Egges Rückblick zum Jahr 2016

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Ein Ausflug in die alte Heimat: Sommer in Neubrandenburg.

Meine Fresse, was war das denn?! Wir waren euphorisch im Frühjahr, im Sommer einfach drauf, im Herbst in einer Art Jahreszeit gewordenem Sauerstoffzelt & im Winter ordentlich bei der Inventur. Das Jahr 2016 war eines der intensivsten Jahre der Bandgeschichte – passend zum zehnjährigen Bestehen der Band mit dem komischen Namen. Vielleicht sind wir alt geworden? Vielleicht kosten Jobs, Ideen & Projekte außerhalb des Banduniversums doch mehr Kraft, als man es für möglich hält? Oder sind es die gesellschaftlichen Umbrüche, die einen nicht richtig schlafen lassen? Privates & Politisches. Gehörte für uns als Band immer zusammen. Gehört es immernoch. & manchmal möchte man die ganze Welt einfach gegen die Wand schmeißen und mit den Scherben nochmal neuanfangen & basteln. Geht nur nicht. Also zurück ins Werk.

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Beatpoeten auf der Bühne zum Internationalen 1. Mai Fest.

Da hilft es tatsächlich, ein wenig in den Fotos, Flyern und Erinnerungsfetzen zu kramen. Was war da eigentlich los, 2016? Waren wir viel unterwegs? Zu viel? Zu wenig? Gab es was zu entdecken? Haben wir etwas vergessen? Bestimmt. Mehr als ein Handy und eine Bahncard auf jeden Fall. Ein Versuch der Bestandsaufnahme.

Wir fangen einfach an. Die zehn besten Konzerte 2016

1. FCKR – Release-Show Soundso, Leipzig

2. Blixa Bargeld & Teho Teardo, Lissabon

3. Die NervenFaust, Hannover

4. The Incredible Herrengedeck, SO36, Berlin

5. Art Garfunkel, L’Olympia, Paris

6. Isolation Berlin – Faust, Hannover

7. Feine Sahne Fischfilet – Festival Täuchental, Leipzig

8. Hyäne Fischer, Fête de la Musique & Alt-H

9. NOFX & Pennywise, Faust, Hannover

10. KIZ, Swiss Life Hall, Hannover

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Posterboy in Leipzig mitm Monchi.

FCKR war eine Band, die mich dieses Jahr sehr begleitet hat. Immer druff. Ironisch. Klar. Irgendwie auch nicht. Da passen die verzweifelten Isolation Berlin-Schreie, der Postindiekram von Die Nerven, die Ansagen von NOFX bis FSF.

Die zehn Neuentdeckungen für mich 2017

 

1. Meute, Kulturarena, Jena

2. Gruppa Karl-Marx-Start, NBL, Leipzig

3. Das Flug, blank, Berlin

4. Oi of the Tiger, Heinz, Hannover

5. Coca Candy, Fährmann, Hannover

6. Argies, Störfaktor, Zwickau

7. Aktiv Passiv, Chekov, Cottbus

8. Rabaukendisko, Glocksee, Hannover

9. Klostein, Störfaktor, Zwickau

10. The Black Madonna, Fuchsbau-Festival

https://dasflug.bandcamp.com/track/deutlich-unterbewaffnet-in-hellersdorf

Ich merke immer mehr, dass die schönsten Konzerte vor allem mit Leuten zu tun haben, die man ins Herz geschlossen hat. Da mag nicht jede Note richtig sitzen, mit den richtigen Menschen im Publikum, an den Instrumenten oder an den Reglern passt das alles schon. Meute sind mittlerweile quasi berühmt, die Argies hab ich Jahrzehnte zu spät entdeckt, und Rabaukendisko sind vermutlich schon wieder durch. Egal. War schön. Und Das Flug trifft bald Coca Candy und Beatpoeten beim Wutzrock. Harhar.

