26. Juli 2013 – Hamburg-Harburg – Keine Knete, trotzdem Fete

rumble im jungle

Der Hamburger Hafen ist hier ganz nah. Über uns steht bedrohlich der Hochspannungsmast. In der Ferne hören wir Schiffshörner und Güterzüge. Nur wenige Meter trennen diesen Dschungel von einer der größten Industrieanlage Deutschlands. Egge und ich haben uns hingesetzt. Bei mehr als 30 Grad und einer Luftfeuchtigkeit wie in den Tropen ist an unser sonstiges ADS-Hibbeln nicht mehr zu denken. Und dann gibt es ja auch noch die Szenerie zu bestaunen: Rund um uns herum wird gewerkelt, gebaut, geschraubt, Witze gerissen, ein kleiner, vergänglicher Traum entsteht hier am Rande des Hafens.

Kommunikation ist wichtig

Für ein Wochenende wird der riesige Garten eines Metal-Band-Fanklubs zu einem Abenteuerspielplatz. Meterhohe Brombeerbüsche wurden dafür abgeholzt, ein Labyrinth in den Wald gehauen. „Wir leben jetzt seit einer Woche auf dem Gelände, und am Anfang war das hier die grüne Hölle“, erzählt einer, der uns eingeladen hat. „Wir mussten mit Macheten und automatischen Heckenschneidern erst einmal aufräumen.“ Mit einem Team aus Hamburgern und Zürichern wurde so in wenigen Tagen ein Feierparadies geschaffen: Keine Knete – trotzdem Fete.

Parken

Seit 2004 gibt es das Umsonst-&-draußen-Festival schon. Nach diverser Umzüge und immer mal wieder Stress mit diversen Gegnern scheint die Gruppe in Harburg endlich so etwas wie eine Heimat gefunden zu haben. Mehr als 1000 Gäste an dem Wochenende scheinen das genauso zu sehen. Und auch, als während unseres Auftritts der Platzregen einsetzt, sind alle hilfsbereit, gut gelaunt, lächeln, versorgen alle mit Plastikplanen. So sieht gelebtes DIY aus.

Als wir am nächsten Morgen aufwachen, steht eine Gruppe an dem Bach, der das Gelände umfließt. Alle lachen. Im Graben liegt ein Auto. „Kein Problem, das holen wir nachher raus, wenn alle ausgeschlafen haben.“ Wir glauben ihnen.

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13. Juli 2013 – Neubrandenburg – AJZ

Neubrandenburg, klassisch„Ihr seid echt richtige Popper. Seht aus wie die Jungs vom Segelklub.“ „Bitte?“ „Ja, so mit Hemd und Anzug und so. Außerdem bei dem Wetter Rotwein trinken? Ihr seid doch kaputt.“

Sie haben uns zwei Sessel hingestellt. Dazu ein Bild mit Hirsch, ein paar Topfpflanzen und einen Tisch. Eine Kordell trennt uns von den Zuschauern. Als Egge unseren Gastgebern auf der Fusion eine unnüchterne SMS schrieb, was wir für unsere Lesung in Neubrandenburg brauchen, hat er weit ausgeholt. Sie haben alles hingestellt. Dazu noch Wasser und Rotwein bei gefühlten 40 Grad im Schatten. Aber von Anfang: Das Alternative Jugendzentrum Neubrandenburg wird in diesem Jahr 20. Dass es überhaupt so alt wird, war am Anfang nicht zu erkennen: Schließlich gab es in der Nachwendestadt regelrecht Straßenkämpfe mit Neonazis. „Eine zeitlang konnte ich nicht wirklich vor die Haustür treten“, erzählt einer. „Die haben Hetzjagd auf alles Buntes gemacht.“
Irgendwann taten sich dann die Punks mit den Hip-Hoppern, Skatern, BMXern etc zusammen und richteten so einfache Dinge wie Telefonketten ein. Mit großem Erfolg. „Wir haben quasi jede Straße einzeln zurückerobert.“ So ging das über Jahre. Mit den üblichen Steinen im Weg, die es als buntes, alternatives Projekt in einer kleinen Stadt so gibt. Am Ende aber stand der Umzug in eines der schönsten Jugendzentren Deutschlands.

Egge, konfittisiert

„Hier ist das Kuchenbuffett, alles vegan.“ „Da stehen aber bestimmt zehn verschiedene Teile. Wie sollen wir die alle essen?“ „Mit dem Mund.“ „Krass.“ „Aber iss nicht zuviel. Es gibt nachher noch Abendessen.“ „Bitte?“

Für uns sind die Besuche in Neubrandenburg der Höhepunkt des Sommers: Wenn wir dann mit einem Bier im Tollensesee stehen, das kalte Nass bis zur Brust, die warme Sonne auf den Kopf, dann wissen wir, warum sich der ganze Stress, das ewige Zugfahren, das konstante Üben sowas von lohnt. Neubrandenburg ist für uns Urlaub bei Geschwistern.

