Neunzehn

Wir sahen die besten Köpfe unserer Generation vom Wahn zerstört, hungernd hysterisch nackt, die sich im Morgengrauen durch die Punkerstrassen schleppten auf der Suche nach einem wütenden Schuß

Engelköpfige Hipster, dem alten himmlischen Kontakt zur Sternenlichtmaschine im Getriebe der Nacht entgegenfiebernd, die arm & abgerissen & hohläugig und high im übernatürlichen Dunkel

der Armeleutewohnungen rauchend wachsaßen, schwebend über dem Häusermeer in Punker-Ekstase

die durch die Universitäten gingen mit strahlend kühlem Blick und Halluzinationen von St.Pauli und Off’schen Tragödien unter den Schülern des Krieges hatten

All diese wundervollen Leben, die verschwendet wurden – weil sie mit Punkrock in Berührung kamen. Zerstört mit 19. Wir prangern das an!

Beatpoeten, 2016

Advertisements

Costas 2014 – „Wir sind morgen an der Ostsee“

Es war Jahr des Krieges, der Krisen, der Trennungen und der Tode. Durch unsere Leben ist die Zeit wie eine Dampfwalze gerast und hat alles umgeworfen. Ein Jahresrückblick aus Sicht eines melancholischen Moralisten.

Jedes Jahr führe ich eine Chronik von den wichtigen Ereignissen. Katastrophen, Rekorde, wichtige Nachrichten. Eine persönliche Liste, die ich dann am Ende des Jahres anschaue und bemerke, dass ich keine Ahnung mehr habe, was im Januar passiert ist. Oft vergesse ich schon, was vor wenigen Wochen geschehen ist. Nervöse Amnesie. Wäre ich Hypochonder, ich würde dank Google alles darüber wissen.

Ich unterteile das Jahr deshalb nicht in Ereignisse oder Monate, sondern in Gefühle, die sich über Wochen oder teils auch Monate hinziehen. Und dazu gibt es immer die passenden Lieder, die mich auf dem Kopfhörer begleiten.

Das Jahr beginnt ruhig wie das Lied „Reflektor“ von Arcade Fire. Ein langsam plätschernder Rhythmus, der sich langsam aufbaut. Ein Groove, alles wirkt leicht angespannt, aber nicht bedrohlich. So reisen wir im Winter 2014 durch das Land. Lesen in Berlin gegen Burschenschaftler, wenig später wird bei einer Demonstration gegen diese selbsternannten Herrenmenschen in Wien ein deutscher Student festgenommen. Und dann ballert es los.

Lettland führt den Euro ein. Ausschreitungen bei Wahl in Bangladesch. Kanzlerin Merkel beim Skifahren verletzt. Gefahrengebiet in Hamburg eingeführt. Mit Thomas Hitlsperger outet sich der erste deutsche Fußballprofi. China ist größte Handelsnation der Welt mit vier Billionen Dollar. Statistik: Jeder vierte Arbeitgeber ist unzufrieden mit Berufsanfängern. Sozialtourismus ist Unwort des Jahres 2013. Manipulationsskandal beim ADAC. Ausschreitungen zum Jahrestag der Ägyptischen Revolution. Deutschland beteiligt sich an Militärmissionen in Afrika. Deutsche Unis forschen für US-Militär. Heftige Proteste in Bosnien. Olympischen Winterspiele im russischen Sotchi. Schweizer stimmen gegen „Masseneinwanderung“. EU lässt Genmais 1507 zu. Erster (kleiner) Durchbruch bei der Kernfusionsforschung. Edathy-Affäre: Agrarminister Friedrich tritt zurück. Facebook kauft WhatsApp für rund 14 Milliarden Euro. Ukraine: Janukowitch geflüchtet, Gefechte auf der Krim. Mexikanischer Drogenboss gefasst. Russland marschiert auf Krim ein. Malaiisches Flugzeug verschwindet über Vietnam. Erneut Ausschreitungen in der Türkei. Krim-Parlament strebt Unabhängigkeit von der Ukraine an. Uli Hoeness wegen Steuerhinterziehung zu Gefängnisstrafe verurteilt. Wissenschaftler weisen Urknall nach. Front National stellt erstmals Bürgermeister in Frankreich. Großer Streik der Beschäftigten im öffentlichen Dienst. Ukraine-Krise eskaliert weiter. In Südkorea sinkt eine Fähre – rund 200 Menschen sterben. Unruhen in Nigeria: 200 Mädchen entführt. Erdähnlicher Planet entdeckt. Studie: 60 Prozent von Chinas Grundwasser ist giftig. Bietergefecht um Alstom zwischen General Electric und Siemens. Schwere Lawinen in Afghanistan und den USA. Bayern München wird Deutscher Meister der Fußball-Bundesliga. Conchita Wurst gewinnt Eurovision Song Contest. Grubenunglück in der Türkei führt zu Massenprotesten. Studie: Jedes dritte Lebewesen in Nord- und Ostsee vom Aussterben bedroht. Narendra Modi ist neuer Premierminister Indiens. In Thailand wird das Kriegsrecht verhängt, und die Armee putscht.

Wir entdecken endlich Hessen und Nordbayern für uns, schleichen uns ins Hamburger Gefahrengebiet, schauen uns in Sachsen Crystal-Meth-Süchtige an und nehmen zwischendurch ein paar Lieder auf. Sammeln Witze, sammeln Wärme, Geschichten, Bilder, so viele Momentaufnahmen von unterwegs. Es ist ein Rausch und irgendwann im Frühjahr wache ich wieder auf, und alles ist ab jetzt anders. An Silvester war mir als Jahres-Tarot-Karte die Karte mit der 13 gelegt worden: der Tod. Und er holt sich viel.