Für die Vollständigkeit: nicht neu, aber noch immer spannend & großartig

1. Messer, Glocksee, Hannover

2. The Hirsch Effekt, Reeperbahn-Festival

3. Lumpenpack, Fährmann, Hannover

4. Kasimir Effekt, Fuchsbau-Festival

5. Beatbar, Fährmann, Hannover

Messer hab ich sehr gemocht. Haben mich überrascht in ihrer Dringlichkeit. Die anderen Bands sind wie kleine Schätze, die man in der Brusttasche trägt. Und wenn wieder jemand nach kleinen Tipps fragt: Bäm!

Tacheless: Voll auf die Band gefreut, dann mit angezogener Handbremse zugeschaut

1. Beginner, Swiss Life Hall, Hannover

2. Milliarden, Heinz, Hannover

3. Alin Coen Band, Täubchental, Leipzig

4. Dirty Honkers, Ballhof, Hannover

5. Zugezogen Maskulin, FCLR, Hannover

Natürlich liegt es an den Umständen. Aber bei Alin Coen musste ich weg, die Honkers haben das Gaspedal verfehlt, und Zugezogen Maskulin? Ich mag die Musik, live hab ich keine einzige Zeile verstanden. Mhh. Ach so: die Beginner waren mit ihrem Set nach 45 Minuten durch. Am Rest der Show rätsel ich noch. Warum sollten wir für ein Video nochmal zu Samy Deluxe tanzen?

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Fusion-Konzert für zehnjährige Edelklos. Danke, HCWC!

So. Achtung, ernsthafte Kategorie: die zehn besten Beatpoeten-Auftritte

 

1. Fusion – Landebahn-HCWC (Eine Musik gewordene Liebeserklärung)

2. Ende Gelände-Abschluss-Rave (Danke, Herrengedeck!)

3. Hafenklang-Exil, HH (mit DiskoCrunch) (Heiß, mit DJ Costa)

4. Burg Herzberg Festival (Literaturrave)

5. Punx Picnic Neubrandenburg (Heimspielcharakter)

6. Bahnrave zum Open Flair (Grüße gen Renato, Felix und Tilman)

7. Lesung in Glocksee mit Leo Fischer (Grüße gen Malte & Indiego-Team)

8. SO 36, Berlin (mit Herrengedeck)

9. about.blank, Berlin (mit Das Flug)

10. KuZe, Potsdam

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Auf gehts, ab gehts, Ende Gelände.

Ganz wunderbar war es natürlich auch in Ravensburg, Witzenhausen, Cottbus & Zwickau, im Klapperfeld Frankfurt und vor allem herzlich in Norderstedt & Nordhausen. Vergesst diese Aufzählungen. Dieses Jahr war ein einziges Geballer & ihr habt uns trotzdem selig gemacht.

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Stillleben mit neuer Platte „Geheul“.

Zehn besondere Beatpoeten-Momente

1. Das dritte Album ist tatsächlich erschienen (Danke, Tobi!)

2. Neue Lesung „Unterwegs – das Elend“ läuft ausgerechnet beim A Summer’s Tale

3. Das neue Enterpreneur-Duell bei KreHtiv

4. Punker-Lesung endlich in der Køpi

5. Die letzte Mal Pegida-Lesung, Eisfabrik

6. Soundtrack zu „Traum.Ruine.Zukunft“ – dem Film zum Ihmezentrum

7. Video zu „19“ – kaum Reaktion – vielleicht stellen wir doch auf Youtube um

8. Erstes Plastic Bomb-Interview überhaupt

9. Doppelseiten-Text im Human Parasit

10. Release-Party läuft bei Onkel Olli – ohne Musik

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Start-Up-Familienduell in der Cumberlandschen Galerie beim KreHtiv-Geburtstag.

