10. November 2011 – Bremen – Lagerhaus

November in Bremen. Im Viertel um genauer zu sein. Vor sieben Jahren etwa war es fast genauso regnerisch, kalt, ungemütlich. Egge trat damals bei einem Poetry Slam im Lagerhaus auf, das Übliche. Nur riss plötzlich der Moderator eine rote Fahne von der Wand und schrie: Egge bekommt 1000 Punkt extra. Egge gewann seinen ersten Poetry Slam – völlig unverdient. Und diesen Kauz Meister Propper musste man einfach ins Herz schließen.

Meister Propper heißt eigentlich Günther Kahrs und ist heute seit zwei Jahren tot. Er wollte einst Bürgermeister für seinen DADA-Verein werden, war einer der ersten grünen Politiker, veranstaltete schon Slams, als die noch gar nicht so hießen. Er holte Junkies, Punks und Obdachlose ins Lagerhaus und wollte ihre Texte hören, ihre Lieder, Ideen. Ein großartiger Freak mitten im Viertel, das ohne ihn heute nicht mehr dasselbe ist.

Überhaupt ist das Viertel im Wandel. Weinbars, Bioläden, Wollshops für modebewusste Strickstudis und dufte Interieurfilialen für den mit der Zeit gehenden Zahnarzt machen den ehemaligen Kiez zum trendigen Szenestadtteil – samt Aufwertungserscheinungen. Die Designer habens am besten erkannt. Sie werben mit einem Pappschild „Kauf dich glücklich“ für ihre neuen Trendschnitte. An der Sielwallkreuzung lacht Propper von einem Streetartbildchen. Er würde heute vielleicht in der Neustadt wohnen.

Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht würde er mit Leuten wie Jens Hinrich und dem Slam-Bremen-Team weiter an seiner Idee spinnen, dass der Mensch zum Künstler geboren ist – und sich zumindest Kultur auch immer als politische Kraft verstehen lässt. Für solche Leute spielen wir dann auch gern im Vorprogramm eines Slams, im Lagerhaus.

Jens Hinrich lyrikte dann auch charmant zur Begrüßung:

„Beatpoeten kurz erklärt und hier auf die Schnelle:
Zwei Typen sind für alles, gegen alles Kommerzielle.
Zwei Typen
beaten Ihre Dichtung,
beaten Hirnen neue Richtung,
lassen Hirne kurz verweilen
zwischen Stühlen – Frische Zeilen.
Zwei Typen
erklären Städte und Stadtteile, Heidi und Gaddafis Rückzug.
Costa macht den Beat, der den Poeten Egge manches Stück trug.
Zwei Typen,
die ein Beben heftig im Gedärm mit jedem Lied lostreten.
Also macht mal kräftig Lärm für die Beatpoeten.“

Was soll man da sagen. Super! Egge machte nach dem Slam noch ein paar kleine Fotos vom Kiez. Schön wars. Einer fehlte. Aber seine Ideen tragen längst Früchte.

Bis bald.

Einen schönen Blogeintrag (Daaaaaaaanke Thomas!) gibt es hier:

http://blog.breportage.de/?p=760

Tolle, tolle Fotos gibts hier:

http://www.flickr.com/photos/breportage/sets/72157628012603251/with/6349181522/

Infos zum Slam:

http://www.slam-bremen.de/

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21. und 22. Mai – Hannover – 1. niedersächsisch-bremische Slam Poetry Meisterschaft

Der Sieger der 1. niedersächsisch-bremischen Slam Poetry Meisterschaft steht fest. Sven Kamin aus Bremen setze sich am Sonntag in der Staatsoper Hannover gegen Tobias Kunze aus Hannover durch. Am Ende belohnte Sven die ausverkaufte Oper noch mit einem tollen Text über die Freiheit des Tanzens.

Es war ein wildes Wochenende. Rund 2000 Zuschauer verfolgten das ebenfalls ausverkaufte Halbfinale auf dem Faust-Gelände im hannoverschen Stadtteil Linden und das Finale in der Staatsoper – dazu kamen noch mehrere Tausend, die den Slam beim autofreien Sonntag in der hannoverschen Innenstadt verfolgten. Mehr als 20 Poeten aus ganz Niedersachsen und Bremen kämpften fair und gut gelaunt um den Titel.

Morale Unterstützung erhielten die Dichter dabei vom Fanfarenzug Alt-Linden von 1964, die die beiden Abende jeweils mit einem schmetternden Einmarsch einläuteten. Zum Schluss lagen sich auf dem Balkon der Oper alle in den Armen, und die Jungs vom Lieber Klub sorgten mit ihrer tollen elektronischen Musik für den würdigen Soundtrack. Vielen Dank an alle, die das Wochenende möglich gemacht haben.