Egges Rückblick zum Jahr 2016

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Ein Ausflug in die alte Heimat: Sommer in Neubrandenburg.

Meine Fresse, was war das denn?! Wir waren euphorisch im Frühjahr, im Sommer einfach drauf, im Herbst in einer Art Jahreszeit gewordenem Sauerstoffzelt & im Winter ordentlich bei der Inventur. Das Jahr 2016 war eines der intensivsten Jahre der Bandgeschichte – passend zum zehnjährigen Bestehen der Band mit dem komischen Namen. Vielleicht sind wir alt geworden? Vielleicht kosten Jobs, Ideen & Projekte außerhalb des Banduniversums doch mehr Kraft, als man es für möglich hält? Oder sind es die gesellschaftlichen Umbrüche, die einen nicht richtig schlafen lassen? Privates & Politisches. Gehörte für uns als Band immer zusammen. Gehört es immernoch. & manchmal möchte man die ganze Welt einfach gegen die Wand schmeißen und mit den Scherben nochmal neuanfangen & basteln. Geht nur nicht. Also zurück ins Werk.

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Beatpoeten auf der Bühne zum Internationalen 1. Mai Fest.

Da hilft es tatsächlich, ein wenig in den Fotos, Flyern und Erinnerungsfetzen zu kramen. Was war da eigentlich los, 2016? Waren wir viel unterwegs? Zu viel? Zu wenig? Gab es was zu entdecken? Haben wir etwas vergessen? Bestimmt. Mehr als ein Handy und eine Bahncard auf jeden Fall. Ein Versuch der Bestandsaufnahme.

Wir fangen einfach an. Die zehn besten Konzerte 2016

1. FCKR – Release-Show Soundso, Leipzig

2. Blixa Bargeld & Teho Teardo, Lissabon

3. Die NervenFaust, Hannover

4. The Incredible Herrengedeck, SO36, Berlin

5. Art Garfunkel, L’Olympia, Paris

6. Isolation Berlin – Faust, Hannover

7. Feine Sahne Fischfilet – Festival Täuchental, Leipzig

8. Hyäne Fischer, Fête de la Musique & Alt-H

9. NOFX & Pennywise, Faust, Hannover

10. KIZ, Swiss Life Hall, Hannover

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Posterboy in Leipzig mitm Monchi.

FCKR war eine Band, die mich dieses Jahr sehr begleitet hat. Immer druff. Ironisch. Klar. Irgendwie auch nicht. Da passen die verzweifelten Isolation Berlin-Schreie, der Postindiekram von Die Nerven, die Ansagen von NOFX bis FSF.

Die zehn Neuentdeckungen für mich 2017

 

1. Meute, Kulturarena, Jena

2. Gruppa Karl-Marx-Start, NBL, Leipzig

3. Das Flug, blank, Berlin

4. Oi of the Tiger, Heinz, Hannover

5. Coca Candy, Fährmann, Hannover

6. Argies, Störfaktor, Zwickau

7. Aktiv Passiv, Chekov, Cottbus

8. Rabaukendisko, Glocksee, Hannover

9. Klostein, Störfaktor, Zwickau

10. The Black Madonna, Fuchsbau-Festival

https://dasflug.bandcamp.com/track/deutlich-unterbewaffnet-in-hellersdorf

Ich merke immer mehr, dass die schönsten Konzerte vor allem mit Leuten zu tun haben, die man ins Herz geschlossen hat. Da mag nicht jede Note richtig sitzen, mit den richtigen Menschen im Publikum, an den Instrumenten oder an den Reglern passt das alles schon. Meute sind mittlerweile quasi berühmt, die Argies hab ich Jahrzehnte zu spät entdeckt, und Rabaukendisko sind vermutlich schon wieder durch. Egal. War schön. Und Das Flug trifft bald Coca Candy und Beatpoeten beim Wutzrock. Harhar.