Zehn schräge Beatpoeten-Momente

1. Arbeitermedley zum 1. Mai in Braunschweig geht völlig schief 

2. Kaputter Nachmittags-Rave in Doksy

3. Kabelschnitt in Cottbus

4. Vinyl-Songliste passt nicht zur Pressung (ahh!)

5. Einkaufswagen auf der Bühne in Zwickau

6. Naziangriffe bei Ende Gelände

7. Mehrwertsteuer-Gau im Dezember

8. Textsicherheit der blank-Besucher bei Battlerap-Lesung

9. Schüler im Kunstverein Ravensburg

10. Wir haben laut Linus Volkmann eines der besten Punkalben im Herbst veröffentlicht

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Arbeiter, Bauern, Fahnenträger. Braunschweig 2016. Dem Morgenrot entgegen.

An dieser Stellte sollten die schönsten Alben folgen, FCKR ist genauso dabei wie Stereo Total oder die wunderbare Sammlung „Falscher Ort, Falsche Zeit Vol. 2“. Aber so recht komme ich in diesem Jahr nicht mit. Gerade noch Bowie gekauft, stirbt er. Bei Isolation Berlin komm ich kaum nach und kann die Alben nicht auseinanderhalten. Gerade läuft das Album  „Der Spielmacher“ mit Rösinger, Spechtl, Türen & Jens Friebe. Alle großartig. Das schönste Lied kam aber spät und ist von Jetzt! – uralt.

Achtung, Emotionen

Meine Mutter ist tatsächlich endlich im Ruhestand und ich feiere das sehr

Ausflüge gen Amrum, Paris, Lissabon, Prag & Rügen
Gründung des Büro für Popkultur & Zukunftswerkstatt
Freundeskreis-Abende & kreHtive Ausflüge
Die Arbeit ruft von Slam 2017 bis zur Goldenen Fanfare

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Rückzugsort Rügen.


Sommereinsätze & Weihnachtshilfe-Rekord
Süntelbuchen, Feldstern & Märchenwälder
Freunde & Menschen voller Liebe
Gegen jede Angst & Rassismus
Ein sprechendes Patenkind
Hochzeiten & Todesfälle
Familie neu entdecken

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Sehr selten: Süntelbuchen.

Das kommentiere ich hier alles weniger. An jedem Stichwort hängen Erinnerungen, Gefühle & Eindrücke, mal schmerzhaft, mal voller Herzlichkeit. Ich danke allen Menschen für ihre Liebe, Geduld & oft auch: für ihr Verständnis.

Lumix Festival: HAZ-Talk im Container (oder:
HAZ-Fotocontainer beim Lumix-Festival in Hannover.

Wieder was gelernt

1. Das erste Mal Eisstockschießen

2. Jurymitglied bei Jugend spielt für Jugend

3. Foto-Container beim Lumix-Festival für Fotojournalismus

4. Mitglied einer Bulli-Schau-Jury

5. Freier Fall im Hochseilgarten

6. Hexenschuss

7. Schwarzlichtminigolf

8. Endlich Lammbock

9. Ihmezentrums-Picknick

10. Xylophonsolo
11. Das erste Mal Off-Sprecher in einem Film
12. Arbeitsplatten-Ausschnitt für Küchen
13. Das erste Einstecktuch
14. Sturmglocken-Halloween
15. Suppenverkauf für den guten Zweck

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Beatpoeten in Prag.

Dieses Jahr war geprägt von neuen Erfahrungen und Sprünge ins kalte Wasser. Manchmal merkt man das erst hinterher. Soll ja jung halten. Aber insgesamt war ich doch öfter bei Ärzten als nötig. Danke, 2016!

Die schrägsten und schönsten Kulturmomente 2016

1. Der Film Lobster – alles daran ist genial
2. Die Gründung der Hörregion & die Gala im HCC & die Dadüdada-Performance dazu
3. Annadigiding – Stell dir vor, Rainald Grebe macht was – und keiner geht hin
4. Cheerleader in Finnland – ein Film, den ich nicht verstehe
5. Hörspielsommer Leipzig – weil die Idee nach Hannover muss

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Musik und Mousse T bei „Digital Sounds“.

