20. Dezember 2010 – Hannover – Nordstadt

So eine dicke Eisschicht habe ich noch nie in unserer Straße gesehen. Wie Stefan Niggemeier schon gestern in der FAS schrieb: Für die einen ist es das grosse Schneechaos, für die anderen der Winter. Während Staat, Wirtschaft und Weihnachtsgeschenkjäger scheinbar unvorbereitet durchdrehen, grüßen sich Nachbarn, helfen sich beim Schneeschippen und schieben sich gegenseitig die Autos aus den Parklücken. Ein Cafébetreiber verteilt Kekse und die Kinder kriegen Kakao geschenkt. Im Park wird Schneefussball gespielt und Skilanglauf gemacht. Für einen kurzen Moment ist alles still.

Im Fotoladen/Postshop/Geschenkeklitsche brodelt es. Manch einer steht bereits seit vierzig Minuten an, um schnell noch ein Weihnachtspäckchen abzugeben. Einer wird nervös. „Wenn ich nicht bald nach Hause gehe, war der Paketbote schon da, und dann kann ich wieder hierherkommen, um mein Päckchen abzuholen.“ Der minderjährige Praktikant hinterm Tresen macht indes „Deine Mutter“-Witze und ordnet seelenruhig seine Apps auf dem Telefon.

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November 2010 – Böser Winter

In Leipzig hat es diese Woche geschneit, das erste Mal in diesem Winter. Es ist kalt und nass und so schnell wieder dunkel. Meine italienische Mitbewohnerin sieht inzwischen aus wie kleine Wollknäuel, so viele Schichten Kleidung trägt die Sonnenverwöhnte inzwischen. Sie versteht aber inzwischen, warum die Deutschen so wetterfühlig sind und das auch ihr liebstes Gesprächsthema ist. Da hat sich das Auslandsjahr ja schonmal gelohnt…

Mich selbst hat der Winter bis jetzt noch nicht verprügelt, und das verdanke ich wohl unserem inoffziellem vierten Bandmitglied: dem Ingwer. Am Anfang schaute Egge schon komisch, als ich auf Tour immer wieder eine Knolle hervorzauberte, ein kleines Stück abbiss und leidlich genießend verzerrte. Inzwischen nimmt er manchmal selbst etwas. Vor allem, wenn wir wieder einmal früh morgens auf irgendeinem Bahnhof stehen, drölf Stunden geschlafen haben und uns alles andere als wie eine Band fühlen.

Über die einzelnen Wirkstoffe in dem Gelöt möchte ich mich an dieser Stelle gar nicht äußern, dafür reicht ja schon der Esopedia-Eintrag. Aber ich will mich, und das ganz ohne besonderen Anlass, dir danken, du toller Knolle!