Sommer 2014 – Grautöne

Was wir in diesem Sommer schon gelernt haben

Es gibt kein schwarz und weiß, nur Grautöne.
Manches hört einfach irgendwann auf, und doch geht es dann weiter. Nur anders.
Geduld ist immer noch wichtig.
Auf diesem Weg, den Egge und ich seit 2006 gehen, haben wir viele Menschen verloren. Aber so viele in unser Herz geschlossen. Danke, dass ihr da seid!
Ein Laptop ist auch nur ein Instrument, irgendwie.
Pfeffi ist echt lecker.
Es geht auch mal ohne Internet.
Die Ostsee ist an manchen Stellen nicht so salzig wie die Nordsee.
Es gibt überall bunte Flecken und in jeder Stadt Menschen mit Herz.
Spargel ist lecker, aber nach einem Monat reicht es dann auch wieder.
Gin-Tonic hilft nicht nur gegen Malaria.
Tee, ob dunkel und grün, schmeckt immer noch.
Familie sind nicht nur die Blutsverwandten.
Spazierengehen ist immer noch politisch.
„Es müsste immer Musik da sein.“

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08. Dezember 2010 – Leipzig – Besser Leben

Heute Morgen kletterten bestimmt drei Typen auf diesem Dach in der Innenstadt herum und fegten den Schnee runter. Unten war alles vorschriftsmäßig abgesperrt, die Eisklumpen waren ja auch inzwischen so groß wie Fußbälle.

Zum Mittagessen gab es einen Flyer von Greenpeace zum fleischfreien Donnerstag. Meine Frage, ob das Flugblatt auch garantiert auf chlorfrei gebleichtem und zu hundert Prozent recyceltem Papier gedruckt wurde, konnte der Verteiler nicht beantworten. Er mache die Arbeit sowieso nur, um in seinen Lebenslauf humanitäre Freiwilligenarbeit zu schreiben. Mit sowas stiegen die Chancen auf einen Studienkredit bei einer politischen Stiftung.

Abends dann der Schneesturm im tiefsten Westen Leipzigs, der sich inzwischen so schick gemacht hat und doch mehr Osten ist als die Innenstadt. Am Nachbartisch unterhielten sich zwei ebenfalls Zugezogene darüber, dass man Ostdeutschland in Zone und Neufünfland einteilen könne. Zone seien die kaputten Teile, in denen Menschen Thor Steinar trügen und der Vietnamese Döner verkaufe. Neufünfland seien so tolle Oasen wie Leipzig, oder auch Erfurt, Jena, Dresden und Teile von Schwerin und Rostock. Dort könne man unter Kultivierten guten Rotwein trinken, und dabei sei alles viel günstiger als  in Hamburg oder Berlin.

Und gerade als mir das alles zu viel wird, sagt mein toller Gesprächspartner folgenden Satz: „Gute Kunst hat immer Defizite, an denen man sich reiben kann und muss. Einer, der darum kämpfen muss, dass etwas gut aussieht, dem sieht man die Anstrengung in seinen Figuren an. Das ganze Werk hat dann einfach eine Aura.“

Epilog:
Auf dem Rückweg ins Bett rutsche ich auf dem Eis aus und falle hin. Keiner ist da, der klatsch oder mir wieder hoch hilft.