In einem Moment inmitten des Wahnsinns ruft mich Egge an. „Es ist egal, was dir gerade passiert. Da musst du durch. Es ist egal, denn wir sind morgen an der Ostsee.“ Es wird das Mantra für den Sommer. Ich bin bestimmt zehnmal in Mecklenburg-Vorpommern oder Schleswig-Holstein am Baltischen Meer. Ich bekomme abgeschiedene Flecken zum Wild-Campen gezeigt, gehe frühmorgens nach dem Punker-Yoga nackt baden, laufe stundenlang durch Wälder, über Felder, Festivalgelände, durch alte Handelsstädte. Mit den Liebsten, die übrig geblieben sind. Die alle in ihre Kämpfe verwickelt sind: gebrochene Herzen, berufliche Zweifel, Angst vor dem nächsten Schritt im Leben. Der Wahnsinn, der auf uns wartet, wenn wir sonntags stinkend, müde, aber leicht grinsend von den Touren nach Hause kommen.

„Ich stelle mir das Leben wie Wellenreiten vor“, erkläre ich J. während wir am nachts Strand sitzen und eine der Fähren in Richtung Skandinavien vorbeiziehen sehen. „Du kommst zum Strand: Und das Wetter muss stimmen, die Wellen müssen passen. Dann paddelst du ewig weit raus, bist schon kaputt, wenn du draußen bist. Doch dann kommt eine, du paddelst an, springst drauf, und: Mit Glück und Mut und Können surfst du dann. Mit Pech wirst du verschluckt und gewaschen. Und während du unten im Meer bist, und nicht weißt, wo oben und wo unten ist, bekommst du Panik und Angst. Aber das sind nicht Gefühle, denen du jetzt nachgeben solltest. Denn dann verbrauchst du deinen ganzen Sauerstoff und baust Scheiße. Lass anstatt dessen einfach los. Beuge dich der Natur, und sie wird dich kurz drauf an die Meeresoberfläche steigen lassen. Genieß diese kurze Pause, denn sobald du auftauchst, geht das Ganze von Neuem los. Es ist ein ewiger Kampf, aber für die wenigen Sekunden, die du surfst, lohnt es sich. So ist das Leben.“

„Das ist eine ganz große Hippie-Scheiße“, pöbelt mich J. liebevoll an.

„Aber wahre Hippie-Scheiße“, entgegnet ich.

„Vielleicht. Aber Hippe-Scheiße.“

Der spanische König Juan Carlos dankt ab. Europäischer Leitzins wird auf Minus gestellt. Islamisten machen Offensive im Irak. Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien beginnt. Felipe ist neuer König Spaniens. Uno: 50 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. Ausschreitungen zwischen Israelis und Palästinensern. Krise in Israel eskaliert. Beim BND gab es einen Doppelagenten der CIA. Bundestag beschließt den Mindestlohn. Deutschland wird Fußball-Weltmeister in Brasilien. Passagiermaschine über der Ukraine abgeschossen. Unicef: Mehr als 700 Millionen Frauen zwangsverheiratet. Behinderter Sportler gewinnt zum ersten Mal bei deutschen Leichtathletik-Meisterschaften.

Das Leben ist Wellenreiten, das Leben ist aber auch Wandern. Ein ewiges Auf und Ab. Wenn du unten an einem unbekannten Berg stehst, weißt du noch nicht, was dich genau erwartet. Aber es wird anstrengend. Und es wird sich lohnen, diesen Weg gegangen zu sein.

Aber es ist nicht nur das Wandern auf Hügeln und durch Wälder. Es ist das Wandern durch die Städte, was den Sommer auch so prägt. Sich verlieren in Nürnberg, München, Düsseldorf, Leipzig, Berlin und Hannover. Verwirrt mit Musik wie „Wanderlust“ von Wild Beasts auf dem Ohr und einem Kaffee in der Hand durch Straßen laufen, die ich noch nie vorher gesehen habe. Sich verlaufen und doch immer wieder neue Punkte finden, um sich zu orientieren. Wieder loslassen, die Kontrolle verlieren und merken, dass alles gut wird, wenn man nur auf sich acht gibt.

Und am Ende des Sommers stehe ich auf einer Düne in Südfrankreich mit tollen Menschen und schaue in den Sonnenuntergang. Kurz überlege ich, ob das der richtige Zeitpunkt wäre, mich doch tätowieren zu lassen. Ein mobiles Set wartet im Auto. Aber was würde denn passen, wenn sonst so wenig ewig bleibt?

Hundert Jahre Erster Weltkrieg. Ebola-Epidemie in Afrika. Ausschreitungen bei Kurden-Demos gegen Irak-Konflikt in Deutschland. BND hörte USA und Türkei ab. Bundesregierung sendet Waffen an Kurden im Irak. Bei der Landtagswahl in Sachsen kommt die AFD mit 10 Prozent rein. Die Ausrüstung der Bundeswehr ist mangelhaft. Massenproteste in HongKong. Flüchtlinge von Heim-Wärtern misshandelt. Kurden und Islamisten liefern sich Schlägereien in Deutschland. Der Literatur-Nobelpreis geht an Patrick Modiano. Kailash Satyarthi und Malala Yousafzai bekommen den Friedens-Nobelpreis. Attentat auf das Kanadische Parlament. Neonazis demonstrieren gegen Salafisten. Ifo-Index fällt auf tiefsten Stand seit zwei Jahren. Unzählige Studenten in Mexiko entführt.