Die schönsten Moderationen 2016

1. Der Konferenz „Digital Sounds“ im Anzeiger-Hochhaus. Hatte ich unterschätzt, bin nach Vorträgen von Sennheiser und Hochschulprofessoren und Gesprächsrunden mit Mousse T. bis Toshifumi Kunimoto von Yamaha sehr klüger rausgegangen.
2. Verleihung des Niedersächsischen Wirtschaftspreis mit Stephan Weil und Olaf Lies. Spannende Preisträger & schöne Geschichten. Und vor allem: munterer als 2015.

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Klimaretter der Region Hannover.


3. Klimaschutzkuratorium der Region Hannover mit Kammerchefs, Klimarettern und Experten wie Karsten Schwanke. Ein kurzweiliger Ritt durch gefühlt 15 Talkrunden.
4. Hauptbühnen beim Entdeckertag, Autofreier Sonntag & Aktion Sicherer Schulweg: ich mag die hannoverschen Großveranstaltungen, wenn sie so abwechslungsreich vom Programm ausfallen wie diese.
5. NOFX & Pennywise auf der Faust-Wiese: fürs Herz
6. Metropolversammlung in Osterode mit OBs, Uni-Präsidenten, Kammerchefs, …
7. Tag des demokratischen Engagements mit Konstanze Beckedorf im Neuen Rathaus

Tag des demokratischen Engagements
Spax fordert gelebte Demokratie.


8. Ihmezentrums-Diskussionen im Capitol und im Zentrum mit Stefan Schostok, Verwalter Torsten Jaskulski und dem Bund Deutscher Architekten
9. Festival-Talks beim Fuchsbau-Festival, Fährmannsfest & Lumix-Fotojournalismus
10. Das neue Start Up-Slam
-Format mit VOXR-Technik an der Leibniz-Universität

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Start Up-Slam an der Leibniz Universität.

11. Ehrenamtsgala des Freundeskreis Hannover
12. HAZ-Foren zu Hannover 96 mit Bader & Stendel, Hebammen, A2, Image & Inklusion
13. Studentenw
erkspreis & „Von Leibniz zu Bahlsen“-Gala
14. Suchthilfelauf & Helmfest, Weihnachtsmarktfeten, Expertenforen & HAZ-Aktionen

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Spendensammlung in der Neustädter Hof- und Stadtkirche.

15. Poetry Slams, Science Slams & der Fanfarenzug-Slam zum Schützenfest, im Gartentheater Herrenhausen, Audimax Göttingen, Opernhaus, Lessing-Theater Wolfenbüttel, Stadthalle Holzminden, Schloss Bevern, Oldenburger Exerzierhalle, Kulturmühle Buchhagen, Empore Buchholz, Kirche Seelze, Salon Hansen Lüneburg

Insgesamt komme ich auf mehr als 80 Moderationen für 2016. Mal kleine Ansagen, mal ganze Tagesprogramm. Es ist immernoch sehr vielfältig von Punkrock bis Preisgala. Und ein wenig hoffe ich, dass es so bleibt. 2017 stehen Klostertage an, die deutschsprachigen Slammeisterschaften & Medienkonferenzen. Der Science Slam zieht ins Schloss Herrenhausen und auf die IdeenExpo 2017. Und der Leinestern wird vergeben.

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Fertig in Hamburg.

Und nun? Ein neues Jahr liegt vor uns und mir. Am Anfang dieser Aufzählung dachte ich, so viel war 2016 doch gar nicht los, warum bin ich so müde? Ach ja. Darum. & trotzdem kann ich es gar nicht abwarten, den Kalender zu füllen, Pläne mit wunderbaren Menschen zu schmieden & treff gleich einen wie Herrn Costa, um Unfug und Umstürze zu planen. Das Übliche also. Kommt gut ins Jahr 2017. Weitermachen & munter bleiben.

