Jahresrückblick 2011 – Die Listen

Foto von Felix Noelle

Kerner machts, Kerkeling auch, müssen wir wohl auch ran, um uns für die Gottschalk-Nachfolge ins Gespräch zu bringen. Bald ist 2011 durch. Hui. Wir sind beeindruckt und fangen mit kleinen Listen an, dieses bunte, wilde Jahr Revue passieren zu lassen. Dann ma los.

Fünf Adressen, die 2011 unter Heimat gespeichert wurden

1. Kreisspüle, Hamburg: Der Laden heißt eigentlich Reismühle und bezeichnet das Hinterhofhaus, in dem Egge bis vor Kurzem gewohnt hat. Sieben Leute, ein verrückter Hund, eine Fahrradwerkstatt. Und wenn dann gefeiert wird, kommt die Frauenmannschaft des FC St. Pauli, Genossen aus der Kneipe neben Knust und Centro (Name soll ungenannt bleiben, ne Andi?!) und viele Greenpeaceausgestrahltgraswurzeltvler. Der Auftritt mittendrin war einfach nur gut – nur die Taxifahrt mal kurz zum Hafen war ganz schön teuer (aber unbezahlrbar!).

2. Baukasten, Hannover: Hier haben wir im April mal ruhige Lieder ausprobieren können, tatsächlich einmal geprobt (!) und schließlich Videopremiere vom „Zugvögel“-Clip gefeiert. Einfach gute Menschen.

3. Multilayerladen, Berlin: Von den Bücherbergen bis hin zum Schraubstock: wir lieben es, unter dem Kronleuchter bückend zu spielen (auch wenn man 30 Minuten vor einem sitzenden Publikum alles gibt), anschließend wild auf der Jukebox rumzudrücken, nur um dann noch später vom Hochhaus in Kreuzberg das Parkhaus des Todes mit Kippen zu bewerfen

4. AJZ, Neubrandenburg: Wir waren wieder baden, haben zu lange gefeiert & waren am nächsten Tag entsprechend heiser. Aber die Leute sind zu nett, zu engagiert, zu gut drauf, dass man sich nicht zu Hause fühlt. Und kochen können die, Wahnsinn! Bullenwagen …

5. Balthes, Ravensburg: Es war ’ne Geburtstagsfeier nach Maß: Denn wenn man schon nicht im Park grillen, auf der Straße Bier trinken und Mülltonnen anzünden darf, dann sollte man doch zumindest im Balthes noch feiern dürfen. Haben wir dann auch gemacht. War ein toller Abend & eine gelungene Alternative zum Jazzfest. Und dass wir später noch einmal zum Festival in Weingarten durften, hats abgerundet. Immer wieder gern, beim Noge, Toby und der Crew.

Foto von Felix Noelle

Fünf Adressen, die wir uns 2012 merken müssen

1. Kompott, Chemnitz: Was für ein großartiger Laden entsteht denn da, bidde? Nette Menschen aus Klubzusammenhängen und Hausprojekten gründen einen Laden für Menschen mit Visionen und Lust zu tanzen. Kein Wunder, dass Kraftklub nicht nach Berlin wollen. Das war ein richtig guter Auftakt.

2. Kafe Marat, München: Politisch umstritten und umkämpft wirkt der Laden wie ein gallisches Dorf. Terroristen, Linksradikale, gewaltbereite Autonome? Nun ja, wir haben vor allem nette, engagierte Leute getroffen, die noch eine Meinung zu Nazis, Bildungskahlschlag und Polizeigewalt haben. Tolles Konzert.

3. ACU, Utrecht: Mitten in den Niederlanden liegt das wunderschöne Utrecht. Und wer Kopenhagen mag, wird auch diese Stadt lieben. Dazu kommen nette, aufgeschlossene Menschen, die selbst einen Hinterhof in einen Park der Sinnen verwandeln können. Großer, zum Teil englischsprachiger Auftritt.

4. Zucker, Bremen: Was aussieht wie ein Lagerhaus wirkt von innen wie eine Vision vom Technoklub. Dass man dort aber auch entspannt zu Hip-Hop und Punk tanzen kann, hat uns beeindruckt. Toller Laden.