Der Herbst bringt schlechte Nachrichten, und gleichzeitig öffnen sich ganz viele neue Türen. Das Leben ändert sich dramatisch, und dieser Wandel ist nicht gut oder schlecht. Nur anders. Egge und ich finden uns barfuss und im Anzug auf einer Bühne in Dresden wieder, und wir spielen ein Liebeslied auf dem Klavier mit Gesang. Im Publikum sitzen einige ungläubige Poetry-Slammer, die die ganze Zeit auf die ironische Auflösung warten, die ja immer sonst bei uns kommt. Aber dieses Mal nicht. Wir meinen es ernst. Eigentlich schon immer.

Revolution – „Scharzer Frühling“ in Burkina Faso. Längster Lokführerstreik in Deutschland. Vogelgrippe in Norddeutschland. 25 Jahre Mauerfall in Deutschland. 80 Prozent der Katalanen fordern eine Loslösung von Spanien. Raumsonde „Philae“ landet sicher auf Kometen Tschuri. Fast 36 Millionen Menschen sind weltweit versklavt. Laut Lebensmittel-Unternehmen wird die Schokolade weltweit knapp. Ausschreitungen in den USA nach Tod mehrerer schwarzer Jugendlicher.

Der Winter kriecht langsam durch die Kleider und will zum Herzen. Doch es ist warm genug. Wir nehmen uns nach mehr als vierzig Auftritten in diesem Jahr eine Auszeit und entdecken unsere Heimatstadt Hannover neu für uns. Wir arbeiten, wir lesen, wir räumen auf, machen Steuern und feiern eine Weihnachtsfeier, wie wir sie uns immer gewünscht haben. Mit den tollen Bands Herr Lerbs und Madame Puschkiin, den zwei tollen Punk-trifft-Pop-DJs Dieter Durst und Hannoi und beschließen den Abend mit Tarkan, Sinead O’Connor und Udo Jürgens. Wenige Tage später ist der auch tot, und Helene Fischer singt wieder irgendetwas. Wie eigentlich den ganzen Sommer. Immer wieder Atemlos. Wir wetten, wann die arme Frau ihren Burnout hat. Er wird kommen. So wie der Wahnsinn vor Weihnachten und dann irgendwann die Stille zwischen den Jahren.

Russland beendet das Projekt South Stream. Die „Pille Danach“ wird in Deutschland rezeptfrei. Bodo Ramelow ist erster Linken-Regierungschef in Deutschland. Ein Islamist nimmt in Sydney ein Café in Geiselhaft und wird bei Stürmung getötet. 15.000 Menschen kommen zur PEGIDA-Demo nach Dresden. Zehn Jahre Flutwelle in Asien. Eine Fähre brennt in der Adria. Bei Indonesien verschwindet ein Flugzeug.

Das letzte Kapitel des Jahres endet mit einem Ausblick. Es geht weiter. 2015 wird wieder wildes, unbezähmbares, unvorhersehbares, buntes Leben. Wir freuen uns drauf. Wir freuen uns, das Ganze mit euch zu erleben. Danke. Und die erste Reise als Band geht dann auch gleich hoch zur Ostsee.

Sommer 2014 – Grautöne

Was wir in diesem Sommer schon gelernt haben

Es gibt kein schwarz und weiß, nur Grautöne.
Manches hört einfach irgendwann auf, und doch geht es dann weiter. Nur anders.
Geduld ist immer noch wichtig.
Auf diesem Weg, den Egge und ich seit 2006 gehen, haben wir viele Menschen verloren. Aber so viele in unser Herz geschlossen. Danke, dass ihr da seid!
Ein Laptop ist auch nur ein Instrument, irgendwie.
Pfeffi ist echt lecker.
Es geht auch mal ohne Internet.
Die Ostsee ist an manchen Stellen nicht so salzig wie die Nordsee.
Es gibt überall bunte Flecken und in jeder Stadt Menschen mit Herz.
Spargel ist lecker, aber nach einem Monat reicht es dann auch wieder.
Gin-Tonic hilft nicht nur gegen Malaria.
Tee, ob dunkel und grün, schmeckt immer noch.
Familie sind nicht nur die Blutsverwandten.
Spazierengehen ist immer noch politisch.
„Es müsste immer Musik da sein.“

November 2013 – Twisted Chords Labeltour Süden

Was ist Punk im Jahr 2013? Konfetti im verschwitzten Gesicht? Bierflaschen mit den Zähnen aufmachen? Lederjacke und Nietenarmband? Aufnäher mit politischen Statements drauf? Ohne Shirt Schlagzeug spielen? Dem Sänger ins Gesicht spucken? Drei Akkorde lernen und eine Band gründen? #Einszweidreivier? Hier die zehn Gründe, woran du erkennst, dass du immer noch Punk bist.

10. Als Punk darfst du alles, sogar Künstler sein

Kunst, irgendwie.
Alte Punkrockklassiker im Stile von Goethe oder Schiller vortragen? Konfetti-Duschen? Klolektüre schreiben? Kunstwerke hinklotzen? Kein Problem, denn als Punk darfst du quasi alles. Du musst vorher nur laut genug pöbeln und ein Dosenbier aufmachen – dann weiß dein Umfeld sofort, dass das alles ganz punkertypisch ironisch gemeint ist. Und nicht ernst im Stile eines Kunststudenten.

