mai 2015 – Wismar, Doksy, Aschaffenburg, Göttingen, Fulda, Hannover

Der lustige Glückshase

„Das Leben sollte keine Reise zum Grab sein, mit dem Ziel, dort sicher und mit einem gut erhaltenenen Körper anzukommen. Es sollte eher ein Schlittern mit voller Breitseite sein. Komplett erschöpft, mit leeren Reserven und laut schreiend: ‚Wow, was für ein Trip!'“ Hunter S. Thompson

„Germany, zero points“ Der Löwe neben mir jubelt. Er hat sich mir als antinational vorgestellt. Nun freut er sich, dass Deutschland beim Eurovision Song Contest keinen einzigen Punkt gewinnt. So wie Österreich. „Höhö, Großdeutschland, zero Points“, höhnt er im Kinozelt. Während ein nervöser Typ immer wieder die Leute bittet, aufzustehen. Er habe hier irgendwo seine Zigaretten verloren. Ganz bestimmt.

Löwe

Draußen zwischen den hohen Tannen und den Datschas wandern die Nachtgestalten zwischen der Campingplatz-Disko und der Bar. Einige haben sich beim Diskoschminken um 20 Uhr richtig geil stylen lassen. Ein Typ trägt eine Bomberjacke mit „Dönerskins Sachsen“ drauf. Irgendwo läuft immer ABBA. Das Pfingstcamp im tschechischen Doksy wirkt auf uns wie eine Mischung aus Fusion, Fähnlein Fieselschweif und AJZ. Alle lächeln, sind gut drauf und beschimpfen sich jovial-freundschaftlich. Wir fühlen uns sofort wohl.

Enter

Doksy ist die zweite Etappe unserer „Booking ohne Geographiekenntnisse“-Tour durch Mitteleuropa. Unsere Reise beginnt in Hannover, führt uns über Wismar, eben Doksy in der tschechischen Provinz, nach Aschaffenburg und schließlich nach Göttingen. Wir fahren mit einem Auto, haben uns mit Marc Uwe Klings Hörspielen und Podcasts bewaffnet, eine riesige Portion Club Mate dabei und eine richtige Landkarte. Und natürlich den lustigen Glückshasen vorne auf der Amatur. Es ist wohl unsere längste Solotour bislang. Und wir haben richtig Bock.

Made in the GDR

Wismar liegt gefühlt direkt an der Ostsee. Egge kennt den Weg auswendig. Fuhr er schließlich mit seinen Eltern früher immer die Strecke zwischen Hannover und seiner alten Heimat in Mecklenburg-Vorpommern. Dabei kann er alle wichtigen Abschnitte in 3/4-Stunden-Schritte klar abmessen. Wir verzichten auf die Autobahn und brausen über die Landstraße durch die grünen Wälder. „Hier wurde ich geboren“, sagt Egge und zeigt auf das Schild nach Crivitz. „Hier habe ich Moped fahren gelernt.“ Die Autoscheibe sammelt Fettflecken von Mücken und Fliegen. „Kann ja mal vorpommern.“ Die ersten Flachwitze werden ausprobiert. Auf NDR1 kommt ABBA.

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Auf der tschechischen Landstrasse verkaufen kleine Händler Erdbeeren und Aprikosen und: Gartenzwerge. „Alles fake, die verkaufen da Crystal Meth.“ Unsere Klischees gehen mit uns durch. An der Straße steht ein riesiger Adler, der Bier bewirbt. „Kennen Sie diesen Pinguin“, brüllen wir beim Vorbeifahren aus dem Fenster.

Irgendwo bei Erlangen ist das wohl größte Trucker-Treffen Deutschlands. Wir zählen Böhse-Onkelz- und Frei.wild-Shirts und freuen uns über die geilen Autos. Jeder zweite trägt einen Cowboy-Hut. Schnell wieder auf die Autobahn. Die Autowelt in Europa sieht überall gleich aus. Grosstankstelle, Sexkino, Imbiss, Pension „Zum Jäger“, Eisdiele „Venezia“. Dann Backstein, Fachwerk, Wiesen mit zotteligen Schafen, Sportvereinsheime, die „Eisenberg“ heißen, pissende Kühe. Immer wieder grüner Wald. Der Frühling explodiert immer stärker, erbricht sich verschwenderisch. Toll.

Die Dörfer auf dem Weg heißen Lieblos oder Linsengericht, Schlitz, Aua oder Witzenhausen.

In der Autobahnrastsätte sitzen alte Frauen mit Dauerwelle und alte Männer in Westen. Die Kinder werden laut gerufen und dürfen nichts. Liebe ist hier ein Schokomuffin von Burger King. Wir verlieben uns in den Massagesessel zwischen den Glücksspielautomaten.

