2014 – neues Jahr, neue Lieder

noelle
Carlos hängt im Nebel und bastelt am neuen Jahr. Danke an Herrn Noelle fürs Foto.

Zum Jahresende waren wir nochmal fleißig. Beim Uli haben wir zwei Lieder aufgenommen, die es so noch nicht gibt. Und weil man bei unveröffentlichten Liedern immer schön spielen kann, haben wir zwei Videos dazu fabriziert. Das eine stammt von Manuel Gehrke und heißt „war starts here“. Herr Costa hat dafür fleißig am Sound gefrickelt und die Stimmung eingefangen, die die gleichnamige Kampagne in den letzten Jahren hat aufkommen lassen. Noch immer ist Deutschland trotz Krisengerede und Verantwortungsgefasel einer der weltweit führenden Kriegsgerätexporteure. Noch immer sterben Menschen dank „Made in Germany“. Dagegen gab es reichlich Demos, Kundgebungen & Aktionen von Fahrraddemos in Kassel zur documenta bis hin zum fiesen Brandanschlag gegen Bundeswehrfahrzeuge. Mensch mag über die passenden Mittel streiten, der Anlass zur Kritik und zum Widerstand sind gegeben. Skeptikern sei dafür (ausgerechnet!) diese naiv wirkende Tabelle der Wikipedia empfohlen. „Eure Industrie bringt uns um“ entstand bei einer Ortsbesichtigung von Krauss-Maffai Wegmann und Rheinmetall.

Das zweite Video entstand aus einer schönen Kooperation heraus mit Jana. Die Sängerin spielte bis eben noch in der Band Goldkint. Sie verhilft den Beatpoeten mitunter zu klarem Gesang und atemreicher Sprechkultur. Nun fand auch sie sich just beim Uli ein, um der Vertonung einer alten Idee beizuwohnen. Es galt wie einst auf Servietten begonnen, Trennungsfloskeln zu sammeln, gegeneinander auszuspielen, aufzusagen, und dennoch der Liebe, die fast jeder Trennung innewohnt, Raum zu geben, sie zuzulassen, obwohl man sie doch eigentlich aussperren wollte, was nie ganz funktioniert. Zur Illustration des merkwürdig menschlichen Verhaltens trafen wir uns in Egges Küche – und nahmen uns Gläser und den alten Zöpfen an, die doch immer wieder nachwachsen. Wir finden es wunderschön.

Ach so. Ist ja, es ist 2014 und damit alles vernetzt und sozial verarbeitet. Wenn ihrs schön findet, schreibts uns doch. Und wenn nicht, auch. Und tragt es hinaus in die Welt. Dafür gibts liebste Wünsche fürs Jahr von uns. Höhö.

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14. August 2012 – Es ist ein Video

Hach, wir sind stolz. Es ist fertig. Das neue Video zum Song „Ted“ vom aktuellen Album „Man müsste Klavier spielen können“. Vielen Dank an Jan, Kevin, Julian, Helge, Ayse, Peter, Kerstin und allen, die uns sonst geholfen haben. Es war ein Fest mit Euch auf dem Opernplatz zu feiern. Wir grüßen gen Fête-Team & Exposive & die Bands Frames und Schneewittchen. Nächstes Jahr wird in Berlin gefeiert. Jan, du musst mit!

Beatpoeten treffen: Rammstein

Jaja, es ist zwei Jahre her, als Rammstein ihr Album „Liebe ist für alle da“ im Berliner Universal-Hauptquartier Journalisten zur Hörprobe anboten. Aber weil das Album nun freigegeben wurde, das neue Video zu „Mein Land“ einfach mal krass ist, & das Gespräch mit Schlagzeuger Christoph Schneider lange nachgewirkt hat: das Interview. Ein Gespräch über Liebe, Pornos und den Kannibalen von Rotenburg.