09. Du kennst Deutschland wie deine Nietenwestentasche

Fischfilet trifft Krauts trifft Poeten

Eingezwängt in einen alten Bus, wenn du Glück hast ein Mercedes, geht es jedes Wochenende auf die Autobahn. Nur Brummi-Fahrer reißen mehr Kilometer herunter. Deine Mitinsassen stinken (nur zur Information: auf dem Bild finden Sie Mitglieder der Kapelle Feine Sahne Fischfilet, Kaput Krauts und den üblen Beatpoeten), machen stumpfe Witze, stecken sich gegenseitig an. Mit Schnupfen, schlechtem Humor oder der Begeisterung für den kommenden Abend. Doch bis dahin geht es darum, die geheimen Abkürzungen, die geilsten Raststätten, die saubersten Klos oder auch die Insider-Tipps fürs punkige Shoppen zu aktualisieren. Punkbands kennen Deutschland besser als mancher Volksvertreter.

08. Du machst alles selbst

Abfukk auf Tour
Klar, T-Shirts machen, Platten aufnehmen, Tour buchen, Essen kochen – Do It Yourself ist die große Religion (jaja: Kein Gott! Kein Staat! Kein Fleischsalat!), und du machst alles, um alles selbst zu machen. Das hat einerseits den Vorteil, dass es sehr günstig ist. Andererseits gibst du dich dann auch nicht dem Konsumterror großer Corporations hin. Zahnschmerzen? Einfach mit Wodka gurgeln. Kabel gebrochen? Einfach selbst löten. Autoreifen kaputt? Geile Warnwesten anziehen und, richtig: Reifen einfach selbst wechseln. (Dit is ABFUKK, dit raffste nie.)

07. Du kennst keinen Schmerz

Barfuß vor der Mainstage tanzen? Scheiße!
Als Punk bist du robust und gegen jede Form von Leid imprägniert wie eine geile vegane Lederjacke. Da macht es dir auch nichts aus, barfuß auf der Bühne durch Scherben zu laufen, Zahnschmerzen zu haben, den einen oder anderen Pöbler eigenhändig rauszuschmeißen (oder zu küssen) oder nach einer Stunde Schlaf sofort tonnenweise Equipment zu schleppen.

06. Dich kann nichts mehr schocken

Tolerante Punks
Über Schimmel lachst du, vor Nazis hast du keine Angst, und Polizisten siehst du gar nicht mehr. Denn als Punk hast du schon alles gesehen, gewollt oder nicht. Egal ob Bandkollegen, die aus dem fahrenden Bus kotzen, Autobahnrennen mit offenen Seitentüren, gestreckte Nasensprays oder nackte Stagediver – dich kann nichts mehr schocken. Locker lässt du dich mit Bier anspucken und danach mit Konfetti einseifen. Kein Problem, wenn dir jemand eine Bierflasche in den Nacken oder die Unterhose steckt. Und Betrunkene dekorieren? Darüber hast du deine Bachelor-Arbeit verfasst.

05. Dich können doch viele Dinge schocken

OKF
Jetzt mal ehrlich: Wer scheißt schon komplett auf alles in dieser Welt. Als echter Punk bist du nicht nur Anarchist, Nihilist und Bierathlet, sondern auch Moralist. Krieg, Gewalt, Rassismus, Sexismus, Antisemitismus, Lebensmittelindustrie, Finanzwesen, der „Staat“, jeder findet etwas, dass er richtig scheiße findet. Und wenn es die anderen Punks selbst sind, die dich nerven. Witze wie „Woran erkennt man einen Veganer auf einer Party? Er wird es dir erzählen.“ bringen dich zur Weißglut, und gelebte Ungerechtigkeit sind dein Treibstoff. So schaffst du es, dich auch während des schönsten Konzerts über Dinge wie Sound, Licht, Outfit der Band und Shirts aufzuregen. Fuck Yeah! (Peter Lustig sagt: „Jedes Dagegen ist auch ein Dafür.“)

04. Du lebst Minimal

Down-to-earth-Sleeping

Du brauchst nicht viel zum Leben: Ein bißchen was zu essen, ab und zu ein Bier, eine Dusche und einen Schlafplatz. Als Punk bist du es gewohnt, wenig zu haben und wenig zu nutzen. Wer verlangt schon nach weichen, warmen Betten, wenn er mit 20 anderen Punks im Backstage schlafen kann? Und wenn dann doch mal etwas fehlt: Dann baust du es dir selbst (Siehe Do It Yourself).

03. Du braucht nur drei Akkorde, um auf Deutschlandtour zu gehen

Kreativität, yolo.
Noten lesen findest du, richtig, scheiße. Und die Gitarre richtig stimmen – warum? Als Punk brauchst du nur ein paar Töne auf deinem Gerät hinkriegen, und schon geht es auf Tour. Es sei denn, du bist der Bassist. Dann reicht es schon, ein Instrument zu haben und richtig böse zu gucken. Bassisten sind fast so schlimm wie Drummer. Aber nur fast (Ausnahmen: Todeskommando Atomsturm, Kaput Krauts, Abfukk & alle Twisted Chords-Bands, natürlich). Und wenn du noch nicht einmal einen Bass hast, dann kaufst du dir einen Synthesizer. Soll auch bei manchen klappen.

02. Du bist ein Experte, für alles

01. Du hast deinen eigenen Style

Treffen sich zwei Jeansjacken und gründen eine Band.

Du bist ein Individuum. Du hast deine eigene Meinung, deine eigene Sicht auf die Welt und deinen eigenen Style. Dass alle anderen auch vorwiegend schwarz oder Jeans tragen, ist Zufall. Auch Kapuzenpullis siehst du eher selten, wenn du mit anderen Punks unterwegs bist. Das macht es natürlich schwierig, sich auf Partys gegenseitig als Gleichgesinnte zu erkennen. Vor allem, wenn fast niemand Piercings oder Tattoos hat. Gut, dass es ein grenzenüberschreitendes Mittel gibt, sich gegenseitig als Punk zu erkennen. Das hier zu schreiben, hat uns der Verfassungsschutz aber verboten.

