21. April 2013 – Brokdorf – Rangeln gegen Atomkraft

Ob er kurz mal seinen Protestsong singen dürfte, fragt er, während wir gerade mittem im ersten Lied stecken. Um den Bauch trägt er eine Binde mit „Atomkraft, nein danke!“. Das Logo ist auch auf seiner Mütze und der Fahne, die er an seinem Körper befestigt hat. Von unserem Platz sehen wir direkt auf das Kernkraftwerk Brokdorf.

Viele hundert Demonstranten haben sich am Sonntag an dem Deich in Schleswig-Holstein getroffen, um das sofortige Abschalten der gefährlichen Technik zu fordern. Und wir sollten ein kurzes Set auf der Kulturmeile zwischen Suppenküche, Kaffeeverkauf und Infoständen machen. Eigentlich. Denn jetzt werden wir von einer Art revolutionärem Chor vereinnahmt. Was ein kleines Intermezzo von Protestsongs werden sollte, wird zu einem spontanem Happening. Protestlieder der 70er- und 80er-Jahre trifft auf Techno-Beat. Ungeplant, spontan, skurril, aber sehr unterhaltsam.

Vorher lagen wir auf dem Deich. Tief genug, um das Monster nicht mehr zu sehen. Doch mit der Gewissheit, hier eine Maschine im Rücken zu haben, die nicht nur Hass und Feindlichkeit gesät hat, sondern auch für die steigende Rate von Leukämie- und Krebsfällen in der Region verantwortlich sein soll. Es war warm genug, um barfuß und im Shirt auf der Landstraße zu spazieren. Alte Bauernhäuser, Leuchttürme, Bauernhöfe mit lauten Tieren, ein Hund der bellt. Idylle. Und doch im Hintergrund das Kernkraftwerk, dass sich wie ein Scheinriese immer bedrohlicher aufbaut, je weitern wir weggingen.

Die älteren Damen, die uns später in ihrem Auto von der Demonstration zurück nach Glücksstadt nahmen, erzählten dann auch Geschichten vom Protest, damals beim Bau. Von zerstörten Lebensmodellen, von enteigneten Bauern, von verletzten Menschen. Wir verließen das süße Städtchen mit dem Gefühl, dass es noch lange nicht vorbei sein darf mit dem Protest gegen die Atomkraft. Danke.

Nachtrag: Als Freunde des gepflegten und kultivierten Schwachsinn sind wir natürlich sofort auf den Rangel-Hype aufgesprungen. Ergebnis: viele blaue Flecke, Schürfwunden und Egge, der elegant über eine Friedhofsmauer geworfen wurde.

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kurze mitteilung

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wir nehmen gesangs- und klavierunterricht und bauen loops, damit wir live mit einem rechner arbeiten können.
wir lassen uns von djs, pianisten und drummern wegen sounds, rhythmen und arrangements beraten.
unsere jutebeutel sind aus biobaumwolle, die fair gehandelt wurde, die farbe ist kompostierbar, den druck hat eine anarchistische druckerei gemacht.
wir arbeiten viel, machen viel sport, essen gesund, trinken wenig, nehmen keine drogen und schlafen gerne mal aus.
wir ziehen anzüge an, lesen punklyrik als sei sie von goethe und trinken dazu wasser.
wir engagieren uns für nachhaltigkeit, fairness, gleichberechtigung, eine bessere welt.
wir nehmen ein neues album auf.

30. März 2013 – Hamburg – Rote Flora

Menschen mit Ideen

Es gibt da dieses Video von dem vermeintlich härtesten Fan von St. Pauli, der auf dem Schulterblatt erklärt, warum der Fußballverein das Derbste überhaupt ist. Wir ziehen gerne unsere Freunde in Hamburg damit auf. Und besonders gut funktioniert das natürlich, wenn man genau gegenüber vom Filmspot spielen darf: In der immer noch besetzten Roten Flora.

Einmal durften wir bereits dort spielen, gemeinsam mit Feridun Zaimoglu und Jan Brandt im Rahmen der Lesetage ohne Atomstrom 2012. Dieses Mal waren wir eingeladen, den Übergang von Konzert zu Elektro- und Drum’n’Bass-Party zu machen. Manch einer der auf böse geschminkten Vorstadtgören fand das gar nicht lustig. Die meisten schon. Egge hat dagegen seine Hand wieder mal an seinem Crashbecken kaputt gehauen, sein Tambourin verloren und die Stimme angeknackst. Voller Einsatz. Und das für einen guten Zweck, denn die Reihe „Bad Kids presents Playgrund Revolt!“ engagiert sich für Menschen, die bei Demos aktiv waren und nun Geld für Prozesskosten zahlen müssen. Und heute reicht ja mitunter ein kerniges „Kommt nach vorne“ um verurteilt zu werden.

Vielen Dank an alle aus dem Orga-Team, der Flora und natürlich auch an unsere Kollegen auf der Bühne, unter anderem die tolle Band Platzhalter aus Berlin. Anhören!

PS: Aufm Handy kann man an dieser Stelle tolle Werbung für ein Kontaktanzeigenportal sehen. Wir versuchen das abzustellen. Wenn das nicht klappt, laden wir dort zumindest schmutzige Fotos von Nazis hoch.