25. November 2011 – Jena – Das Haus

Da haben sie uns ausgelacht. Einfach so! Dabei war in den Tagen zuvor doch niemand zum Lachen zumute. Jena, das war doch diese Stadt, wo der braune Terror regiert. Wo man als sogenannter Schriftsteller noch nicht einmal wenige Stunden durch die Straßen laufen konnte, ohne sich unwohl zu fühlen. Eine Stadt der Angst und der Gewalt, wenn man die Berichterstattung ernst nahm. Dass man sie nicht ernst nehmen konnte, zeigte eigentlich nur die Überraschung, mit der all die selbst ernannten Experten auf die Aufdeckung all der Gewalttaten der Neonazis reagierten.

Als wir also unsere Gastgeber auf die braune Gefahr in ihrer Stadt ansprachen, ernteten wir nur Stirnrunzeln und Lacher. „Klar, in den neunziger Jahren war das nicht ohne hier, aber inzwischen spielen die in der Stadt keine Rolle mehr.“  Oder: „Die sind so reudig wie Straßenhunde. Du darfst dir nur nicht die Angst anmerken lassen.“ Niemand spielt die Gefahr herunter. Niemand leugnet, dass es in Jena, wie auch im Rest Deutschlands, Rassismus gibt. Aber alle sind genervt von den dummen Klischees, von schlecht informierten und informierenden sogenannten Experten. Und enttäuscht, dass ihre Arbeit gegen Faschismus und Rassismus erst von Land, Staat und Medien diskriminiert wird und sich dann alle darüber aufregen, wenn Neonazis morden.

Wir haben uns noch nie unwohl in Jena gefühlt. Außer den üblichen „Zu langsam, zu weich, zu wenig Hardcore“-Rufen von den üblichen Vollzeitravern und -rockern durften wir mit zwei wundervollen Geburtstagskindern und tollen DJs einen schönen Abend verbringen. Es gab leckeres, lokal gebrautes Schwarzbier, fette Pizza und neue Witze. Die Jenaer sind lieb und nett, selbst Spielzeugautos würden sie nicht anzünden.

ps. Liebe Journalisten, wenn ihr demnächst wieder eine investigative Story macht, sprecht doch bitte mit den Menschen vor Ort, mit Menschen, die sich auskennen. Und nicht mit Leuten, die noch jede Gelegenheit nutzen würden, um  ihr Ego zu pushen und ihre Scheiße zu verkaufen.

Tag X – Auftaktkundgebung in Dannenberg

Ein Ständchen für den Ausstieg. Entnommen dem neuen alten Song „Das ist mir zu kriminell“. Gewidmet der Anit-Atomkraft-Bewegung.

Am 26. November feiert die Anti-AWK-Bewegung den Auftakt gegen den diesjährigen Castortransport. Wir unterstützen sie da gern, weil wir nicht an einen Atomausstieg in ein paar Jahren glauben, weil Atomkraftwerke durch den sogenannten Ausstieg nicht sicherer geworden sind, weil jeder Atommülltransport das Problem verschlimmert, nicht löst. Sozial verantwortlich ist es nicht, den Atommüll von Frankreich zurückzunehmen, sondern alle Atomkraftwerke sofort abzustellen.

Weil wir in Dannenberg spielen dürfen, haben wir uns mit Eurer Hilfe folgendes Medley überlegt:

Sag mal weinst du oder ist das der Regen, der aus dem Wasserwerfer perlt
Sag mal weinst du oder ist das der Regen, der aus dem Wasserwerfer perlt
Du bist das beste was mir je passiert ist, es tut so gut, wie du mich wärmst
Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig & hart
Es ist so kalt, o-o-ohne Dich, ich find es widerlich, denkst du vielleicht auch mal an mich, Norbert
Wir haben Polizeischutz, wir haben keine Angst.
Wir haben Polizeischutz, wir haben keine Angst.
Unter der Laterne, vor dem großen Tor,
sieht man aus der Ferne, Tausende davor
Da wollen wir uns wiedersehen / bei der Laterne wolln wir stehen
wie einst
und nicht mehr gehen
wie einst
und nicht mehr gehn
Komm unter meine Decke!
Wenn der Zug heut kommt, ja dann kommt er hier nicht durch,
wenn der Zug heut kommt…
Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da,
die Nacht ist da, das was gescheh‘!
Ein Gleis ist nicht nur für die Züge da,
es lädt uns ein, mit Stroh, Musik und Tee!
Berauscht Euch, Freunde, trinkt und liebt und lacht
und lebt den schönsten Augenblick!
Die Nacht, die man auf einem Gleis verbracht,
bedeutet Seligkeit und Glück!
Its just a perfect day
Über viele Brücken sollen wir gehen, viele dunkle Jahre überstehen
Das ist mir zu kriminell!