(Disclaimer: Dit is Punk, dit raffste nie.)

c.

Zugabe:

Was Egge gelernt hat

– zwei Flaschen Rhabarbarsaft, eine Flasche Korn & 3 Tüten Vanillezucker macht: Watteschädel
– Radio Corax in Halle macht duftes DIY-Programm
– nur rauchen darf man nicht im Studio
– in Leipzigs Bermudadreieck kann man Punkern Turnschuhe abkaufen
– es gibt tatsächlich drei Läden in LE die Bermudadreieck heißen
– ja, es gibt Menschen die verbessern Schreibfehler in WIZO-Texten
– jajaja, WIZO!
– Zivilpolizisten lauchen am lautesten
– der kleine Dicke, der am Bühnenrand wie irre immer SPRING DOCH schreit, wird dich immer, wirklich immer, fallen lassen
– niemand hat ein Smartphone für die Mitfahrgelegenheit nach Dresden
– alle haben ein Smartphone, um die krude Geschichte bei Facebook zu posten
– man kann Holzlatten auf einem Crashbecken spielen
– RMB ist die meist unterschätzte Elektrokapelle der neunziger Jahre
– wir wissen auch nicht, warum diese dann auf einer Achtziger-Party läuft
– wenn man sich bei „Asterix bei den Pikten“ zwei Finger in die Mundwinkel steckt und den Mund auseinanderzieht und versucht den Titel … ach lassen
– der beste Antifa-Witz überhaupt? „Macht die Handys aus, dann erzählen wir..“
– Seitanüberdosis führt zu Magencrust
– Dosenfisch im Tourbus ist ein Verstoß gegen die Menschenwürde
– im Münchner HUIJ gibts vegane Weißwurscht
– im Münchner kafe marat sympathische Eltern im Moshpit
– blöde, prügelnde Punks, die Sieg Heil vorm letzten autonomen Zentrum in München brüllen, sind vielleicht tatsächlich nur blöde und prügelnde Punks
– ein alter Schuh als Deko verkauft doch keine einzige Platten mehr
– die literarische Fachzeitung in München heißt DRECKSBLATT
– Pablo Haller und Hartmuth Malorny veröffentlichen darin
– Soul ist der neue Punkrock
– auf Knieen rutschen ist wieder angesagt
– man findet im 3 Uhr nachts in München keine Taxen
– naja, keine leeren Taxen
– in Tübingens Eppelhaus riecht es nach Mandeln & Weihnachten
– der K. ist ein sehr freundlicher Gastgeber
– Hirsebällchen fallen immer mit der weichen Seite auf den Boden
– John Travolta-Gedächtnis-Tanzschritte sind 2013 nicht mehr peinlich
– Im Basler Hirscheneck lädt man zu lieblichen Hardcore-Klängen die Familie zum Essen & Verweilen ein
– Bomben an Grenzübergängen nerven die im Stau sitzenden Anarchisten
– „Ey die Hunde“ hat mehr Strophen als es Mülheim Asozial für möglich halten
– „Auto“ ist das lyrischste Lied der Kaput Krauts
– aber Lyriker sollten Fußnoten lesen können
– Gruppenkuscheln ist der neue Blutpogo
– Fliegt doch nach Berlin!

Anhören, anfreunden, abfeiern:

Kaput Krauts
Todeskommando Atomsturm
ABFUKK
Amen 81
Twisted Chords
Atari Leipzig
kafe marat München
Epplehaus Tübingen
Basel Hirscheneck

Oktober 2013 – Das Leben im Klischee

Jeden Sonntag brennt unsere Facebook- und Twitter-Timeline, weil sich wieder Hunderte, Tausende über vermeintliche Plattheiten und schlechtes Storytelling beim „Tatort“ beschweren. „Unglaubwürdig.“ „Konstruiert.“ „Unrealistisch.“ Das sind so die Grundaussagen über die Kriminalfälle aus Münster, München, Hannover. Es geht dabei immer darum, wer wen warum umgebracht hat. Die Niederträchtigkeit der Menschen scheint unbegrenzt. Die Art, wie dies präsentiert wird, ist für viele zweifelhaft.

Gleichzeitig tritt jeden Tag mehr und mehr politische Gülle aus den Kanalisationen, die wir parlamentarische Demokratie, globale Gesellschaft oder auch einfach Leben nennen, die einem dazu zwingt, seinen eigenen Zynismus und das Kopfschütteln à la „Haben wir es nicht schon immer gesagt“ mit Menschlichkeit zu bekämpfen: Überwachung, Rassismus, Sexismus, Umweltverschmutzung, Krieg, Gewalt – es scheint, als ob die bösen Geschichten von Rosemunde Pilcher geschrieben würden. Kein Klischee wird ausgelassen. Jedes Fettnäpfchen bereitwillig bestiegen. Lebensläufe werden wie Affären nach einer Art Stereotyp gestrickt. Und jedes Mal reißen sich alle Experten (oft die gleichen, die auch den Tatort schlimm finden) um eine intellektuelle Einordnung.

