15. Juli 2011 – Leipzig – Feinkost

Ich mache auch was mit Medien. Das hätte fast jeder Gast sagen können, vor dem wir auf dem Leipziger Feinkost Gelände in der Südvorstadt spielten. Denn vor der Bühne stand mit den Leipziger Journalistikstudenten wohl ein Teil der zukünftigen Medienelite des Landes. Gut also, dass kein investigativer Reporter Fotos von der Semesterendparty gemacht hat.

Gut auch, dass das Semester vorbei war. Denn die meisten wirkten müde und erschöpft. Neben ihren Seminaren und Vorlesungen mussten sie sich in den vergangenen Monaten mit Gerüchten rumplagen, ihr Institut könne komplett umgebaut und vielleicht sogar geschlossen werden. Streits zwischen Lehrenden und Studenten und eine allgemein schlechte Stimmung zog sich so durch die Flure und demotivierte einige so weit, dass sie vorzeitig ihr Studium abbrachen. Nach dem Sommer werden außerdem mehrere Dozenten nicht wieder kommen. Ob aus der Journalistik aber letztendlich ein Lehrstuhl für Umwelt- und Gesundheitskommunikation wird, bleibt offen. Dass der Journalistennachwuchs aber tanzen mit singen kann, haben sie gezeigt. Es besteht weiter Hoffnung um die vierte Macht im Staat.

Wir haben jetzt übrigens ein neues Bandmitglied. Herr Holle ist ein besonders lautes Crashbecken, das sich darauf freut, immer wieder von Egge mit Sticks gehauen zu werden. Ein erster Schritt in Richtung organischer Sound. Demnächst machen wir nur noch Singer/Songwriter.

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20. März 2010 – Leipzig – Ilses Erika

„Der Kapitalismus ist an allem schuld.“ Na klar mussten wir an so einen Taxifahrer geraten, der zwischen anschaulichen Beschreibungen der Messestadt Leipzig kleine politische Splitter setzen würde. Es ist Buchmesse in der Stadt. Das heißt, neben zahlreichen Jungautoren, Literaturfans und Möchtegernkünstlern bevölkern vor allem Horden von Cosplayern die Straßen – Verkleidete bekommen zur Messe freien Eintritt und können sich dort in einer ganzen Halle nur Comics, Mangas und Visual Novels anschauen. „Früher fand man so etwas ja schon komisch“, kommentiert unser Fahrer die vielen Prinzessinnen, Krieger und Neonsamurais. „So lange das friedlich abläuft, kann jeder machen, was er will.“

Unser Engagement führte uns an diesem Abend in den schönen, von Gentrifzierung betroffenen Gründerzeitstadtteil Connewitz, zur Ilses Erika – dem, wie uns von vielen Seiten gesagt wurde, schönsten Kellerklub Leipzigs. Wir waren da zur Aftershowparty der Buchmesse, die unser Verlag Sprechstation gemeinsam mit spokenwordberlin veranstaltet hatte. Das hieß, neben vielen Freunden auch endlich die neue Vinyl-EP in Empfang nehmen zu können.

Es war das erste Mal, dass wir in Leipzig aufgetreten sind und freuten uns, in dieser Stadt, die uns beiden persönlich viel bedeutet, spielen zu dürfen. Danke an alle, die da waren. Vor allem an die tollen Künstler, mit denen wir die Bühne teilen durften: Renato Kaiser, Philipp Scharri und The Fuck Hornischen Orchestra, yeah. An ihren Vorstellungen war wieder einmal zu sehen, wie schnell und konstant sich die Poetry-Slam-Szene immer weiterentwickelt. Auch wenn die Feuilletons die Szene weiterhin ignorieren, fast keine künstlerische Szene in Deutschland ist so lebendig, so vielfältig und so bodenständig, wie diese. Auch wenn nach wenigen Minuten die erste Zuschauerin wegen der Hitze im Keller in Ohnmacht fällt, friedlich läuft es fast immer ab