5. Jena, Besetztes Haus: So richtig besetzt, ist das Haus neben dem Kassa schon lange nicht mehr. Etwa 20 Leute wohnen dort, trainieren und feiern zwischen selbstgebauten Tresen und Tanzflächen. Das wirkt so sympathisch selbstorganisiert, dass wir wiederkommen müssen – nicht nur, weil wir das Gefühl haben, immer mehr Leute vor Ort zu kennen.

Fünf Momente des Staunens 2011

1. Anti-AKW-Auftakt, Dannenberg: Krass, so sehen also 23000 Menschen aus. Wahnsinn. Und dann singen sie auch noch „Die Gedanken sind frei“. Boh.

2. Kellerklub, Stuttgart: Wir lieben Supershirt! Ob in der hannoverschen Faust, im Backstage des Kellerklubs oder betrunken in der Glocksee. Der Vorbandjob wird da zum Freizeitvergnügen.

3. Breminale, Bremen: Das ist also Flo Mega. Was auf dem Album nach Popsoul klingt, wird live zur hochwertigen Alternative zur Disko No. 1. Großartig! Schweißreibend! Umwerfend! Und wenn anschließend noch das Viertel auseinandergenommen wird, ist das zumindest beeindruckend.

4. Open Flair, Eschwege: Ah, so sieht Clueso aus. Oh, so schmeckt das Bier im Backstage der Killerpilze. Das sind also die Fantastischen Vier. Das Open Flair-Festival war eine große Runde Erfahrung. Am meisten mochten wir trotzdem die Hessen-Slam-Leute & The Incredible Herrengedeck.

5. Peng, Mainz: Netteste Menschen treffen auf engagierteste Künstler. Ein sehr guter Rahmen, um sich auszutoben. Und wenn schon am Fahrstuhl die Liebe gestanden wird, kann man sich nur willkommen fühlen.

Foto von Felix Noelle

Fünf Open-Airs 2011 mit Herz

1. Fete de la Musique, Hannover: Stagediver, Schilder, Fahnen, Spongebobpuppen, Bierduschen, Massenpogo, Liebe, Liebe, Liebelei.

2. Schulhof, Döbeln: Laut gegen Rassisten raven. Ein großartiges Team lässt sich auch von Nazis und Besserwissern nicht die politische Arbeit kaputtmachen. Sehr gut.

3. Fresh-Air-Festival, Ortwig: Wir sind gegen CO2-Endlager spielend demonstrieren gewesen – und es hat Spaß gemacht. Ein paar Monate später wollte die Bundesregierung auch nicht mehr mitmachen und besiegelte die Bodenspeicherpläne erstmal.

4. Béi Chéz Rainer, geheime Wiese: Für eine Premiere hat es nur Spaß gemacht. Besonders wenn noch am Morgen der Bass wummert und mitten zwischen Bäumen das Strobo blitzt.

5. Dresden-Nazifrei, Dresden: Ja, es ist schon doof, wenn Konstantin Wecker den Lauti bespielt, auf dem man doch auch auftreten sollte. Noch blöder, wenn er damit zu einer Blockade wegfährt und man sich einen neuen Spielort suchen muss. Aber nur großartig, wenn am Ende Nazis keinen Meter gehen können, weil man mit Tausenden die Straßen blockiert hat. No pasaran!

Fünf Erfahrungen auf Bühnen

1. Hinterhof, Arpke: If the Kids are united: Dann wirds wild. Dann hauen sie uns die Instrumente von den Tischen und üben den Massenmoshpit auch auf der Bühne. Arpke? War fürher die Punkrockhochburg bei Hannover. Heute wird dort Elektro gespielt. Getanzt wird immer noch in der Bierdusche.

2. Witzenhausen, Uni-Klub: Unser erster Diskokugelraveabend lief in Witzenhausen. Wir riefen dazu auf, die Lichtdeko selbst zu übernehmen – und tatsächlich, die Leute brachten Knicklichter, Handydisplays und Feuerzeuge zum Leuchten. Jede Lavelampe wurde zum Strobo. Krass schön.

3. Ehemaliger Ideenhof, Basche: Die Anlage ist Schrott, so richtig. In einem Ökohofkeller bei Barsinghausen stimmt alles, nur der selbstgebaute Bassverstärker krächzt, der Rest auch. Also machen wir alles lauter – und die Leute tanzen zu einer Art Thunderdome-Soundtrack. Wahnsinn.