„Privat sind wir anders“

Herr Schneider, vier Jahre ist das letzte Rammstein-Album her. Da überlegt man sich als Band sicher, wie man sich eindrucksvoll zurückmeldet. Musste es zur Single „Pussy“ unbedingt ein Porno als Videoclip sein?
So etwas kann man nicht planen. Einige Bandmitglieder wollten „Pussy“ nicht mal auf dem Album haben. Aber es wurden Stimmen laut, unter anderem die Plattenfirma, die einen Hit vermuteten, ein renommierter Regisseur wollte einen Porno dazu drehen, und wir haben als Band dann gesagt: Jawoll, wir machen das.

Eine Band, die gern provoziert …
Eine Band, die auch provoziert. Das gehört bei Rammstein dazu.

Es funktioniert ja auch. Zudem ist es auch eine gelungene PR-Aktion.
Es gibt die Welt der Pornografie. Bisher hatte nur noch keine Band Pornos in Zusammenhang mit Videoclips gebracht. Dabei haben die meisten Clips längst softpornografischen Charakter. Wir sind nur noch einen Schritt weitergegangen, und die Single landete auf Platz eins der Charts – auch wenn es musikalisch aus meiner Sicht nicht unser bester Song ist. Aber er kommt gut an.

Wäre es für Rammstein nicht eine besondere Provokation, einmal auf Provokationen zu verzichten?
Möglicherweise. Vielleicht kommen wir irgendwann mal in das Alter, in dem wir uns nur noch auf unsere musikalischen Stärken verlassen. Aber bis dahin wollen wir unseren Fans etwas Besonderes bieten.

Ihr Album trägt den Titel „Liebe ist für alle da“. Was nach versöhnlichem Aufruf für kollektive Herzwärme klingt, wird auf der Platte zur harten Extremistenschau. Es geht um den Kannibalen von Rotenburg und abseitige Sexvorlieben. Keine Lust auf richtige Liebeslieder?
Wir erzählen Geschichten extremer Form von Liebe. Es geht um die Gefühle von Menschen wie Josef Fritzl, wenn er in seinen Keller hinabsteigt. Er empfand ja auch etwas dabei. Genau wie der Menschenfresser, der durch sein Tun ja auf seine Weise erregt wurde.

Was fasziniert Sie so an den düsteren Leidenschaften?
Manchmal die Komik, die die Extreme offenbaren.

Bitte? Komik?
Na ja, es ist doch schon sehr komisch, wenn sich Menschen dazu verabreden, einander zu fressen. Das ist grotesk, auch wenn es im Kern eine sehr ernste Sache ist. Wir erzählen davon, weil es Spaß macht. Es ist ein märchenhaftes Gruseln.

Sie sind Märchenerzähler?
Ja, moderne Brüder Grimm. Früher haben Märchen ja auch eine schaurige Stimmung erzeugt, wenn man mit der richtigen Stimme im Kerzenlicht erzählt hat.

Das klingt harmlos. Aber Till Lindemann besingt Stacheldraht in Harnleitern?
Als ich das zum ersten Mal gehört habe, bin ich auch ziemlich zusammengezuckt. Aber die Band wurde nicht gegründet, um Heimatlieder zu singen. Wir sind Rammstein. Till schreibt und singt auf seine Weise. Er ist wie ein alter Marshall-Verstärker, der nur laut gut klingt.

Ausschnitt aus „Ich tu dir weh“:
„Bei dir hab ich die Wahl der Qual,
Stacheldraht im Harnkanal,
Leg’ dein Fleisch in Salz und Eiter,
Erst stirbst du doch, dann lebst du weiter,
Bisse, Tritte, harte Schläge,
Nagelzangen, stumpfe Säge,
Wünsch’ dir was ich sag’ nicht nein,
Und führ’ dir Nagetiere ein.“

Bleiben wir im Märchenbild. In „Mehr“ geht es um Gier und das Gefühl, nie satt zu werden. Moralische Prosa zur Wirtschaftskrise?
Nein. Wir äußern uns nicht zu aktuellen Themen. Aber die Metapher passt natürlich.