Für die Vollständigkeit: nicht neu, aber noch immer spannend & großartig

1. Messer, Glocksee, Hannover

2. The Hirsch Effekt, Reeperbahn-Festival

3. Lumpenpack, Fährmann, Hannover

4. Kasimir Effekt, Fuchsbau-Festival

5. Beatbar, Fährmann, Hannover

Messer hab ich sehr gemocht. Haben mich überrascht in ihrer Dringlichkeit. Die anderen Bands sind wie kleine Schätze, die man in der Brusttasche trägt. Und wenn wieder jemand nach kleinen Tipps fragt: Bäm!

Tacheless: Voll auf die Band gefreut, dann mit angezogener Handbremse zugeschaut

1. Beginner, Swiss Life Hall, Hannover

2. Milliarden, Heinz, Hannover

3. Alin Coen Band, Täubchental, Leipzig

4. Dirty Honkers, Ballhof, Hannover

5. Zugezogen Maskulin, FCLR, Hannover

Natürlich liegt es an den Umständen. Aber bei Alin Coen musste ich weg, die Honkers haben das Gaspedal verfehlt, und Zugezogen Maskulin? Ich mag die Musik, live hab ich keine einzige Zeile verstanden. Mhh. Ach so: die Beginner waren mit ihrem Set nach 45 Minuten durch. Am Rest der Show rätsel ich noch. Warum sollten wir für ein Video nochmal zu Samy Deluxe tanzen?

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Fusion-Konzert für zehnjährige Edelklos. Danke, HCWC!

So. Achtung, ernsthafte Kategorie: die zehn besten Beatpoeten-Auftritte

 

1. Fusion – Landebahn-HCWC (Eine Musik gewordene Liebeserklärung)

2. Ende Gelände-Abschluss-Rave (Danke, Herrengedeck!)

3. Hafenklang-Exil, HH (mit DiskoCrunch) (Heiß, mit DJ Costa)

4. Burg Herzberg Festival (Literaturrave)

5. Punx Picnic Neubrandenburg (Heimspielcharakter)

6. Bahnrave zum Open Flair (Grüße gen Renato, Felix und Tilman)

7. Lesung in Glocksee mit Leo Fischer (Grüße gen Malte & Indiego-Team)

8. SO 36, Berlin (mit Herrengedeck)

9. about.blank, Berlin (mit Das Flug)

10. KuZe, Potsdam

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Auf gehts, ab gehts, Ende Gelände.

Ganz wunderbar war es natürlich auch in Ravensburg, Witzenhausen, Cottbus & Zwickau, im Klapperfeld Frankfurt und vor allem herzlich in Norderstedt & Nordhausen. Vergesst diese Aufzählungen. Dieses Jahr war ein einziges Geballer & ihr habt uns trotzdem selig gemacht.

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Stillleben mit neuer Platte „Geheul“.

Zehn besondere Beatpoeten-Momente

1. Das dritte Album ist tatsächlich erschienen (Danke, Tobi!)

2. Neue Lesung „Unterwegs – das Elend“ läuft ausgerechnet beim A Summer’s Tale

3. Das neue Enterpreneur-Duell bei KreHtiv

4. Punker-Lesung endlich in der Køpi

5. Die letzte Mal Pegida-Lesung, Eisfabrik

6. Soundtrack zu „Traum.Ruine.Zukunft“ – dem Film zum Ihmezentrum

7. Video zu „19“ – kaum Reaktion – vielleicht stellen wir doch auf Youtube um

8. Erstes Plastic Bomb-Interview überhaupt

9. Doppelseiten-Text im Human Parasit

10. Release-Party läuft bei Onkel Olli – ohne Musik

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Start-Up-Familienduell in der Cumberlandschen Galerie beim KreHtiv-Geburtstag.

Zehn schräge Beatpoeten-Momente

1. Arbeitermedley zum 1. Mai in Braunschweig geht völlig schief 

2. Kaputter Nachmittags-Rave in Doksy

3. Kabelschnitt in Cottbus

4. Vinyl-Songliste passt nicht zur Pressung (ahh!)

5. Einkaufswagen auf der Bühne in Zwickau

6. Naziangriffe bei Ende Gelände

7. Mehrwertsteuer-Gau im Dezember

8. Textsicherheit der blank-Besucher bei Battlerap-Lesung

9. Schüler im Kunstverein Ravensburg

10. Wir haben laut Linus Volkmann eines der besten Punkalben im Herbst veröffentlicht

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Arbeiter, Bauern, Fahnenträger. Braunschweig 2016. Dem Morgenrot entgegen.

