Egges Rückblick zum Jahr 2016

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Ein Ausflug in die alte Heimat: Sommer in Neubrandenburg.

Meine Fresse, was war das denn?! Wir waren euphorisch im Frühjahr, im Sommer einfach drauf, im Herbst in einer Art Jahreszeit gewordenem Sauerstoffzelt & im Winter ordentlich bei der Inventur. Das Jahr 2016 war eines der intensivsten Jahre der Bandgeschichte – passend zum zehnjährigen Bestehen der Band mit dem komischen Namen. Vielleicht sind wir alt geworden? Vielleicht kosten Jobs, Ideen & Projekte außerhalb des Banduniversums doch mehr Kraft, als man es für möglich hält? Oder sind es die gesellschaftlichen Umbrüche, die einen nicht richtig schlafen lassen? Privates & Politisches. Gehörte für uns als Band immer zusammen. Gehört es immernoch. & manchmal möchte man die ganze Welt einfach gegen die Wand schmeißen und mit den Scherben nochmal neuanfangen & basteln. Geht nur nicht. Also zurück ins Werk.

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Beatpoeten auf der Bühne zum Internationalen 1. Mai Fest.

Da hilft es tatsächlich, ein wenig in den Fotos, Flyern und Erinnerungsfetzen zu kramen. Was war da eigentlich los, 2016? Waren wir viel unterwegs? Zu viel? Zu wenig? Gab es was zu entdecken? Haben wir etwas vergessen? Bestimmt. Mehr als ein Handy und eine Bahncard auf jeden Fall. Ein Versuch der Bestandsaufnahme.

Wir fangen einfach an. Die zehn besten Konzerte 2016

1. FCKR – Release-Show Soundso, Leipzig

2. Blixa Bargeld & Teho Teardo, Lissabon

3. Die NervenFaust, Hannover

4. The Incredible Herrengedeck, SO36, Berlin

5. Art Garfunkel, L’Olympia, Paris

6. Isolation Berlin – Faust, Hannover

7. Feine Sahne Fischfilet – Festival Täuchental, Leipzig

8. Hyäne Fischer, Fête de la Musique & Alt-H

9. NOFX & Pennywise, Faust, Hannover

10. KIZ, Swiss Life Hall, Hannover

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Posterboy in Leipzig mitm Monchi.

FCKR war eine Band, die mich dieses Jahr sehr begleitet hat. Immer druff. Ironisch. Klar. Irgendwie auch nicht. Da passen die verzweifelten Isolation Berlin-Schreie, der Postindiekram von Die Nerven, die Ansagen von NOFX bis FSF.

Die zehn Neuentdeckungen für mich 2017

 

1. Meute, Kulturarena, Jena

2. Gruppa Karl-Marx-Start, NBL, Leipzig

3. Das Flug, blank, Berlin

4. Oi of the Tiger, Heinz, Hannover

5. Coca Candy, Fährmann, Hannover

6. Argies, Störfaktor, Zwickau

7. Aktiv Passiv, Chekov, Cottbus

8. Rabaukendisko, Glocksee, Hannover

9. Klostein, Störfaktor, Zwickau

10. The Black Madonna, Fuchsbau-Festival

https://dasflug.bandcamp.com/track/deutlich-unterbewaffnet-in-hellersdorf

Ich merke immer mehr, dass die schönsten Konzerte vor allem mit Leuten zu tun haben, die man ins Herz geschlossen hat. Da mag nicht jede Note richtig sitzen, mit den richtigen Menschen im Publikum, an den Instrumenten oder an den Reglern passt das alles schon. Meute sind mittlerweile quasi berühmt, die Argies hab ich Jahrzehnte zu spät entdeckt, und Rabaukendisko sind vermutlich schon wieder durch. Egal. War schön. Und Das Flug trifft bald Coca Candy und Beatpoeten beim Wutzrock. Harhar.

Für die Vollständigkeit: nicht neu, aber noch immer spannend & großartig

1. Messer, Glocksee, Hannover

2. The Hirsch Effekt, Reeperbahn-Festival

3. Lumpenpack, Fährmann, Hannover

4. Kasimir Effekt, Fuchsbau-Festival

5. Beatbar, Fährmann, Hannover

Messer hab ich sehr gemocht. Haben mich überrascht in ihrer Dringlichkeit. Die anderen Bands sind wie kleine Schätze, die man in der Brusttasche trägt. Und wenn wieder jemand nach kleinen Tipps fragt: Bäm!

Tacheless: Voll auf die Band gefreut, dann mit angezogener Handbremse zugeschaut

1. Beginner, Swiss Life Hall, Hannover

2. Milliarden, Heinz, Hannover

3. Alin Coen Band, Täubchental, Leipzig

4. Dirty Honkers, Ballhof, Hannover

5. Zugezogen Maskulin, FCLR, Hannover

Natürlich liegt es an den Umständen. Aber bei Alin Coen musste ich weg, die Honkers haben das Gaspedal verfehlt, und Zugezogen Maskulin? Ich mag die Musik, live hab ich keine einzige Zeile verstanden. Mhh. Ach so: die Beginner waren mit ihrem Set nach 45 Minuten durch. Am Rest der Show rätsel ich noch. Warum sollten wir für ein Video nochmal zu Samy Deluxe tanzen?

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Fusion-Konzert für zehnjährige Edelklos. Danke, HCWC!

So. Achtung, ernsthafte Kategorie: die zehn besten Beatpoeten-Auftritte

 

1. Fusion – Landebahn-HCWC (Eine Musik gewordene Liebeserklärung)

2. Ende Gelände-Abschluss-Rave (Danke, Herrengedeck!)

3. Hafenklang-Exil, HH (mit DiskoCrunch) (Heiß, mit DJ Costa)

4. Burg Herzberg Festival (Literaturrave)

5. Punx Picnic Neubrandenburg (Heimspielcharakter)

6. Bahnrave zum Open Flair (Grüße gen Renato, Felix und Tilman)

7. Lesung in Glocksee mit Leo Fischer (Grüße gen Malte & Indiego-Team)

8. SO 36, Berlin (mit Herrengedeck)

9. about.blank, Berlin (mit Das Flug)

10. KuZe, Potsdam

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Auf gehts, ab gehts, Ende Gelände.