Wir grüßen Malte, Tanja, Stinka, Susanne, Ann, Daniel & all die lieben Kreativen!

Am 26.11. geht es um 13 Uhr los, 14 Uhr beginnen die Reden. Wir spielen etwa gegen 14.45 Uhr. Kommt alle!

10. November 2011 – Bremen – Lagerhaus

November in Bremen. Im Viertel um genauer zu sein. Vor sieben Jahren etwa war es fast genauso regnerisch, kalt, ungemütlich. Egge trat damals bei einem Poetry Slam im Lagerhaus auf, das Übliche. Nur riss plötzlich der Moderator eine rote Fahne von der Wand und schrie: Egge bekommt 1000 Punkt extra. Egge gewann seinen ersten Poetry Slam – völlig unverdient. Und diesen Kauz Meister Propper musste man einfach ins Herz schließen.

Meister Propper heißt eigentlich Günther Kahrs und ist heute seit zwei Jahren tot. Er wollte einst Bürgermeister für seinen DADA-Verein werden, war einer der ersten grünen Politiker, veranstaltete schon Slams, als die noch gar nicht so hießen. Er holte Junkies, Punks und Obdachlose ins Lagerhaus und wollte ihre Texte hören, ihre Lieder, Ideen. Ein großartiger Freak mitten im Viertel, das ohne ihn heute nicht mehr dasselbe ist.

Überhaupt ist das Viertel im Wandel. Weinbars, Bioläden, Wollshops für modebewusste Strickstudis und dufte Interieurfilialen für den mit der Zeit gehenden Zahnarzt machen den ehemaligen Kiez zum trendigen Szenestadtteil – samt Aufwertungserscheinungen. Die Designer habens am besten erkannt. Sie werben mit einem Pappschild „Kauf dich glücklich“ für ihre neuen Trendschnitte. An der Sielwallkreuzung lacht Propper von einem Streetartbildchen. Er würde heute vielleicht in der Neustadt wohnen.

Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht würde er mit Leuten wie Jens Hinrich und dem Slam-Bremen-Team weiter an seiner Idee spinnen, dass der Mensch zum Künstler geboren ist – und sich zumindest Kultur auch immer als politische Kraft verstehen lässt. Für solche Leute spielen wir dann auch gern im Vorprogramm eines Slams, im Lagerhaus.

Jens Hinrich lyrikte dann auch charmant zur Begrüßung:

„Beatpoeten kurz erklärt und hier auf die Schnelle:
Zwei Typen sind für alles, gegen alles Kommerzielle.
Zwei Typen
beaten Ihre Dichtung,
beaten Hirnen neue Richtung,
lassen Hirne kurz verweilen
zwischen Stühlen – Frische Zeilen.
Zwei Typen
erklären Städte und Stadtteile, Heidi und Gaddafis Rückzug.
Costa macht den Beat, der den Poeten Egge manches Stück trug.
Zwei Typen,
die ein Beben heftig im Gedärm mit jedem Lied lostreten.
Also macht mal kräftig Lärm für die Beatpoeten.“

Was soll man da sagen. Super! Egge machte nach dem Slam noch ein paar kleine Fotos vom Kiez. Schön wars. Einer fehlte. Aber seine Ideen tragen längst Früchte.

Bis bald.

Einen schönen Blogeintrag (Daaaaaaaanke Thomas!) gibt es hier:

http://blog.breportage.de/?p=760

Tolle, tolle Fotos gibts hier:

http://www.flickr.com/photos/breportage/sets/72157628012603251/with/6349181522/

Infos zum Slam:

http://www.slam-bremen.de/

Beatpoeten – Zugvögel

Gefilmt und das Material zu einem fertigen Video geformt hat Dagmara Celta. Getanzt haben Sophie, Pina und Thalea am 17. September 2011 in den Herrenhäuser Gärten in Hannover. Die Kleider durften wir uns von der Waldorfschule Hannover-Bothfeld leihen.
Die Musik haben Egge und Costa am 29. Dezember 2011 mit Fynn Alster in Langenhagen aufgenommen. Sie wurde am 1. September 2011 von Ulli-Timo Hammann abgemischt. Wir danken allen, die uns geholfen haben.

Eine hochauflösende Version des Videos wurde aus uns nicht erklärbaren Gründen von Vimeo gelöscht, wir arbeiten dran.

09. November 2011 – Internet, du Dieb

Ja, liebes Internet. Denn dann können wir unseren Mitarbeitern noch weniger zahlen, können sie noch schlechter behandeln und überhaupt: Dir ist es ja auch egal, dass wir keine Ahnung von Grammatik und Orthographie haben…

Aufgenommen in Göttingen im November 2011 mit einem sogenannten Smartphone.