Presseschau sechs/zwanzigelf

„Weltfremd und unglaubwürdig“
Der sogenannte Stararchitekt Meinhard von Gerkan bei Spiegel Online darüber, dass Ai Weiwei „absichtlich die chinesische Staatsmacht provoziert“, und warum er zwar für die KP in Peking baut, aber nicht damals für die SED in der DDR.

Aus dummen Streichen wird eine politische Idee
Kai Biermann auf Zeit.de über Internet-Aktivisten und digitale Bürgerrechte, anläßlich der re:publica 2011.

Berlin Folgen
Eine tolle Serie auf taz.de von tollen Fotografen über das Leben in Berlin und so.

Robin Hood tax: 1,000 economists urge G20 to accept Tobin tax
Ein Artikel im Guardian über die Wirtschaftler, die die Einführung einer Transaktionssteuer befürworten.

„Ich bin doch so gerne bei der Unterschicht“
Unser Held Rainald Grebe auf Spiegel Online über den Ruhm, die Nähe zur Elite und warum er vielleicht doch nach Brandenburg zieht.

Die Contentindustrie ruft nach der Politik
Silvio Duwe schreibt bei Telepolis über die Verbände, die ein Ende des „rechtsfreien Raums Internet“ fordern.

„Drohgebärde der Finanzindustrie“
Tom Strohschneider auf dem Freitag-Blog erklärt, warum das Büro von Attac wirklich durchsucht wurde.

Tor in Fukushima!
Marcus Jauer in der FAZ über die Lust am Alarmismus der Medien.

Die fremdenfreundlichen Deutschen
Die Deutschen sehen die Einwanderung entspannter, als die Politik denkt, schreibt Lisa Caspari in der Zeit.

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29. September 2010 – Bei Politikorange

Politikorange ist ein unabhängiges Magazin von Jungjournalisten. Im September 2010 erschien eine Sonderausgabe zu den Jugendmedientagen Ende August in Niedersachsen. Wir durften dort für das Rahmenprogramm sorgen, und als wir, durchnässt und leicht verwirrt, von der Bühne stiegen hielt uns Len Sander für ein Interview ein Mikrofon vor die Nase. Das Ergebnis liest sich dementsprechend abenteuerlich. Man stelle sich uns einfach wie zwei schnaufende Fußballer vor, die direkt nach dem Spiel die eigene Leistung beurteilen sollen.

„Ich  will die Atzen nicht verurteilen“

Die Beatpoeten, das sind Egge, 29, bekannter Poetry Slammer und Costa, 27, DJ. Die Beatpoeten haben sich 2006 gegründet. Aber „so richtig Spaß“ macht das Ganze erst seit zweieinhalb Jahren, nachdem sie aufgehört haben, „einen hohen Anspruch“ an sich zu haben und zehnminütige Kurzgeschichten in Liederform zu schreiben.

Frage: Hat kritischer Journalismus etwas mit kritischer Musik zu tun?
Costa: Ja, ganz ehrlich, wenn man mal vom Zeitungssterben absieht, wenn es keine kritischen Journalisten mehr gibt, dann wüssten wir nicht mehr, was in der Welt passiert. Und deswegen ist es etwas Richtiges, Wenn man klischee-mäßig von der „vierten Gewalt im Staat“ redet. Darauf sind wir angewiesen. Auch als Musiker.

Frage: Passen elektronische Musik und sozialkritische Texte zusammen?
Costa: Wir haben mit dem Projekt angefangen als Mischung aus Poetry Slam, aus Gedichten und Kurzgeschichten und wollten, wie die Beatpoeten, daher der Name, aus den 1950er Jahren, das mit moderner Musik verbinden. Und heutzutage ist elektronische Musik zwar nicht das Frischeste, aber das, was die meisten Leute anspricht. Andererseits muss man auch beachten, wo elektronische Musik herkommt: In den 1980er Jahren war es gerade in den USA die Musik der Schwarzen und der Homosexuellen und dadurch eigentlich auch Randgruppenmusik. Jetzt ohne das allzu böse zu meinen. Und was Die Atzen mache, ist halt Volksmusik, aber da gibt es auch verschiedene Facetten. So richtiger Goa oder Drum’n’Bass, die wirst du wohl auch nicht im Radio laufen hören, also im normalen bürgerlichen Radio, Deswegen bleibt da immer ein bestimmter Anteil an Kritik über.

Frage: Wollt ihr mit eurer Musik etwas verändern, und wo sind die Grenzen der Musik?
Costa: Niemand geht aus einem Konzert raus und denkt: „Jetzt änder’ ich die etwas!“ Aber, im Grunde genommen reicht es ja, wenn Menschen irgendwo hingehen, sich etwas anschauen, sich etwas anhören und ein gutes Gefühl haben. Als Spaß hatten. Und deswegen will ich solche Musik wie Die Atzen oder andere elektronische Musik nicht verurteilen, weil, wenn Menschen Spaß haben, eine gute Zeit, nicht auf Kosten anderer, ist doch ne super Sache.

Frage: Bringt ihr auf die Schnelle einen Vierzeiler zum Thema „Kritisch sein“?
Egge: Um verkrustete Gedanken zum Tanzen zu bringen, reicht es einfach schon, mit der Stirn zu runzeln.

Zum Autoren: Len Sander ist 13 Jahre, kommt aus Hannover, ist im Vorstand der Jungen Presse Niedersachsen und hat die Jugendmedientage 2010 mitorganisiert.