28. Juni 2013 – Lärz – Oase

Wir danken der Rakete und allen, die sie mit antreiben. Jetzt warten wir nur noch darauf, dass der Bass wieder einsetzt.

20130630-194733.jpg

Werbeanzeigen

Egges 2012 in Bildern

Es war ein wildes Jahr, dieses 2012.
Da kann man auch im Januar zurückschauen.
Am besten in Bildern.
Ein Blick ins Fotohandyarchiv von irren zwölf Monaten.

Januar: München (My first radical Moshpit-Party)

IMG_0399

Februar: Kunst, Hamburg

IMG_0544

Februar: Auf dem Weg nach Lüneburg

IMG_0550

Februar: Freiburg

IMG_0686

Februar: Von den Profis lernen: Florian, Hannover.

IMG_0893

März: Die beste Kneipe in Stuttgart.

IMG_0964

März: Von den Profis lernen: Roland, Hannover.

IMG_1121

März: Auszeit, Steinhude.

IMG_1228

April: Von den besten Lernen: Who, Leipzig.

IMG_1270

April: Neue Zielgruppen erreichen, Leipzig.

IMG_1285

April: Von den besten Lernen: Osterhase, Hannover.

IMG_1330

April: Auszeit, Berlin.

IMG_1388

April: Hamburg.

IMG_1433

April: Nähe Karlsruhe.

IMG_1441

April: Béi Chéz Heinz.

  IMG_1501

April: Oldenburg.

IMG_1518

Mai: Kunst, Hannover.

IMG_1589

Mai: Hannover.

IMG_1590

Mai: Kunst, Langenhagen.

IMG_1607

Mai: Von den Profis lernen: Alex Pfeifer & Brandstifter, Mainz.

IMG_1662

Mai: Leipzig.

IMG_1783

Juni: Von den Profis lernen: Laing, Potsdam.

IMG_1853

Juni: Kunst, Leipzig.

IMG_1884

Juni: Von den Profis lernen: Feine Sahne, Neubrandenburg.

IMG_1911

Juni: Neubrandenburg.

IMG_1941

Juni: Béi Chéz Rainer

IMG_1960

Juni: Kunst, Pampa.

IMG_1961

Juni: Von den Profis lernen, Saul Williams, Hannover.

IMG_1969

Juni: Kunst, Hannover.

IMG_1993

Juni: Hannover.

IMG_2001

Juni: Kassel.

IMG_2014

Juni: Von den Profis lernen: Sommerfest der
niedersächsischen Landesvertretung, Berlin.

IMG_2036

Juni: Kunst, Lärz.

IMG_2063

Juli: Von den Profis lernen: Spanische Fußballfans, Hannover.

IMG_2074

Juli: Von den Profis lernen: Schützen, Hannover.

IMG_2091

Juli: Kunst, Bethanien.

IMG_2134

Juli: Kunst, Auerworld.

IMG_2138

August: Von den Profis lernen: Liedfett, Hannover.

IMG_2164

August: Auszeit, immer wieder Ostsee.

IMG_2178

August: Jena.

IMG_2188

August: Kunst, Berlin.

IMG_2197

August: Von den Profis lernen: Shaun das Schaf, Hannover.

IMG_2200

September: Auszeit, Leipzig.

IMG_2229

September: Auszeit, Rostock.

IMG_2251

September: Von den Profis lernen: Lady, Hannover.

IMG_2282

September: Kunst, Hannover.

IMG_2285

Oktober: Von den Profis lernen: Oktoberfest, Hannover.

IMG_2296

Oktober: Hamburg-Harburg.

IMG_2303

Oktober: Auszeit, Weimar.

IMG_2319

Oktober: Kunst, Sofatage, Hannover.

IMG_2360

November, Kunst in Bahnhöfen, Lüneburg bis Göttingen.

IMG_2388

Dezember: Von den Profis lernen: Santas, Hannover.

IMG_2400

Dezember:  Hannover.

IMG_2438

Dezember: Auszeit, Thüringer Wald.

IMG_2505

Dezember: Auszeit, Eisenach.IMG_2509

Mehr in Bälde.