An dieser Stellte sollten die schönsten Alben folgen, FCKR ist genauso dabei wie Stereo Total oder die wunderbare Sammlung „Falscher Ort, Falsche Zeit Vol. 2“. Aber so recht komme ich in diesem Jahr nicht mit. Gerade noch Bowie gekauft, stirbt er. Bei Isolation Berlin komm ich kaum nach und kann die Alben nicht auseinanderhalten. Gerade läuft das Album  „Der Spielmacher“ mit Rösinger, Spechtl, Türen & Jens Friebe. Alle großartig. Das schönste Lied kam aber spät und ist von Jetzt! – uralt.

Achtung, Emotionen

Meine Mutter ist tatsächlich endlich im Ruhestand und ich feiere das sehr

Ausflüge gen Amrum, Paris, Lissabon, Prag & Rügen
Gründung des Büro für Popkultur & Zukunftswerkstatt
Freundeskreis-Abende & kreHtive Ausflüge
Die Arbeit ruft von Slam 2017 bis zur Goldenen Fanfare

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Rückzugsort Rügen.


Sommereinsätze & Weihnachtshilfe-Rekord
Süntelbuchen, Feldstern & Märchenwälder
Freunde & Menschen voller Liebe
Gegen jede Angst & Rassismus
Ein sprechendes Patenkind
Hochzeiten & Todesfälle
Familie neu entdecken

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Sehr selten: Süntelbuchen.

Das kommentiere ich hier alles weniger. An jedem Stichwort hängen Erinnerungen, Gefühle & Eindrücke, mal schmerzhaft, mal voller Herzlichkeit. Ich danke allen Menschen für ihre Liebe, Geduld & oft auch: für ihr Verständnis.

Lumix Festival: HAZ-Talk im Container (oder:
HAZ-Fotocontainer beim Lumix-Festival in Hannover.

Wieder was gelernt

1. Das erste Mal Eisstockschießen

2. Jurymitglied bei Jugend spielt für Jugend

3. Foto-Container beim Lumix-Festival für Fotojournalismus

4. Mitglied einer Bulli-Schau-Jury

5. Freier Fall im Hochseilgarten

6. Hexenschuss

7. Schwarzlichtminigolf

8. Endlich Lammbock

9. Ihmezentrums-Picknick

10. Xylophonsolo
11. Das erste Mal Off-Sprecher in einem Film
12. Arbeitsplatten-Ausschnitt für Küchen
13. Das erste Einstecktuch
14. Sturmglocken-Halloween
15. Suppenverkauf für den guten Zweck

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Beatpoeten in Prag.

Dieses Jahr war geprägt von neuen Erfahrungen und Sprünge ins kalte Wasser. Manchmal merkt man das erst hinterher. Soll ja jung halten. Aber insgesamt war ich doch öfter bei Ärzten als nötig. Danke, 2016!

Die schrägsten und schönsten Kulturmomente 2016

1. Der Film Lobster – alles daran ist genial
2. Die Gründung der Hörregion & die Gala im HCC & die Dadüdada-Performance dazu
3. Annadigiding – Stell dir vor, Rainald Grebe macht was – und keiner geht hin
4. Cheerleader in Finnland – ein Film, den ich nicht verstehe
5. Hörspielsommer Leipzig – weil die Idee nach Hannover muss

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Musik und Mousse T bei „Digital Sounds“.

Die schönsten Moderationen 2016

1. Der Konferenz „Digital Sounds“ im Anzeiger-Hochhaus. Hatte ich unterschätzt, bin nach Vorträgen von Sennheiser und Hochschulprofessoren und Gesprächsrunden mit Mousse T. bis Toshifumi Kunimoto von Yamaha sehr klüger rausgegangen.
2. Verleihung des Niedersächsischen Wirtschaftspreis mit Stephan Weil und Olaf Lies. Spannende Preisträger & schöne Geschichten. Und vor allem: munterer als 2015.

