08. Januar 2011 – Ein Samstag im Januar

Der Regen hat die Eisplocken weggeschmolzen. Anstatt weiß und grau, sieht es nur noch grau und schmutzig aus. Müll von Silvester und Müll von den 364 anderen Tagen liegt herum. Nass und klamm.

Auf dem Markt hat der Schlussverkauf begonnen: Drei Euro für eine Kiste Champignons aus Spanien. Vier Euro für eine Kiste Tomaten aus Holland, ein Suppengrün gibt’s kostenlos dazu. Die alte Marktfrau erklärt, woran man erkennt, ob Kürbisse noch gut sind und warum Dill bei schlechter Laune hilft.

Das Café ist leer, alle stehen draußen unter der Markise und genießen den freien, weiten Himmel. Geschichten über Silvester werden ausgetauscht, so richtig angekommen ist man noch nicht in 2011. Lotto wird gespielt, Kaffee getrunken und auf die Bundesliga gefreut. Ein paar Jugendliche warten zehn Minuten, bis sie sich in den Headshop nebenan trauen.

Ein Euro vierzig kostet der Milchschaum, wenn er als Babycino bestellt wird. Ein paar Flocken Kakao-Pulver obendrauf und das kleine Mädchen fühlt sich wie eine Erwachsene und nennt es Kaffee. Hinter einem kleinen Tor beginnt – Schuhe vorher bitte ausziehen – die Spielecke. Es gibt Waffeln und kleine Kekse in Schaf-Form. Und Pixie-Bücher von Mittelfeld-Fußballer Tim Borowski.

In der Küche der kleinen Bäckerei hat es gebrannt. Das kommt davon, wenn man noch selbst bäckt, sagt eine Alte auf der Straße. Sie hole ihre Brötchen schon längst bei einem der vielen SB-Backshops, die auf der Hauptstraße auf- und zumachen. Beim Brand gab es keine Verletzten. Man sieht auch keine Rauchspuren. Im Treppenhaus riecht es aber nicht mehr nach leckeren Brötchen und Kuchen, sondern nach Rauch – beißend und unangenehm. Niemand weiß, wann der Laden wieder aufmachen kann.

Die Punks haben sich in Schale geschmissen. Im Erdgeschoss der ehemals besetzten Schokoladenfabrik läuft Casino-Nacht, mit Swing vom Plattenteller, Pferderennen und Highball-Cocktails. Nach einer Stunde ist unser Widerstand-Spielgeld alle, auf der Tanzfläche wird zum Dschungelbuch-Soundtrack getanzt und die Schlange am Unisex-Klo mit der vor der Cocktailbar vermischt. Manch einer der Modernen raucht draußen seine Zigarette und wird dafür mit Neunziger-Jahre-Techno aus dem dritten Stock beschallt. Es hat wieder angefangen zu regnen.

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17. bis 19. September 2010 – Hannover – Oikumenische Schnauzbarttage

Ein Mann  ohne Bart ist nicht angezogen. Eine Frau eigentlich auch nicht. Gut, dass es Feiertage wie die Oikumenischen Schnauzbarttage gibt, die immer wieder an die Unterdrückung der OberlippenbartträgerInnen erinnern!

In Hannover wird seit mindestens hundert Jahren an die Notwendigkeit des Respekts für den Bartwuchs erinnert, der soviel mehr ist als schnöde Mode oder Zeichen hippem Pseudobohemiantums. Eine Ehrensache, an diesen Tagen unsere Solidarität auszudrücken und aus Protest ebenfalls Schnauz zu tragen. (Costa protestiert wohl die meiste Zeit des Jahres sowieso). Als Zeichen des Respekts hier ein paar Bilder zu dem wohl wichtigsten niedersächsischen Feiertages nach dem ersten Wochenende im August und dem ersten Samstag im September.

Jemand Tolles hatte sogar extra einen Automaten aufgestellt, wo man sich Bärte zum aufkleben und Bartbürsten ziehen konnte.