7. Juni 2014 – Wilwarin-Festival

Auf dem Weg zur Arbeit

Durch den Elbtunnel, immer Richtung Norden. Kurz bin ich eingeschlafen, die CD von Lisa Luv & the No-Go’s läuft, und draußen zieht die Container-Stadt vorbei. Wir sind auf dem Weg zum Wilwarin-Festival in Schleswig-Holstein. Samstags, 19 Uhr auf dem zweiten Floor eines Festivals spielen. Das ist neu für uns. Der Headliner an dem Tag ist Terrorgruppe. Da werden Erinnerungen an die Wochenenden in der Vorstadt wach. Punkrock im Walkman und Skateboard unter den Füßen. Es ist erst morgens, doch die Sonne brüllt schon.

Sonne, Wasser, Schilf

Wir parken Egges Bulli, holen uns die Bändchen, treffen den Techniker, lassen uns den Ablauf erklären und gehen dann zum nächsten Badesee. Hunderte Festivalgäste sind schon unterwegs. Die Stimmung schwankt zwischen Abiparty und Homecoming. Unsere Freunde aus Hamburg, Itzehoe, Kiel, Lübeck, Eckernförde kommen selbst seit ihrer Jugend zum Wilwarin. Es ist das wohl angenehmste alternative Festival im Bundesland. Am Badesee springt und turnt und flirtet Deutschlands Jugend. Körper vor dem Kulturwissenschaftsstudium in Berlin. Noch mit wenigen Tattoos und Piercings. Blass, unsicher, der Speck der Kindheit noch auf manchen Wangen. Aber Rückwärtssaltos von der Badeinsel kriegen sie geil hin. Mädchen werden geärgert, wenn man sie mag. Geile, einfache Jugend. Ich hole mir einen Sonnenstich.

Himmel über Ellerdorf

Seit anderthalb Jahren nehmen wir Gesangsunterricht. Vor allem, damit die Stimme einen ganzen Auftritt durchhält. Und es hat den gleichen Effekt wie das barfuss spielen. Man spürt sich und seine Umgebung viel besser. Vor Auftritten singen wir uns daher zusammen ein. Tönen nennt sich das. Dabei suchen wir gemeinsam die gleiche Frequenz von bestimmten Tönen, bis wir auf einer Wellenlänge sind. Zusammen mit dem Warmmachen ist das der Startschuss zum Auftritt. Danach wird nur noch aufgebaut und gespielt.

Costa und die Terrorgruppe

Wir sitzen auf dem Campingplatz mit Freunden aus I. Die Getränke werden geteilt, es gibt Tee. Egge springt auf. „Schau mal, komm mal mit.“ Ich drehe mich um und gehe mit ihm ein Stück. Die Sonne geht gerade unter. Ich blinzel, umarme Egge.
Es war ein toller Tag. Wenig später sitze ich am Lagerfeuer mit einem Tee und schlafe einfach ein.

06. August 2010 – Gersdorf – La Libertad Festival

Es hat die ganze Zeit geregnet. Stundenlang erbrach sich der Himmel über Sachsen, nicht einmal die warmen Beats der Reggae-DJs konnten noch etwas gegen den Matsch und den Schlamm und die Feuchtigkeit machen. Das ganze Gelände des tollen „La Libertad„-Festivals – ein altes Schloss mit angrenzendem Garten und Wald – war gezeichnet von diesem woodstockesken Zustand.

Die Gäste und Macher des Do-It-Yourself-Festes ließen sich jedoch nicht abbringen von ihrem Ziel, eine tolle Woche voller Seminare mit einem musikalischen Wochenende abzuschließen. Und anstatt auf der überfluteten Kleinkunstbühne mitten im Wald zu spielen, wurde uns in wenigen Minuten der alte Keller im Schloss hergerichtet – ganz wie in einem Horrorfilm mit Kacheln an den Wänden und Molchen auf dem Boden.

Es dauerte zwar ein bißchen, bis die kalten Knochen wieder warm waren, dann wurde es aber noch eine tolle Fete. Besonders schön fanden wir, dass wir unseren Gastgeben Jan stagediven lassen durften. Und als wir anderthalb Stunden später wieder rauskam, hatte es zwar immer noch nicht aufgehört zu regnen, an der Bar wurde uns aber sofort ein Gin-Tonic gereicht, und The National besangen den kleinen Weltuntergang. Wenige Stunden später krochen wir aus dem Bauwagen, fanden eine nette Person, die uns zum Bahnhof fuhr, an dem Feld voller Alpakas vorbei. Im Zug hatten wir mit unseren schlammigen Klamotten genügend Platz, und die Flüße draußen trugen mehr Wasser und Schlamm als 24 Stunden vorher. Es sollte die schlimmste Flutkatastrophe nach 2002 sein.

Teil Eins von Drei – der Bericht zum Tourwochenende geht bald weiter