30.08./01.09. Braunschweig/Itzehoe/Internet

Jeder ist ein Künstler im Internet. Auch wir nutzen die Technologien, die es uns einfach machen, eine Webseite zu betreiben, Profile in diversen sozialen Netzwerken zu pflegen, unsere Lieder und Videos hochzuladen, über das Internet Soundfragmente unter uns und mit diversen Helferlein zu tauschen. Die Art, wie wir als Band arbeiten, würde ohne das Internet an manchen Stellen sicherlich nicht funktionieren. Wir haben darum nicht mehr als zehnmal in sechs Jahren wirklich geprobt.
Aber wir feiern auch nicht alles ab, was im Netz passiert. Künstler zahlen für die oft kostengünstigen Werkzeuge mit ihrem Inhalt. Natürlich finden wir es super, wenn die Produktionsmittel inzwischen so günstig sind, dass jeder Musik, Kunst, Videos, Designs etc machen kann. Profitieren tun aber die großen Unternehmen, denen wir unseren Inhalt ja quasi auch kostenlos zur Verfügung stellen. Warum ich diese offensichtlichen Fakten darlege? Weil wir immer wieder gefragt werden, ob wir nicht das eine oder andere Lied zum Download zur Verfügung stellen. Das machen wir gerne, vor allem hier. Und häufig bekommen wir dann auch eine Antwort, meist ein Danke. Aber auch Mails, in denen sich Menschen enttäuscht bis beleidigt zeigen, dass die Musik nicht so klingt, wie live erlebt. Zwei Beispiele vom Wochenende zeigen, wie schwierig es ist, genau das auf Platte zu sammeln, was wir da live eigentlich machen.

Am Freitag durften wir wieder auf dem Sommerfest unserer Freunde des LOT-Theaters in Braunschweig spielen. Der Saal ist ein Traum von einem flexibel gestaltbaren Theaterraum. Vor uns spielte eine mitreißende Rockabillyband, nach uns eine unglaublich tolle Funkband – schon alleine das ist ein Clash. Das Publikum war sehr entspannt und sympathisch, hörte eher zu, als das es tanzte. Am Schluss gaben wir zwei Jungs (Vincent & Sidney) ein Autogramm auf unsere CD.
Am Samstag wiederum fuhren wir zu der Vernissage der Künstlergruppe Secession nach Itzehoe. In einem illegalen Klub spielten wir zwischen riesigen und provokanten Kunstwerken. Das Publikum war sehr gemischt, und während des dritten Lieds gab die Anlage auf. Man hörte einfach keine Musik mehr. Mehr als zehn Minuten lang mussten wir improvisieren, spielten Klatschspiele und verzweifelten fast, bis dann doch die Musik wieder lief. Am Ende war es eines der schönsten und intimsten Konzerte.

Viele andere Musiker pressen ihre Lieder in vorgefertigte Ableton-Live-Sets, mastern sie zu Hause, und arrangieren diese auf jedem Konzert ähnlich. Auch wir überlegen ja immer mal wieder, einen Teil der Musik zu digitalisieren, weil es einfach oft besser klingt. Aber in solchen Situationen wie am Wochenende zeigt es sich, dass die Konzerte, die wir spielen, unberechenbar und jedes Mal eine Herausforderung sind. Dass die Energie auf der Bühne viel stärker ist, als in einer Aufnahme, die im Wohnzimmer entstanden ist, ist da nur selbstverständlich. Außerdem helft ihr uns bei unserem Weg, wenn ihr euch nicht nur die Lieder auf euren MP3-Player ladet, sondern auch zu unseren Konzerten kommt, mit uns feiert und danach an der Theke bei einem Bier/Cola die Welt rettet.

ps. Danke an das Team des LOT-Theaters in Braunschweig, an die Gruppe Secession in Itzehoe und an euch für ein tolles Wochenende!

Werbeanzeigen

2. bis 4. Juli 2010 – Bremen, Braunschweig, Wilhelmsburg

Ein Wochenende voller Zugfahrten, Schweissattacken und Fußballspiele liegt hinter uns. Wir waren auf der unglaublich tollen Breminale, einem Umsonst-und-draußen-Festival der besten Sorte, in Braunschweig beim alternativen Public-Viewing-trifft-Fußballelektrolyrik im Lot Theater und in Hamburg-Wilhelmsburg in der Fährstraße 105, einem der schönsten Wohnprojekte der größten bewohnten Flussinsel Europas. Zwischen Zugabteil und Bühnenrand haben wir viele nette Menschen kennengelernt und komische Eindrücke von diesem, unseren WM-verrückten Land gewonnen – das hier alles aufzuschreiben wäre unmöglich. Also versuchen wir es mit einer kleinen Liste:

Was wir mögen

Mit Dota & den Stadpiraten und Rainer von Vielen auftreten (unglaublich liebe Menschen und tolle Musiker, wir verbeugen uns an dieser Stelle). In Zirkuszelten auftreten. Leckeres Tofu-Curry. All die Arbeiter, die den Kulturbetrieb am Laufen halten und sich den Arsch abarbeiten und selten ein Dankeschön hören. Wenn Züge pünktlich fahren. Die neue Platte von Von Spar. Tolle Menschen nachts am Bahnhof treffen. Nette Taximitfahrerinnen. Alte Bekannte vor der Bühne wiedertreffen. Kaltes Bier an heißen Tagen. Menschen, die verlorene Sonnenbrillen wiederfinden. Zuverlässigkeit. Die stillen Momente, wenn man nachts Bahn fährt und die Welt an einem vorbeirauscht. Heißer Tee. Den lustigen Eisverkäufer auf der Stecke nach Bremen. Club Mate (Costa nicht). Eiskaffee. Romane und Serien von Richard Price. Die neue Futurama-Staffel. Die Handyboxen laut aufdrehen und Liederraten spielen. Comedian Harmonists.

Was wir nicht mögen

Besoffene Typen, die sich von halb so kleinen Schaffnerinnen aus dem Zug schmeissen lassen und dann draußen auf dicke Hose machen. Feedbacks beim Kellerauftritt. Übertriebener Lokalpatriotismus (vor allem bei Zugezogenen). Wenn Züge Verspätung haben. Unfreundliche alte Säcke, die im Zug Bier trinken und andere Menschen anpöbeln. Einen lieben Menschen an den Fluss des Lebens verlieren. Abschiednehmen. Unzuverlässige Konzertveranstalter. Arrogante Abipartyfeierer, die Frühschichtarbeiter beleidigen. Wenn Taxen nicht kommen. Handyakkus, die immer alle gehen. Nicht genau wissen, wo man ist.

Worauf wir uns noch freuen in diesem Sommer

Badengehen, ganz viel. Urlaub in Osteuropa. Vanilleeis. The National in Hamburg mit den liebsten Menschen. Zytanien. All die vielen Menschen, die wir noch kennenlernen werden. Konzerte. Verrückte Momente. Umzüge. Mehr Kontraste. Auf der Wiese liegen und Wolken beobachten. Veränderung. Partys in Freibädern. Alte Hits auflegen in Kellerklubs. Auf euch!