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Klimaretter der Region Hannover.


3. Klimaschutzkuratorium der Region Hannover mit Kammerchefs, Klimarettern und Experten wie Karsten Schwanke. Ein kurzweiliger Ritt durch gefühlt 15 Talkrunden.
4. Hauptbühnen beim Entdeckertag, Autofreier Sonntag & Aktion Sicherer Schulweg: ich mag die hannoverschen Großveranstaltungen, wenn sie so abwechslungsreich vom Programm ausfallen wie diese.
5. NOFX & Pennywise auf der Faust-Wiese: fürs Herz
6. Metropolversammlung in Osterode mit OBs, Uni-Präsidenten, Kammerchefs, …
7. Tag des demokratischen Engagements mit Konstanze Beckedorf im Neuen Rathaus

Tag des demokratischen Engagements
Spax fordert gelebte Demokratie.


8. Ihmezentrums-Diskussionen im Capitol und im Zentrum mit Stefan Schostok, Verwalter Torsten Jaskulski und dem Bund Deutscher Architekten
9. Festival-Talks beim Fuchsbau-Festival, Fährmannsfest & Lumix-Fotojournalismus
10. Das neue Start Up-Slam
-Format mit VOXR-Technik an der Leibniz-Universität

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Start Up-Slam an der Leibniz Universität.

11. Ehrenamtsgala des Freundeskreis Hannover
12. HAZ-Foren zu Hannover 96 mit Bader & Stendel, Hebammen, A2, Image & Inklusion
13. Studentenw
erkspreis & „Von Leibniz zu Bahlsen“-Gala
14. Suchthilfelauf & Helmfest, Weihnachtsmarktfeten, Expertenforen & HAZ-Aktionen

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Spendensammlung in der Neustädter Hof- und Stadtkirche.

15. Poetry Slams, Science Slams & der Fanfarenzug-Slam zum Schützenfest, im Gartentheater Herrenhausen, Audimax Göttingen, Opernhaus, Lessing-Theater Wolfenbüttel, Stadthalle Holzminden, Schloss Bevern, Oldenburger Exerzierhalle, Kulturmühle Buchhagen, Empore Buchholz, Kirche Seelze, Salon Hansen Lüneburg

Insgesamt komme ich auf mehr als 80 Moderationen für 2016. Mal kleine Ansagen, mal ganze Tagesprogramm. Es ist immernoch sehr vielfältig von Punkrock bis Preisgala. Und ein wenig hoffe ich, dass es so bleibt. 2017 stehen Klostertage an, die deutschsprachigen Slammeisterschaften & Medienkonferenzen. Der Science Slam zieht ins Schloss Herrenhausen und auf die IdeenExpo 2017. Und der Leinestern wird vergeben.

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Fertig in Hamburg.

Und nun? Ein neues Jahr liegt vor uns und mir. Am Anfang dieser Aufzählung dachte ich, so viel war 2016 doch gar nicht los, warum bin ich so müde? Ach ja. Darum. & trotzdem kann ich es gar nicht abwarten, den Kalender zu füllen, Pläne mit wunderbaren Menschen zu schmieden & treff gleich einen wie Herrn Costa, um Unfug und Umstürze zu planen. Das Übliche also. Kommt gut ins Jahr 2017. Weitermachen & munter bleiben.

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Lesung zu 10 Jahre Beatpoeten beim A Summer’s Tale in Luhmühlen.

Oktober 2013 – Twisted Chords Labeltour Norden

Punks mit Zeitung, 2013

Bei den original Beat Poets, denen wir den Namen geklaut haben, war das Unterwegssein das Gemeinsame, Verbindene. Jack Kerouac nahm es wörtlich und war: unterwegs. Auf der Straße, auf den Schienen, zu Fuß. In den 1950er Jahren durchquerte er die USA mehrmals und traf auf ein Land, das gerade einen Krieg gewonnen hatte. Das „Fuck yeah Murica“ war zu dem Zeitpunkt das vorherrschende Gefühl, aber nicht für Frauen, Nichtchristen oder Nichtweiße. So wurde Kerouacs Buch „On The Road“ („Unterwegs“ im Deutschen) einerseits zur Dokumentation einer wilden Reise von Lebensverrückten, aber auch eine Sammlung von Blitzlichtern auf Nordamerika.