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Lesung zu 10 Jahre Beatpoeten beim A Summer’s Tale in Luhmühlen.
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21. Februar 2013 – Drei Jahre Blog

Jaja, Bloggen. Viel zu kommerziell, oder nicht genug Geld, um davon zu leben. Uns doch egal, wie verdienen unser Geld sowieso nur noch mit Lyrik. Aber jedenfalls feiert dieser, unerer Blog drei Jahre. Hier dafür ein paar Statistiken:

Mehr als 66.750 Mal wurde das Teil bislang angeklickt. Dufte.

244 verschiedene Posts haben wir bislang veröffentlicht, 90 Mal wurde das kommentiert.

Die Tags, die am meisten Leute zu uns gebracht haben, waren: Beatpoeten treffen, Hannover, Musik, Beatpoeten, Gentrifizierung. Insgesamt haben wir mehr als 2000 verschiedene Tags verwendet.

Zu den ungewöhnlichsten Suchanfragen, die auf unsere Seite führten, gehörten: Free Uschi, kernaussage guttenberg verhöhnt das leistungsprinzip, stacheldraht im harnkanal, dame als osterhase, was macht rammstein privat?, trinkspiele für unterwegs, egal wo ailton ist, frauke ludowig privat

Wir machen erstmal weiter. Mal schauen, was noch so passiert. Danke für eure Aufmerksamkeit.

19. Mai 2011 – Beatpoeten treffen: Sven Regener

Ach, wären wir nur ein wenig älter gewesen, in diesem verrückten Jahr 1989. Die Mauer wäre gefallen und wir hätten Herrn Lehmann in die Arme laufen können. Stattdessen saß Egge im tiefsten Nordosten und hat sich langsam davon verabschiedet, Thälmann-Pionier zu werden. Herrn Lehmann hat er trotzdem ins Herz geschlossen. Und diesen Element-of-Crime-Poeten Sven Regener eh. Auch wenn der jetzt bloggt. Und Netztextromane veröffentlicht. Zeit für ein Gespräch.

Maritim Hotel Stuttgart. Mitten in der Lena-Woche. Regener ist auf Promotion-Tour und sitzt im Hotel. 30 Minuten hat Egge, der sich einfach von der Zentrale durchstellen lassen soll. Okay. Achtung, Dialogeinlage:

„Hallo, hier ist der Jan. Ich möchte mit Hern Regener sprechen.“
„Warum?“
„Ich möchte ein Interview mit ihm führen, wir sind verabredet.“
„Mit wem haben sie das denn abgesprochen?“
„Mit Herrn K.“
„Ich stell durch…“
„Ähhhh“
Dam, Dam, Dam
„K. Wer ist denn da?“
„Hier ist der Jan wegen dem Sven Regener-Interview.“
„Das ist gut, aber ich bin nicht Herr Regener, der sitzt im Zimmer 389.“
„Aha. Da wollte ich ja auch hin.“
„Ich hatte doch geschrieben, dass Du Dich durchstellen lassen sollst.“
„Mach ich ja.“
Dam, Dam, Dam
„Maritim Hotel Stuttgart.“
„Hallo, der Jan. Ich wollte zum Sven Regener durchgestellt werden, Zimmer 389.“
„Alles klar.“
„Alles klar?“
„Ja, kein Problem. Sie sind doch der mit dem Interview. Ich stell durch.“
„Ah, ja, okay. Danke.“
Dam, Dam, Dam
„Ja?“
„Ja, guten Tag. Herr Regener?“
„Ja, natürlich.“
„Ja, klar. Natürlich, dann mal los.“

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„Kein Künstler will Feedback“

Sich Sven Regener als nerdigen Blogger mit zugezogenen Jalousien vorzustellen fällt schwer. Können Sie sich an Ihren ersten Blogeintrag erinnern?
Puh. Das ist fünfeinhalb Jahre her. Keine Ahnung.

Kneipe oder im Kaffeehaus?
Ich bin mir sicher, dass das zu Hause war, weil ich dort einen Internetanschluss habe.