Sie bleiben fast immer eindeutig mehrdeutig in ihren künstlerischen Aussagen.
Ja. Vielleicht liegt das an unserer Ostvergangenheit. Wir konnten die Dinge früher nie konkret ansprechen und blieben textlich daher immer im Unbestimmten.

Aber selbst wenn es verklausuliert um die Krise, Missstände oder das Böse geht, warum zeigen Sie nie Alternativen auf?
Wir sind eben Rammstein.

Was bedeutet denn für Sie selbst
Liebe?
Für mich persönlich ist Liebe die helle Kraft im Leben. Liebe lässt uns hoffen. Sie ist die Macht, die uns anführt.

Aber warum spürt man davon so wenig bei Rammstein?
Man muss das einfach unterscheiden. Viele glauben, die Bandmitglieder sind in jedem Moment ihres Lebens Teil der Band. Aber Rammstein ist für uns nur ein Teil der Persönlichkeit. Niemand würde auf die Idee kommen, einen Schauspieler mit seiner Rolle zu verwechseln. Rammstein macht uns Spaß. Privat sind wir anders.

Weil die Links in Deutschland dank Urheberrechtsverwirrungen lustig wechseln, folgt an dieser Stelle ein ambitionierter Versuch. Das neue Video:

07. September 2010 – Ein Leben in Videos

Am 16. September wird Egge 30 Jahre alt und hat damit Joplin, Hendrix & Cobain überlebt. Die sind zwar nur 27 Jahre alt geworden, aber besser man schafft genügend Abstand, bevor man sich dafür rühmt. Mit dem Alter hat’s Egge schon immer gehabt. Wer die Platte „Unterwegs“ hat, kennt sicher „Gleichgültige Gleichzeitigkeiten“. Der Rest kann im Netz danach suchen. Diesmal hat der Halunke sich was Neues einfallen lassen. Ein ganz persönlicher Rückblick – dank Youtube.

1980: Egge wird in Crivitz in der DDR geboren. Nina Hagen veröffentlich in diesem Jahr eine schöne deutsche „My way“-Version. Ein Omen?

1981: Der Herr wächst ordentlich und sortiert am liebsten Töpfe. Weils kein großes Frühwerk zu bestaunen gibt, schauen wir kurz hinter die Mauer und treffen auf das erste Album einer Band, die der Töpfefreak erst viel später ins Herz schließen sollte.

1982: Auch mit zwei Jahren hat der Egge noch nicht viel geleistet, außer vielleicht laufen und sprechen zu lernen. Die Band Fehlfarben hatte da schon ihr Album „Monarchie & Alltag“ veröffentlicht und die Plattenfirma wollte unbedingt „Es geht voran“ als Single verkaufen. Das fand die Band doof, wurde 1982 aber trotzdem gemacht. Das Lied wurde zur Hausbesetzerhymne. Die Band fand auch das doof. Aber was will man machen.

1983: Der kleine Egge kam in den DDR-Kindergarten in Finsterwalde. Die Zustände da waren okay. Mitunter erinnerte es an ein Album, das gleichzeitig im Westen erschien: „Alle gegen alle“.

1984: Mit vier Jahren hatte Egge schon ne Menge an Musikkultur genossen: Frank Schöbel, Muck und schließlich Lippi. Der bekam 1984 seine erste TV-Show und sang „Erna kommt“. Schön.

1985: Der Kindergartengänger lebt ganz gut im Eggesiner Plattenbau. Da entdeckt er seine erste Lieblingsband: die Puhdys. Die haben nämlich in seiner Garnisionsstadt ihren NVA-Dienst abgeleistet. Da kann man  schon als Fünfjähriger „Rockerrente“ mitgrölen – und hoffen, dass die Renft-Combo so schnell nicht vergessen wird.

1986: Der Osten wird bunter! Denn endlich gibt es einen ernstzunehmenden Radiosender mit DT 64. Der wird Egge bis zum Mauerfall begleiten, weil er moderne Musik spielt und auch mal kritisch über die DDR berichtet. Nach dem Mauerfall wird der Sender ziemlich schnell abgewickelt. Dagegen gehen Zehntausende auf die Straße, aber es nützt nichts. Das Radio Orchid wird abgeschlatet. Danke an Fury, die DT 64 ein Lied widmeten.

