Fährmannsfest 2011

Wenn man in Hannover auf Kerle mitte 60 in Batik-T-Shirts trifft (oder Sprüche-T-Shirts wie oben auf dem Bild), dann ist man entweder in der Barkarole, besoffen oder höchstwahrscheinlich auf dem Fährmannsfest, der Mutter aller Strandfeten. Am Weddingenufer feiern jedes Jahr fast 18000 Leude zu alternativer Musik & zu trinkerfreundlichen Bierpreisen, und stoßen ein wenig auf das Gefühl an, jung, anders & Lindener zu sein – auch wenn sie mittlerweile alt und angepasst sind und in der Südstadt wohnen. Heute ein Hippie, beim Fährmannsfest geht das ganz gut.

Wurde das Fest früher noch von den Punks anlässlich der Chaostage in Schutt und Asche gelegt, ist heute der Bürgermeister Schirmherr und ein Kinderfest wirbt fürs Kistenklettern. Seit vier Jahren betreut Egge dort mit einem duften Team die Kulturbühne. Und weil er das Fährmannsfest als skurrile, aber liebenswerte Spielwiese für sich entdeckt hat, folgen an dieser Stelle die schönsten Bilder des Festes:

01. mehr als sechs  (!) Monate haben wir uns Gedanken über das Programm gemacht, haben Demos gehört, um Geld gefeilscht, gegrübelt. Und dann entdecken 30 Kinder die frisch gemähte Wiese und die Wiesenhaufen für sich und veranstalten eine zweistündige Rasenschlacht. Sie sind glücklich wie nie – und brauchen keine Band
 02. während die Band Mordslärm Mordslärm macht, steht eine etwa Vierjährige auf eine der Bassboxen und schaut sich von dort das Publikum an. Auf ihrem T-Shirt steht der Stolz in ihrem Gesicht begründet: „My Dad rocks“
03. irgendwas ist immer. & in diesem Jahr waren wir am Freitag fast 45 Minuten zu früh fertig. Also riefen wir die erste Swing-Party des Fährmannsfestes aus – und die Leute tanzten zu Jazzklängen Paartänze.
04. Stefan Bartel singt Tom Waits „Mathilda“, groß
05. immer wieder: Seifenblasen, ständig & überall
06. endlich wieder Hip-Hop: die Alte Schule Masthorn verbindet Oma-Hans-Gebrüll mit 8-Bit-Rave und integerer Bauwagenplatz-Attitüde. Geil.
07. der Bürgermeister nimmt mitten in unserer Biergartenlounge Platz, während Egge im Friesennerz bei vollem Sonnenschein moderiert
08. Bruna Punani texten ihren Hit… ja, hat nie einer verstanden… um und singen mit fast 1000 Leute: „Wodka! Wodka! Cola“
09. Kinder prügeln sich fast darum bei Beas Theaterperformance „Ich brenn‘ auf voller Flamme“ ein menschliches Hühnchen mit Wasserbomben zu bewerfen – als Zeichen des Kapitalismus‘, oder so.
10. stell dir vor, es ist Poetry Slam, und es regnet wie bei einem Monsun. Und das Publikum klettert einfach unter die Bierbänke und wertet von dort aus weiter. So kalt kann Kunst sein. Und so warm der Applaus.

PS: Egge hatte am Sonntag noch Stimme. Ha!

Bis nächstes Jahr*

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14. September 2010 – Auf und vor der Bühne


Hast du was dagegen, wenn ich dich auf meinem Ölkanister begleite? Ihr macht Schmutz! Hast du deine Platten in der kleinen Tasche? Schau mal, der Sänger ist voll süß. Trinkt ihr Alkohol? Wann legt denn der DJ auf? Wow, voll die tiefen Texte! Könnten wir vielleicht vor eurem Auftritt noch ein Statement gegen Repressionen durchs Mikrofon sagen? Was hast du denn da für Equipment? Ich mache übrigens auch Elektro. Wer hat euch eigentlich erlaubt, so was zu machen? Beatpoeten, wie kamt ihr auf den Namen? Wie steht ihr eigentlich zu Israel? Wie, kein Macbook auf der Bühne? Das ist übrigens Paul, der würde gerne vor euch noch ein paar Lieder auf seiner Gitarre spielen. Das ist voll der Billigelektro mit so nem Linken. Zieh mal dein Tshirt aus. Seid ihr überhaupt Veganer? Ein guter Freund von mir liest auch Bücher und mag Drum’n’Bass, kann der nicht bei euch mitmachen? Dürfen wir neben euch auf der Bühne tanzen? Würdet ihr auch bei unserer Abiparty spielen? Werdet ihr auch noch härter? Ey, normalerweise mag ich ja keinen Elektro, aber ihr seid da anders. Was sollt ihr denn darstellen, eine Band?