06. April 2011 – Nordstadt – Baukasten

Anfang der 1980er Jahre ging in Hannovers Nordstadt so richtig der Punk ab. Während sich um die Lutherkirche und dem Sprengelgelände Iros und Polizisten in den Haaren hatten, kämpften ein paar Meter weiter ein paar Menschen um die Idee eines neuen Wohnens. Direkt neben dem Nordstadt-Krankenhaus sollte das leerstehende Schwesternwohnheim umgebaut werden und zahlreichen von ihnen ein neues Heim bieten.

Nach langer Verhandlung war es dann so weit – der Baukasten wurde lebendig. Lange Jahre ging es – mal legal, mal nur geduldet – gut. Jetzt haben sich die Bewohner mit der Stadt und dem Krankenhaus auf den Kauf des Hauses geeinigt. Ein kleines, schönes Stück Stadtgeschichte ist also gerettet worden.

Am Mittwoch durften wir im dort in der Konzertreihe „Kiosk Royal“ spielen. Es war ein schöner Abend. Vielen Dank!

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2. bis 4. Juli 2010 – Bremen, Braunschweig, Wilhelmsburg

Ein Wochenende voller Zugfahrten, Schweissattacken und Fußballspiele liegt hinter uns. Wir waren auf der unglaublich tollen Breminale, einem Umsonst-und-draußen-Festival der besten Sorte, in Braunschweig beim alternativen Public-Viewing-trifft-Fußballelektrolyrik im Lot Theater und in Hamburg-Wilhelmsburg in der Fährstraße 105, einem der schönsten Wohnprojekte der größten bewohnten Flussinsel Europas. Zwischen Zugabteil und Bühnenrand haben wir viele nette Menschen kennengelernt und komische Eindrücke von diesem, unseren WM-verrückten Land gewonnen – das hier alles aufzuschreiben wäre unmöglich. Also versuchen wir es mit einer kleinen Liste:

Was wir mögen

Mit Dota & den Stadpiraten und Rainer von Vielen auftreten (unglaublich liebe Menschen und tolle Musiker, wir verbeugen uns an dieser Stelle). In Zirkuszelten auftreten. Leckeres Tofu-Curry. All die Arbeiter, die den Kulturbetrieb am Laufen halten und sich den Arsch abarbeiten und selten ein Dankeschön hören. Wenn Züge pünktlich fahren. Die neue Platte von Von Spar. Tolle Menschen nachts am Bahnhof treffen. Nette Taximitfahrerinnen. Alte Bekannte vor der Bühne wiedertreffen. Kaltes Bier an heißen Tagen. Menschen, die verlorene Sonnenbrillen wiederfinden. Zuverlässigkeit. Die stillen Momente, wenn man nachts Bahn fährt und die Welt an einem vorbeirauscht. Heißer Tee. Den lustigen Eisverkäufer auf der Stecke nach Bremen. Club Mate (Costa nicht). Eiskaffee. Romane und Serien von Richard Price. Die neue Futurama-Staffel. Die Handyboxen laut aufdrehen und Liederraten spielen. Comedian Harmonists.

Was wir nicht mögen

Besoffene Typen, die sich von halb so kleinen Schaffnerinnen aus dem Zug schmeissen lassen und dann draußen auf dicke Hose machen. Feedbacks beim Kellerauftritt. Übertriebener Lokalpatriotismus (vor allem bei Zugezogenen). Wenn Züge Verspätung haben. Unfreundliche alte Säcke, die im Zug Bier trinken und andere Menschen anpöbeln. Einen lieben Menschen an den Fluss des Lebens verlieren. Abschiednehmen. Unzuverlässige Konzertveranstalter. Arrogante Abipartyfeierer, die Frühschichtarbeiter beleidigen. Wenn Taxen nicht kommen. Handyakkus, die immer alle gehen. Nicht genau wissen, wo man ist.

Worauf wir uns noch freuen in diesem Sommer

Badengehen, ganz viel. Urlaub in Osteuropa. Vanilleeis. The National in Hamburg mit den liebsten Menschen. Zytanien. All die vielen Menschen, die wir noch kennenlernen werden. Konzerte. Verrückte Momente. Umzüge. Mehr Kontraste. Auf der Wiese liegen und Wolken beobachten. Veränderung. Partys in Freibädern. Alte Hits auflegen in Kellerklubs. Auf euch!