Ganz wunderbar war es natürlich auch in Ravensburg, Witzenhausen, Cottbus & Zwickau, im Klapperfeld Frankfurt und vor allem herzlich in Norderstedt & Nordhausen. Vergesst diese Aufzählungen. Dieses Jahr war ein einziges Geballer & ihr habt uns trotzdem selig gemacht.

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Stillleben mit neuer Platte „Geheul“.

Zehn besondere Beatpoeten-Momente

1. Das dritte Album ist tatsächlich erschienen (Danke, Tobi!)

2. Neue Lesung „Unterwegs – das Elend“ läuft ausgerechnet beim A Summer’s Tale

3. Das neue Enterpreneur-Duell bei KreHtiv

4. Punker-Lesung endlich in der Køpi

5. Die letzte Mal Pegida-Lesung, Eisfabrik

6. Soundtrack zu „Traum.Ruine.Zukunft“ – dem Film zum Ihmezentrum

7. Video zu „19“ – kaum Reaktion – vielleicht stellen wir doch auf Youtube um

8. Erstes Plastic Bomb-Interview überhaupt

9. Doppelseiten-Text im Human Parasit

10. Release-Party läuft bei Onkel Olli – ohne Musik

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Start-Up-Familienduell in der Cumberlandschen Galerie beim KreHtiv-Geburtstag.

Zehn schräge Beatpoeten-Momente

1. Arbeitermedley zum 1. Mai in Braunschweig geht völlig schief 

2. Kaputter Nachmittags-Rave in Doksy

3. Kabelschnitt in Cottbus

4. Vinyl-Songliste passt nicht zur Pressung (ahh!)

5. Einkaufswagen auf der Bühne in Zwickau

6. Naziangriffe bei Ende Gelände

7. Mehrwertsteuer-Gau im Dezember

8. Textsicherheit der blank-Besucher bei Battlerap-Lesung

9. Schüler im Kunstverein Ravensburg

10. Wir haben laut Linus Volkmann eines der besten Punkalben im Herbst veröffentlicht

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Arbeiter, Bauern, Fahnenträger. Braunschweig 2016. Dem Morgenrot entgegen.

An dieser Stellte sollten die schönsten Alben folgen, FCKR ist genauso dabei wie Stereo Total oder die wunderbare Sammlung „Falscher Ort, Falsche Zeit Vol. 2“. Aber so recht komme ich in diesem Jahr nicht mit. Gerade noch Bowie gekauft, stirbt er. Bei Isolation Berlin komm ich kaum nach und kann die Alben nicht auseinanderhalten. Gerade läuft das Album  „Der Spielmacher“ mit Rösinger, Spechtl, Türen & Jens Friebe. Alle großartig. Das schönste Lied kam aber spät und ist von Jetzt! – uralt.

Achtung, Emotionen

Meine Mutter ist tatsächlich endlich im Ruhestand und ich feiere das sehr

Ausflüge gen Amrum, Paris, Lissabon, Prag & Rügen
Gründung des Büro für Popkultur & Zukunftswerkstatt
Freundeskreis-Abende & kreHtive Ausflüge
Die Arbeit ruft von Slam 2017 bis zur Goldenen Fanfare

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Rückzugsort Rügen.


Sommereinsätze & Weihnachtshilfe-Rekord
Süntelbuchen, Feldstern & Märchenwälder
Freunde & Menschen voller Liebe
Gegen jede Angst & Rassismus
Ein sprechendes Patenkind
Hochzeiten & Todesfälle
Familie neu entdecken

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Sehr selten: Süntelbuchen.

Das kommentiere ich hier alles weniger. An jedem Stichwort hängen Erinnerungen, Gefühle & Eindrücke, mal schmerzhaft, mal voller Herzlichkeit. Ich danke allen Menschen für ihre Liebe, Geduld & oft auch: für ihr Verständnis.

Lumix Festival: HAZ-Talk im Container (oder:
HAZ-Fotocontainer beim Lumix-Festival in Hannover.

Wieder was gelernt

1. Das erste Mal Eisstockschießen

2. Jurymitglied bei Jugend spielt für Jugend

3. Foto-Container beim Lumix-Festival für Fotojournalismus

4. Mitglied einer Bulli-Schau-Jury

5. Freier Fall im Hochseilgarten

6. Hexenschuss

7. Schwarzlichtminigolf

8. Endlich Lammbock

9. Ihmezentrums-Picknick

10. Xylophonsolo
11. Das erste Mal Off-Sprecher in einem Film
12. Arbeitsplatten-Ausschnitt für Küchen
13. Das erste Einstecktuch
14. Sturmglocken-Halloween
15. Suppenverkauf für den guten Zweck

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Beatpoeten in Prag.

Dieses Jahr war geprägt von neuen Erfahrungen und Sprünge ins kalte Wasser. Manchmal merkt man das erst hinterher. Soll ja jung halten. Aber insgesamt war ich doch öfter bei Ärzten als nötig. Danke, 2016!

Die schrägsten und schönsten Kulturmomente 2016

1. Der Film Lobster – alles daran ist genial
2. Die Gründung der Hörregion & die Gala im HCC & die Dadüdada-Performance dazu
3. Annadigiding – Stell dir vor, Rainald Grebe macht was – und keiner geht hin
4. Cheerleader in Finnland – ein Film, den ich nicht verstehe
5. Hörspielsommer Leipzig – weil die Idee nach Hannover muss

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Musik und Mousse T bei „Digital Sounds“.