Aufgeräumter Schreibtisch oder Sofa?
Man! Weiß ich nicht mehr. Damals gab es ja noch nicht so viel W-Lan oder so was. Ich hatte nur einen Internetanschluss und noch nicht mal einen Laptop. Ich war viel unterwegs. Das war immer schwierig und man konnte nicht – wie heute – mal schnell in so ’n Schiet-Internetcafé. Internet gab es einfach noch nicht so flächendeckend.

Für junge Menschen muss das unvorstellbar klingen.
Stimmt. Dabei war die Technik gar kein Problem. Ich musste erst einmal die Zeit dafür finden. Ich habe anlässlich eines neuen Albums von uns angefangen, zu bloggen. Und damals haben wir viele Interviews gegeben, hatten viel zu organisieren, weil wir als Band noch immer sehr viel selber machen. Dann kamen Reisen dazu, Fernsehauftritte, Radiogeschichten. Aber ich fand den spontanen Charakter des Internets einfach interessant. Also fing ich an.

War es eine Überwindung einfach los zu schreiben?
Das ist ja für einen Romanautor nicht so schwierig. Aber es ist interessant gewesen, dass das Geschriebene direkt veröffentlicht wird. Bei Romanen schreibt man vier oder fünf Versionen, man überarbeitet das alles und feilt an den Texten. Wenn man bloggt, ist es gleich im Internet. Dann ist Ruhe im Schiff.

In den Texten zählen sie Organisationen auf, in denen sie Mitglied sind, und berichten über orthopädische Schuhe. Man könnte meinen, es gehe um Belangloses?
Ja nun, Belanglosigkeit ist ein schwieriges Wort, das auf den ersten Blick unglamourös wirkt. Aber als Künstler beschäftigen wir uns mit dem, was wir erleben und was uns umgibt. Und ich habe immer auf Trash-Charaktere gesetzt. Zu Beginn habe ich oft als Betrachter nach Bedeutung von Dingen gesucht. Das hatte etwas von Tagebuch. Im zweiten Teil der Textsammlung werden die Gedanken aber immer übersteigerter, wahnhafter, seltsamer. Es wirkt so, als würde ich verstiegene Wahnideen aufschreiben – das passt zum Internet.

Wahnideen. Tut das einem Buch gut?
Das Buch wird zunehmend bescheuerter. Aber es soll ja auch Spaß machen. Es geht doch auch um Unterhaltung. Die Leute sollen lachen dürfen.

Hatten Sie sich eigentlich vorher überlegt, für wen Sie bloggen? Wie sieht ein Sven-Regener-Blog-Leser ihrer Meinung nach aus?
Ich glaube, so etwas gibt es nicht. Und man kann sich darüber auch keine Gedanken machen, weil jeder Mensch ein Individuum ist. Man weiß nur eins: es wird gelesen. Aber das kann kein Kriterium fürs Bloggen sein. Es ist wie in der Kunst. Es zählt nur, was man selbst spannend findet.

Im Buch kommt ziemlich schnell die fiktive Gestalt Hamburg-Heiner dazu, mit dem Sie immer wieder Dialoge führen. Wie kam es zu diesem Sidekick und darf man ihn überhaupt so nennen?
Darf man. Da hat er keine Wahl. In gewisser Hinsicht existiert er ja auch nur, wenn ich blogge. Er wird einfach gebraucht. Am Anfang habe ich ihn genommen, damit etwas passiert. Ich bin nicht der Typ, der seinen Alltag im Netz abbildet. Und ich bin auch nicht der Typ, der meint, dass alles wichtig ist, was man macht. Außerdem kann Heiner manchmal gut aus Situationen herausführen. Er ist ein Handlungsbeschleuniger, wenn ich einen Gedanken abbrechen will. Er schlottert mich dann da raus. Zudem brauche ich ihn für die Kunst. Oft sind die Gespräche mit ihm nur ein Ringen um die Frage: Was macht man da eigentlich?