1987: Der Herr wird eingeschult, klassisch: Ernst-Thälmann-Schule. Unter KPD-Genossen macht ers nicht mehr. Thälmann ist niemals gefallen heißt es im Thälmann-Lied. Uns ist er ziemlich egal, aber was tut man nicht für ein blaues Halstuch. Aua.

1988: Mal als ideologischen Scheuklappenöffner eingeschoben. Während Egge noch Pionierlieder lernt, tritt in Berlin Rio Reiser auf.  Er singt „Der Traum ist aus“ und Tausende schreien: „Gibt es ein Land auf der Erde, wo der Traum Wirklichkeit ist? Ich weiß es wirklich nicht – Ich weiß nur eins, und da bin ich sicher: Dieses Land ist es nicht!“ Gänsehaut, Gänsehaut, Gänsehaut.

1989: Tatsächlich fällt die Mauer – auch wenn Egge als neunjähriger Knirps davon wenig mitbekommt irgendwo an der polnische Grenze. Was das alles bedeutet, versteht er erst im Westen, irgendwann als Mittzwanziger und plötzlich hat er tatsächlich Tränen in den Augen bei Abschiebskonzerten der Scorpions in Leipzig, wenn sie das schnöde Pfeiflied spielen. Wenn man einmal die Gesichter des Publikums gesehen hat, versteht man, warum dieses verfluchte Lied so wichtig war.

1990:  Nachdem die Mauer gefallen war, sind Egges Eltern immer häufiger nach Westdeut… Nein! Stimmt gar nicht. Man ist nach Polen gefahen, um billig Klamotten zu kaufen. Nebenbei entdeckt Egge die Kassettenkultur und damit Kriss Kross und andere Peinlichkeiten. Eine Platte hat es ihm besonders angetan – und er steht bis heute drauf. The KLF!

1991: Mit elf Jahren ist die musikalische Welt in Ordnung. Deutscher Hip-Hop wurde gerade erst entwickelt und bevor alle in Punk, Techno und Hip-Hop entgleiten, kommt man noch einmal zusammen, um sich auf eine Band zu einigen: Roxette und ihr Album Joyride.

1992: Egge erlebt sein erstes Konzert. Ein U 96 hat sich für einen Gig in Pasewalk angekündigt, um seinen Überhit „Das Boot“ zu präsentieren, den Egge von einer seiner ersten beiden Bravo-Sampler her kennt.  Voll cool.

1993: Ja. Bei einem Sportfest entdeckt Egge die Toten Hosen. „Kauf mich“ ist aber auch ein zu göttlicher Song. Seine erste Freundin hört stattdessen Bon Jovi. Nun ja.

1994: Sturm & Drang sind angesagt. Andreas färbt sich die Haare grün, Martin baut sich nen Iro und es gibt was zu kiffen. Der Soundtrack ist noch nicht deutsch, aber wenigstens konnte man Greenday noch ernstnehmen, mit Fischmob Hip-Hop hören und mit Prodigy sogar elektronische Musik mögen. Egge traut sich nicht richtig, die Haare zu färben, also schneidet er sich Löcher in die Hose – einen Grund mehr dafür bekommt er dafür am 8. April. Kurt hat sich erschossen.

1995: Das erste Mal Berlin. Und während Egge Thunderdome-Gabba und Billig-Techno von Technohead hört und seine Freunde ihm Overkill und EMP-Kataloge näher bringen, läuft der richtige Soundtrack in der Hauptstadt. Leider ist dieser Sound nie in die Provinz vorgedrungen. Dorthin hat es zumindest eine Maxi-Single aus „Trainspotting“ geschafft, die alle Nachbarn in Egges Plattenbau nachdrücklich beeindruckt haben dürfte:

1996: Egge zieht in den Westen und entdeckt über Ärzte, Hosen, Wizo und Slime den Deutschpunk. Hallo, Daily Terror, hallo, Kapitulation Bonn, Skeptiker und Dritte Wahl. Eines seiner Lieblingslieder: „Rote Zora“ von Heiter bis Wolkig von 1992. 1996 erscheint zudem eines seiner Lieblingswerke auf den Nahverehr: „Wochenendticket“ von Terrorgruppe.