Die schönsten Moderationen 2016

1. Der Konferenz „Digital Sounds“ im Anzeiger-Hochhaus. Hatte ich unterschätzt, bin nach Vorträgen von Sennheiser und Hochschulprofessoren und Gesprächsrunden mit Mousse T. bis Toshifumi Kunimoto von Yamaha sehr klüger rausgegangen.
2. Verleihung des Niedersächsischen Wirtschaftspreis mit Stephan Weil und Olaf Lies. Spannende Preisträger & schöne Geschichten. Und vor allem: munterer als 2015.

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Klimaretter der Region Hannover.


3. Klimaschutzkuratorium der Region Hannover mit Kammerchefs, Klimarettern und Experten wie Karsten Schwanke. Ein kurzweiliger Ritt durch gefühlt 15 Talkrunden.
4. Hauptbühnen beim Entdeckertag, Autofreier Sonntag & Aktion Sicherer Schulweg: ich mag die hannoverschen Großveranstaltungen, wenn sie so abwechslungsreich vom Programm ausfallen wie diese.
5. NOFX & Pennywise auf der Faust-Wiese: fürs Herz
6. Metropolversammlung in Osterode mit OBs, Uni-Präsidenten, Kammerchefs, …
7. Tag des demokratischen Engagements mit Konstanze Beckedorf im Neuen Rathaus

Tag des demokratischen Engagements
Spax fordert gelebte Demokratie.


8. Ihmezentrums-Diskussionen im Capitol und im Zentrum mit Stefan Schostok, Verwalter Torsten Jaskulski und dem Bund Deutscher Architekten
9. Festival-Talks beim Fuchsbau-Festival, Fährmannsfest & Lumix-Fotojournalismus
10. Das neue Start Up-Slam
-Format mit VOXR-Technik an der Leibniz-Universität

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Start Up-Slam an der Leibniz Universität.

11. Ehrenamtsgala des Freundeskreis Hannover
12. HAZ-Foren zu Hannover 96 mit Bader & Stendel, Hebammen, A2, Image & Inklusion
13. Studentenw
erkspreis & „Von Leibniz zu Bahlsen“-Gala
14. Suchthilfelauf & Helmfest, Weihnachtsmarktfeten, Expertenforen & HAZ-Aktionen

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Spendensammlung in der Neustädter Hof- und Stadtkirche.

15. Poetry Slams, Science Slams & der Fanfarenzug-Slam zum Schützenfest, im Gartentheater Herrenhausen, Audimax Göttingen, Opernhaus, Lessing-Theater Wolfenbüttel, Stadthalle Holzminden, Schloss Bevern, Oldenburger Exerzierhalle, Kulturmühle Buchhagen, Empore Buchholz, Kirche Seelze, Salon Hansen Lüneburg

Insgesamt komme ich auf mehr als 80 Moderationen für 2016. Mal kleine Ansagen, mal ganze Tagesprogramm. Es ist immernoch sehr vielfältig von Punkrock bis Preisgala. Und ein wenig hoffe ich, dass es so bleibt. 2017 stehen Klostertage an, die deutschsprachigen Slammeisterschaften & Medienkonferenzen. Der Science Slam zieht ins Schloss Herrenhausen und auf die IdeenExpo 2017. Und der Leinestern wird vergeben.

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Fertig in Hamburg.

Und nun? Ein neues Jahr liegt vor uns und mir. Am Anfang dieser Aufzählung dachte ich, so viel war 2016 doch gar nicht los, warum bin ich so müde? Ach ja. Darum. & trotzdem kann ich es gar nicht abwarten, den Kalender zu füllen, Pläne mit wunderbaren Menschen zu schmieden & treff gleich einen wie Herrn Costa, um Unfug und Umstürze zu planen. Das Übliche also. Kommt gut ins Jahr 2017. Weitermachen & munter bleiben.

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Lesung zu 10 Jahre Beatpoeten beim A Summer’s Tale in Luhmühlen.
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#Sommer 2016, wow!

Sommer 2016. Ein Sommer voller Staub, Sonne & Menschen, die man in einen Koffer packen möchte, um sie zu Hause auf dem Balkon wohnen zu lassen. Wir danken für wunderbare Konzerte, Lesungen & kleine Aktionen am Rande bunter Festivals, die wir besuchen durften. Eine kleine Auswahl an Bildern & vor allem ein großes Danke, gen 1. Mai Faust & Braunschweig, Fusion, Punx Picnic im AJZ Neubrandenburg, Lesezelt Burg Herzberg-Festival, Störfaktor Zwickau, Green Island in Nordhausen, Fuchsbau Festival, Stuss am Fluss in Cottbus, A Summer’s Tale, Ende Gelände & Klimacamp, Wagenplatz Norderstedt, Open Flair Eschwege, 2er, Wasted in Leipzig, The Incredible Herrengedeck, Lars Ruppel, Felix Römer, Käptn Blauschimmel & die Süßwassermatrosen, Kotfront, Kaput Krauts, Renato Kaiser, Tilman Birr, NOFX, Marvin Ruppert, Feine Sahne, Hendrik Infone, Onkel Olli und unfassbar viele Menschen & Kapellen mehr. ❤

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Das Ende des Sommers.
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Open Flair Raildshow zwischen Göttingen und Eschwege.
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Release-Party bei Onkel Olli in Hannover.
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Stuss am Fluss in Cottbus.
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Soli-Pfeffi beim Wasted in Leipzig mit Feine Sahne Fischfilet.
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Saunalandschaft beim Punx Picnic in Neubrandenburg.
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The Incredible Herrengedeck bei der Ende Gelände-Aftershow.
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Wagenplatzfest Norderstedt.
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Edeltoiletten bei der Fusion.
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Doksy-Pfingstcamp.
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Landebahn Fusion.
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Karaoke bei der Fusion.
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Störfaktor Zwickau.
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Open Flair. Foto: Marvin Ruppert.
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Backstage A Summer’s Tale mit Filo, Rita, Sim, Sebastian und Sebastian.
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Lesezelt beim Burg Herzberg-Festival mit Lars Ruppel (hinterm Vorhang).
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Das Lumpenpack beim Fährmannsfest.
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Hendrik Infone beim Fuchsbau Festival-Finale.
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Marvin Ruppert auf dem Weg zum Open Flair.
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Feine Sahne Fischfilet und Kaput Krauts in Leipzig.
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Stuss am Fluss in Cottbus.
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Fusion-Landebahn.
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Doksy-Pfingstcamp.
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Burg Herzberg-Festival.
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Green Island in Nordhausen.
Fusion
Fusion.
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1. Mai Braunschweig.