Fusion 2012

Vielen Dank Rakete. Vielen Dank Palast der Republik. Vielen Dank Graswurzel.tv. Vielen Dank Grantler und Räuberhöhle. Vielen Dank Eva. Vielen Dank Jan, Linda, Max und H-Town! Vielen Dank Kristl und die Jenaeser Zelle. Vielen Dank Taifun aus München. Vielen Dank Janosch, Simon, Etienne und dem ganzen Kaffeeteam. Vielen Dank Abwärts. Vielen Dank AJZ NBB und den ganzen Sportlern aus MV! Vielen Dank an die Ekelhaften. Vielen Dank an Hannover, Leipzig, Hamburg, Bremen, München, Kassel und alle, die wir vergessen haben. Wir machen spielfrei bis Ende Juli!

2011 – Listen, Teil II.

Ja, es ist zu spät. Aber an dieser Stelle muss es sein. Ein persönlicher Rückblick vom Ensemblemitglied Egge. Danke für dieses bunte Jahr.

Schöne Musik:
1. Christiane Rösinger am Schauspiel – Meine Lieblings-Platte in diesem Jahr live samt Lassie-Songs. Toll.
2. Goldene Zitronen beim Boot Boo Hook-Festival. Viele fands doof. Gerade weil Schorsch damit umgehen kann, wurde es grandios.

3. Mogwai im Grünspan in Hamburg und im Capitol in Hannover. Einfach wegdriften.

4. Transmitter bei der Fete de la Musique und beim Open Flair. Was das knallt.

5. Bruno Punani beim Fährmannsfest. Für mich die Entdeckung aus Hannover 2011. Klezmer-Punk vom niedersächsischen Ural.

6. Nouvelle Vague im Capitol. Schön.

7. Flo Mega bei der Breminale in Bremen. Schweißtreibender Soul-Reggae.

8. Mediengruppe Telekommander auf der Stubnitz in Rostock und in der Glocksee. Adieu!

9. Alte Schule Masthorn beim Fährmannsfest. So klingt Politrappunk heute.

10. Clueso aufm Open Flair. Jetzt macht er auch Elektro. Gut.
Schön wars auch bei Supershirt, Kyuss, Klämpner, Jeans Team und auf all den Festivals von Fusion bis Boot Boo Hook.
 
 
2. Skurrile Kulturereignisse:
1. Vorlesung über Enterprise-Technologien in der Uni Hannover – super!
2. Schlagerfestival in der TUI Arena Hannover (Andrea Berg vergisst ihr Playback, Jürgen Drews knutscht Pressekollegen)

3. Karnevalsumzug in Hannover samt Gutti-Demo auf dem Opernplatz (kam leider keiner)

4. Die Prinzen singen im Capitol

5. Die Phudys geben sich als Mauerbrecher im Theater am Aegi

6. Klasse wir singen in der TUI Arena ist ein Singfestival von Tausenden Kindern in Niedersachsen – Massengesang macht mich nervös

7. Milow ist gar nicht so scheiße, wie man ihn scheiße finden möchte

8. „Schluss jetzt! Lauter“ von Stemann im Deutschen Theater Berlin war das beste Theaterstück 2011

9. Tanztheater „Babel“ auf Kampnagel in Hamburg war das beste Tanztheaterstück 2011

10. Das Udo Lindenberg-Musical in Berlin ist okay, das Stage-Musical hat sich wirklich an Kritik versucht & stets bemüht
Ansonsten loben wir The Computers im Heinz und Christoph Maria Herbst im Allgemeinen.
 
 
3. Schlimme Kulturereignisse:
Arschkrampen im Theater am Aegi – nee. Göbel, kotz, brech.

Der W. im Capitol – schlimm, der Böhse Onkel macht auf Verständnisschulter und Erbauungspredigt – anschließend drüber schreiben, ist wie Kampfhundebesitzer anklagen

