03. September 2011 – Weltbewusst Sommertreffen

Am 3. September durften wir beim Sommertreffen von Weltbewusst spielen. Da die Teilnehmer selbst besser wissen, was sie an diesem verlängerten Wochenende alles gemacht haben, lassen wir Rebekka hier zu Wort kommen. Das Konzert selbst war sehr laut, sehr punkig (Boxen, Marke Eigenbau) und Barfusspogo. Danke nochmal dafür!

Radioballett in Barsinghausen: Fünfzig Menschen mit Kopfhörern bewegen sich durch die Fußgängerzone von Barsinghausen. In kleinen Assoziationen schauen sie sich Menschen, Fassaden, Werbetafeln und die Angebote der Barsinghausener Einkaufsmeile an. Bis sie plötzlich, mitten im Getümmel verteilt, gleichzeitig stehen bleiben, einfrieren, abrupt laufen, in den Himmel zeigen, auf einem Bein stehen, sich auf den Boden setzten, sich hinlegen oder willkürlich unkoordinierte Bewegungen machen. Passiert so etwas, handelt es sich höchstwahrscheinlich um ein Radioballett.

Radioballett ist eine performative Protestform die in öffentlichen Räumen, stattfindet, mit der Absicht auf die zunehmende Privatisierung und Sanktionierung dieser aufmerksam zu machen. Alle Teilnehmer_innen sind über MP3-Geräte einem „Radiobeitrag“ zugeschaltet, der Handlungsvorschläge, wie plötzliches Einfrieren oder auf einem Fuß stehen, beinhaltet. An diesem Samstag in Barsinghausen sollte durch das Radioballett jedoch noch zusätzlich Konsumkritik geübt werden. Menschen, die von einem Geschäft zum anderen hasten, auf den Boden schauen oder nur die nächste Konsummeile im Auge haben, stutzen, wenn sie merken, dass Personen sich nicht verhalten, wie sie es tun sollten.

Die Fußgängerzone wird aufgeweckt und durch Irritation werden einige sich ihrem Verhalten, dem blinden Umherhetzen des Konsums und der Zeit willen, bewusst. Die fünfzig Jugendlichen, die an diesem Nachmittag durch die Innenstadt Barsinghausens wandelten, waren Aktive des Projektes „WELTbewusst“. „WELTbewusst“ ist ein bundesweites Projekt der BUND-Jugend und des Weltladen-Dachverbandes. Jugendliche informieren Jugendliche durch Stadtrundgänge und Projekttage. Hier geht es um ökologische und soziale Auswirkungen unseres täglichen Konsums und wie sich Alternativen gestalten lassen. Für 30 Minuten lebte die Barsinghausener Fußgängerzone abseits der eingeschliffenen Norm auf.

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12. Februar 2011 – Arpke – Jugendzentrum Hinterhof

(Jugendzentrum Hinterhof im Sommer. Quelle: lehrte.de)

Als Egge vor einem halben Jahr mit der Idee kam, in den Jugendzentren unserer Teenagerjahre aufzutreten, war Carlos sofort überzeugt. Seins hat leider bis heute nicht auf die Anfrage geantwortet, Egges schrieb sofort zurück. Und so suchten wir an dem dunklen Sonnabend im Februar unseren Weg durch den Schneesturm der Ländereien um Lehrte und fanden im kleinen beschaulichen Dorf Arpke das Jugendzentrum Hinterhof, in dem wir herzlich empfangen wurden und folgendes gelernt haben:

1.18-Jährige haben mehr Energie und Kraft als man denkt. Da muss man echt vorsichtig sein, wenn man zum Pogo aufruft. Auch Stagediven muss geübt werden. Beim zweiten Mal klappt alles besser.

2. Rosa Rauschen ist ein super Klavierspieler, für seine guten Texte war das Publikum aber manchmal wohl nicht „konzentriert“ genug. Weitermachen! Wir sehen uns in Frankfurt!

3. Wenn man auf das letzte Shuttle zum Lehrter Bahnhof hinweist, hauen fast alle ab. Die, die bleiben, wohnen aber nicht im gleichen Dorf, sondern stärken sich für die kilometerlange Wanderung durch Kälte und Schnee mit dem letzten Rest Musik. Von wegen Generation Internet.

4. In jedem Dorf in Niedersachsen gibt es mindestens einen schönen Ort, an dem eine Bank steht und man das Treiben beobachten kann. Außerdem gehört zu Grundversorgung in der Provinz: eine Gastwirtschaft „Zur Eiche“, ein chinesisches Restaurant „Mayflower“ ein Grieche „Akropolis“, ein Einkaufszentrum mit Discounter, Bäcker und Getränkemarkt, das obligatorische Erster-Weltkriegs-Denkmal, ein Weiher, der Dorfverrückte, der immer genau weiß, wo etwas los ist.

5. Este und March vom Elektrischen Widerstand schaffen es locker, die Energie eines stundenlangen Sets innerhalb weniger Minuten abzufeuern und sind dann noch nicht mal sauer, wenn es um 23.30 Uhr heißt: Feierabend.

6. In Arpke arbeiten und am Deister wohnen kann sehr erholsam und trotzdem Punk sein: Hinterhof-Cheffe Tobi ist das beste Beispiel.

7. Nach Auskunft der örtlichen Jugend gibt es auch in Arpke nie genug Bass. Überall auf der Welt ist das Problem bekannt. Wir erwarten, dass sich die UN Generalversammlung damit auseinander setzt.

8. Bei alten VWs kann man alles reparieren. Alles! Und wenn sie rot sind, dann treffen sie sogar den aktuellen Trend.

9. Im Spandau in Hannover kann man wahnsinnig gut versacken und sich mit dem Cheffe beim Wein lange Diskussionen über die richtige Schulform, Musik und Architektur liefern. Und die Djanes spielen dazu Take That.

10. Winter nervt.