Irgendwo läuft immer Musik. In Wismar sind es Don Kanaille aus Gadebusch und Vodka Revolte aus Stralsund. Es läuft Punk und jeder nimmt sich vor Slimes „Bullenschweine“ nicht zu sehr mitzusingen. Der Stimme wegen. Der Peinlichkeit wegen. Egal. Man singt trotzdem mit. Laut.

Nach zwei Tagen Pause sitzen wir zwischen Studenten und Studierenden. Beim Asta gibts Schnaps. Ein Hochtöner fällt auf den Boden. Egal: Zieht nach Fulda. Da geht der Punk ab. Ehrlich jetzt. Wir waren mal wieder im Café Chaos auf dem Campus und sind begeistert.

Egges Schnipselerinnerung:

– Man kann Pegida-Kommentare vorlesen und dabei sehr viel lachen- die Hochschule Hannover hat eine wirklich schöne Aula & mit dem Café Tümpelblick ne schöne Kneipe
– müssen die Kampagne Ahoi mal besuchen
– in Wismar über den Tag der deutschen Zukunft in Neuruppin informiert – kann man kaputt machen
– Canalterror ist eine Band, die mindestens so wichtig ist wie Toxoplasma
– ick sollte viel öfter ins Tiko in Wismar
– biege im Gebirge nie kurz mal ab, um gleich wieder auf die Hauptstraße zu kommen
– Betrunkene in Workshops, in denen extreme sexuelle Vorlieben diskutiert werden, klingt lustig, geht aber gar nicht
– es gibt echt Zecken, die die Welt in Workshops mit Star Wars erklären
– Oi Verlag! ist echt kaputt – aber „Max Furnier liest Holzvertäfelungskataloge“ ist echt mal ne Ansage
– in Aschaffenburg darf man abends nicht mitm Bierchen auf der Straße feiern
– trotzdem machens alle
– der T-Keller in Göttingen ist eine wunderbare Adresse
– geht mehr zum Poetry Slam Göttingen und knutscht den Christopher
– Madame Puschkiin aus Hannover könnte im Sommer durchrocken
– Schlaf ist eigentlich ganz schön
– Fuldas Hochschultage sind immer Lernfahrten: man kann Maultaschen panieren, Alta!

Mai 2015 – Oldenburg und Braunschweig

Häschen, hüpf!

Tag der Arbeit? Warum nur hat der Feiertag, an dem so mancher viele Stunden auf Bierbänken, an Bratwurstständen oder entspannt in der Natur verbringt, so einen unpassenden Namen? Sollte er nicht eher Tag der Faulheit heißen? Schließlich ging es im Ursprung ja einmal um einen Kampf – einen Kampf für faire Jobs, eine soziale Nachhaltigkeit, um eine bessere Zukunft. „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Arbeitsplätze!“, fasst der größte politische Philosoph unserer Zeit, das Känguru von Marc-Uwe Kling, den aktuellen Stand um den deutschen Arbeitskampf zusammen. Oder: „Arbeit, das ist doch eine bürgerliche Kategorie.“

Party! Platten! Baklava!

Doch was ist dieses Arbeit eigentlich? Für uns, für diesen Fleck Erde, der sich Deutschland nennt, für die Menschen, denen wir auf einer kleinen Reise durch Niedersachsen begegnen. In den Zügen, die wir nehmen, in den Imbissen, an den Kiosken, in den Zeitschriftenläden, in den Hotels, die wir besuchen auf unserer ersten Open-Air-Tour in diesem Jahr. Auf auf!

Mein Zugticket habe ich am Automaten gezogen. In der Lounge der Deutschen Bahn habe ich mir vom Automaten einen Tee machen lassen. Der stumm geschaltete Fernseher in der Lounge zeigt eine Doku über Industrie 4.0 – wenn Roboter unsere Arbeit klauen. Ich schüttele den Kopf und gehe noch einmal an meinem Laptop die Instrumente durch, die ich für unser neues Lied „19“ brauche. Alles digitale Klänge aus dem Laptop. (sic!)

In Oldenburg, direkt am Rathaus haben sie die Bühne für das Rock gegen Rechts Festival aufgebaut. Nach Rock und Hip-Hop dürfen wir zum Schluss den Abriss machen. Es ist ein tolles alternatives Stadtfest für die ganze Familie. Und es zeigt wieder einmal, was für eine tolle, liebenswerte Stadt Oldenburg einfach ist. Nachts holen wir uns noch schnell Pommes und schauen im Hostel schlechtes Kabarett. Rüdiger Hoffmann eröffnet nach gefühlten 50 Jahren seine Sketche immer noch mit „Hallo erstmal.“ Der Finger drückt auf aus.