„Was ist in dem Eimer?“ „Konfetti.“ „Das sind doch mehrere Kilo.“ „Ja, richtig.“ „Und das?“ „Da sind die Pyros drin.“ „Wollt ihr uns umbringen?“ „Vielleicht. Aber auf jeden Fall müsst ihr nachher stagediven.“ „Ich habe das noch nie gemacht.“ „HAHAHA!“

30. März 2011 – Platz machen für die Nächsten

(Geborgt vom großartigen Comic-Tagebuch-Macher Flix)

Woran merkt man eigentlich, dass man älter wird?

Herr Costa legt vor:
Du bist der einzige im Klub, der sich mit seinen Freunden über Kindernamen, Steuertipps und dem vom Arbeiten kaputten Rücken unterhältst.
Du kennst die Bands nicht mehr, die der DJ auflegt. Spielt er dann etwas von früher, und du singst laut mit, wirst du komisch angeschaut.
Du trinkst zwischendurch Wasser.
Du findest die Röcke zu kurz.
Du findest die Shirts zu bunt.
Du gehst lieber Pide essen, anstatt auf die nächste Party.
Du bist zu müde, um mitten in der Woche feiern zu gehen.
Du freust dich aufs Wochenende, weil du dann früh auf den Markt kannst.

Egge legt nach:
Du magst Dr. House.
Du hast entdeckt, dass jeden Tag „Tatort“ läuft.
Sunrise Avenue gibt auf dem Parkplatz Interviews, während du mit Matthias Reim über sein Insolvenzverfahren sprichst.
Sunrise wer?
Du weißt aber wer Ritter Rost ist.
Du wirst gefragt, ob Sie mal Feuer haben.
Jugendlichen hören damit auf, auf den Boden zu spucken, wenn Du auf sie zukommst. Sie machen Platz.
Du kannst zehn Flaschen Goldkrone kaufen ohne deinen Ausweis vorzeigen zu müssen. Eigentlich musst du deinen Ausweis gar nicht mehr zeigen.
Deine Eltern machen sich keine Sorgen um dich, sondern erzählen dir von ihren Sorgen.
Du beginnst Deine Sätze mit „Früher“.
Du gehst zu Hause aufs Klo bevor Du feiern gehst.
Du hast Kopfschmerzen.
Du bist beim Sex schon einmal eingeschlafen.
Du sagste Dinge wie „Ein gutes Buch, ein guter Film, ein Vollbad, ein gutes Gespräch sind besser als…“
Du hast nicht nur eine Steuernummer sondern auch einen Steuerberater.
Du erträgst Maria Furtwängler.
Du hattest bei der Anto-Atom-Demo KEINEN schwarzen Pulli an.
Du willst mal ein Fotoalbum mit Bildern von all deinen Freunden anlegen.
Du führst einen Geburtstagskalender.
Du erwägst wirklich mal zum Zahnarzt zu gehen.
Du sagst: „Na denn, ffn“ in einen Telefonhörer.
Du nimmst Ohrenschützer bei Mogiau.
Du möchtest mal einen Tanzkurs machen.
Du hast einen Ersatzanzug.
Du findest Lena so frisch und unkonventionell.
Du benutzt das Wort frech.
Du musst dir eine Dropbox erklären lassen.
Du sagst DER Blog.

19. Januar 2011 – Was Egge in Berlin, Leipzig & Hamburg gelernt hat

Wie war das nochmal? Hör auf zu stör’n! Hör auf!

Bei Myspace haben wir das immer gern gemacht. Aber bei Myspace macht man mittlerweile ja nichts mehr gern. Nämlich Rückblenden. Darum nun hier – als Vorgeschmack auf künftige Monatsrückblicke – eine pädagogisch sicher anspruchsvolle Reflexion zu den vergangenen Tagen zwischen Spaziergängen und Spiegeleiern. Was haben wir gelernt:

– Betrunkene Einschätzungen zum Dioxin-Skandal erreichen mitunter mehr Clickzahlen als unsere geliebten Fusion-Videos zusammen. Konkret:

– Als völlig unbegabte Hacker haben wir dank Youtube-Statistik herausbekommen, dass daran gute Kollegen mitgewirkt haben könnten (Grüße an Herrn eco & Merci!)
– Auch wenn einige Videos vor allem nun von Herren nah an der Altersteilzeit beurteilt worden sind (Was wir mögen! Sonst kriegen wir kaum Kommentare wie: „Kifft nicht zu viel!“, „Diese Jugend!“ „Muhahaha!“)
– Berlin-Südkreuz ist nicht Berlin-Süd
– Das Kanzleramt sieht aus wie eine riesige Designer-Brotdose
– Das Wort Fleischwurst in diesem Zusammenhang verbitten wir uns.
– Das Kottbusser-Tor schreibt man mit K, Cottbus mit C.
– Der Platz ist nach einem Stadttor der Berliner Akazienmauer benannt, durch das man früher von Berlin nach Cottbus eilte.
– Die K und C-Problematik ist damit nicht beantwortet, wir wissens nicht.
– Klub oder Club? Kuba oder Cuba? Chemnitz oder Karl-Marx-Stadt?
– Der Multilayerladen hat erste Kratzer aufm Fußboden.
– Die Jukebox hat nun auch richtige Knöpfe!
– Es gibt gutes Kiezbier. Unterstützen:
http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=bl&dig=2010%2F11%2F30%2Fa0141&cHash=4973744168
– Der Multilayerladen ist längst eines unserer schönsten Wohnzimmer im Herzen.
– Warum? Nette Leute hinterm Tresen & nette Leute aus Eckernförde, Passau, Hannover davor. Alle wohnen längst in Berlin und machen nun Projekte.
– Hannes sagt, die Räucherei ist zu & das Grüne Haus in Eckernförde auch. Mist!
– Wir mögen die Jungs vom British Music Club, denn die sind verrückt!
http://www.facebook.com/group.php?gid=210571850725
– Die ersten 30 Minuten des Auftritts können seeehr schwer sein.
– Wir lieben es, wenn Ihr (plötzlich doch) tanzt!
– Die Kreuzberghochhausdächer sind die schönsten der Stadt.
– Das Parkhaus direkt davor wird von Drogenopfern besetzt gehalten & heißt das „Parkhaus des Grauens“.
– Wir sollten dort bald ein Musikvideo drehen, sagt Hannes, der kennt sich aus.
– Wolf Hogekamp, Autor, Veranstalter & Urgestein sagt: „gabs schon, sogar ne Lesung“. Wolf hat auch mal ein Video mit uns gedreht. Und wir haben ein gaaanz altes von ihm gefunden. Müsst Ihr Euch anschauen:

– Wozu man immer tanzen kann: David Bowie, Depeche Mode, Joy Division.
– Sushi-Essen geht nun auch in Kreuzberg – und schmeckt.
– Der Gentrification-Sushi-Shop ist in Blickweite zum SO36, krass.
– Dort bekommt man mit der Bestellung einen blauen Plastikpuk, der vibirert sobald der tote Fisch in der Alge steckt.
– Saufen kann man auch in Berlin-Neuköln gut: „Nathaliaund Heinrich“ in der Weichselstraße ist super.
– Lindy Hop geht auch nach großem Engagement für das Berliner Kiezbier.
– Vollkornbrot um 5.30 Uhr ist das Beste!
– Das beste Frühstückskaffee in der Bürknerstraße am Kotti: Klötze und Schinken. Hingehen & Gummi-Augen kaufen!
– Von Berlin nach Leipzig sollte man von Berlin-Süd aus losfahren.
– Hochwasser hat auch etwas Ästhetisches.
– Leipzig hat vor allem: Platz.
– Kunst hier schauen: Leipziger Baumwollspinnerei.
– Da gibts auch tiefschürfende Graffiti: „Zu viel Sicherheit schadet!“
– Das Bundesverwaltungsgericht ist riesig.
– Am Leipziger Literaturinstitut sind gerade mal 20 Schreiber.
– Die Freunde vom „Schlechtes Versteck No. 32“ haben Rock’n’Roll-Bier erfunden und lassen es nur für den Laden brauen.
– Schön ists im Clara-Zetkin-Park, im „Cantona“, betrunken in „Feinkost“-Clubs.
– Beim Burgermeister trifft man ständig Bekannte.
– Dort gibt es auch vegetarische Currywurst.
– Drei Tage Alkohol können schaden.
– Der Tatort aus Konstanz war blöde.
– Grüner Tee ist der neue Aperol.
– Wenn man nüchtern zum „Punkertischtennis“ im Hamburger Hafenklang geht, gewinnt man mitunter.
– Leider gewinnt man meist Schnaps.

Vor allem haben wir aber gelernt:
– Einsätze sind Einsätze, da helfen keine Pillen.
– Zuhause ist immer am schönsten.
– Unterwegs aber auch.
– Häng Dein Herz nicht an Dinge.
– Luftballons aufblasen ist manchmal schwerer, als sie loszulassen.
– Beides kann wunderbar & schmerzlich sein.

– Sei nicht traurig Susann, es fängt immer erst an.

Auf gehts ins neue Wochenende.

PS: Ja, wir haben uns in Cäthe Sieland verliebt.

13 – 16. Januar 2011 – H/B/L/HH

Danke  Multilayerladen, Fanny, Charlotte, Wolf, Norma, Ari, Levent, Julia, Mark, Beke, Ayse, Jascha, Britta, Philipp, Didier, Bea,  Sophie, Rike, Malte, Mirco, Manuel, Thalea, Felix und sovielen anderen.