Diese Frage kennt man aus ihren Büchern. Wem ähnelt Heiner mehr: Karl oder Herrn Lehmann?
Wenn, dann ist Heiner so eine Karl-Type, auf gewisse Weise scheint er sehr in sich selbst zu ruhen. Außerdem kann er zu allen Dingen etwas sagen und will auch etwas sagen. Er hat diese harte Herzlichkeit.

Manche Rezensenten bemängeln fehlende private Details. Obwohl man viel über die Band und Sie erfährt, bekommt man keinen wirklichen Eindruck von den Musikern und ihnen. Absicht?
Ich komme aus Bremen. Bei mir gehen bei dem Wort Tagebuch die Warnleuchten an. Das ist eigentlich nicht mein Ding.Tagebuch heißt nicht umsonst auf Französisch journal intime. Es ist Privatsache. Auf der anderen Seite gibt man als Künstler immer ein Stück preis. Aber da entscheidet man zumindest welche Dinge.

Das heißt, Sie lassen immer nur einen kleinen Blick auf sich zu?
Das heißt, dass manche Dinge im Buch wahr sind und manche nicht. Und manchmal sind die unwahrscheinlichsten Dinge wahr. So hat tatsächlich Hamburg-Altona zu Österreich gehört.

Echt?
Ja! Das glaubt in Hamburg keine Sau. Ich habe das mal bei „Inas Nacht“ erzählt, da wurde es ganz still.

Natürlich haben wir das nachrecherchiert. Regener hat recht:
http://www.altona.dk/geschichte/

Das Tolle am Web 2.0 ist ja eigentlich, dass man alles kommentieren und bewerten kann – eine große Feedbackmöglichkeit für den Autoren. Sie lesen laut Buch nicht mal die Kommentare zu ihren Einträgen. Warum nicht?
Kein Künstler will Feedback. Künstler wollen Lob. Man kann sich ja mal einen Fan vorstellen, der Vincent van Gogh trifft und so was sagt wie: Hallo Herr van Gogh, versuchen Sie doch mal etwas weniger Gelb! Das nutzt doch nichts. Niemand will Künstler haben, die man belabern kann.

Haben Sie schon einmal getwittert?
Ich habe so neulich ein Interview gemacht – ich war zu langsam. Aber das muss nichts heißen. Twittern ist eine Neigungsfrage wie Minigolf. Der eine macht es gern, der andere nicht.

Es gibt einen Facebook-Account von Sven Regener. Sie gefallen mehr als 6000 Menschen. Macht sie das stolz?
Echt? Das gibt’s? Ich habe mich da noch nicht registriert. Was steht denn da?

Zum Beispiel wer Sie sind.
Dann war das vermutlich der Verlag. Damit da kein anderer etwas reinschreibt oder sich als Sven Regener ausgibt. So was gibt es ja.

http://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=222278611118613&id=100000094283303&ref=notif&notif_t=feed_comment#!/pages/Sven-Regener/105470629487422

Hamburg-Heiner verbietet im Buch das Bloggen über Bahnfahrten. Gibt es Tabus, die Sie vor dem Schreiben aufgestellt haben?
Nein, eigentlich nicht. Ich brauche mir da auch nichts zu verbieten. Aber jeder, der schreibt, sollte sich überlegen, ob er ausgelatschte Pfade noch einmal auslatschen will. Das ist auch ein Kolumnistenproblem. Bahnfahrten und Taxifahrten werden immer gern genommen. Es sind typische Aufhänger, äußerst langweilige Aufhänger, aber man kann ja machen, was man möchte.

Kann man Blogeinträge eigentlich einfach so vorlesen?
Kann man schon machen. Man muss ein Gefühl dafür kriegen. Und bis jetzt hat sich keiner beschwert. Es sind sehr lustige Abende.

