9. Januar 2015 – Neubrandenburg – Alternative Hochschulparty

Nicht unkommerziell genug

Sie haben die Türsteher ausgetauscht. Wo früher bei den regulären Semesterfeten Mitglieder einer Rockerbande am Empfang Studierende kontrollierten, stehen nun Vertreter aus dem Rostocker Antifa-Umfeld. Menschen, die Erfahrung mit Gewalt haben, aber auch wissen, dass eine Studierendenparty schützenswert ist. Weil es eben ein Treffen von Menschen in einem experimentierfreudigen Alter ist – und das Sexismus, Rassismus, Homophobie dort nichts zu suchen haben. Die alternative Studierendenparty der Hochschule Neubrandenburg ist genau so ein Freiraum. Eine Feier, auf der sich jede(r) wohlfühlen soll. Und auch tut. Dafür sorgen die Kollegen von Kkorpus DeliKti und Tapete, die mit Hip-Hop aus ihrem Alltag erzählen.

Zickereien nerven

Nach unserem Auftritt wird dann noch zu den Hits einer globalen Kultur gefeiert. Für ein paar Stunden ist Pegida vergessen und der Anschlag von vermeintlichen Islamisten-Faschisten in Paris. Und es wird vergessen, dass solche Abende eben nicht selbstverständlich sind. Denn solche bunten, wilden Orte, Stunden oder Räume müssen immer wieder erkämpft werden. Das wissen die Menschen in Neubrandenburg nur zu gut. Schließlich waren die 1990er-Jahre auch dadurch geprägt, dass man sich gegen Neonazis behaupten musste. Die Zeiten sind glücklicherweise nicht mehr so extrem. Und es ist auch ein gutes Zeichen, dass das AJZ am See inzwischen dem Verein gehört. Aber es ist auch nichts, worauf man sich ausruhen sollte.

Hallo, guten Morgen!

Dass dieses bunte Leben immer wieder in Gefahr gerät, wurde uns in dieser Woche wieder einmal schmerzlich bewusst gemacht. Und die Menschen, die sich darüber wunderten, dass die Attentäter von Paris doch im Westen geboren und aufgewachsen sind, haben sich sicherlich auch damals darüber gewundert, dass es den rechtsextremen Terrorismus des NSU gibt. Das Attentat auf die Journalisten von „Charlie Hebdo“ und die Zivilisten in einem koscheren Supermarkt sowie die Polizisten auf der Straße sind auch Angriffe auf unsere Demokratie und Wertvorstellung. In solchen Momenten tut es gut, diese tollen Menschen in Neubrandenburg zu treffen und zu sehen, was mit dem richtigen Engagement möglich ist. Deshalb gehen wir immer noch gerne auf Tour. Danke!

Advertisements

Ein kleiner Gruß aus der Sommerpause

Wir sitzen in Parks und trinken warmes Bier. Wir bereiten neue Aufnahmen vor.  Wir wandern viel in Wäldern. Zwei neue Videos werden bald fertig. Wir schauen uns den Himmel an, stundenlang. Wir lassen uns von einem lieben Menschen ein T-Shirt gestalten. Wir laufen mit nackten Füßen durch regnerische Städte. Wir planen ein Beatpoetenkonzert als kulturwissenschaftliches Seminar. Wir schauen Kunst, in hessischen Barockgärten und in alten Schlössern. Wir haben tolle Menschen gefragt, ob sie nicht gemeinsam Lieder aufnehmen wollen.

07. August 2010 – Norderstedt – Schall und Rausch Festival

Hundert Kilometer nördlich von Hannover wurden wir endgültig wieder wach. Bis dahin waren wir bereits sechs Stunden erst mit dem Zug, dann mit dem Auto unterwegs. Waren durch Sachsen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen gefahren und hatten einen regnerischen ersten Tourtag hinter uns. Nun hieß es schnell auftanken, Tee für Egges Stimme holen und dann weiter nach Norderstedt, zum „Schall und Rausch„. Da wir ausnahmsweise mit dem Auto unterwegs waren, hatten wir natürlich mehr Platz, und da im Radio außerdem keine gute Musik lief, kam uns der nette junge Mann sehr gelegen, der fragte, ob wir ihn mit nach Hamburg nehmen wollten. Um eine original „Fear and Loathing in Las Vegas„-Aktion zu machen, waren wir zu müde, also unterhielten wir uns lieber über Musik und das Leben und der junge Mann rückte mit der Info raus, dass er auf einem Bioland-Hof arbeitete, nur um kurz darauf selbstgemachten Ziegenkäse hervorzuholen und uns zu schenken. Lecker!

Nachdem wir den jungen Herren dann in Wilhelmsburg abgesetzt und uns durch den Stau vor dem Elbtunnel gequält hatten, erwartete uns in Norderstedt ein tolles Bild: Mitten in einem Wäldchen, auf einer ehemaligen Cross-Strecke, waren wie über Nacht Zelte, Bühnen und Stände aufgebaut worden. Auf einem Floor wurde der verzerrten Gitarre gehuldigt, während in der Kuhle der Bass des Goa-Floors pulsierte. Jemand hatte sogar einen Styroporpilz in den Wald gestellt.

Nach einer riesen Portion Falafel, mehreren Liter Wasser und einem leckeren Espresso standen wir auf Alternative-Bühne und spielten ein eher punkiges Set. Viele vor der Bühne hat das am Anfang natürlich eher weniger interessiert, lieber ließen sie ihre Hunde Bälle fangen oder gegenseitig kämpfen. Immerhin hat sich so auch ein hündisches Pärchen gefunden, dass sich direkt vor unseren Augen die Felle gegenseitig leckten und auch noch mehr probiert hätten, wenn die Herrchen und Frauchen nicht eingegriffen hätten. Die üblichen Zweifel, die sich einstellen, wenn man auf einer Bühne rumhampelt, während unten eher geschaut als getanzt und mitgegrölt wird, wurden aber schnell wieder beseitigt. Mit dem üblichen Spruch „Normalerweise höre ich ja keinen Elektro, aber bei euch mache ich ne Ausnahme“ ließen wir uns Honig ums Maul schmieren.

Gerne hätten wir gesehen, wie das Wäldchen nach Anbruch der Dunkelheit zum Zauberwald wird, aber wir mussten noch nach St. Pauli, eine Aftershow-Party wollte bespaßt werden…

Teil Zwei von Drei – Teil Eins über La Libertad hier.