Siggi & Raner im Theater am Aegi – ach ja, das war auch mal lustiger
 
 
 4. Fünf Filmmomente:
1. Pina von Wim Wenders – göttlich

2. Absolute Giganten im Stadion des FC St. Pauli und im Baukasten Hannover

3. Rocky Horror Picture Show in Hannover mit Freunden – und Mirco spricht jede Zeile mit

4. Melancholia – Gänsehaut, groß

5. Eine dunkle Begierde – bin im Dunkeln eingeschlafen
 
5. Gesprochen & Gewundert:
1. Tom Gerhard ist im Cinemaxx Hannover eine einzige Falte

2. Hanna Herzsprung ist bei nem Kurzfilmdreh in Hannover schön – schön einsilbig

3. Tom Astor macht in Wirklichkeit Country!

4. James Last will weitermachen – egal, wie lang

5. Ottfried Fischer kämpft ausgerechnet als CSU-Wertebewahrer gegen Bild
 
 
 6. Gesprochen & Bewundert
1. Roberto Blanco, bei der Infa getroffen, selten so viel über Popkultur verstanden

2. Heinz Rudolf Kunze im Maritim Hotel Hannover – krasse Brille & politische Einstellung, aber immer klar und direkt

3. Die Echse – die Rettung des Handpuppenhumors

4. Sven Regener hält nicht viel von langen Sätzen

5. Klaus Farin im Literarischen Salon – das Archiv der Jugendkultur

6. Daniel Küblböck – gar nicht so doof

7. Katrin Bauernfeind – verliebt

8. Thomas Meinecke im Literarischen Salon – Minimal ist nichts anderes als Tempelkultur, wow.
 
7. Verloren:
1. zwei Handys

2. eine Brille

3. einen Bulli, zeitweise

4. Geduld mit Internetanbietern

5. eine Wohnung in Hamburg
 
 
 8. Moderationsmomente:
1. Moderation der Auftaktkundgebung der Anti-Atomkraft-Bewegung

2. 1. Niedersächsische Poetry Slam-Meisterschaft in Hannover im vollen Opernhaus – Gänsehaut

3. Running Mic zum Open Flair – wir lesen sechs Stunden im hessischen Nahverkehr und die Leute haben tatsächlich Spaß.

4. Erster Team-Slam an der Parkbühne Hannover – lesen unterm Mond samt Picknick

5. Neue Sachbuchreihe mit politischen Themen und Büchern – eeeeendlich! Pavillon! Danke Lisa-Marie fürs Vertrauen

6. Zehn Tage moderieren für die Ideenexpo, samt Mirko Slomka und Katrin Bauernfeind

7. Moderation für den Literarischen Salon mit Klaus Farin, große Unterhaltung

8. Science Slam-Finale im Convention Center mit Kulturministerin vor 1000 Menschen

9. Moderation des Halbfinales der Deutschen Slammeisterschaften im Uebel und Gefährlich

10. Nochmal Slam: Erster Teamslam in der Hamburger Fabrik
Auch wunderbar: der Autofreie Sonntag mit 200000 Besuchern, die Aktion Sicherer Schulweg mit 20000 Kids, Fährmannsfest mit 15000 Besuchern, die erste Moderation für das Handwerk mit Martin Kind, erste Moderation für ABF, die Science Slams im Pavillon und die Poetry Slams bei Faust.
 
 
 9. Lesemomente:
1. Für das Recht auf Faulheit – endlich wieder Gedichte vortragen, Braunschweig, Kaufbar

2. Texte fürs Bleiberecht, Wolfsburg, Stadtbibliothek, danke an Dominik

3. Lesen fürs Buch, nicht fürs Bier, Brauhaus Hannover

4. Gedichte für Schüler des Slam-Workshops im Jugendknast Hameln

5. Gedichte für Schüler des Slam-Workshops im alten Bahnhof in Seelze
 
10. Momente, die bleiben, in Stichpunkten:
1. Island
2. Ostsee
3. Sylt
 
 
Skurrile und schöne Momente, die bleiben:
1. Eine ganze Woche Düsseldorf, um über Lena zu recherchieren
2. Eine ganze Nacht im Spielzeugladen verbringen
3. Das erste Mal auf dem stillgelegten Tempelhof laufen
4. Hochzeit im Hafenklang Hamburg feiern
5. Mit Zehntausenden in Dresden Nazis aufhalten
6. In Dresden in einem Trabanten schlafen
7. Ein Video mit einem Fanfarenzug drehen
8. Die Fusion noch 15 Stunden besuchen
9. In Utrecht die Sonnen untergehen sehen
10. Mit Herrn Costa aufwachen
 

02. Juli 2011 – Lärz – Oase

Wir hatten an alles gedacht. Die Instrumente luftdicht verpackt, alle Kabel zusammen, zwei Mikrofone dabei, in der Hand eine Flasche Weißwein. Wir meinten es ernst: Wir wollten uns auf die Fusion schlenzen und dort spielen, quasi illegal.