4. Bürgerschule, Hannover: Leise ist das neue laut. Das Publikum sitzt bei einer Soli-Aktion für Amnesty International und lauscht. Erst liest Robert Kayser, dann singt Angela Laub. Wir schreien etwas gedämpfter, Carlos macht den Bossa Nova-Techno. Spannend.

5. Lagerhaus, Bremen: Endlich wieder einmal ein Auftritt im Poetry Slam-Rahmen. Und plötzlich wird uns ein Gedicht gewidmet. Hui.

Foto von Felix Noelle

Fünf Begegnungen

1. An der Polizei, Hannover: Ulli.

2. Haus am Inselplatz, Jena: Was für eine Familie. Keine Namen. Höhö.

3. Sternhagel, Köln: Mit der Danie sprechen wir gern über Lena in Düsseldorf.

4. Soulkitchen Halle, Hamburg: Das ist also Andreas Dorau, da auf dem Konzert zur Konspirativen Küchenkonzert-Aufzeichnung. Gefällt ihm nicht so. Na denn.

5. Kufa, Hildesheim: Einfach gut, der Siggi. Und die Goldkinter.

Was sonst noch war

Unser Video zu Zugvögel ist wunderschön geworden. Danke an alle Beteiligten.

Wir danken dem Verlag Sprechstation für den Vertrieb von CD und Platten und bemühen uns 2012 etwas mehr darauf hinzuweisen.

Es war uns eine Ehre, das „Manifest der Vielen“ mit Musikbeiträgen in der Bremer Schwankhalle zu unterstützen.

Wir grüßen Step Flash, Egotronic, Ya-Ha, IRA, Infight, Maximal & Lieber Klub, Lutz & Karoshi, Manu El, Feinkost Leipzig, Anares, LOT-Theater, Ostwestfalen, Gonzo-Verlag, Filtertypen, grgr, Kevin & Felix, Feinstaubinferno und alle Verrückten, die uns dieses Jahr noch begleitet haben. Danke für dieses kunterbunte Jahr.

Foto von Felix Noelle


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19. Januar 2011 – Was Egge in Berlin, Leipzig & Hamburg gelernt hat

Wie war das nochmal? Hör auf zu stör’n! Hör auf!

Bei Myspace haben wir das immer gern gemacht. Aber bei Myspace macht man mittlerweile ja nichts mehr gern. Nämlich Rückblenden. Darum nun hier – als Vorgeschmack auf künftige Monatsrückblicke – eine pädagogisch sicher anspruchsvolle Reflexion zu den vergangenen Tagen zwischen Spaziergängen und Spiegeleiern. Was haben wir gelernt:

– Betrunkene Einschätzungen zum Dioxin-Skandal erreichen mitunter mehr Clickzahlen als unsere geliebten Fusion-Videos zusammen. Konkret:

– Als völlig unbegabte Hacker haben wir dank Youtube-Statistik herausbekommen, dass daran gute Kollegen mitgewirkt haben könnten (Grüße an Herrn eco & Merci!)
– Auch wenn einige Videos vor allem nun von Herren nah an der Altersteilzeit beurteilt worden sind (Was wir mögen! Sonst kriegen wir kaum Kommentare wie: „Kifft nicht zu viel!“, „Diese Jugend!“ „Muhahaha!“)
– Berlin-Südkreuz ist nicht Berlin-Süd
– Das Kanzleramt sieht aus wie eine riesige Designer-Brotdose
– Das Wort Fleischwurst in diesem Zusammenhang verbitten wir uns.
– Das Kottbusser-Tor schreibt man mit K, Cottbus mit C.
– Der Platz ist nach einem Stadttor der Berliner Akazienmauer benannt, durch das man früher von Berlin nach Cottbus eilte.
– Die K und C-Problematik ist damit nicht beantwortet, wir wissens nicht.
– Klub oder Club? Kuba oder Cuba? Chemnitz oder Karl-Marx-Stadt?
– Der Multilayerladen hat erste Kratzer aufm Fußboden.
– Die Jukebox hat nun auch richtige Knöpfe!
– Es gibt gutes Kiezbier. Unterstützen:
http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=bl&dig=2010%2F11%2F30%2Fa0141&cHash=4973744168
– Der Multilayerladen ist längst eines unserer schönsten Wohnzimmer im Herzen.
– Warum? Nette Leute hinterm Tresen & nette Leute aus Eckernförde, Passau, Hannover davor. Alle wohnen längst in Berlin und machen nun Projekte.
– Hannes sagt, die Räucherei ist zu & das Grüne Haus in Eckernförde auch. Mist!
– Wir mögen die Jungs vom British Music Club, denn die sind verrückt!
http://www.facebook.com/group.php?gid=210571850725
– Die ersten 30 Minuten des Auftritts können seeehr schwer sein.
– Wir lieben es, wenn Ihr (plötzlich doch) tanzt!
– Die Kreuzberghochhausdächer sind die schönsten der Stadt.
– Das Parkhaus direkt davor wird von Drogenopfern besetzt gehalten & heißt das „Parkhaus des Grauens“.
– Wir sollten dort bald ein Musikvideo drehen, sagt Hannes, der kennt sich aus.
– Wolf Hogekamp, Autor, Veranstalter & Urgestein sagt: „gabs schon, sogar ne Lesung“. Wolf hat auch mal ein Video mit uns gedreht. Und wir haben ein gaaanz altes von ihm gefunden. Müsst Ihr Euch anschauen:

– Wozu man immer tanzen kann: David Bowie, Depeche Mode, Joy Division.
– Sushi-Essen geht nun auch in Kreuzberg – und schmeckt.
– Der Gentrification-Sushi-Shop ist in Blickweite zum SO36, krass.
– Dort bekommt man mit der Bestellung einen blauen Plastikpuk, der vibirert sobald der tote Fisch in der Alge steckt.
– Saufen kann man auch in Berlin-Neuköln gut: „Nathaliaund Heinrich“ in der Weichselstraße ist super.
– Lindy Hop geht auch nach großem Engagement für das Berliner Kiezbier.
– Vollkornbrot um 5.30 Uhr ist das Beste!
– Das beste Frühstückskaffee in der Bürknerstraße am Kotti: Klötze und Schinken. Hingehen & Gummi-Augen kaufen!
– Von Berlin nach Leipzig sollte man von Berlin-Süd aus losfahren.
– Hochwasser hat auch etwas Ästhetisches.
– Leipzig hat vor allem: Platz.
– Kunst hier schauen: Leipziger Baumwollspinnerei.
– Da gibts auch tiefschürfende Graffiti: „Zu viel Sicherheit schadet!“
– Das Bundesverwaltungsgericht ist riesig.
– Am Leipziger Literaturinstitut sind gerade mal 20 Schreiber.
– Die Freunde vom „Schlechtes Versteck No. 32“ haben Rock’n’Roll-Bier erfunden und lassen es nur für den Laden brauen.
– Schön ists im Clara-Zetkin-Park, im „Cantona“, betrunken in „Feinkost“-Clubs.
– Beim Burgermeister trifft man ständig Bekannte.
– Dort gibt es auch vegetarische Currywurst.
– Drei Tage Alkohol können schaden.
– Der Tatort aus Konstanz war blöde.
– Grüner Tee ist der neue Aperol.
– Wenn man nüchtern zum „Punkertischtennis“ im Hamburger Hafenklang geht, gewinnt man mitunter.
– Leider gewinnt man meist Schnaps.

Vor allem haben wir aber gelernt:
– Einsätze sind Einsätze, da helfen keine Pillen.
– Zuhause ist immer am schönsten.
– Unterwegs aber auch.
– Häng Dein Herz nicht an Dinge.
– Luftballons aufblasen ist manchmal schwerer, als sie loszulassen.
– Beides kann wunderbar & schmerzlich sein.

– Sei nicht traurig Susann, es fängt immer erst an.

Auf gehts ins neue Wochenende.

PS: Ja, wir haben uns in Cäthe Sieland verliebt.

13 – 16. Januar 2011 – H/B/L/HH

Danke  Multilayerladen, Fanny, Charlotte, Wolf, Norma, Ari, Levent, Julia, Mark, Beke, Ayse, Jascha, Britta, Philipp, Didier, Bea,  Sophie, Rike, Malte, Mirco, Manuel, Thalea, Felix und sovielen anderen.