20. Juli 2013 – Proschim – Lausitzer Klima- und Energiecamp

Willkommen

„Leistet endlich Widerstand“, steht in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, und wir sitzen gar nicht mehr bei dieser rebellischen Überschrift im Schlachtschiff der bürgerlichen Presse. Denn wir haben uns schon längst daran gewöhnt, dass die Grenze zwischen Gut und Böse nicht mehr über so einfache Klischees funktioniert, wie sie noch vor wenigen Jahren möglich waren. „Wir sind nicht die herzlosen Übermenschen, die Sie in der FAZ-Redaktion vermuten“, hat der Leiter des FAS-Feuilletons, Claudius Seidl, einmal bei einem taz-Gespräch gesagt. es war genau zu der Zeit, als eine Freundin die taz verlassen musste und nur wenig Solidarität aus dem Verlag erhielt. Wenn linke Zeitungen schon nicht mehr linke Politik betreiben, dann kann auch die konservative FAZ sich wandeln.

Informieren

Jetzt sitzen wir mitten in Brandenburg in einem Mercedes, und der Fahrer – Typ gut gealterter Landarzt – fährt uns in ein Protestcamp, wie wir es sonst nur aus dem Wendland kennen. Doch die gelben Kreuze an den Strassen sind hier kein Zeichen gegen den Castor und die Atomindustrie generell: Sie sollen symbolisch den Braunkohletagebau aufhalten, der sich mit riesigen Baggern immer tiefer in die Landschaft gräbt. „Die kohle kommt“, erzählt er uns, nachdem er sich selbst als Alter ohne Lobby vorgestellt hat. Jahrelang hat er Politik in der CDU gemacht. Jetzt sei er enttäuscht, weil das Land und Berlin die Menschen hier in der wunderschönen Lausitz alleine lässt. „Unser Dorf produziert mit Erneuerbaren Energien Strom für 40.000 Menschen.“ „Und wie viele leben hier?“ „350.“ Kein Wunder, dass Vattenfall aus Proschim erst eine Grube machen will, die dann irgendwann geflutet zum Naherholungsgebiet wird. Das hat ja auch im Süden von Leipzig geklappt mit dem Cospudener See.

Kämpfen

Unser Unwohlsein fasst dann auch ein Feuerwehrmann zusammen, der sich selbst als eher unpolitisch beschreibt: „Den Boden umgraben, Chemie in die Erde pumpen, alle Rohstoffe ausbeuten – das rächt sich irgendwann.“

Mehr Informationen zum Klimacamp

Die multimediale Dokumentation zum Protest gegen den Braunkohletagebau von graswurzel.tv

Werbeanzeigen

16. Juli 2011 – Ortwig – Fresh Air Festival

In Zeiten, in denen selbst Atomkraftwerke als klimafreundlich und umweltverträglich grüngewaschen werden, lässt sich manch einer einiges einfallen, um Geld mit dem schlechten Gewissen anderer zu verdienen.

Eine der neuesten und umstrittensten Methoden ist das unterirdische Speichern von Co2. Dabei wird beim Verfeuern der fossilen Brennstoffe das Kohlendioxid aus dem Rauchgas ausgeschieden und in unterirdischen, salzwasserführenden Gesteinsschichten gepumpt. Klingt erstmal grün, dass aber trotzdem weiter vor allem Braunkohle dafür abgebaut werden muss und verfeuert wird, ist den wenigsten klar. Auch weiß niemand, ob diese Form der Speicherung überhaupt sicher ist und nicht einfach mal so das Trinkwasser einer gesamten Region vergiftet.

Da wir den Kampf gegen so ein Endlager in der schönen Brandenburger Provinz unterstützen wollen, fuhren wir an einem sonnigen Samstag nach Ortwig nahe der polnischen Grenze. Die Gegend wirkt wie ein zweites Wendland. Unglaublich schöne Landschaft, überall kleine Künstlerkommunen oder Ökobauernhöfe und sehr nette Menschen. Einige davon, die Bürgerinitiative CO2ntra Endlager, veranstaltete dort das Fresh Air Festival. An zwei Tagen spielten Bands und Liedermacher, wurde Kuchen gebacken und Eis gegessen, wurde einfach laut und friedlich gegen die Kommerzialisierung des Untergrunds auf Kosten der Ökologie und Gesundheit protestiert. Wir sind froh, dabei gewesen zu sein!