Dabei reichte es doch eigentlich schon aus, das Alltagsgeschehen so zu erklären, wie man einem Vierjährigen erklärt, warum Polizisten in Hamburg Menschen schlecht behandeln, weil sie eine andere Hautfarbe haben als die Menschen im Rathaus, und eben diese Beamten Bürgern ins Gesicht schlagen, weil diese das kritisieren. Etwas, dass Wissenschaftler gerne auch mal abschätzig „Einfache Sprache“ nennen und das nicht nur für die Sätze und Wörter selbst gilt, sondern auch für Gefühle wie: „Etwas läuft hier schief.“ oder „Mir macht das Angst, wenn die Bundeswehr im Innern eingesetzt werden kann und mir Unbekannte wissen, wo ich mit wem wann bin und was ich lese.“ In dieser Woche musste sich der britische Schauspieler Russel Brand vor der BBC rechtfertigen, warum gerade er die politische Klasse kritisiert, habe er doch ohne ein solches Studium und als Nichtwähler gar kein Recht, dies zu tun. Weil er nicht einsieht, jemanden nach der Erlaubnis dafür zu fragen, kontert er.

Etwas, dass wir mit Beatpoeten immer versucht haben in unserer Musik und in den Texten zu transportieren, indem wir einfach nur Zitieren. (Und das wir uns von tollen Künstlern wie Rainald Grebe abgeschaut haben): „Man darf seine Politik nicht daran ausrichten, wie viele Menschen gerade auf der Straße demonstrieren.“ „Wir verteidigen dort die Demokratie.“ „Gerade unter Freunden geht das gar nicht.“ „Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten.“ Schlagerlied oder politisches Statement – die Grenzen sind fließend. Willkommen im Klischee.

Das Jahr 2012 in Schlagzeilen

Costa hat mal wieder eine Liste von wichtigen Ereignissen gemacht – ohne Anspruch auf Vollständigkeit. (Zum Nachlesen: 2011, 2010)

Januar
Waldbrände in Chile.
Wulff bedrohte Bild und Welt am Sonntag.
Ungarn will neue Verfassung, Massenproteste.
Arbeitslosigkeit in Deutschland auf Rekordtief.
Jamaika-Koalition im Saarland aufgelöst.
Tausende Brustimplantate giftig.
Angeklagter erschießt Staatsanwalt im Lachauer Amtsgericht.
Erneut Iranische Atomexperten bei Anschlag ums Leben gekommen.
Schottland will von England unabhängig werden.
Zehn Jahre Guantanamo.
Schweizer Notenbankchef tritt zurück.
Neun Euroländer werden von Rating-Agenturen abgestuft.
Kreuzfahrtschiff Costa Concordia geht vor Italien unter, mehrere Tote.
US-Wikipedia schaltet sich aus Protest gegen neues US-Internetgesetz ab.
Döner-Morde ist Unwort des Jahres 2011.
EU greift Ungarn wegen Rechtsregierung an.
Neuwahl im Saarland.
Touristen und Entwicklungshelfer in Äthiopien erschossen bzw. entführt.
Büro von Wulffs ehemaliger Sprecher Glaseseker wird durchsucht.
Drogeriekette Schlecke ist pleite.
Megaupload geschlossen, verantwortliche festgenommen.
70 Jahre Wannsee-Konferenz.
Verfassungsschutz überwacht Linken-Spitzenpolitiker.
Endlich aufgeklärt: Schüsse auf Ohnesorg waren Mord.
Schwarzarbeit in Deutschland auf 18-Jahres-Tief.
25 EU-Staaten schließen Pakt für strengere Haushaltsdisziplin.
Tief Cooper sorgt für Kälte in Europa.
1,1 Millionen Vorschüler in Deutschland haben Sprachstörungen.

Februar
Weiterer Gehilfe der Nazi-Terroristen verhaftet.
Fusion der NYSE und der Deutschen Börse von EU verboten.
Mindestens 70 Tote bei Krawallen nach Fußballspiel in Ägypten.
Hunderte Menschen sterben in Europa wegen der Kälte.
Syrische Geheimagenten in Berlin verhaftet.
Zehntausende demonstrieren in Europa gegen ACTA.
Anschläge auf Israelische Botschaften.
Brandstifter verursachen schweren Unfall auf Autobahn 57.
Ratingagentur Moody’s stuft erneut Euroländer ab.
Streik am Frankfurter Flughafen.
Christian Wulff tritt zurück, nachdem seine Immunität aberkannt werden soll.
Streit um Schuldenschnitt für Griechenland geht weiter.
Terroristischer Anschlag auf Israelis in Thailand.
Bürgerkrieg in Syrien.

März
Staatliche Integrationsstudie wird für Rassismus missbraucht.
Wahlen in Russland.
Wahlen im Iran.
Großer Zapfenstreich von Wulff wird von Demonstrationen begleitet.
Ver.di ruft zu Warnstreiks auf, auch zur Cebit.
Konflikt im Gazastreifen eskaliert erneut.
Ein Jahr Katastrophe von Fukushima.
Wiesenhof-Geflügelproduktion in der Kritik.
US-Soldat läuft in Afghanistan Amok.
Wasser in England wird knapp.
Versuch, Finanztransaktionssteuer in der EU einzuführen scheitert.
In Deutschland werden pro Jahr 11 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeschmissen.
Landtag in Nordrhein-Westfalen löst sich wegen Haushalt auf.
Schweres Busunglück in der Schweiz – mindestens 28 Tote.
Wolfgang Herrndorf bekommt für „Sand“ den Leipziger Buchpreis.
Gauck im ersten Wahlgang zum Bundespräsident gewählt.
Verrückter tötet mehrere Menschen in Toulouse, davon Kinder vor einer jüdischen Schule.
Schweden führt Vorratsdatenspeicherung ein.
11-Jährige in Emden von 18-Jährigen ermordet.
CDU stärkste Partei bei Saarland-Wahl.
Papst besucht Kuba.
Gasleck auf Bohrinsel in der Nordsee.
Gerüchte um Putschversuch in China.