1997: Mit 17 fährt man viel nach Berlin, sucht Kursbücher und Kassiber, und Felix versorgt den Knaben mit roten, blauen, grünen und gelben Haaren mit Iron Maiden und Judas Priest. Egge hört weiter Krawallpunk und besucht die Sympathie for the devil-Partys in Hannovers Faust samt Musik der Doors, David Bowie, Stones und The Cure (Achim, du hast meinen Musikgeschmack in diesen Jahren deutlich gerettet). Eines seiner Lieblingslieder:

1998: Volljährig.Egge feiert seinen ersten richtigen Geburtstag mit vielen Freunden aus Hannover in einer Feuerwehr. Aus dem Anderen Kino hat er sich den immerselben Song gewünscht – „Für immer Punk“ von den Goldies. Mancher fortschrittliche denkende Geist hört längst neuen Metal oder prophezeit „Dein Herz schlägt schneller“ – wird aber eher schief angeschaut.

1999: Diesmal feiert er in einem Motorradclub, die Musik fällt ähnlich krude wie in den vergangenen Jahren aus. NDW trifft Metal trifft Slime. Ja, innovativ ist zumindest das Geschenk von Maren: „KOOK“ von Tocotronic. Ein Album, das erst im CD-Schrank verschwindet und den Herren dann jahrelang bewegt, danke! Bis dahin hört der Egge einer anderen Band zu. Hui.

2000: Hurra, Abi! Und Egge hört Anschiss-Alben zur Expo, entdeckt Canalterror und Toxoplasma wieder und kauft The Clash-Platten nach. Ein Jan Delay macht auf Nena, Deichkind auf Hip-Hop. Und von seiner Wohnung in Linden aus träumt er sich einmal um die Welt.

2001: Zurück im realen Leben. So funktioniert also Zivildienst. Aha. Egge arbeitet und beginnt Lesungen zu organisieren und zu geben. Mit Lars sitzt er beim unkommerziellen Lokalradio Flora und das letzte Lied muss da immer von Ton Steine Scherben sein. Als Klassiker wird Fee gespielt, aus der aktuellen Playlist: No Respect aus Göttingen.

2002: Berufsschule und Anzeigen bauen: das Leben als Verlagskaufmann ist schon spannend.  Und musikalisch geht es 2002 mal zu ganz anderen Ufern. Danke, 17 Hippies für „Halbe Treppe“.

2003: In Hamburg herrscht Bambule und Egge zieht sich Songs aus dem Internet. „Tanzverbot“ von Fettes Brot passt da super zum Ende seiner Verlagskaufmannsausbildung und dem Einzug an den Schneiderberg in Hannover. Hallo, Soziologie!

2004: Das Studium macht Spaß. Man trifft sich im Elchkeller, bei Demos, bei Maulwurfversammlungen – und man hört das Album der Libertines rauf und runter.

2005: Egge entdeckt Adam Green, Oma Hans mit „Apachen über Hamburg“ und „Kreisverkehr“ und die Melancholie. „Mittelpunkt der Welt“ ist das vielleicht schönste Album der Welt – damit endet auch Egges aktiver Versuch Soziologie bis zum Ende zu studieren. Er besucht die Uni nur noch zu Protesten und Streikaktionen. Stattdessen wird sein Gedichtband „niemals so ganz“ veröffentlicht.

2006: Man liest vor, tourt, trifft sicht vor allem auf Konzerten, wie in der Glocksee zum Beispiel bei einem der schönsten Goldie-Auftritt. „Lenin“ war das Album des Jahres – entschuldigt die Qualität. Und immer wieder das mediengruppenwirksame „Sprengkörper“ und „Klar“ von Herrn Delay! Da fängt Egge mit Costa doch gleich selbst an, Musik zu machen. Hallo, Betpoeten.

