10. Juli 2010 – Münster – Elektropunkdiskodisaster

Irgendwo hinter Bielefeld mussten wir unseren Verstand verloren haben. Während die Cosplay-Mädchen neben uns ihre Gesichter in Fritten und Burger tunkten und der Zugführer immer wieder außerplanmäßig hielt, um aufs Klo zu flüchten, versuchten wir zu schlafen und die Hitze nicht noch den letzten Rest Nüchternheit erobern lassen. In Bielefeld hatte man uns bereits aus dem ICE aus Berlin geschmissen, bei tropischen Temperaturen und kaputter Klimaanlage ging gar nichts mehr. Menschen schwitzten mehr, als sie trinken konnten, manche fielen einfach um und wir gaben uns die komischsten Spitznamen in ausgedachten Sprachen.

Doch irgendwie schafften wir es zur Clubschiene in Münster, nur um eine weitere Überraschung geboten zu bekommen. Anstatt Soundcheck zu machen und uns auf den tollen Abend mit den Jungs von Elektropunkdiskodisaster zu freuen, empfing uns ein Public Viewing. Stimmt ja, Krake Paul hatte für den Abend ja einen Sieg für die deutsche Fußballnationalmannschaft vorhergesagt. Nachdem die deutsche Mannschaft dann wieder einmal bewiesen hatte, warum sie sich zu Recht Weltmeister der Herzen nennen darf, anstatt klobbige Goldtrophäen in den Himmel zu recken, durften wir die Bühne erklimmen und mitten im Raum Anheizer spielen. Doch bei diesen Temperaturen fiel es einigen Menschen sichtlich schwer, ihre Gurken aus dem Gin-Tonic-Glas zu fischen, uns zuzuhören und gleichzeitig noch die Beine rhythmisch zu bewegen. Naja, Tobi und ein großer Teil der Partygang hatte damit eindeutig keine Probleme.

Nach dem schwitzigen Start in den Abend wurde die Anlage von den Kollegen Yesyesyo übernommen und bis in den frühen Morgen ausgereizt. Während wir schon längst wieder auf dem Weg zum Bahnhof waren, den ersten Zug in die Heimat nehmen. Die lange Fahrt durch das aufkommende Unwetter verbrachten wir im total überfüllten ICE auf dem Boden, zwischen schnarchenden Fahrgästen und betrunkenen Schweden, die über die nationalen Unterschiede von Bier, Frauen und Fast-Food unterhielten. Aber selbst der wurde uns irgendwann von zwei panischen Rentnern weggenommen, mit dem Hinweise, sie würden unbedingt in 30 Minuten aussteigen und bräuchten bis dahin den nicht vorhandenen Platz im Gang. Unsere Bitte, uns doch noch ein wenig schlafen zu lassen, beantworteten sie mit einem schnippischen „Wir haben auch gearbeitet„, worauf Costa anfing, mit seinem Taschenmesser sehr langsam Ingwer zu schälen und zu schneiden. Wir hatten echt Urlaub nötig!