April
Diskussion um Grass-Gedicht über Israel.
30 Jahre Falklandkrieg.
Nordkorea macht Raketentest, der scheitert.
Europäisches Gericht für Menschenrechte: Inzucht nicht legal.
Piraten liegen bei 13 Prozent.
Prozess gegen Anders Breivik beginnt.
Jim Yong Kim wird Präsident der Weltbank.
ARD setzt Gottschalk wieder ab.
Indien testet Langstreckenraketen.
Tote bei Protesten gegen Formel 1 in Bahrain.
Zugunglück in den Niederlanden.
Borussia Dortmund ist wieder Meister.
Pirat vergleicht den Aufstieg seiner Partei mit der der NSDAP.
Meteor stürzt in den USA ab.
Ägypten kündigt Gasliefervertrag mit Israel.
Niederländische Regierung tritt wegen Haushaltsdebatte zurück.
Krankenkassenbericht: Pflege häufig zu unmenschlich.
Großrazzia bei Neonazis in NRW.
US-Firma will auf Asteroiden Mineralien sammeln.
E-Plus-Netz in Norddeutschland fällt aus.
UN-Sondertribunal spricht Charles Taylor schuldig.
75 Jahre Bombenangriff auf Guernica.

Mai
Erneut Ausschreitungen bei 1.Mai-Protesten in Hamburg und Berlin.
Arbeitslosenzahl in Deutschland unter drei Millionen.
Salafisten greifen in Bonn nach ProNRW-Demo Polizisten an.
Hollands ist neuer Präsident in Frankreich.
Regierung in Griechenland abgewählt.
Borussia Dortmund wird Meister.
SPD gewinnt Wahl in NRW.
Regierungsbildung in Griechenland gescheitert.
Georg-Büchner-Preis geht an Felicitas Hoppe.
Beim Relegationsspiel Düsseldorf gegen Berlin kommt es zu Chaos.
Merkel entlässt Röntgen als Umweltminister.
Facebook geht an die Börse, Kurs fällt.
Großrazzia gegen Hell’s Angels.
Deutsche horten fast fünf Billionen Euro.
Erdbeben in Italien, Bulgarien.
Charles Taylor für 50 Jahre verurteilt.
Großer Computerwurm entdeckt.
Razzia bei italienischer Fußballnationalmannschaft.
Josef Ackermann gibt seinen Chefposten bei der Deutschen Bank ab.

Juni
Israel hat deutsche U-Boote mit Atomwaffen ausgestattet.
Queen Elizabeth feiert 60 Jahre Thronjubiliäum.
Josef Ackermann nicht mehr Deutsche-Bank-Chef.
Adressstandard IPv6 gestartet.
USA töten Al-Qaida Chef Abu Jahja al-Libi per Drohne.
Spanische Banken gehen unter den Rettungsschirm.
Linke gewinnt die Französische Parlamentswahl.
Massaker in Syrien gehen weiter.
Putin verfolgt die Opposition massiv.
Torsten Albig zum Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein gewählt.
Salafistenverein wird bundesweit verboten.
Ägyptisches Parlament vom Militär aufgelöst.
Hammelsprung-Eklat nach Bundestagsdebatte um Betreuungsgeld.
Japan fährt die ersten Atomreaktoren nach Fukushima wieder hoch.
Die USA führen faktisch Krieg in Somalia und im Yemen.
Griechenland-Wahl gewinnen die Konservativen.
Ägypten-Wahl gewinnt die Muslimbruderschaft.
G20-Gipfel in Mexiko.
Dritte Startbahn in München abgelehnt.
Neue Elite-Unis in Deutschland.
15 Banken von Moody’s heruntergestuft.
Türkischer Jet von Syrien abgeschossen.
Mursi (Moslembrüder) wird neuer Präsident von Ägypten.
Umzug von BND nach Berlin verzögert sich wegen Baupfusch.
ESM kommt.
Islamische Kunstwerke und Heiligtümer von Islamisten in Mali zerstört.
Sehr starkes Unwetter über Deutschland.
In Japan gehen Atomkraftwerke wieder ans Netz.

Juli
Spanien gewinnt die Fußballeuropameisterschaft.
Verfassungsschutzpräsident Heinz Fromm entlassen, weil die Behörde NSU-Akten vernichtet hat.
Mediatoren-Gesetz in Deutschland verabschiedet.
Erste freie Wahl in Lybien.
Parlament verabschiedet umstrittenes Meldegesetz.
Jeder fünfte Deutsche lebt allein.
Erneut Korruption bei der Fifa.
Bei Protesten in Israel zündet sich ein Mann an.
170.000 demonstrieren in Japan gegen Atomkraft.
Asylbewerber bekommen mehr finanzielle Unterstützung
Neckermann meldet Insolvenz an.
Selbstmordattentat auf israelische Urlauber in Bulgarien.
Kämpfe in Syrien dehnen sich auf Damaskus aus.
12 Menschen bei Batman-Premiere in den USA erschossen.
Heftige Unwetter in Peking.
Erste private Zuglinie zwischen Hamburg und Köln eingeweiht.
Deutsches Wahlrecht von Karlsruhe verfassungswidrig erklärt.
In Europa leben nur noch halb so viel Feldvögel wie vor 30 Jahren.

August
Lkw-Maut jetzt auch auf Bundesstraßen.
Mars-Sonde Curiosity gelandet.
Attentat auf Sikh-Tempel in den USA.
USA gewinnen die meisten Medaillen bei den Olympischen Sommerspielen in London.
Erdbeben im Iran.
Dürre in vielen Gebieten gefährdet Ernährungsversorgung.
Jugendliche machen Krawalle in Nordfrankreich.
Mutationen von Tieren in der Nähe von Fukushima entdeckt.
US-Hyperschallflugzeug stürzt bei Test ab.
Apple ist 621 Milliarden US-Dollar wert.
Ab sofort Down-Syndrom-Tests in deutschen Praxen verfügbar.
Gedenken zu 20 Jahre Programm in Rostock-Lichtenhagen.
Der erste Mensch auf dem Mond, Neil Armstrong, ist tot.

