20. Januar 2013 – Stuttgart – Kellerklub


Während in Hannover gewählt wird, sitzen wir im Kellergewölbe von Deutschlands bekanntestem Kopfbahnhof und essen Spätzle. Mit Curryketchup. Das sind die einzigen vegetarischen Gerichte, des uns als tollen Schwabenexpress angepriesenem Imbiss. Kiezmutti muss uns also wegen ihrer falschen Versprechen Sekt ausgeben. In der Neuen Staatsgalerie gibt es aber keinen Sekt. Nur den Beweis, dass es wirklich so etwas wie einen Brain-Drain in Schwaben gibt: Wenn alle kreativen, Kunstmenschen aus den Vorstädten von Stuttgart nach Berlin ziehen, bleiben nur noch wenig Menschen vor Ort, die eine Ausstellung und das ganze Drumherum schön machen. Junge Menschen jedenfalls sehen wir fast keine. Dafür eine bemühte Ausstellung zum Thema Galerie. Und der Weißwein schmeckt nach Apfelwein. Naja.

Der Kellerklub ist komplett ausverkauft. Die Stuttgarter haben noch lange nicht genug vom Poetry Slam. Kein Wunder, bei dem was Thomas da auf die Beine stellt. Wir dürfen zweimal zwei Lieder als Feature des Abends machen, werden sehr freundlich empfangen und dürfen tollen Slammern zuhören. Ein nostalgischer Ausflug, und am Ende feiert einer der liebsten Menschen noch seinen 40. Geburtstag. Yeah.

Der ICE soll um 8 Uhr losfahren. Um 9.30 Uhr und nach mehrfacher Gleisänderung kommt er in Stuttgart an. Draußen ist Blitzeis, Schneechaos, Baustelle. Im Zug herrscht Frust. Mehr als die Hälfte will zum Frankfurter Flughafen, hat Zeitstress. Als kurz vor Mannheim die Durchsage kommt, dass der Zug diesen Stopp heute nicht anfährt, stehen die Leute kurz vorm Aufstand. Nach Mannheim ist alles entspannt und leer. Wir holen unser Gratis-Softdrink im Bistro ab und lachen über Politiker. Mit drei Stunden Verspätung kommen wir irgendwann in Hannover an. Es ist kalt. In Niedersachsen wurde die CDU abgewählt, die Grünen haben auf der Wahlparty „Schünemann ist arbeitslos“ gesungen. Wir müssen immer weiter.

Presseschau vier/zwanzigelf

Apokalypse jetzt!
Von einem Japan-Heimkehrer empfohlen und ebenfalls für gut befunden: Reinhard Zöllner in der Welt über die Doppelmoral deutscher Japan-Berichterstattung.

Klimawandel in der Politik
Philipp Gessler in der taz über den Fall der überheblichen Politiker und einem vermeintlichen Neuanfang.

Zivilisatorischer Ernst und Psychopathie
Peter Bürger auf Telepolis über Angst, Zuverlässlichkeit von Technik und die unversehbarkeit der Zukunft.

Wer bist du und wenn ja, wie viele?
Michael Moorstedt schreibt in der Süddeutschen Zeitung über den Semantischen Kapitalismus, den Google, Facebook und Konsorten uns aufzwingen.

Die neue Mikrigkeit
Eine Rezension in der Zeit über Robert Pfallers neues Buch „Wofür es sich zu leben lohnt“.

Nonsens ist ihre Waffe
Christian Helten auf Jetzt.de mit einem Artikel über die Hedonistische Internationale. Gruß an die Genossen!

Der Terror, den wir dulden
Nils Minmar in der FAS über die deutsche Position in Libyen. (Momentan noch hinter Pay-Wall.)

Datenschützers Albtraum
Im Freitag schreibt Stefanie Hardick über die Verleihung des Big-Brother-Awards und warum sich der Preisträger und Architekt der Volkszählung, Gert G. Wagner, nicht über die Ehrung freut.