06. September 2014 – Cottbus – MuCheZe-Festival

Gurke.

Es war der letzte Auftritt vor der Sommerpause. Egge kam aus Chemnitz, Costa aus Hannover. Wir trafen uns dann in Cottbus, denn dort sollte 20 Jahre Subkultur gefeiert werden. Das Protokoll einer Anreise – kommuniziert via SMS.

Erster Akt – Freitag, 5. September 2014
Egge befindet sich auf einem Poetry-Slam in Chemnitz und liest dort seine politische Lyrik. Costa arbeitet in Hannover.

Egge
Wir sollen um 17 Uhr spielen, Soundcheck davor, also 16 Uhr vor Ort sein. Ich fahre über leipzig hin. Schaffste?

Costa
dann lass uns am hbf treffen.ich geh nicht alleine in die zone.c

E
Dann warte ich in Cottbus aufm Hbf 🙂 Geile Stadt, sag ich dir. Straßen wie Stadienzufahrten!

C
ich war da damals im schüleraustausch.c

E
Biste angefasst worden? Yolo! Trinke was & bereite mich aufs Tourwochenende vor 🙂

C
es ist ja nur ein tag.#crystalpfeffiostdeutschland.c

E
Mit Hinfahrt über Chemnitz und Rückfahrt über Leipzig ist das eine Woche!

C
du und dein langweiliges privatleben.c

E
Jenau! Pfeffi! Gruß aus Bitterfeld 🙂 Sieht aus, wie man es sich vorstellt.

C
ich muss ja um 11.30h schon los.wie asozial.ich mache durch.c

E
Mach druck! Muss auch um 11.20 Uhr los. Dafür ham wa nen ganzen Abend frei 🙂

Getränke.

Zweiter Akt – Samstag, 6. September 2014
Egge fährt von Chemnitz nach Cottbus. Costa steigt in Hannover in den Zug nach Berlin.

Egge
Ich hab den Slam mit ner Berlinerin gewonnen. olé! 🙂
Ich halte dich für einen spaßten! 🙂 ich fahre dann ma los.

Costa
hier ist wegen streik schön ausfall und verspätung.man sollte diese gewerkschaften gleichschalten.deshalb wähle ich nur noch afd.c

E
Geiler Typ. Richtige Führungsqualitäten! Ich Sauf allein!

C
lappen. c
der zug ist da!ja.c

E
Du bist mir zu Leistungsorientiert. Das schreib ich groś!

C
folgende situation:zwei züge nach berlin am gleis, keiner fährt.dazwischen läuft das panische deutschland hin und her.ich höre hiphop,esse humus und grinse.urlaub!c

E
Ja geil. Ich bin gleich in leipzig und teile mir das Anteil mit einem Junggesellinnenabschied. Yolo!

C
es geht endlich los.ich muss da mal mit siggi drüber reden.das ist wirklich würdelos am letzten tourtag des sommers.c

E
Ich war aufm Klo, komme wieder & find meine halbvolle Wasserflasche nicht mehr. Pfandpiraten, alter. Dieser Osten.

C
ich feier ronny trettmann und lese faz feuilleton.geiles leben. https://m.youtube.com/watch?v=PtGZDdo8GSU

E
Jawoll. Hab gerade beschlossen morgen Abend in Jena Slam zu machen. Die Anwältin macht Tresen & Essen. Ein Hornisschen moderiert. 🙂

C
geil.ich komme mit.urlaub und so.c

E
Wie geil! Schön pennen in der Reichsbahn. Brauche nur ne Bestätigung von Christian M. Crythl & Unanbeatbar basteln schon an Cocktails.
Fährt dein Zug eigentlich? Is ja alles voll Streik. Öde 🙂

C
über die elbe bin ich schon.endlich blühende landschaften.gerade läuft george michael.c

E
Hab in leipzig den Zug bekommen & bin tatsächlich pünktlich in Cottbus. Gerade ist hier ein zweimeter-Typ mit Lila Fingernägeln, Lila Pulli, Lila buxe, Langhans-Frisur und Potterbrille. Der prüft seit zehn Minuten die Lüftung. Gegenüber n turbo. Gerade hat der Hippie dem Turbo seinen Arsch ins Gesicht gehalten, weil er im stehen was im Beutel gesucht hat. Der Turbo dreht fast durch – weiß aber nicht, wie er auf sowas reagieren soll. Leben, Diggi, geil.
PS: „aufgrund mutwilliger Zerstörung sind beide Toiletten verstopft“ Sachsen rockt.

C
erstmal in berlin gestrandet.keine infos zu meinem zug.vor dem hauptbahnhof ist ein zeltdorf aufgebaut.sieht nach mittelaltermarkt aus.c

E
Vielleicht ist Krieg & wir ziehen ins Flüchtlingsdorf. Ich drück die Daumen für den Tripp! In leipzig fuhren zumindest die regionalbahnen.

C
der re fährt ein.c

E
Geil! Nicht wundern: irgendwo ist fussball, alle drehen durch. Wochenende.