Punks in Landschaft, 2013


Blitzlichter von Mitteleuropa sammeln – das war für uns immer auch das Wichtigste beim Touren, beim Unterwegssein. 80 Jahre später sitze ich mit Egge in einem VW Campingbus und fahre durch die niedersächsische Pampa: Acker, Reiterhof, Hühnermastbetriebe. Wir haben uns verfahren, und es ist Tag der Einheit. Feiertag für manche. Wir beide sind schon ein wenig froh, schließlich kommt einer von uns aus dem Westen, der andere aus dem Osten. Und an diesem schönen Tag fahren wir von meiner Heimat Hannover in Egges alte Heimat Mecklenburg-Vorpommern. Sollten es zumindest, denn wir bewegen uns nur langsam. Als die Straße plötzlich zuende ist, macht sich Verzweiflung in der Gruppe breit. Großes Gelächter, ein wenig hysterisch, weil wir heute Abend ja alle noch spielen wollen im Peter Weiss Haus. Ein Reh springt auf. „Endlich Natur.“ „Scheiß drauf, ich will lieber Autobahn.“

Egge und ich sind seit Ende 2006 unterwegs, rund 300 Auftritte werden es gewesen sein. Aber wir waren noch nie auf einer Tour mit einer ganzen Crew: Jetzt sind wir 19 Leute, verteilt auf vier Autos. Dazu noch Gepäck, Instrumente, ein ganzen Sack voller dummer Sprüche und schlechter Witze. Eine Art Punkrockpraktikum, das wir hier bekommen. Und dazu gehört auch, sich in eine so große Gruppe reinzufühlen, Feelgood-Management machen, Rücken kraulen oder auch mal gepflegt anschreien. Dit is Punk, dat raffste nie. Als wir in einem Wohnprojekt in der Rostocker Innenstadt die Kellerbar mit schlechtem Schlager, Fußballliedern und Punkrockklassikern füllen, lernen wir die wichtigste Regel: Gegrölt wird nicht auf Tour – die Stimme muss geschont werden. Zu spät!

2012 haben wir mit „Man müsste Klavier spielen können“ unser zweites Album herausgebracht. Tobi von Twisted Chords hatte damals den Mut, die Lieder auf CD und Vinyl zu pressen. Dafür sind wir ihm dankbar – es gehört schon ein Risiko dazu, eine so unbekannte Band wie uns herauszubringen. Im Frühjahr 2013 sprach er uns dann an, ob wir uns vorstellen könnten, mit auf Tour zu gehen. Amen 81, Kaput Krauts und Todeskommando Atomstrom würden auch mitkommen. Wir würden zum Aufwärmen unsere Punkrocklesung machen und dann zum Abschluss den Elektro-Rausschmeißer spielen. Na klar hatten wir Lust darauf! Die Hinrunde war im Norden: Hannover, eben Rostock, Hamburg und Kiel. Eine Klassenfahrt also und wir als einzige nicht Punkrocker dazwischen.

Der Hafen, 2013

„Schiffe gucken“, flüstere ich Egge zu, als er mich im Bus fragt, worauf ich mich vor allem freue: Rostock, Hamburg, Kiel – alle drei Städte haben zauberhafte Häfen. In allen drei Städten gibt es eine obligatorische Tour zum Wasser und das seufzende Aha, das sich an diesen Orten immer einstellt. Schöne weite Welt. Und wenn man morgens dann im Blauen an der Waterkant steht, den kalten Wind in der Nase, den Kopf unter der Mütze versteckt – dann möchte man einfach weiter fahren, immer weiter. Eine Tour, die nie aufhört.