Nachdem wir 2010 einen unserer schönsten Auftritte der Bandgeschichte im dortigen Palast der Republik hatten, dachten wir uns, dass man so etwas in 2011 nur steigern könnte, wenn die Bühne etwas ganz besonderes ist – nämlich keine Bühne, sondern ein ehemaliges Feuerwehrauto, das uns unsere Freunde von Graswurzel.tv zur Verfügung stellten. Samstag um 23 Uhr wollten wir vor die Oase fahren, die Lautstärker aufdrehen und allen Freunden und Vorbeikommenden ein kleines Ständchen bringen. Es war der perfekte Plan.

Wir trafen uns bereits ein paar Stunden eher auf dem Campingplatz, bauten auf, machten Soundcheck und kleine Witzchen über das Wetter. Denn es hatte mal eben aufgehört zu regnen. Wir schlichen durch den Checkpoint auf das Gelände, fuhren an allen tiefen Fützen vorbei bis zur Oase, wo uns bereits ein kleines Empfangskomitee erwartete. Und der Regen.

Es fing sofort an zu plärren und zu plitschen, als wir das Auto abgestellt hatten. Zwischenzeitlich saßen wir bestimmt mit zehn Leuten im Bus, Egge turnte draußen herum und versuchte die Technik zu retten. Mehr als 40 Minuten gingen vorbei, ohne dass die Sintflut aufhörte. Wir wollten trotzdem spielen. Jetzt erst recht.

Nach dem vierten Donner, bauten wir alles wieder auf, starteten den Dieselgenerator und schalteten den Verstärker an. Er glühte kurz, dann ging er aus, für immer. Die Party war vorbei. Die Bestechungsversuche mit Weißwein nahmen die plitschnassen Menschen um den Bus noch an, aber dann versuchte jeder, so schnell es ging ins Zelt zu kommen. Oder nach Hause. Egge verbrachte die Nacht in einem Hostel irgendwo in der Mecklenburger Pampa, Costa halb im Grantler und halb im Auto.

Der Abend zeigte wieder einmal, dass man, egal wie gut man plant und übt und sich vorbereitet nicht alles kontrollieren kann. Als Band, wie auch als Mensch an sich, bleiben wir abhängig von Dingen, die wir nicht beeinflußen können. Einerseits bringt einen so etwas immer wieder gut runter. Andererseits ist es manchmal sehr schade, so wie an diesem regnerischen Samstag, irgendwo in Mecklenburg.

Dezember 2010 – Carlos Top Ten Zwanzigzehn

Mein Jahr in einer unvollständigen Liste.

1. Das erste Gesicht, das ich am ersten Januar Zwanzigzehn sehen durfte, wird auch das letzte in diesem und wiederum das erste im kommenden Jahr sein.

2. Der kalte Wind findet noch jede Ritze, zwischen den allzu gut eingepackten Klamotten. Obwohl wir wie Zwiebeln durch die Dünen laufen, spüren wir die steife Nordseebrise an der Haut. Aber irgendwo hier müssen die Rehe doch sein. Hasen, Fasane, Adler und Möwen haben wir ja schon genug gesehen.
Seitdem ich denken kann, fahren wir auf diese Insel, ich kenne schon fast jede Düne auswendig. Nun stehen wir wieder hier auf der Höhe, vor uns das Meer. Dicke Eisschollen säumen die Linie, wo die Wellen fast schon kraftlos auf den Strand brechen. Schaum erfriert sofort. Auf dem Boden liegen Hunderte Stücken altes Holz, Bernstein ist aber nirgends zu sehen.
Die Suche geht weiter. Nach dem Reh im Winter. Nach Bernstein am Strand. Nach warmen Plätzen, wenn der Wind kalt bläst. Schön, dass ich das nicht alleine machen muss.

3. Er hätte einfach besser aufpassen sollen. So ist er nicht nur auf den glitschigen Steinen ausgerutscht, er hat sie auch gleich mit umgerissen. Nun müssen wir so hart lachen, dass wir fast nicht mehr schwimmen können. Der Kanal ist um diese Morgenstunde noch warm von gestern. Außer uns ist kein Mensch zu sehen. Die Wolken am Himmel sehen aus wie Schäfchen, wenn auf dem Rücken schwimmend langsam rumdümpelt. Davor waren wir tanzen und Wodka mit Gurke trinken. Und geliebt, gelacht, gesungen haben wir auch. In diesem verwunschenen Garten, in dem Hasen Nichtgeburtstag feiern und Punks in Babyschwimbecken ihren Freischwimmer machen.

