30. März 2013 – Hamburg – Rote Flora

Menschen mit Ideen

Es gibt da dieses Video von dem vermeintlich härtesten Fan von St. Pauli, der auf dem Schulterblatt erklärt, warum der Fußballverein das Derbste überhaupt ist. Wir ziehen gerne unsere Freunde in Hamburg damit auf. Und besonders gut funktioniert das natürlich, wenn man genau gegenüber vom Filmspot spielen darf: In der immer noch besetzten Roten Flora.

Einmal durften wir bereits dort spielen, gemeinsam mit Feridun Zaimoglu und Jan Brandt im Rahmen der Lesetage ohne Atomstrom 2012. Dieses Mal waren wir eingeladen, den Übergang von Konzert zu Elektro- und Drum’n’Bass-Party zu machen. Manch einer der auf böse geschminkten Vorstadtgören fand das gar nicht lustig. Die meisten schon. Egge hat dagegen seine Hand wieder mal an seinem Crashbecken kaputt gehauen, sein Tambourin verloren und die Stimme angeknackst. Voller Einsatz. Und das für einen guten Zweck, denn die Reihe „Bad Kids presents Playgrund Revolt!“ engagiert sich für Menschen, die bei Demos aktiv waren und nun Geld für Prozesskosten zahlen müssen. Und heute reicht ja mitunter ein kerniges „Kommt nach vorne“ um verurteilt zu werden.

Vielen Dank an alle aus dem Orga-Team, der Flora und natürlich auch an unsere Kollegen auf der Bühne, unter anderem die tolle Band Platzhalter aus Berlin. Anhören!

PS: Aufm Handy kann man an dieser Stelle tolle Werbung für ein Kontaktanzeigenportal sehen. Wir versuchen das abzustellen. Wenn das nicht klappt, laden wir dort zumindest schmutzige Fotos von Nazis hoch.

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13. April 2012 – Hamburg – Fabrik/Rote Flora

„Handy aus, Feind hört mit“ steht auf dem Schild im Backstage der Roten Flora. Feridun Zaimoglu und Jan Brandt lesen heute beim „Lesen ohne Atomstrom„-Festival. Das Fest wurde als Gegenentwurf zu den Vattenfall-Lesetagen von zahlreichen Organisationen, Initiativen und Kämpfern gegen die Atomkraft organisiert. Hochkarätige Autoren lesen kostenlos für die gute Sache. Wir dürfen an zwei Abenden das Vorprogramm machen.

In der Fabrik sind wir laut Welt.de „der Tiefpunkt“ zwischen Reinhold Beckmann und Frank Schätzing. In der Roten Flora ist die Stimmung anders. Bevor Jan Brandt und Feridun Zaimoglu die kleine Halle mit ihrer eindringlichen Lesung verstummen lassen, dürfen wir unser ruhiges Set spielen. Danke.

Später: Am Nebentisch unterhalten sich vier junge Menschen über den Keller eines Nobelsexshops. Gerätschaften werden besprochen, von denen wir noch nicht wussten, dass es sie gibt. Danach ist die Altersvorsoge dran. „Ich verlasse mich gerade voll auf das Bausparen. Irgendwann möchte ich meine eigene Wohnung besitzen.“ „Aha, sehr gute Idee. Wie war das jetzt nochmal mit diesem Cockring?“ Wir bestellen mehr Wodka.

„Vi hät onli Börlin.“ Kurz haben wir ein schlechtes Gewissen, weil wir dem betrunkenen Schotten erklärt haben, dass man in Deutschland jemanden mit „Opfer“ beschimpfen kann. „Victim“ klingt dann irgendwann nicht mehr so lustig.

Vor dem Haus parkt ein Auto mit der Werbung „Friendly Makler“. Im dritten Stock ist er selbst eingezogen und hat sich im kompletten Haus vorgestellt. Mit Handschlag, Visitenkarte und bei der alten Dame auch mit Blumenstrauß. Falls man irgendwann vorhabe, auszuziehen.

Im Autoradio läuft Dschings Khan, Al Bano e Romina Power, Boney M. Der Bully kommt auf 100 kmh. Die Sonne geht auf. Die Mastervinyl ist in der Post. Es geht wieder los.