Herrchen und sein Hund

In Braunschweig stehen wir auf dem Burgplatz vor Tausenden Aktiven, die jedes Jahr zum 1. Mai aufrufen. Bunte Fahnen, gute Laune, kämpferischer Geist. Wir dürfen das musikalische Programm zu den Reden bringen. Alle sind nett, gut drauf und engagiert. Toll. Danach ziehen wir gemeinsam in den Bürgerpark. Unser zweites Open-Air in diesem Jahr. Und es macht super viel Spaß. Danach blicken wir verträumt auf den Teich und freuen uns über das gute Wetter. Ab in den Zug nach Hannover, nach Hause. Und melancholisch auf dem Balkon sitzen oder auf der Faust-Wiese Bekannte herzen. Toll, danke. Es ist Frühling, endlich.

Egge:
Tag der Arbeit. Ich denke an die Chicagoer Anarchisten, die Bomben geworfen haben sollen. Und die Entschuldigung der amerikanischen Regierung Jahrzehnte später. Es gab da mal ein gutes Wagenbach-Buch dazu. Lesen! Genau wie das Buch „Dynamit“ über den amerikanischen Bürgerkrieg. Anarchistischer Zungenschlag, herausgegeben Anfang der Siebziger. Und ich hab neulich laut gelacht, weil das Vorwort von einem Joschka Fischer stammt. Ich schweife ab.

Selfieee

Wir haben früher nie beim 1. Mai irgendwo gespielt. Ich musste moderieren. Das Internationale Faust-Festival. Immer Ska-Punk, immer Sonne & vor allem immer Lied 7 auf der CD mit den Langstrumpf-Liedern: „Faul sein ist wunderschön.“ Vor jedem Act. Pflicht! Holgi macht das Lied an, die Leute pfeifen mit, so ging unser 1. Mai. Ich hab damals viele Mühsam-Gedichte gelesen, Bakunin, Kropotkin, p.m. Es gab Ökoanarchisten, die Krisis-Gruppe, die Direkte Aktion im Abo. Als 2000 in Hannover die Expo auch beim 1. Mai angekündigt wurde, hing deren Symbolfigur namens Twipsy an einem Galgen aus dem Fenster am Hauptauftaktsplatz. Daneben ein Banner: Geht doch arbeiten. Mit der Naturfreundejugend, dem DGB und den Falken hab ich damals eine Broschüre veröffentlicht. Zitate und Gedichte gegen den Arbeitswahn. Von Büchner bis Dario Fo. Die schönsten kamen auf Pappschilder, die wir den Genossen und Kollegen entgegenhielten. Arbeitszeitverkürzung geht auch radikaler. Der Paul und sein Recht auf Faulheit ließ grüßen.

Besetzt?
15 Jahre später stehen wir in Braunschweig und ein älterer Besucher fragt uns während des Soundchecks, ob wir Fahnen haben. Welche? Egal. Wir sagen: ausverkauft. Später kommt das Jugendbündnis und stellt die Systemfrage, und der Oberbürgermeister lächelt still. Wäre schon lustig, wäre der Ex-OB und Ex-NPDler H. zugegen und noch im Amt. Wir kommen auf die Bühne und zitieren die Scherben: Arbeit macht das Leben süß, so süß wie Maschinenöl. Keine Pointe. Später treffen wir den Berger, Roland Krämer, Ralf und etliche andere, die schon immer etwas abseitigere Kultur in Braunschweig gefordert und gefördert haben. Und fühlen uns wohl. Beim bunten Block läuft Elektro, bei uns Jazz. Und irgendwo läuft eine Band aus Köln: Früher Revolution, heute Mülheim Asozial. Ja, ironisch gemeint, mal über sich selbst lachen, genau.

Memememe
In Oldenburg trafen wir Annika Blanke, eine Autorin, von der ich nie weiß, mit wievieltem Ns sie geschrieben wird. Sie muss los, Auftritt für bunte Kultur, Poetry Slam, & ich habe einst mal gezählt, wieviele dieser bunten Abende manche Slammer so abreißen. Nur bunter wird es irgendwie nicht.
Auf der Bühne in Oldenburg rockten Out of Ashes und Groove Garderobe. Ich kam ganz gut rein, die Besucher auch. Ein guter Abend. Tief in der Nacht spielte ein Punk Schleimkeim auf ner Klampfe, ohne Verstärker, Mikro, Bühne. Ich musste ihn drücken, ich fand es irgendwie passend zum 1. Mai. Und hatte Das letzte Lied auf diesem Arbeiterlied-Tapesampler aus dem Anares-Vertrieb im Ohr von Schmetterlinge bis Nina Hagen, Biermann bis Fluchtweg. Mal wieder den Paul lesen dachte ich, wenn ich Zeit dafür finde, mal wieder Mühsam, wenn’s passt, mal wieder Müßiggang, vielleicht am Mittwoch zwischen 14 und 16 Uhr. Der Kampf geht weiter, sagt der Rudi an Holgers Grab. Die Tachonadel jagt die Uhr, sagt Jonny Hill.