4. Nie haben wir in dem Raum Bier zusammen getrunken. Immer nur gearbeitet. Und Witze gemacht. Und Musik gehört. Und lange geschwiegen, wenn der Redaktionsschluss näher rückte. Und gestritten, wenn die Überschrift nicht passte oder der Dienst das verlangte. Jetzt sitzen wir hier, hören Musik oder auch nicht, trinken Herrenhäuser und unterhalten uns entspannt über das Leben, die Kunst, das Weggehen. Später werfe ich einem Punk noch Ausverkauf vor, nur um doch mit ihm Schnaps zu trinken. Monate später spielt 96 nicht wie 96, und wir trinken wieder Bier, wärmen uns mit Schokolade. Alles ist anders und doch irgendwie gleich.

5. Um ein Uhr nachts ist es der Braut egal, wie teuer ihr Kleid war. Sie hat jetzt einfach Lust zu tanzen. Zu Rage Against The Machine. Zu den frühen H-Blockx, zu Offspring, zu all den Hits, zu denen man als niedersächsischer Teenager in den späten Neunzigern auf Dorfpartys, Garagenfeten und in der Rockdisko abging. Auch wenn man jetzt älter ist, Anzug trägt, mit dem Studium fertig ist oder schon lange in seinem Job arbeitet, braucht man die volle Dröhnung. Diese Hochzeit zweier lieber Menschen in der Lüneburger Heide ist die beste Gelegenheit. Es wird, für die meisten Anwesenden, das beste Festival des Jahres!

6. „Heute zahle ich. Ich lade euch alle ein.“ Ein Essen gegen ein Studium. All die Jahre der finanziellen, moralischen und emotionalen Unterstützung aufwiegen mit der Frische, der Schärfe, der Süße, dem explosiven und liebevollen Geschmacks gebratener Auberginen, Tabouleh, Köfte, Cacik, Sütlac und all den anderen Köstlichkeiten. Eigentlich unmöglich, ich denke aber, sie haben sich genauso gefreut wie ich.

7. Bon Iver singt für Emma im Radio, draußen brechen die Wellen an die spanische Küste. Die Haare sind noch nass, die Lippen noch salzig. Das Bier schmeckt trotzdem. Der Hahn gegenüber kräht und der Hund bellt. Die Sonne brennt dorthin, wo die Tom-Waits-Biographie sie nicht verdeckt. Tage auf dem Balkon und in den Wassern Andalusiens.

8. Manchmal trifft man die richtigen Menschen in den falschen Momenten. Man weiß eigentlich, wie sehr man sich mag, aber hat dafür in dem Moment einfach keine Zeit oder keinen Kopf. Man streitet sich oder verliert sich so aus den Augen. Und Jahre später, vor der Parkbühne Hamburg, während die tollen National singen und spielen steht man sich dann wieder gegenüber. Und plötzlich weiß man, warum man sich vor Jahren eigentlich mochte, und eigentlich ist das auch alles okay so gelaufen. Denn man weiß genau: Beim nächsten Mal freut man sich dann wieder umso mehr.

9. In einer fremden Stadt ankommen, nach zwei Tagen gleich tolle Menschen kennen lernen, zwei Wochen später eine Stammkneipe haben, zwei Monate später jede Abkürzung morgens auswendig können. Wissen, wo es den besten Espresso gibt, die besten Pommes, den besten Veggie-Burger. Wo man nachts noch hingehen kann und was die Einheimischen von uns Studi-Touris halten. In die eigene Heimatstadt zurückkommen und die Unterschiede erkennen. Und beides genießen!

