2. bis 4. Juli 2010 – Bremen, Braunschweig, Wilhelmsburg

Ein Wochenende voller Zugfahrten, Schweissattacken und Fußballspiele liegt hinter uns. Wir waren auf der unglaublich tollen Breminale, einem Umsonst-und-draußen-Festival der besten Sorte, in Braunschweig beim alternativen Public-Viewing-trifft-Fußballelektrolyrik im Lot Theater und in Hamburg-Wilhelmsburg in der Fährstraße 105, einem der schönsten Wohnprojekte der größten bewohnten Flussinsel Europas. Zwischen Zugabteil und Bühnenrand haben wir viele nette Menschen kennengelernt und komische Eindrücke von diesem, unseren WM-verrückten Land gewonnen – das hier alles aufzuschreiben wäre unmöglich. Also versuchen wir es mit einer kleinen Liste:

Was wir mögen

Mit Dota & den Stadpiraten und Rainer von Vielen auftreten (unglaublich liebe Menschen und tolle Musiker, wir verbeugen uns an dieser Stelle). In Zirkuszelten auftreten. Leckeres Tofu-Curry. All die Arbeiter, die den Kulturbetrieb am Laufen halten und sich den Arsch abarbeiten und selten ein Dankeschön hören. Wenn Züge pünktlich fahren. Die neue Platte von Von Spar. Tolle Menschen nachts am Bahnhof treffen. Nette Taximitfahrerinnen. Alte Bekannte vor der Bühne wiedertreffen. Kaltes Bier an heißen Tagen. Menschen, die verlorene Sonnenbrillen wiederfinden. Zuverlässigkeit. Die stillen Momente, wenn man nachts Bahn fährt und die Welt an einem vorbeirauscht. Heißer Tee. Den lustigen Eisverkäufer auf der Stecke nach Bremen. Club Mate (Costa nicht). Eiskaffee. Romane und Serien von Richard Price. Die neue Futurama-Staffel. Die Handyboxen laut aufdrehen und Liederraten spielen. Comedian Harmonists.

Was wir nicht mögen

Besoffene Typen, die sich von halb so kleinen Schaffnerinnen aus dem Zug schmeissen lassen und dann draußen auf dicke Hose machen. Feedbacks beim Kellerauftritt. Übertriebener Lokalpatriotismus (vor allem bei Zugezogenen). Wenn Züge Verspätung haben. Unfreundliche alte Säcke, die im Zug Bier trinken und andere Menschen anpöbeln. Einen lieben Menschen an den Fluss des Lebens verlieren. Abschiednehmen. Unzuverlässige Konzertveranstalter. Arrogante Abipartyfeierer, die Frühschichtarbeiter beleidigen. Wenn Taxen nicht kommen. Handyakkus, die immer alle gehen. Nicht genau wissen, wo man ist.

Worauf wir uns noch freuen in diesem Sommer

Badengehen, ganz viel. Urlaub in Osteuropa. Vanilleeis. The National in Hamburg mit den liebsten Menschen. Zytanien. All die vielen Menschen, die wir noch kennenlernen werden. Konzerte. Verrückte Momente. Umzüge. Mehr Kontraste. Auf der Wiese liegen und Wolken beobachten. Veränderung. Partys in Freibädern. Alte Hits auflegen in Kellerklubs. Auf euch!

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5. März 2010 – Braunschweig – Roter Salon

Egge in Braunschweig: sehr bodenständig.

Was haben Köln-Düsseldorf, Frankfurt-Offenbach, Schalke-Dortmund und Hannover-Braunschweig gemeinsam? Richtig, die Städte hassen sich. Seit Jahrhunderten bekämpfen sich die Bewohner mal mehr, mal weniger, meist jedoch stellvertretend im Fußball. Für uns als alte Hannoveraner ist es also schon einmal ein Zeichen der Freundschaft gewesen, in diese Stadt zu fahren, um dort aufzutreten. Und eigentlich wie immer, wurden wir nicht enttäuscht. Denn die Menschen dort sind sehr viel netter, als mein Fußballverrückter Großonkel immer gesagt hat, wenn er uns die Politik und Gesellschaft am Beispiel der Aufstellung von 96 erklären wollte.

Das Konzert war innerhalb der Best-Of-Lesebühne des Braunschweiger Poetry Slams. Kurz zur Erklärung: Ein Poetry Slam ist ein Dichterwettstreit, bei dem Poeten fünf, sieben oder viel weniger oder mehr Minuten Zeit haben, ihre selbst geschriebenen Gedichte, Kurzgeschichten oder Gebrausanweisungen für Waschmaschinen vorzutragen. Das kann mitunter ganz schön witzig werden. Und da wir aus der Ecke kommen – Costa hat Egge irgendwann 2005 auf so einem Slam in Hannover das unverschämte Angebot gemacht, doch einmal seine Gedichte mit Beats zu versehen – ist eine solche kleine Rückkehr manchmal ganz schön erfrischend. Aber seitdem wir in unseren Liedern nicht mehr „Ulysses“ nachstellen, ist der Slam-Rahmen nicht mehr so passend.

Deswegen haben wir auch zwei Freunde mitgenommen, um das Ganze ein wenig spannender zu machen: Rowe, wie Costa ebenfalls Mitglied der Maximal Gang und an den Plattenspielern wie Tier von den Muppets. Und El Manuel, unser Teilzeit-Gitarrist, der weltbeste Barista Hannovers und Mitglied in unser Lieblingspunkband aus Hannover Images. Wilde Truppe, wir hoffen, die Braunschweiger kriegen das mit ihrer Bühne wieder hin…

Worüber wir uns aber besonders freuen: Unsere Vinyl-EP ist da. Vier Lieder, aufgenommen im Juli und Dezember 2009 und von unserem Freund Matias Oepen im indonesischen Jakarta abgemischt. Ab sofort bei unserem Verlag oder bei uns auf Konzerten zu kaufen. Eine Liste mit Plattenläden folgt demnächst.