C
ich fahre jetzt mit der „ostdeutschen eisenbahn“.c

E
Die Gegend ist ein Traum. Fahre gleich durch Finsterwalde, da bin ich im Kindergarten gewesen, meine Schwester wurde hier geboren. Die Menschen sehen aus wie bei RTL II die Zombiefilme. Der Hippie kämmt sich sein Brusthaar, der Turbo ist geflüchtet/

C
hier in berlin steigen punks ein und zitieren schonmal mühlheim asozial.c https://www.youtube.com/watch?v=Uqs3yIe5p28

E
Der Hippie rasiert sich gerade im Zug!

C
die punks haben mich erkannt. „du bist doch einer von den beatpoeten!“ c

E
Muhahahha.

C
hier ist krieg im abteil. „wenn jetzt noch energie cottbus fans kommen, ist der samstag perfekt!“c

E
Das klingt richtig gut. Ich bin echt im Nirgendwo gestrandet.

C
Das Klo hier macht Ansagen „WC ist jetzt besetzt.“ Das ist ein einziger großer Serdar Somuncu Sketch hier.c

E
Alter. Das ist es. Hier ist gleich der Akku leer. Komm heil an. Ich warte am Bahnhof 🙂

C
Wir beherrschen unsere Instrumente nicht, doch das ist uns egal… c

E
Singste dich schon ein. Das wird heute ne üble Fete! Yeah!

C
das wird wieder so ein Auf die fresse ding.schön verzerrer an.c

E
So will ich dich hören! Schön mit’m Pfeffi ins Gesicht!

C
ich will heute lieber schampus trinken. Kein Handynetz mehr.c

Bühne.

Dritter Akt – Samstag, 6. September 2014
Die beiden Herren Beatpoeten treffen sich am Cottbusser Hauptbahnhof. Es gibt ein großes Hallo, Freunde aus Stendal sind da und tragen wilde Frisuren. In dem Geschäft für regionale Produkte kaufen die beiden Sanddorn-Saft, Pfeffi und Spreewälder Gurken. Mit einem Taxi geht es zum Gelände des Festivals. Es wird ein ganz toller Abend, der in einer versoffenen Kneipe namens Seitensprung irgendwo in Cottbuss endet. Am nächsten Tag fahren die beiden nach Jena. Schönes Wanderleben.

PS: Wir grüßen Käptn Blauschimmel und Lena Stöhrfaktor, die Zellen, Chekovs und Muggufugs in Cottbus, das Arthur in Chemnitz, die Livelyrix, das Haus.

Egge Sommer 2014 – Ham wa was jelernt

Ajuca 2014

Unfassbar. Wir hatten schon einge bunte, kurzweilige Sommer mit der Band. Das Jahr 2014 wird aber als das Jahr eingehen, das uns fast umgebracht hat. Wollten wir nicht mal zarte Lyrik vertonen? Jetzt ist scheinbar Punkrock angesagt – und meine Stimme knarzt wie Costas alte Technikfossile. Nun ja. Jammern auf hohem Niveau. Was soll das? Stimmt! Man lernt dabei schließlich fürs Leben. Darum hier, wie einst in guten Myspace-Tagen: das ham wa drauß jelernt:

 

– Wenn in Jena Hausfest ist, kommen die Hippies samt Sessel vom Dach an Seilen hängend, samt Klampfe, klar
– Das Publikum singt dann gerührt Stones-Zeilen wie „Every cop is a criminal“ dazu und pfeift lethargisch
– Entdeckte Band: Lisa Luv & the No Go’s anhören!
– Man kann ein Crashbecken mehrfach brechen
– Die Sandmannausstellung in Greifswald: wunderschön!

Der Sandmann in Greifswald.

– Immernoch schön: mit Kreide Blumen auf Asphalt malen
– Costa kann auch Stagemanager
– Entdeckte Bands: Meerdenker, Bungalow & Brazzo Brazzone

Meerdenker beim Autofreien Sonntag.

– Wenn man im Backstage Fußball spielt: will immer irgendwann jemand seinen Ball zurück
– Wenn Marteria oder Gisbert zu Knyphausen Fußball mit ihren Söhnen im Backstage spielen: wollen alle Fotos machen
– Klangkarussel ist offenbar eine Band, dessen Sänger ganz ästhetisch Percussionsinstrumente bedienen kann
– Die Faszination von The National besteht live darin, zu warten, bis der Sänger wieder sein Bier fallen lässt
– Bei der kulturellen Landpartie im Wendland lässt sich wunderbar Kunst im Raum 2 in Neu Tramm anschauen
– Man sollte die wunderbare Kunst aber immer direkt kaufen – man kommt übers Netz einfach nicht ran
– Heinz Ratz spielt immer in Neu Tramm, wirklich immer
– Mützingenta ist eigentlich eine der größten Wunderpunkt-Landpartie-Partys – steht aber nicht im Kulturprogramm

Wendland und Graswurzel.TV

– Besuchen: Das Wilwarin-Festival ist wunderbar – vom Backstage bis zur Staublunge in der ersten Reihe
– Slammer und Kabarettist Hinnerk Koehn sollte Schlagzeuger werden
– Beim Wilwarin-Festival in Ellerdorf werden Besucher noch mit Feuerwehrschläuchen zur Ruhe gebracht

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Costa und die Terrorgruppe.

