11. Juli 2013 – Oldenburg – Wagenburg

Wagenplatz, melancholisch

„Seitdem ich auf der Fusion MDMA genommen habe, werden meine Joints voll schön.“ „Aha.“ „Ja, ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, anders zu leben.“ „Lebst du denn hier auf dem Bauwagenplatz?“ „Nein, wieso?“ „Gut, nur so.“

Den Bauwagenplatz in der Oldenburger City gibt es nicht mehr lang. Nach etwa zwei Jahrzehnten will die Stadt die Gegend zwischen Bahnanlagen und Hunte umbauen. Gentrifizierung galore. Dazu wird die Straße Der Stau zu einem barrierefreien Fußgängerweg umgebaut und das Gelände drumherum zu tollen Wohnanlagen. Dies ist also die Renaissance der Innenstädte. Kann man auch wieder schön mit dem Fahrrad in die Agentur.
Die Bewohner des Bauwagenplatz müssen spätestens im Herbst raus. Sie verlassen dabei nicht nur einen tollen Ort des gemeinsamen, neuen Wohnens, sondern ihr Zuhause. Denn die grüne Fläche, von der örtlichen Presse liebevoll Peter-Lustig-Gelände genannt, ist eine Art verwunschener Garten trifft High-Tech-Mobiles-Leben: Wlan, Solarpanel, mobile Küche – Do it Yourself ist eben nicht nur Gefasel, sondern wird hier gelebt. Toll.

Oldenburg, organisiert

Wir wurden eingeladen, bei den letzten Bauwagentagen auf dem alten Gelände zu spielen. Gemeinsam mit den tollen Shudder and Spit aus Kiel. Schön rau, auf die Fresse und immer freundlich. Sogar beim Bier bestellen. Im Anschluss an der Theke ergreift einen dann doch wieder die Melancholie. Jedes Mal, wenn wir so einen einzigartigen Ort besuchen, der bedroht ist, haben wir das Gefühl, dass wir Zeugen werden, wie eine alternative Lebensweise einfach ausradiert wird. Das Ausweichgelände Shelter 13 vor den Toren der Stadt klingt in diesem Fall aber ausnahmsweise nicht nur schlecht. Und so bleibt uns nichts anderes, als Danke zu sagen an alle Beteiligten und viel Kraft für den Umzug zu wünschen. Ahoy!

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14. August 2010 – Bremen – Neuland

Pippi Langstrumpf hätte ihre wahre Freude gehabt an diesem kunterbunten Haus, das im Westen von Bremen einen Sommer lang Kulturprojekt, Klub, Festivalgelände und Exklave des Zucker-Clubs sein durfte: ein riesiger Garten, buntbemalte Wände, Holzkreaturen und liebevoll angelegte Beete. Dazwischen den einen oder anderen Beitrag zur urbanen Kunst zwischen Hecke, Blume und Baum. Doch bald ist es vorbei mit Neuland: Auf dem Gelände soll eine Schnellstraße den Verkehr ins Zentrum der Hansestadt beschleunigen. Irgendwie ziemlich 80er das Ganze. Nur das heutzutage die Atomstromlobby mit Abschalten droht.

Unser Auftritt war für den frühen Abend auf einer der Außenbühnen geplant, also hatten wir noch genügend Zeit, uns mit Whöner zu versorgen und 11-Jährigen beim Punkrock zuzuhöhren. Auf der Bühne angekommen empfing uns wieder einmal eine sitzende Menge, die zwar Texte mitsang und klatschte, zum Tanzen aber lieber später auf den Technofloor ging. Spaß hat’s aber trotzdem gemacht. Vor allem, weil neben der Technik, der Verpflegung und allem drumrum alles sehr liebevoll gemacht war. An dem Kurzschluss kurz nach unserem Auftritt waren wir aber nicht Schuld.