September 2013 – Butterfahrt-Herzinfarkt-Tour

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07. Januar 2012 – Arpke – Hinterhof

Alle regen sich auf. Über das Wetter. Über Politiker, die gelogen haben sollen oder über Berühmtheiten, die gar nicht so nett und freundlich sind, wie alle immer gedacht haben. Über Fußballer, die sich verletzen und gar nicht so geil spielen, wie sie sollten.

Und immer wieder über die Jugend. Über diese rotzfrechen Gören, die sich anmaßen, auf Elektro zu rappen. Eskalation zu schreien, anstatt nur Whoop,whoop! Die die Band nicht kennen und die andere auch nicht. Obwohl die doch so wichtig waren für die Entwicklung der gesamten Popkultur. Wie können die nur!

Und genau an dem Punkt wird es scheiße. Wir spielen immer wieder in Kontexten, wo das Durchschnittsalter unseres Publikums weit unter unserem liegt. Mit Bands, die im Grundschulalter waren, als der Euro eingeführt wurde. Und die alle keine Ahnung haben, wie sich das anfühlte, damals in den 90ern oder Anfang des Jahrtausends. Und ganz ehrlich: Es nervt, wenn Menschen ihnen daraus einen Vorwurf machen. Unbedingt versuchen durch ihr Alter reifer, weiter und irgendwie cooler zu sein, weil sie At the Drive-In noch live gesehen haben, oder Rage Against The Machine vor der Auflösung vorm Comeback. Dabei vergessen zu viele Leute, dass sie selbst mal in dem Alter waren.

Wir zumindest habe keine Lust, altersmäßig abgeschottet unterwegs zu sein und nur mit Gleichaltrigen zu hängen. Neben dem Rassismus und Sexismus ist die Altersdiskriminierung eine echte Herausforderung für unsere Gesellschaft! Deshalb war es auch wieder erfrischend im Jugendzentrum Hinterhof in Arpke mit lauter Musik vollgeschallert zu werden und sich beim Bier über die Vorteile von Jung- und Altsein zu unterhalten. Danke dafür!

12. Februar 2011 – Arpke – Jugendzentrum Hinterhof

(Jugendzentrum Hinterhof im Sommer. Quelle: lehrte.de)

Als Egge vor einem halben Jahr mit der Idee kam, in den Jugendzentren unserer Teenagerjahre aufzutreten, war Carlos sofort überzeugt. Seins hat leider bis heute nicht auf die Anfrage geantwortet, Egges schrieb sofort zurück. Und so suchten wir an dem dunklen Sonnabend im Februar unseren Weg durch den Schneesturm der Ländereien um Lehrte und fanden im kleinen beschaulichen Dorf Arpke das Jugendzentrum Hinterhof, in dem wir herzlich empfangen wurden und folgendes gelernt haben:

1.18-Jährige haben mehr Energie und Kraft als man denkt. Da muss man echt vorsichtig sein, wenn man zum Pogo aufruft. Auch Stagediven muss geübt werden. Beim zweiten Mal klappt alles besser.

2. Rosa Rauschen ist ein super Klavierspieler, für seine guten Texte war das Publikum aber manchmal wohl nicht „konzentriert“ genug. Weitermachen! Wir sehen uns in Frankfurt!

3. Wenn man auf das letzte Shuttle zum Lehrter Bahnhof hinweist, hauen fast alle ab. Die, die bleiben, wohnen aber nicht im gleichen Dorf, sondern stärken sich für die kilometerlange Wanderung durch Kälte und Schnee mit dem letzten Rest Musik. Von wegen Generation Internet.

4. In jedem Dorf in Niedersachsen gibt es mindestens einen schönen Ort, an dem eine Bank steht und man das Treiben beobachten kann. Außerdem gehört zu Grundversorgung in der Provinz: eine Gastwirtschaft „Zur Eiche“, ein chinesisches Restaurant „Mayflower“ ein Grieche „Akropolis“, ein Einkaufszentrum mit Discounter, Bäcker und Getränkemarkt, das obligatorische Erster-Weltkriegs-Denkmal, ein Weiher, der Dorfverrückte, der immer genau weiß, wo etwas los ist.

5. Este und March vom Elektrischen Widerstand schaffen es locker, die Energie eines stundenlangen Sets innerhalb weniger Minuten abzufeuern und sind dann noch nicht mal sauer, wenn es um 23.30 Uhr heißt: Feierabend.

6. In Arpke arbeiten und am Deister wohnen kann sehr erholsam und trotzdem Punk sein: Hinterhof-Cheffe Tobi ist das beste Beispiel.

7. Nach Auskunft der örtlichen Jugend gibt es auch in Arpke nie genug Bass. Überall auf der Welt ist das Problem bekannt. Wir erwarten, dass sich die UN Generalversammlung damit auseinander setzt.

8. Bei alten VWs kann man alles reparieren. Alles! Und wenn sie rot sind, dann treffen sie sogar den aktuellen Trend.

9. Im Spandau in Hannover kann man wahnsinnig gut versacken und sich mit dem Cheffe beim Wein lange Diskussionen über die richtige Schulform, Musik und Architektur liefern. Und die Djanes spielen dazu Take That.

10. Winter nervt.