10. Um auf die Bühne zu kommen, muss man nur drei Stufen gehen. Eigentlich. Tatsächlich aber muss man rund vier Jahre lang fast jedes Wochenende irgendwo auftreten. Man muss sich gegen Kunststudenten wehren, die einen auf der Bühne verprügeln wollen. Man muss in unzähligen Zügen schwitzen und frieren und warten und. Man muss immer wieder Angst vor seinem Equipment haben, weil das Zimmer im besetzten Haus nicht abschließbar ist. Man muss immer wieder neu anfangen, Menschen zu zeigen, was man da überhaupt auf der Bühne vor hat. Man muss die Freundin mit selbst gemachtem Sushi bestechen, weil man schon wieder ein Wochenende weg war. Man muss Freunden sagen, dass man sie auch diese Woche nicht sehen kann. Man muss seine Uniabschlussarbeit im Zug Korrektur lesen. Man gratuliert der eigenen Mutter von unterwegs zum Geburtstag. Man muss sich immer wieder selbst davon überzeugen, dass es die eigene Entscheidung war, die einen zu später Stunde in irgendein verranztes Zimmer mitten in der Provinz geführt hat, in einen schimmligen Keller, auf eine Bühne, vor der ein zahlender Gast auf Techno wartet.
Es sind drei Stufen bis hoch zur Bühne. Das Licht ist aus, das Zelt dunkel. Du spielst das Intro und die ersten Schemen sind erkennbar. Das Licht geht an, ihr ruft „Guten Abend, Fusion!“ und du hast keine Ahnung, wie viele Hände dich begrüßen…

31. August 2010 – Das Ende des Sommers

Ein Sommer zwischen Wiesenluft und Platzregen, zwischen Bullipannen und Klimakatastrophen in Zugabteilen, zwischen Kulturkosmos, Neuland und Freier Republik. Ein Sommer mit Schall und Rausch. Faetzig. Die Top-Ten der schönsten Momente:

10.: Faetzig Camp in Rothenburg:

Die Fahrt der Begegnungen: Zwischen Baggerseehalten und Literaturtagen in Erfurt waren wir in einem Auto mit viel Rost & Charakter irgendwo im Nirgendwo angekommen. Auf dem Weg fanden wir Kamele, einen Fußball und eine Tourmanagerin, die einfach vor dem Auto schlief. Vor Ort trafen wir die Echse und die Erklärung des Campalarms („Hört ihr dann schon“). Höhepunkt: Gemeinsam mit Ausfallschritten schöner Goa-Tänzer das Camp eröffnen.

09.: Neuland in Bremen

Die Fahrt der Fahrten: Wir fuhren gleich mit zwei Autos an – und verfuhren uns an der gleichen Stelle. Gemeinsam gings dann auf ne schöne Bretterbühne, während die Technoheads schon gefühlte 24 Stunden in den Knochen hatten. Vor uns gabs feinen Diskotrashpop nach uns Diskocrust mit Stromausfall – offensichtlich zu viel Disko. Höhepunkt: nach nem schönen Auftritt fuhr Egge gegen Mitternacht auf die A1 – doch da wurde ne Brücke gesprengt. Die Strecke von Hamburg nach Bremen dauerte 2 ½ Stunden!

08.: Schall & Rausch in Norderstedt

Die Fahrt mit dem Geräusch: Wir fuhren wieder mit dem Bulli. Doch der ließ sich wie gewohnt nicht nur schlecht zum Schalten bringen, diesmal erklang auch ein neues, ohrenbetäubendes Krächzen aus dem Motorraum. Wir hielten, schauten unter den Bulli und stellten fest, das wir keine Ahnung haben – und fuhren weiter. In Norderstedt musizierten wir für nette Punks und bekamen wunderschöne Backstagebänder – einen grünen Faden. Ein schöner Nachmittag voller Goa und Gemütlichkeit. Nur das Krächzen im Bulli ist bis heute geblieben. Höhepunkt: Als wir zu mehr Liebe auf dem Festival aufriefen, fingen zwei Hunde vor der Bühne direkt damit an.

07.: Breminale in Bremen

Die Fahrt der Helden: „Hallo ich bin Dota!“, sagte sie und lächelte. Haben wir früher nicht in alle Myspace-Gästebücher geschrieben, dass wir uns heimlich in die Kleingeldprinzessin verliebt haben? „Kleingeldprinzessin klang zu sehr nach Kindermusik“, sagte am Abend die Kleingeldprinzessin, die nun Dota hieß und irgendwie schon immer so hieß. Wir lächelten nur verliebt – um uns Sekunden später in Rainer von Vielen zu verlieben. Dann tanzten wir, ließen uns auf Händen tragen und fühlten uns wohl. Höhepunkt: Feststellen, dass die alten Punkerbände immer noch tragen. Und immer wieder die guten Menschen vor der Bühne: Jan, Gerald vom Anares-Vertrieb, die Liebsten. Toll!

