20. März 2012 – 800 Jahre Thomaner Chor

Sie ignoriert die rote Ampel und fährt durch, und es blitzt. Zweimal orange. Weil auf der anderen Spur so ein komischer Typ an seinem Auto stand und irgendwas reparierte. „Der sah gruselig aus.“ Also lieber um 1 Uhr nachts geblitzt werden. „Beschwer dich nicht, ist immer noch billiger als vom Flughafen mit dem Taxi nach Hause fahren.“ Wenige Stunden später kamen wir in Leipzig an.

Der Thomanerchor feierte seinen 800. Geburtstag mit einer ganzen Festwoche. Preußen, Nazis, Kommunisten – alle verschwanden irgendwann wieder aus Leipzig, nur die Thomaner, die sind immer noch da. Und sehr lebendig: Sogar der frisch gewählte Bundespräsident war gekommen. Der Pastor der Herzen, der Freiheit. In der Innenstadt ging gar nichts mehr. Neben der Thomaskirche und Auerbachs Keller hatten die zahlreichen Touristen, Leipziger und Sachsen einen wahren Magneten in ihrer Innenstadt. „Der Gauck. Einer von uns!“ Unsere Freunde, deren  Eltern im Rahmen der Montagsdemos die ganze Macht des Staatsapparats abbekommen hatten, konnten nur mit den Achseln zucken. „Wichtigtuer.“

Egal, dort wo Geschichte geschrieben wird, da wollen wir sein. Mit der ganzen Kraft aus einem Sektfrühstück! Beim Bier im sonnigen Clara-Zetkin-Park mischten wir uns unter das freudig erregte Volk – Gauck, keine fünf Kilometer weit entfernt. Und dazu noch der Thomanerchor, der umso heftiger seine Motteten daherkommen ließ. Ein Traum! Wir sammelten uns zur Extase bei ein, zwei Escorial grün und schwelgten in der Aufbruchstimmung, die unserem Land dank Wulff, Eurokrise und WM-Aus so gefehlt hatte. Und entschieden, die nächste EP „Blühende Landschaften“ zu nennen.

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12. Juni 2010 – Erfurt – Textil-Festival

Wir haben jetzt eine Wette laufen: Wenn Gauck von der Bundesversammlung zum Bundespräsidenten gewählt wird, kriegt Costa von Egge 50 Euro. Wenn Wulff gewinnt, muss Costa zahlen. Ganz schön dekadent, aber ist das überhaupt gerecht, gegenüber denen, die arbeiten?

Auf so einen Quatsch kommt man halt, wenn man an einem Wochenende wie getrieben von Hamburg über Erfurt nach Dresden, in die Oberlausitz, nach Erfurt und zurück nach Hamburg düst. Tourleben, Alter! In Erfurt erwartete uns der Höhepunkt des Wochenendes beim wunderbaren Textil-Festival. Seit dem 21. Mai 2010 arbeiten zahlreiche hoch motivierte und super sympathische Literaturfans daran, neue Wege zu zeigen und weiter zu verbreiten.

Nun ist Erfurt ja nicht nur die Stadt, wo das Sandmännchen und Bernd das Brot auf der Straße leben und auch mal entführt werden, sondern auch eine bildbübsche Stadt mit Dom, die viele Touristen anlockt. Die haben natürlich schwer gestaunt, als Egge mit den Schergen beim Running Mike versuchten, lauter als die südafrikanischen Tröten zu sein. Ob sie’s geschafft haben? Überzeugt euch einfach selbst von der Lautstärke der Viecher und schaut irgendein Spiel der WM an.

Am Samstag war auch das Finale des Textil-Festivals mit einem tollen Team-Slam in einer alten Turnhalle, bei dem wir auf der Aftershow-Party spielen durften. Wir hatten auf jeden Fall unseren Spaß und wollten nach einem tollen Wochenende mit großer Hilfe unserer Tourmanagerin Adi nochmal richtig rocken. Eine Zuschauerin fasste unseren Auftritt kurz und knapp zusammen: „Billig-Elektro mit so nem Linken.“ Finden wir so gut, dass wir ein Lied so nennen wollen.