– Man darf in Seen Shampoo benutzen, wenn es Bio-Shampoo ist
– Wow: klang die Terrogruppe schon immer wie eine richtige Rockband?
– Entdeckte Bands & endlich live: Scheiße Minelli, The Colder Sea
– „Kennt sich jemand mit meinem Gerät hier aus?“ ist kein souveräner Satz auf der Bühne
– Pfefferminzschnaps hilft gegen Mundgeruch
– Pfefferminzschnaps macht trotzdem betrunken
– Man kann mit einem Wendlandtraktor durchaus durch die hannoversche Innenstadt fahren
– Besuchen: das Tikozigalpa in Wismar
– Das wichtigste für Radwandertage sind nicht die Räder, sondern Teilnehmerstempelkarten für Checkpoints
– Lokalpatriotismus ist stärker als die Begeisterung für die Nationalmannschaft
– Zumindest wenn es um den Nahverkehr geht, die lokale Fußball-Elf und Kosenamen für den Bürgermeister
– Entdeckte Bands: Big Band Käthe Kollwitz-Schule – meine ich ernst
– Wenn die richtigen Leute informiert sind, lässt sich ein Rave mit 5000 Leuten in der Innenstadt feiern
– Beim Bürgerbrunch vorher klären, wieviele Freigetränke Freigetränke umfasst

Limmer 2014

– „Die Kloschlange in der Fusion-Oase-beschimpfen“ kann ein erfolgreiches Veranstaltungskonzept sein
– Man darf nicht in der Datscha jeden freundlichen Wodka annehmen
– Endlich (wieder) live und überzeugend: Robocop Kraus
– Entdeckte Band: RobotKanon – Grunge trifft Stonerrock trifft Arty
– Keine Ahnung, was Sicherheit bei der Fusion angeht – aber entspannt gefüllt war es dann doch
– Was fehlte bisher auf dem Sommerfest der niedersächsischen Landesregierung? Richtig, ein Kiosk
– Für bunte Tüten braucht es nicht zwingend Verkaufspersonal
– Besuchen: Verleihung des Studentenwerkspreis: so viel tolle Projekte & Menschen direkt nebenan
– Die Snap-Shot-Box wird mit jeder Stunde am Abend spannender
– Ein roter Teppich zur Media Night für Journalisten ist übertrieben? Manch einer fühlte sich endlich verstanden

Pullmann City Harz

– Im Harz gibt es eine Westernstadt namens Pullman-City
– Es ist schlimmer, als man denkt
– Line-Dance ist die Tanz gewordene Provinzhölle
– Man darf auf einem Schützenausmarsch ruhig mit Gummibären werfen
– Man bekommt sie nur zurück ins Gesicht geworfen
– Besuchen: Frosch in Hannover-Limmer, Gin-Tonic unter 4 Euro, viiiel zu sehen
– Der Bruchmeisterrundgang zum Schützenfest kommt nie ohne zerstörte Gläser aus
– Jürgen Drews mag kein Public Viewing – er spielt dann einfach direkt vor der Leinwand – während des Spiels
– Entdeckte Bands: den Cor-Sonderstatus in Mecklenburg verstanden

Neustadt-Glewe, Mecklenburg.

– Sonderschule und Montreal haben einen eigenwilligen Humor
– Besuchen: die zweite Bühne des Burning-Summer-Festivals – unfassbar liebevoll
– Das Sterni-Marketing macht derzeit eine Menge richtig
– Bei Leihcabrios nie, nie, nie das Verdeck bei 120 Sachen schließen
– Besuchen: das entspannteste und musikalisch spannendste Fest ist das New Direction in Herrenberg
– Entdeckte Band: Belgrado & Humanabfall
– Die Leipziger füllen immer Menschen ab, die Leipziger füllen immer Menschen ab …
– Eine ausgestreckte Hand am Tresen bedeutet: noch Platz für vier Wodka
– Wenn im Juli mit Feuerwerk gebollert wird, ist Deutschland wohl Weltmeister
– BeachRugby ist eine Art Gewaltpräventionsstrategie – sagen die BeachRugbyspieler
– Hannover hat jetzt auch ein Campus Festival
– Man muss nicht nüchtern sein, um Jennifer Rostock anzusagen
– Gefeierte Bands: Irie Revoltes, Ohrbooten, Rotfront
– Bands, mit Fragezeichen: Tonbandgerät und Keule

Berlin Friedrichshagen.

– Der Müggelsee sieht in Wirklichkeit ganz schön blöd aus
– Ohne Haialarm geht da gar nix
– Besuchen: das Brunnenstraßenhoffest
– (Wieder-) Entdeckte Band: Ari

Nürnberg.

– In Nürnberg gibt es Nutella-Brenz
– Man trifft in Bayern sofort den Beckstein
– Mit Farbkugeln und Schleudern auf Nachbarhäuser schießen, kann auch zur Nachbarschaftspflege beitragen

Brunnenstraße.

– Bremerhaven hat auch ne Kieler Woche: Schiffe, Besoff’ne, keine Parkplätze
– Mit dem alten Seemannsheim aber eine günstige und hübsche Übernachtungsdingens
– „Bei Kralli“: aua, was für ne Eckkneipe
– Den Selbstgebrauten NICHT testen

Feuchtwangen, Bayern.

– Besuchen: das politisch streitbare Art Village in Hamburg – Kunst & Tanz gegen wenig Geld
– Weserburg Bremen ist immernoch eines der besten Museen Norddeutschlands

Weserburg, Bremen.

– Der Skyliner zum hannoverschen Maschseefest kostet 5 Euro und erklärt: ganz schön grün, dieses Hannover
– Das Sommerfühl-Festival im tiefsten Bayern steckt voller Herzblut – die lange Reise ist es wert!
– Entdeckte Bands: Friedemann Weise – geiler Typ!

Sommerfühl, Friedemann.

– Kulturbühne zum hannoverschen Fährmannsfest wird immer größer
– Wer für faire Cocktails faire Säfte zur Hälfte wegkippt, um Alk reinzutun, ist nicht fair, sondern bescheuert
– Entdeckte Bands: U3000, Roman Rofalski, Lius del Mar, Status Wo?!
– Das Open Flair in Eschwege bleibt das familierste Festival des Landes

Cantus, Renato, Sven Panne, Rüdiger, Tobi.

– Entdeckte Bands: Lumpenpack, Rüdiger Bierhorst, Sven Panne
– Rainer von Vielen bleibt auch 2014 eine der Lieblingsbands
– SDP schnall ich nicht
– Man kann Chansons in einem voll besetzten Cantus-Wagon feiern
– Aber gleichzeitig hat man in ganz Hessen nie Handyempfang
– Felix Römer macht das mit einem Lächeln vergessen

Eschwege, Herrengedeck.