Ende eines Abends, 2013
Während außerhalb des Autos die Welt an einem vorbei fliegt und das wirkliche Leben nicht im Backstage abläuft sind das diese kleinen Momente, die die Strapazen auf Tour vergessen lassen: Das ewige Warten, die Kälte, die Angst, keiner könnte kommen. Egge und ich haben nicht vor, alleine von der Musik zu leben. Und 2013 ist dies auch nahezu unmöglich geworden – aber gemeinsam mit Gleichgesinnten an der Theke zu stehen, schlechte Lieder zu „singen“, dann aber auch wieder über Zukunft, Familie, Politik, das schöne Leben zu sprechen, sich Tipps abzuholen, austauschen – das könnte ewig weitergehen. Geht es auch.

Twisted Chords Südtour
30. Oktober 2013 – Leipzig – Bermudadreieck Plagwitz
31. Oktober 2013 – München – kafe marat
1. November 2013 – Tübingen – Epplehaus
2. November 2013 – Basel – Hirscheneck

Oktober 2013 – Twisted-Chords-Labeltour

Im Oktober geht es auf Klassenfahrt mit Amen 81, Todeskommando Atomstrom, Kaput Krauts – die Twisted-Chords-Labeltour kommt in folgende Städte:

02. Oktober 2013 – Hannover – Indiego Glocksee (mit Exilent)
03. Oktober 2013 – Rostock – Peter-Weiß-Haus
04. Oktober 2013 – Hamburg – Hafenklang
05. Oktober 2013 – Kiel – Alte Meierei

Dazu wird es einen Labelsampler geben, zwei Lieder pro Band auf Vinyl. Wir sind mit den neu aufgenommenen Liedern „Neues Preussen“ und „Mein Freund ist Hipster“ dabei.

17./18. Mai 2013 – Hamburg/Hannover – Popper lesen Punk

Hamburg, kurz vorm Regen

Am Himmel ziehen dunkle Wolken auf. Der Fernsehturm Hamburgs verschwindet fast in der Dunkelheit. Die S-Bahnen rattern hell erleuchtet an uns vorbei. Die Feuertonne brennt noch nicht, aber es ist auch noch warm genug an diesem Freitagabend im Mai. Wir besuchen unsere Freunde vom Zomia-Wagenplatz mitten in Hamburg. Ein wenig erschrocken sind wir schon darüber, wie zentral dieser Platz ist: Keine fünf Minuten entfernt ist das Schulterblatt – die Großraumdisko des Schanzenviertels. „Nein, momentan müssen wir keine direkte Angst haben, geräumt zu werden“, sagt einer der Bewohner, ein Tausendsassa, wie alle. Die hier nicht nur ein Kompostklo ohne Ekelfaktor, ein Gemüsebeet und eine Gemeinschaftsküche betreiben, sondern leben, lieben, arbeiten, genießen. „Hauptsache, ihr seid bei eurer Lesung nicht zu leise“, droht eine andere uns lächelnd. „Neulich war hier jemand und hat Lyrik gemacht, die ist gar nicht durchgekommen.“

Unser größter Feind ist an diesem Abend das Gewitter, das direkt vor Beginn eine erste Salve Regentropfen schickt. Eine Minute später sind alle Römerzelte aufgebaut, und niemand muss frieren oder wird nass. So ein bißchen Regen schockt hier niemanden. Dafür uns aber der kurze Gang später nach St. Pauli. Die Stadt ist wieder mal voll mit Feiernden, Pöbelnden, Lauten – und weit und breit kein Wasserwerfer zu sehen. Wir verdrücken uns in den Gästebauwagen, erzählen uns Gruselgeschichten und träumen vom Meer.

Der Hamburger Hauptbahnhof explodiert am nächsten Morgen. Es ist Pfingstwochenende, Urlaubszeit. Bio-Familien mit Kinder vergessen kurz die gute Erziehung, die sie ihren Leonies, Lucas oder Finns beibringen wollten und schubsen, spucken, schimpfen. Alte Frauen haben ihre Ellbogen gespitzt. Teenager ätzen ihre schlechte Laune im Abteil umher. Wir verziehen im ICE ganz nach hinten, bauen eine Burg aus Zeitungen und schlechten Witzen und ignorieren die Lüneburger Heide, die am Fenster vorbeidüst.

