6. Juni 2014 – Wendland – Kulturelle Landpartie

Wendland, Juni 2014

Irgendwann falle ich einfach nach hinten und schaue in den Himmel. Wir liegen mitten auf einem Feld. Über uns strahlen die Sterne, wie ich es aus der Stadt nicht mehr kenne. Es ist ruhig und dunkel im Wendland. Nur das brennende Holz in Egges Feuertonne schimmert und knistert und gibt Wärme. Wir haben ein kleines Camp auf einem Feld in der Nähe von Neu Tramm aufgebaut, Feuer gemacht, Wein geöffnet und uns Geschichten erzählt. Doch irgendwann meldet sich die Müdigkeit und zwingt mich auf den Boden. Als ich Stunden später aufwache, ist es heiß, wir steigen in Egges VW Bulli und fahren weiter Richtung Norden.

Wir waren im Wendland unterwegs, bei der Kulturellen Landpartie. Vor dem Zwischenlager in Gorleben und an anderen Orten haben wir mit dem mobilen Soundsystem von Graswurzel.tv kurze Konzerte gegeben und ein Musikvideo gedreht. Immer an den wichtigen Stellen des Castor-Protestes, die im Sommer so viel friedlicher wirken und fast nicht daran erinnern, mit welcher Gewalt die Behälter immer wieder in die Region gepresst werden.

Wir haben zum ersten Mal ein reines Laptop-Set gespielt und sind nicht daran gescheitert. Es geht also weiter. Neu und unbekannt, aber eben weiter.

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21. April 2013 – Brokdorf – Rangeln gegen Atomkraft

Ob er kurz mal seinen Protestsong singen dürfte, fragt er, während wir gerade mittem im ersten Lied stecken. Um den Bauch trägt er eine Binde mit „Atomkraft, nein danke!“. Das Logo ist auch auf seiner Mütze und der Fahne, die er an seinem Körper befestigt hat. Von unserem Platz sehen wir direkt auf das Kernkraftwerk Brokdorf.

Viele hundert Demonstranten haben sich am Sonntag an dem Deich in Schleswig-Holstein getroffen, um das sofortige Abschalten der gefährlichen Technik zu fordern. Und wir sollten ein kurzes Set auf der Kulturmeile zwischen Suppenküche, Kaffeeverkauf und Infoständen machen. Eigentlich. Denn jetzt werden wir von einer Art revolutionärem Chor vereinnahmt. Was ein kleines Intermezzo von Protestsongs werden sollte, wird zu einem spontanem Happening. Protestlieder der 70er- und 80er-Jahre trifft auf Techno-Beat. Ungeplant, spontan, skurril, aber sehr unterhaltsam.

Vorher lagen wir auf dem Deich. Tief genug, um das Monster nicht mehr zu sehen. Doch mit der Gewissheit, hier eine Maschine im Rücken zu haben, die nicht nur Hass und Feindlichkeit gesät hat, sondern auch für die steigende Rate von Leukämie- und Krebsfällen in der Region verantwortlich sein soll. Es war warm genug, um barfuß und im Shirt auf der Landstraße zu spazieren. Alte Bauernhäuser, Leuchttürme, Bauernhöfe mit lauten Tieren, ein Hund der bellt. Idylle. Und doch im Hintergrund das Kernkraftwerk, dass sich wie ein Scheinriese immer bedrohlicher aufbaut, je weitern wir weggingen.

Die älteren Damen, die uns später in ihrem Auto von der Demonstration zurück nach Glücksstadt nahmen, erzählten dann auch Geschichten vom Protest, damals beim Bau. Von zerstörten Lebensmodellen, von enteigneten Bauern, von verletzten Menschen. Wir verließen das süße Städtchen mit dem Gefühl, dass es noch lange nicht vorbei sein darf mit dem Protest gegen die Atomkraft. Danke.

Nachtrag: Als Freunde des gepflegten und kultivierten Schwachsinn sind wir natürlich sofort auf den Rangel-Hype aufgesprungen. Ergebnis: viele blaue Flecke, Schürfwunden und Egge, der elegant über eine Friedhofsmauer geworfen wurde.