– E. aus Düsseldorf ist einer der entspanntesten und spannendsten Veranstalter
– Entdeckte Band: Dr. Dreck & Petze
– Ich freue mich für Düsseldorf auf baldige vegane Univerpflegung

Düsseldorf.

– Swingpartys in linken Zirkeln sind die Besten
– Pfeffi ist vegan
– Man kann beim Ajuca zwei Stunden über nachhaltiges Festivalverhalten sprechen
– Und anschließend Madonna über Campradio auflegen
– Es sollte viel öfter Lesungen für Schnippelfreiwillige geben
– Entdeckte Band: Radical Hype

Köln.

– Das Fuchsbau Festival bleibt das spannendste Kunst- und Kultfest der Region Hannover
– Entdeckte Bands: Martin Kohlstedt, Jujujus und eine unfassbar tolle Live-Hörspieltruppe aus LE
– Wir sollten viel öfter im Dunkeln spielen
– Ich sollte nicht am nächsten Morgen einen Slam moderieren
– Johannes Berger und Hinnerk Koehn wird die neue Kabarettgang, wenn sie sich auf einen Ort einigen
– Mallorca hat auch schöne Ecken

Ellerdorf, Wilwarin.

– Bei Stendal ist mit dem Hin & Wech-Festival tatsächlich in Sachsen-Anhalt ein geiles Festival entstanden
– Es ist immer wieder schön, den Martin unterwegs zu treffen
– Entdeckte Band: Banal!
– Aschaffenburg wird unser Itzehoe Hessens – so unfassbar gute Menschen
– U. Tukur ist in Wirklichkeit viel kleiner und dünner als man denkt
– Gisbert zu Knyhausen bleibt einer meiner Lieblingssongwriter
– Entdeckte Band: Torpus & the Art Directors
– Chemnitz kann auch richtig schön: wie beim Open-Air-Slam im Arthur

Art Village.

– Cottbus hat mit Zelle, Muggefugg & Chekov gleich drei schöne Läden
– Das Seitensprung dort ist immer zu voll
– Entdeckte Band: Käptn Blauschimmel!
– Artless leben noch und singen immer wieder: „Mein Bruder ist ein Popper“
– In Schlafwagen in Jena schläft es sich noch immer am besten

Cottbus.

– Volker Strübing ist noch immer ein Meister der Kurzprosa
– „Hinter dem Horizont“ ist ein wunderbarer Film
– „Die Echse“ ist seit dem Faetzig Camp vor Jahren noch böser geworden
– Frank und seine Freunde aus Nordniedersachsen könnte Volker Rosin als Kinderliedermacher beerben
– Der HAZ-Sofatag ist noch immer eine meiner Lieblingsveranstaltungen in Hannover

Linden.

– Wie gut, dass damals in Leipzig das Plakat aus Jena dazu hing
– Entdeckte Band: Leaves & Trees
– Tao Lin im Original lesen – und nicht zu viel persönlich fragen
– Die Nachbarn vermisst man meist erst außerhalb Hannovers

Danke für diesen unfassbaren Sommer!

29./30. August 2014 – Hämerten und Aschaffenburg

Die Elbe

Am Bahnhof in Stendal wirbt eine private Agentur für Jobs für Tagelöhner. Die Linden auf dem Platz schimmern orange im wunderschönen Licht. Es sieht nach Sommer am Mittelmeer aus, nur es riecht nicht so. „Stell dir vor, hinter dem Bahnhof liegt das Meer.“ „Ja, aber dann bitte nicht so kalt“, sagt Egge.

Unsere Shuttlefahrerin kommt mit einem tiefer gelegten Opel, hinten zwei Kindersitze. Sie fährt 100 km/h durch den Ort und ist nicht angeschnallt. Wir fahren fünzehn Minuten durch einen Wald, ohne einmal an einem Licht vorbeizukommen.

Unser Auftritt hat einen der Securitys genervt. „Das war so Musik für einen Herzinfarkt. Aber Stimmung haben die beiden Popper ja jemacht.“

Der Dackel

„Das Wasser ging bis hier, kurz vor’s Haus.“ Vor uns erstreckt sich das Elbufer mit seinem ökologisch so wertvollen Strand, einem Paradies für Pflanzen und Tiere. Vor knapp einem Jahr war dieses Gebiet ein Meer. Nahezu endlos erstreckte sich das Hochwasser, überspülte Straßen, Häuser, ganze Dörfer. Hier in Hämerten kamen die Menschen noch einigermaßen glimpflich davon. Doch die Folgen spüren die Menschen bis heute.

Es ist ein besonders schöner Nebeneffekt, dass wir auf unseren Reisen durch das deutschsprachige Europa immer wieder mit der Zeitgeschichte in Berührung kommen. So führte uns die Einladung zur ersten Ausgabe des Hin und Wech Festivals in die Nähe von Stendal aufs Land. Wir würden uns freuen, wenn wir mit unserem Konzert und der Lesung dabei geholfen haben, das Festival in der Region zu etablieren. Es sollte definitiv wieder gemacht werden!

– + –

Das Wolfsburg

Wir sitzen irgendwann in einem Pick-up-Truck, der kurzgeschlossen wurde. Die Vorderamatur fehlt. Ein Dackel sitzt in der Mitte und schaut aus dem Frontfenster. „Das ist Amok“, sagt der Beifahrer. „Oder Ludwig-Amok von Beckenschneider.“ Es geht wieder mit 100 km/h über die Landstraße. Wir singen 90ies-Techno-Lieder.

Auf dem Wolfsburger Bahnhof fährt kein Zug mehr Richtung Süden. Der Grund dafür, wie es in der politisch korrekten Sprache der Bahn heißt: erst Personen im Gleis, dann wenig später polizeiliche Ermittlungen. Samstag ist Selbstmord, singt Tocotronic.