In Hannover sind wir mit zwei Leipziger Genossen zur Stadtführung verabredet: Das Schöne an diesem Rumgetoure ist ja, dass man immer wieder tolle Menschen wiedertrifft. Dieses Mal kommen zwei davon uns in unserer momentanen Homebase besuchen. Also ab durch Linden, Nordstadt, Calenberger Neustadt, die Innenstadt ignoriert, die befreundeten Goldkint angeschaut. Bei einer Mischung aus Fußballturnier und Musikfestival sind die vier leider Letzte geworden, dürfen dafür als erstes auftreten. Das Open-Air wird vom Regen nicht eine Spur beeinträchtigt. Eine Zuschauerin hat sich Plastikmüllbeutel um die Schuhe geschnürrt, so kann sie ohne Stress durch den Matsch waten. „Endlich wieder Festivalsaison.“ Beim Alerta Deathfest herzen wir Timo, der seinem Umzug nach Hannover der Stadt nicht nur ein tolles Punklabel geschenkt hat, sondern auch ein abgefahrenes Festival. Nach unserer Rotweinlesung geht es noch auf den Küchengarten, die Demo gegen die Innenministerkonferenz anschauen. Dann aber schnell nach Hause: Mit dem Eurovision Song Contest das bunte Europa anschauen und das Wochenende begrüßen.

Danke an Linna für das Foto.

05. November 2010 – Hannover – Indiego Glocksee

Stell‘ dir vor, es ist Klassentreffen, und alle sind sie da: Die Streber, die Hänger, die Chiller, die Hippies, die Punks, die Raver, die Lieben, die Verrückten, die Starken, die Weichen, die unglaublich tollen Menschen.

Stell‘ dir vor, es ist Klassentreffen, und du hast dich seit Jahren auf genau diesen Moment gefreut, wo alle da sind, du für jeden ein paar schöne Wörter zurecht gelegt hast, und jede/r dir mit einem Lächeln, mit einem Grinsen, mit einem Witz oder mit einem Blick zeigt, dass es ihm/ ihr genauso geht.

Stell‘ dir vor, es ist Klassentreffen, und du stehst auf der Bühne, die Lampen lassen dich schwitzen und der Wein lässt das Zittern in deinen Beinen zu einem sanften Rhythmus werden. Jemand ruft „Anfangen!“, und plötzlich ist wieder alles vorbei. Du trittst raus in den Regen, steigst in ein Taxi, das du dir zur Feier des Tages gönnst, und sitzt irgendwann in deiner stillen Küche, fast allein. Und in diese Stille herein hörst du die Uhr schlagen. Tick, tack, tick, tack.

Danke für dieses Klassentreffen.

17. bis 19. September 2010 – Hannover – Oikumenische Schnauzbarttage

Ein Mann  ohne Bart ist nicht angezogen. Eine Frau eigentlich auch nicht. Gut, dass es Feiertage wie die Oikumenischen Schnauzbarttage gibt, die immer wieder an die Unterdrückung der OberlippenbartträgerInnen erinnern!

In Hannover wird seit mindestens hundert Jahren an die Notwendigkeit des Respekts für den Bartwuchs erinnert, der soviel mehr ist als schnöde Mode oder Zeichen hippem Pseudobohemiantums. Eine Ehrensache, an diesen Tagen unsere Solidarität auszudrücken und aus Protest ebenfalls Schnauz zu tragen. (Costa protestiert wohl die meiste Zeit des Jahres sowieso). Als Zeichen des Respekts hier ein paar Bilder zu dem wohl wichtigsten niedersächsischen Feiertages nach dem ersten Wochenende im August und dem ersten Samstag im September.

Jemand Tolles hatte sogar extra einen Automaten aufgestellt, wo man sich Bärte zum aufkleben und Bartbürsten ziehen konnte.