Sie kommen nun auch nach Hannover. Gibt es noch Aufzeichnungen über die Leinestadt in Ihrem Blogarchiv?
Da bin ich mir nicht sicher, da müsste ich nachschauen. Ich habe nicht immer alles einheitlich aufgeschrieben. Aber Hannover trage ich natürlich im Herzen.

Wenn Sie auf Lesetour nach Hannover kommen, könnten Sie neue Aufzeichnungen anlegen.
Nein, das habe ich mir dann doch verboten. Bloggen über Touren, bei denen man aus Blogeinträgen über Touren vorliest, ist eine Überdrehung der Schraube. Das geht nicht.

Nicht mal im Internet?
Ich mach das jedenfalls nicht.

In eigener Sache: Ein Jahr Blog

Vor einem Jahr haben wir unseren ersten Blog-Eintrag zu einem Auftritt im damals besetzten Gängeviertel in Hamburg gepostet. Die Ziele der Besetzer werden inzwischen von vielen Menschen in der Stadt und im gesamten Land geteilt. Dafür erstmal Glückwunsch. Für uns ist dieser Jahrestag aber auch ein Anlass für einen kleinen Rückblick:

In den vergangenen zwölf Monaten gab es mehr als 15.500 Aufrufe unserer Seite, am 27. Januar 2011 hatten wir mit 366 die meisten an einem Tag. 72 Posts haben wir veröffentlicht, wobei sich die meisten Menschen unsere Seite „Wie das klingt“ angeschaut und vielleicht auch angehört haben.

Einige der ungewöhnlichsten Suchwörter, die Menschen eingegeben haben, um auf unsere Seite zu kommen waren: „was ist die namie für regierung in afghanistan“, „was sind drückerstuben“, „football mannschaft gewinnt super bowl nach flugzeugabsturz“, „i like aldi usa“.

Es fühlt sich für uns komisch an, durch den Blog zu klicken und all die Konzerte und Ereignisse nochmal zu lesen: Vulkanausbruch auf Island, Hitzewelle, Lena-Manie, Bahnchaos, Fußball-WM, Schneechaos – alles haben wir zwischen Zugfahrten und Auftritten mitbekommen oder sind direkt betroffen gewesen. Es war ein schönes Jahr, vielen Dank!

ps. Wir arbeiten gerade an einem Relaunch der Seite.

28. August 2010 – Hannover – Jugendmedientage

(Trailer zu den niedersächsischen Jugendmedientagen 2010)

„Irgendwas mit Medien!“ Der Ausruf prägt ja irgendwie schon unsere Generation der Spätzwanziger, die meisten unserer Freunde befinden sich in irgendeinem Dienstleistunsproletarierjob oder haben das eine oder andere Praktikum hinter sich.

Damit sich all die Horden von jungen Schreibern, Bloggern, Nachwuchsredakteuren zwischen dem Wust an Informationen auch ordentliches Handwerkszeug aneignen, gibt es regelmäßig die Jugendmedientage. Neben den bundesweiten gibt es natürlich auch einigen Landesverbänden organisierte Seminartagungen, so zum Beispiel die niedersächischen Jugendmedientage. Und eben dessen Macher haben uns schüchtern aber sehr nett gefragt, ob wir uns nicht vorstellen könnten, bei ihnen auf dem ehemaligen Expo-Gelände einen kleinen Auftritt zu machen, damit zwischen Interview-Training und Satire-Seminar auch die Kultur nicht zu kurz kommt.

Hatten wir natürlich. Costa war früher selbst Mitglied bei der Jungen Presse Niedersachsen und Egge arbeitet ja als freier Journalist – wir hatten also nicht nur Bühnenruhm im Kopf, als wir zusagten, sondern wollten gerne was an jüngere Kollegen weitergeben. Es hat Spaß gemacht, auch wenn die vielen Kameras der Videoseminarteilnehmer schon ein wenig nervös gemacht haben. Aber die mediale Abdeckung jedes Details gehört bei einem Medienwochenende sicherlich dazu. Auch wie sich niemand mehr wundert, wenn man einen Blog betreibt.