Die Verpflegung

Nach sieben Stunden in verspäteten Zügen kommen wir in Aschaffenburg an. Das Stadtfest schauen wir uns durchs Autofenster an. Es läuft The XX, ruhigstellend. Draußen laufen die Menschen mit Fantasietrachten herum. Das Stern ist wohl die einzige alternative Kneipe in Aschaffenburg. Hier werden Konzerte, Lesungen, tolle Partys gefeiert. Die Menschen hier schaffen sich ihr buntes Aschaffenburg selbst. Toll! Es ist unser zweiter Besuch in der Stadt in diesem Jahr. Wir möchten gerne immer wieder kommen.

Im Zug nach Hannover lese ich ein Zitat von Eric Hobsbawm: „(Historische) Veränderungen ergeben sich nicht aus ihrer objektiven Wünschbarkeit oder Notwendigkeit, sondern nur nach langem, zähem Kampf.“ Ich schaue mir die Kratzer und blauen Flecken auf meinen Armen an. Die Spuren eines Umzugs. Egge und ich schauen uns an: „Urlaub wäre mal geil.“ „Ja, ein paar Tage mal gar nichts tun.“

23. August 2014 – Fuchsbau-Festival

Vorsicht

Das Fuchsbau-Festival in der Region Hannover ist für uns eine Mischung aus Klassentreffen und Sommerabschluss geworden. Hier treffen wir inzwischen unsere Freunde aus Niedersachsen, die wir an den unzähligen Tour-Wochenenden nicht sehen können. Sie legen auf, spielen mit ihren Bands, organisieren Teile des Festivals mit oder hängen wie wir am Kaffeestand. Das Festival muss sich dabei vehement gegen die Auflagen der Gemeinde wehren. Der Bürgermeister, ein ehemaliger Polizist, bezeichnet die Besucher gerne mal als Menschen, die sich mit „Alkohol und Drogen zuknallen“. Gut, dass die Schützenfeste in seiner Gemeinde so viel protestantischer sind.

Uns hat’s nicht gestört. Das Festival ist ein Spielplatz, auf dem sich unzählige kreative Menschen austoben und ausprobieren. Nach unserem Auftritt in der komplett abgedunkelten Scheune feierten wir noch bis in den frühen Morgen mit unseren Freunden. Klassentreffen halt. Wir sind gespannt, wo die Reise des Festivals im kommenden Jahr hingeht. Aber eins ist klar: Wir sind dabei.

 

1. August 2014 – Sommerfühl-Festival

Sommerfühl

Wir biegen um die Kurve des dunklen Wegs im Wald. Links und rechts stehen wie Zahnstocher die Nadelbäume dieses Nutzwaldes irgendwo in Mittelfranken. Wir sind zehn Minuten mit einem Taxi gefahren. Nachdem wir bis Feuchtwangen rund vierzig Minuten mit einem Bus gefahren sind. In Ansbach kam uns Günther Oettinger am Bahnhof entgegen. Dort stiegen wir aus der S-Bahn aus Nürnberg, mit ihr waren wir ebenfalls vierzig Minuten gefahren. In Nürnberg trafen wir uns, Egge aus dem Norden, ich aus dem Süden. Es läuft Antilopen Gang, KIZ und Savas – wir arbeiten ja gerade am Nachfolger unserer Lesereihe „Popper lesen Punk“. Sie wird „Opfer lesen Battlerap“ heißen und eine Analyse des Kriegsmotivs innerhalb des deutschsprachigen Sprechgesangs sein.

Um die Kurve – und wir stehen auf einer Lichtung mitten in diesem Wald, irgendwo in Mittelfranken. Zelte, Autos, Busse stehen am Rand zum Wald. Eine Gruppe junger Männer spielt Hackysack. Irgendwo hinten sehen wir Menschen beim Frisbee-Spielen. Am anderen Ende der Lichtung stehen die Bühnen, die Buden, das riesige Lagerfeuer. Wir bekommen Brezeln und Humus, Obst und leckeres Bier, lernen ein, zwei neue Witze, bekommen Mittelfranken erklärt, lernen tolle Menschen kennen.

Friedemann Weise spielt sein Set professionell runter, wir lachen viel. Geiler Typ, mit dem Bier trinken lohnt. Wir spielen inzwischen die Hälfte des Sets nicht mehr mit der Groovebox, sondern mit Ableton Live und Controller. Alle Instrumente wurden bei Ulli3000 zu Loops gebastelt, sodass jedes Element eines Lieds von uns mit jedem anderen zu jeder gewünschten Geschwindigkeit kombiniert werden kann. Am Ende des Sommers soll das Set komplett vom Laptop kommen. Die Kids auf dem Sommerfühl wollen tiefe Bässe, verzerrte Synthies und entweder sehr schnelle oder Beats auf Hip-Hop-Geschwindigkeit. Bumm.

Nach dem Konzert wird uns erzählt, dass es völlig normal ist, dass auf Festivals Zivilpolizisten rumlaufen. Die Gäste werden auch gerne mal nach dem Besuch einfach auf Verdacht kontrolliert. Manches in Bayern ist noch nicht so gelungen und liebenswert wie das Sommerfühl-Festival. Das ist wohl so etwas wie unser Fazit, das wir uns überlegen, als wir nach einer Stunde Schlaf ins Taxi steigen, bis Feuchtwangen fahren. Dort in den Bus steigen, eine Stunde bis Dinkelsbühl fahren, dort in den Zug nach Würzburg steigen und ab da nur noch stehen müssen – weil es wieder einmal so voll ist in einem Fernzug der Deutschen Bahn zwischen Norden und Süden. In Würzburg geht es dann ausnahmsweise ohne eine Kontrolle durch Beamte vom Bundesgrenzschutz zum nächsten Zug nach Hannover. Egge geht zum Fährmannsfest, moderieren. Ich gehe in den Wald, bäume zeichnen.