06.: Zytanien in Immensen-Arpke

Die Fahrt durch den Regen: Und plötzlich stehen 50 Leute neben uns auf der Bühne und tanzen einfach da weiter, weil es vor der Bühne regnet. Und plötzlich feiern noch vier mehr Leute doch vor der Bühne weiter, im Dauerregen, weils Spaß macht. Hammer! Höhepunkt abseits des Trubels: Ein Gast schläft tatsächlich am Stehurinal ein.

05.: Ajuca in Lärz

Die Fahrt in die Ferien: Im Sommer feiern in Lärz 50000 bis 60000 Menschen bei der Fusion. Knapp eineinhalb Monate später tanzen auf demselben Gelände 5000. Wir versuchten uns am Campradio, summten Synapsenkitzlermelodien und lasen die Campzeitung auf gemütlichen Sofas. Höhepunkt abseits der tanzenden Menschen: Im offenen Bulli sitzen, Tee trinken und den Himmel anschauen. Später Witze erzählen & den Massen lauschen: „Wer macht den Beat? Er macht den Beat!“ Gänsehaut.

04.: La Libertad in Gersdorf

Die Fahrt in die Katastrophe: Wir hätten keine Witze über den Regen gemacht, hätten wir gewusst, dass das später ne ziemlich verheerende Flutkatastrophe wird. So freuten wir uns einfach nur über warmen Ingwertee unter nem improvisierten Dach, matschige Böden und rappenden Reggaekünstlern darauf und die Nachricht, dass wir besser im Keller spielen. Höhepunkt: In Metzgerkatakomben den Veranstalter stagediven lassen, während uns ein netter Kerl trommelnd auf nem Benzinkanister begleitet. Hui!

03.: Verzauberter Garten in Hannover

Die Fahrt ins Paradies um die Ecke: Plötzlich macht einer der alten Punkerheroen Noise-Elektro, längst verschollen geglaubte Freunde trinken am selbstgebauten Tresen Gurkenschnaps und tanzen zu Klängen der fünfziger Jahre und irgendwann liegt man betrunken im Kanal. Höhepunkt: Let’s twist again.

02.: Féte de la musique in Hannover

Die Fahrt nach Hause: Wir machen seit November 2006 Musik, haben dabei Konzerte zwischen Stand-Up-Comedian und aggressiven Kunststudenten ertragen, in Müllbergen und zugerauchten Küchenkunstkaschemmen gepennt und mindestens 20000 Kilometer zurückgelegt. Egge kann mittlerweile mit einem 90 Grad zur Seite geknickten Kopf an der Zugscheibe schlafen, Costa erträgt 30 Minuten Singer-Songwriter-Geschrammel ohne ihnen die Gitarrensaiten um den Hals zu wickeln. Wir haben gekämpft und werden mittlerweile bei fast jedem Auftritt dafür belohnt. Und das liegt in erster Linie an Euch. Ihr seid da, singt die Lieder mit, tanzt, umarmt euch und lacht. Auch beim Heimspiel beim hanns am Historischen Museum. Ein Traum. Höhepunkt: „Habt ihr schon gehört, heut Abend gibt’s ne Party!“

01.: Fusion in Lärz

Ein kurzes Drücken am Bühnenrand. Der Gang durch die Zirkuszeltwände, die aufgehende Sonne. Kurz das Gleiche denken. Und JA sagen zum Leben und der gemeinsamen Leidenschaft. Wissen, dass es richtig ist. Fühlen, dass es richtig ist. „Weißt du was ich manchmal denke? Es müsste immer Musik da sein. Bei allem, was du machst. Und wenn es so richtig scheiße ist, dann ist wenigstens noch die Musik da. Und an der Stelle, wo es am allerschönsten ist, müsste die Platte springen – und du hörst immer nur diesen einen Moment.“

DANKE!

Wir sehen uns im Oktober und November und sind für Euch unter beatpoeten(ät)web(dot)de da. Zwischendurch erzählen wir hier, was Costa letzten Sommer getan hat.