Tag X – Auftaktkundgebung in Dannenberg

Ein Ständchen für den Ausstieg. Entnommen dem neuen alten Song „Das ist mir zu kriminell“. Gewidmet der Anit-Atomkraft-Bewegung.

Am 26. November feiert die Anti-AWK-Bewegung den Auftakt gegen den diesjährigen Castortransport. Wir unterstützen sie da gern, weil wir nicht an einen Atomausstieg in ein paar Jahren glauben, weil Atomkraftwerke durch den sogenannten Ausstieg nicht sicherer geworden sind, weil jeder Atommülltransport das Problem verschlimmert, nicht löst. Sozial verantwortlich ist es nicht, den Atommüll von Frankreich zurückzunehmen, sondern alle Atomkraftwerke sofort abzustellen.

Weil wir in Dannenberg spielen dürfen, haben wir uns mit Eurer Hilfe folgendes Medley überlegt:

Sag mal weinst du oder ist das der Regen, der aus dem Wasserwerfer perlt
Sag mal weinst du oder ist das der Regen, der aus dem Wasserwerfer perlt
Du bist das beste was mir je passiert ist, es tut so gut, wie du mich wärmst
Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig & hart
Es ist so kalt, o-o-ohne Dich, ich find es widerlich, denkst du vielleicht auch mal an mich, Norbert
Wir haben Polizeischutz, wir haben keine Angst.
Wir haben Polizeischutz, wir haben keine Angst.
Unter der Laterne, vor dem großen Tor,
sieht man aus der Ferne, Tausende davor
Da wollen wir uns wiedersehen / bei der Laterne wolln wir stehen
wie einst
und nicht mehr gehen
wie einst
und nicht mehr gehn
Komm unter meine Decke!
Wenn der Zug heut kommt, ja dann kommt er hier nicht durch,
wenn der Zug heut kommt…
Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da,
die Nacht ist da, das was gescheh‘!
Ein Gleis ist nicht nur für die Züge da,
es lädt uns ein, mit Stroh, Musik und Tee!
Berauscht Euch, Freunde, trinkt und liebt und lacht
und lebt den schönsten Augenblick!
Die Nacht, die man auf einem Gleis verbracht,
bedeutet Seligkeit und Glück!
Its just a perfect day
Über viele Brücken sollen wir gehen, viele dunkle Jahre überstehen
Das ist mir zu kriminell!

Wir grüßen Malte, Tanja, Stinka, Susanne, Ann, Daniel & all die lieben Kreativen!

Am 26.11. geht es um 13 Uhr los, 14 Uhr beginnen die Reden. Wir spielen etwa gegen 14.45 Uhr. Kommt alle!

13. Juli 2011 – Hannover – Wenn Kerzen leuchten

Mit einem Knall ist alles dunkel. Auch das Handynetz geht aus. Wie auf einem Festival suche ich mein Kurbellicht und schaue nach draußen. Die ganze Straße ist dunkel, sogar die Lichtverschmutzung am Himmel ist weg. „Das ist das Ende der Welt.“ „Quatsch, die Atomindustrie will uns nur weißmachen, dass der Ausstieg ein Fehler war.“ Egal, wir gehen raus, bewaffnet mit Taschenlampe.

Die Kellnerin in einer Kneipe brüllt laut „Feierabend“, doch die Gäste zünden einfach ihre Kerzen und Zigaretten an. Bei so viel Dunkelheit stört sich niemand über das Rauchverbot.

Das Feuerwerk in den Herrenhäuser Gärten wirkt noch viel kräftiger als sonst. Gerade ist das „Kleine Fest im Großen Garten“ vorbei. Bunt scheint der Himmel, ein paar Leute auf der Straße haben schnell noch Knaller und Raketen von Silvester rausgekramt und machen mit.

Auf der Limmer Straße bricht ein spontaner Z0mbie-Walk los. Mit lauten „Gehirn“-Rufen troten ein paar in Richtung rollender Autos. Die Bierflasche aber immer noch fest in der Hand.

Irgendwo heulen die Sirenen, ein paar Jugendliche haben wohl einen Kiosk oder Supermarkt geplündert.

Wir gehen auf unseren Balkon und rücken zusammen, machen eine Kerze an und erzählen uns Gruselgeschichten.