September
Stewardessen streiken in Deutschland.
Straßenkämpfe in Belfast zwischen Katholiken und Protestanten.
US-Botschaften in Libyen und Ägypten von radikalen Islamisten gestürmt, US-Botschafter ermordet.
Karlsruhe bestätigt ESM.
Mehr als 11.000 Kinder haben Brechdurchfall-Krankheit in Deutschland
Konflikt zwischen Türkei und Syrien.
Aufstand in Teheran.

Oktober
Euro Rettungsschirm ESM startet.
Gesundheitsfonds verfügt über 12 Milliarden Euro.
Friedensnobelpreis geht an die Europäische Union.
Abenteurer Felix Baumgärtner springt aus 39km Höhe.
Jeder sechste Deutsche ist armutsgefährdet.
Bundesbildungsministerin Schavan wg. Doktorplagiat engeklagt.
Erdgroßer Planet im Nachbarsonnensystem entdeckt.
Fritz Kuhn wird Oberbürgermeister von Stuttgart.
Hurrikane in den USA.
20-Jähriger am Berliner Alexanderplatz ermordet.
Hungerstreik von Flüchtlingen am Brandenburger Tor.

November
Barack Obama erneut zum US-Präsident gewählt.
Gewalttätige Proteste in Griechenland.
Studie: Fast jeder zehnte Deutsche denkt rechtsextrem.
Die „Frankfurter Rundschau“ ist insolvent.
Israel greift wieder den Gaza-Streifen an.
Europaweite Proteste gegen Sparmaßnahmen.
Tageszeitung „Financial Times Deutschland“ wird eingestellt.
Bürgerkrieg im Kongo.
Proteste der Opposition in Ägypten.
20 Jahre Brandanschläge in Mölln.
14 Menschen sterben bei Brand in Behindertenwerkstatt im Schwarzwald.
Erneut blutige Proteste auf dem Tahir-Platz in Kairo.
UN akzeptiert Palästina als Staat und Beobachter.

Dezember
Taifun Botha wütet auf den Philippinen.
Erneut blutige Ausschreitungen in Ägypten.
Anschlag auf SPD-Politiker Sebastian Edathy, der im NSU-Ausschuss sitzt.
Opel schließt Werk in Bochum 2016.
Studie: Minijobs zerstören Arbeitsplätze.
Fußballvereine beschließen neues Sicherheitskonzept.
„Der Hobbit“ startet in den Kinos.
Razzia bei Deutscher Bank.
Japan wählt Nationalisten.
Vergewaltigung einer Studentin führt zu Unruhen in Indien.
USA stehen vor Fiskal-Klippe.

28. Juni 2011 – Sommer in den Städten

Die Hitze hatte die Städte überfallen. Genau richtig für den Doppeljahrgang, der sich jetzt über Facebook zu sogenannten illegalen Partys in den Wiesen und auf den Straßen verabredete. Niemand kam zu Schaden. Außer ein waghalsiger junger Mann, der in Frankfurt von einer Brücke gesprungen war und sich arg verletzt hatte.

Die drei Jungs, die ich auf der Brücke der Industriebrache beobachte haben davon sicherlich nichts gehört. Ich warte, bis der eine springt, er taucht wieder auf. Ein wenig erleichtert klettere ich die Steine hinunter und springe selbst ins Wasser.

Ein paar Enten schwimmen um mich herum, vorhin ist eine Ruderin in eine Familie gefahren und hat sich noch nicht einmal umgedreht. Auch das kleine Entchen kam wieder aus dem Wasser aufgetaut.

Ein Typ fährt mit seinem Motorboot vorbei. In der Fresse die Kippe, vorne auf dem Boot thront seine Prinzessin und trinkt Alcopops. Ich steige wieder aus dem Wasser, lasse das Abtrocknen und ziehe auch mein Hemd nicht wieder an. In dem Hippielook fahre ich in die Stadt zurück. Am Himmel kreisen zwei Hubschrauber ohne Beschriftung. Ganz oben zerfurchen ein paar Flugzeuge das Blau. Eine wichtige Delegation aus China ist heute gekommen, sie will einkaufen gehen. „Ein wichtiger Schritt in der Entwicklung deutsch-chinesischer Beziehungen“, nennt das einer der deutschen Minister. Welcher, habe ich vergessen.

Vor dem letzten normalen Supermarkt des Viertels stehen ein paar Leute und unterhalten sich aufgeregt. Zumachen soll er, wie so viele andere Läden auf dem Block. Was anstatt dessen herkommen soll, fragt ein Mann. „Ein Bioladen!“, schnauzt die Verkäuferin, die kurz rauskommt, um die Erdbeerkästchen zu ordnen.

Ein Block weiter wurde das Baustellenschild umgeschmissen. „Hier entstehen vier Reihenhäuser und fünf Loft-Wohnungen“ hatte noch vorher drauf gestanden. Von der kleinen Tankstelle und dem Garagenhof ist nichts mehr zu sehen.

Ich klettere die Treppen hoch und setze mich auf den Balkon. Die Hippies gegenüber sind schon vor ein paar Tagen Richtung Fusion gefahren. Es läuft deswegen kein Techno auf dem Platz, sondern die Beatles. Unten schreien die Kinder wieder Fußballbefehle. Ein Mädchen hat gerade einen der Großen getunnelt.