Neunzehn

Wir sahen die besten Köpfe unserer Generation vom Wahn zerstört, hungernd hysterisch nackt, die sich im Morgengrauen durch die Punkerstrassen schleppten auf der Suche nach einem wütenden Schuß

Engelköpfige Hipster, dem alten himmlischen Kontakt zur Sternenlichtmaschine im Getriebe der Nacht entgegenfiebernd, die arm & abgerissen & hohläugig und high im übernatürlichen Dunkel

der Armeleutewohnungen rauchend wachsaßen, schwebend über dem Häusermeer in Punker-Ekstase

die durch die Universitäten gingen mit strahlend kühlem Blick und Halluzinationen von St.Pauli und Off’schen Tragödien unter den Schülern des Krieges hatten

All diese wundervollen Leben, die verschwendet wurden – weil sie mit Punkrock in Berührung kamen. Zerstört mit 19. Wir prangern das an!

Beatpoeten, 2016

Beatpoeten treffen: Daniel Küblböck

Daniel Küblböck war einst die bekannteste TV-Heulsuse, bis er die Brille abnahm, sich nen Sixpack antrainierte und Bluessongs sang. Nun kam er nach Hannover als gereifter Musiker und kämpfte mit eigenen Songs für die Rechte von Schwulen. Ein Gespräch über Sinatra, Sex und künstlerischen Stillstand. Was nicht in der Zeitung stand: die Fragen zum Geldsegen durch Ökostrominvestitionen blieben unbeantwortet, dabei fanden wir die eine Frage echt gut: Herr Küblböck, worin würden Sie eher investieren: noch ein Album oder noch ne Solaranlage? Na ja. Positiv denken.

Herr Küblböck, Sie treten bei der größten Party für Schwule und Lesben in Hannover, dem Hannover-Pride, auf. Warum setzen Sie sich für deren Rechte ein?
Schwule und Lesben sind Menschen wie du und ich. Gleichbehandlung steht schon im Grundgesetz, und ich wüsste keinen Grund, dort nicht aufzutreten. Ich war schon beim Christopher Street Day (CSD) in Köln auf der Bühne und freue mich jetzt besonders auf das Warmfront-Festival in Hannover.

Wie sind Sie selbst mit den Spekulationen der Medien über Ihre persönliche sexuelle Orientierung umgegangen?
Es darf sich jeder seine eigene Meinung bilden, und ich habe immer gesagt: Warum nur die halbe Welt lieben, wenn man die ganze Welt lieben kann?

Das klingt souverän. Doch gerade bei Ihnen schauen die Medien noch immer ganz genau hin, kommentierten zum Beispiel süffisant die Trennung von Ihrer Freundin Sarah und jeden Satz zum Thema Sex. Warum redet man mit Ihnen scheinbar so ungern über Musik?
Ein Mensch hat viele Facetten. Meine Musik spielt eine wichtige Rolle, welche die Medien ebenso interessiert wie mein Leben an sich. Das gehört in diesem Geschäft einfach dazu.

Sie sind nicht zuletzt dank des Boulevards zunächst als „Deutschland sucht den Superstar“-Kandidat bekannt geworden, haben aber seitdem Jazzplatten und sogar Weihnachtslieder aufgenommen. Wo fühlen Sie sich musikalisch zu Hause?
Meine Leidenschaft gehört dem Jazz und dem Blues. Ich bin ganzjährig auf Konzerttour quer durch Deutschland unterwegs. Als Sänger probiert man gerne auch mal was aus. Ich habe den Jazz schon mit Elementen aus Pop und Rock kombiniert, was beim Publikum sehr gut ankam.

Zu Ihren Helden gehören Frank Sinatra und Hildegard Knef. Streben Sie eine ähnliche Karriere an?
Auf meinen Konzerten habe ich schon oft Songs von Hildegard Knef und Frank Sinatra gesungen. Viele der Lieder sind Klassiker und beim Publikum heiß geliebt, wie beispielsweise „Rote Rosen“. Ich denke, jeder Künstler wünscht sich, dass er mit seinen Songs einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt.

Diesen nachhaltigen Eindruck hinterließen Sie schon in der Castingshow. 2003 waren Sie der verrückte Kerl mit bunter Brille. Heute tragen Sie Tolle und coole Collegejacke. Wie sehr nervt Sie eigentlich Ihre „DSDS“-Vergangenheit?
Jeder Mensch hat eine Vergangenheit, die zu einem gehört. Ich bin bei „DSDS“ bekannt geworden, aber das ist lange her. Ich war damals 16 Jahre alt und habe mich mit den Jahren natürlich verändert und bin erwachsen geworden, was sich auch in meinen Outfits widerspiegelt. Stillstand ist der Tod.