2007: Ein Sommer voller Protest und Festivals. Heiligendamm, Open Flair, Mera Luna, Dockville, Zytanien, Weadbeat. Ein Ritt durch Deutschland. Egge bekommt ein Volontariat bei einer Tageszeitung. Darauf entspannte Musik von Radiohead und The Whitest Boy Alive in Hamburg.

2008: Ruhe finden zwischen Job, Musik, Literatur. The Notwist lieferte den besten Beitrag dazu. Und große Seen in Schweden. Und eine unglaubliche Band aus Island (Danke für diesen Tipp, Herr Costa).

2009: Das Jahr von Selig. Wiedervereint und wunderbar. Kein einfaches Jahr für Egge, aber mit dem Album ging es durch alle Höhen und Tiefen. Umzug nach Hamburg passt da ganz gut.

2010: Egge fühlt sich wohl, fährt immer noch zwischen Konzerten, Zeitungsarbeit und Lesungen hin und her und denkt nicht wirklich daran, damit aufzuhören – auch wenns anstrengt. Und die Musik? Kann da auch etwas von Schlagerchansons haben, Hauptsache es macht Spaß. Danke, Superpunk! Hurra, Egge wird endlich 30!

PS: Was Egge verschweigt: seine 2 Unlimited-Maxi-CDs,die kurze aber nachhaltige Scooter- und Marc O-Phase, seine Tanzperformance als Mikrofonprofessor in der fünften Klasse, sein Playbackvortrag von Johnny Hills „Die Tauchonadel jagd die Uhr“ und Lindenbergs „Hinterm Horizont gehts weiter“ und schließlich alle betrunkenen Heimwege mit JBOs „Heut ist ein guter Tag zu sterben“. Und ja, er hat auch Lokalmatadore und Dimple Minds gesungen. An dieser Stelle gilt es nun Abstand zu nehmen vor so einem Menschen. Es hat mich gefreut. Und so kann ich am 16.9. nun allein mit mir anstoßen. Darauf ein Whigfield-Video.

28. August 2010 – Hannover – Jugendmedientage

(Trailer zu den niedersächsischen Jugendmedientagen 2010)

„Irgendwas mit Medien!“ Der Ausruf prägt ja irgendwie schon unsere Generation der Spätzwanziger, die meisten unserer Freunde befinden sich in irgendeinem Dienstleistunsproletarierjob oder haben das eine oder andere Praktikum hinter sich.

Damit sich all die Horden von jungen Schreibern, Bloggern, Nachwuchsredakteuren zwischen dem Wust an Informationen auch ordentliches Handwerkszeug aneignen, gibt es regelmäßig die Jugendmedientage. Neben den bundesweiten gibt es natürlich auch einigen Landesverbänden organisierte Seminartagungen, so zum Beispiel die niedersächischen Jugendmedientage. Und eben dessen Macher haben uns schüchtern aber sehr nett gefragt, ob wir uns nicht vorstellen könnten, bei ihnen auf dem ehemaligen Expo-Gelände einen kleinen Auftritt zu machen, damit zwischen Interview-Training und Satire-Seminar auch die Kultur nicht zu kurz kommt.

Hatten wir natürlich. Costa war früher selbst Mitglied bei der Jungen Presse Niedersachsen und Egge arbeitet ja als freier Journalist – wir hatten also nicht nur Bühnenruhm im Kopf, als wir zusagten, sondern wollten gerne was an jüngere Kollegen weitergeben. Es hat Spaß gemacht, auch wenn die vielen Kameras der Videoseminarteilnehmer schon ein wenig nervös gemacht haben. Aber die mediale Abdeckung jedes Details gehört bei einem Medienwochenende sicherlich dazu. Auch wie sich niemand mehr wundert, wenn man einen Blog betreibt.