27. und 28. Februar – Leipzig und Hamburg

Dem Klaus sein Haus…

Reudnitz, Perle von Leipzig. An der Bushaltestelle sitzen die Jungs mit den Deutschland-Cappies und der Thor-Steinar-Jacke und machen Spuckefützen. Ein paar Meter weiter exen zwei Jugendliche gerade eine Flasche Pfeffi. Das Klaushaus ist direkt voll. Zahlreiche kritische Menschen lauschen andächtig unserer neuen Lesung „Opfer lesen Battle-Rap“. Besonders bei der Zurschaustellung vermeintlicher maskuliner Stärke wird gekichert. Eine tolle Premiere. Dann verlieren sich die Erinnerungen. Wir waren wohl zu aufgeregt. Kultur in Reudnitz kommt. Wir bekennen uns schuldig als Teil der Gentrifizierung und essen zur Nachtruhe noch schnell Veggie-Bratwürste.

Egge und Essen

Hauptbahnhof Bitterfeld, leerer Himmel, blühende Landschaften. Eine bayerische Frau empört sich, dass nicht angezeigt wird, wo sich die erste Klasse des Zugs nach Hamburg befindet. Sie motzt und gibt gerne die arrogante Wessi. Der freundliche Sachse mit der Baskenmütze neben ihr nimmt ihr erst die Wut und erklärt ihr dann in wenigen Sätzen den Strukturwandel seit den 1950er-Jahren. Ein Gleis weiter stehen die Polizisten in Kampfanzügen. Hansa Rostock spielt heute in Halle. Ein typischer Samstag halt.

Du bist, was du isst.

Im Zug setzt sich keiner neben uns, weil Costa die ganze Zeit seine vergoldete Panzerkette von der Hip-Hop-Lesung trägt. Die hat als Meterware im Baumarkt immerhin 1,56 Euro gekostet. Draußen scheint die Sonne. Wir holen uns die praktischen Lebenstipps wieder einmal von Donald Duck.

Bekennende Donaldisten

In Hamburg scheint immer noch die Sonne. In Hamburg! Also schnell Veggie-Schnitzel in unserer Lieblingskneipe, dem Feldstern auf der Schanze, dann ab an den Hafen. Doof auf Schiffe gucken, sonnen, nachdenken, sich freuen über so ein anstrengendes Tourwochenende. Läuft bei uns.

Poet vor Flusslandschaft

Im Centro Sociale ist Geburtstagsparty, und wir dürfen den Opener machen. Viel Bumbum, einige wirbeln ihre Haare durch die Luft. Dann ist wieder alles vorbei, und wir trinken Cocktails mit Radieschen und Basilikum. Ein tolles DJane-Duo legt Hip-Hop auf. Samstagabend in Hamburg. Eine krasse Woche geht mal wieder vorbei, und wir planen die Aufnahmen der letzten Lieder fürs neue Album. Arbeit, ne?!

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27. Februar 2015 – Leipzig – Die neue Lesung

 Am Freitag feiert unsere neue Lesung in Leipzig (Klaushaus) Premiere. Hier alle Infos.

Achtsamkeit, Selbstbehauptung und Perfomance-Enhancing – das literarische Motivationsseminar mit Texten von Haftbefehl, Massiv bis Torch

Harte Typen

Die Menschen der Generation Y haben viele Fragen: Wie lässt sich das eigene Potencial im härtesten Business steigern? Wie funktionieren Innovation und Kreativität unter konstantem Stress und trotz Anfeindungen der Mitbewerber? Wie schafft man es, mittels Rhetorik den besten Benefit für sich herauszuholen? Wie gelingt die Performance trotz atemraubendem Konkurrenzdruck? Und wie lässt sich die eigene Persönlichkeit raumfordernd am besten platzieren?

Die Antworten dazu haben die Achtsamkeitstrainer der Beatpoeten in den Texten der großen Poeten des sogenannten Gangster-Raps gefunden. Am Beispiel von Liedern und „Punch-Lines“ werden neue Trends und alte Weisheiten im Bereich motivierende Kommunikation, innovative Vertriebstechnik und Hardselling à la Martin Limbeck gebündelt und realitätsnah präsentiert. Vergesst Neurolinguistisches Programmieren, das Achtsamkeittraining von Kabat-Zinn oder die Kampftherie von Sun Tzu: Schnellsprecherschlüsselcodes von Kollegah oder Haftbefehl-Haikus versorgen den zweifelnden High Potencial von heute mit den passenden Soft Skills.

Sie stellen den Kunden 3.0 vor, der gut informiert gekonntes Storytelling einfordert. Der Business-Punk von heute verkauft Lehrern Spaziergänge statt Hundeleinen und Dose, Döner und Delle billiges Bier als (Sterni-)Statussymbol. Die Vokü läuft scheiße? Wie wäre es mit einer Front Cooking-Station als Highlight der lokalen Eventgastronomie? Das Plenum zu lahm? Vielleicht kann ein High-Performer-Panel neue Fields of Action aufzeigen? Die Autonomen immer älter? Zeit für ne vitale Incentive-Lustreise!

Marketing-Experte Jan Egge von Sedelies und Nachhaltigkeitsberater Costa Carlos Alexander entschlüsseln den Kern dieser bislang unterschätzten Philosophie und zeigen die Anwendung beim alltäglichen „Hustle“ mit Staat, Stress und Steuerabrechnungen. Taucht mit ab in eine Welt der harten Typen und tighten Girlz. Eine Welt des Posing und Fronting, wo Wackness keinen Platz hat und Toys gnadenlos abgehängt werden.

Die Texte werden mit modernsten Performance-Techniken näher gebracht. Dazu gibt es grünen Tee und glutenfreie Kekse. Um die passende Abendgarderobe wird gebeten. Im Anschluss an den Front-Workshop wird es die Möglichkeit zum Netzwerken geben.

Hier die Termine. Anfragen an Ayse Hogefeld unter beatpoeten(ät)googlemail(punkt)com

6. und 7. Februar 2015 – Itzehoe/Zwickau

Konfetti-Kasten

Es ist nach unserem Auftritt in Neubrandenburg das erste richtige Tourwochenende in diesem Jahr. Zweieinhalb Monate haben wir Pause gemacht und den Winterschlaf genossen. Aber natürlich hat unsere Bookerin Ayse sich nicht an die Abmachung gehalten und uns 15 Stunden Zugfahrt für das Wochenende reingedrückt. Dabei hatten wir mit ihr auf dem Achtsamkeitsworkshop noch darüber gesprochen. Naja. Kann ich wenigstens für die Uni lernen und Egge schlafen.

Wilde Tiere, nachts

In Itzehoe lächeln uns tolle Menschen an. Man hat gar nicht so viel Zeit, um mit allen die Gespräche zu führen, die man sich wünscht. Das ist generell ein Problem auf Tour: Denn neben den Auftritten selbst und dem Entdecken neuer Städte sind es ja die Menschen, die einem begegnen und die einen erfüllen mit Freude, Liebe und Inspiration. Und wenn man dann müde ist oder aufgeregt oder einfach mit den Gedanken woanders, fällt es schwer, sich auf alle einzustellen. Das ist schade. Denn es lohnt sich immer, zu sprechen. Immer. Deshalb einen lieben Gruß an dieser Stelle an all die Menschen, denen wir nur auf der Durchreise eine Umarmung, einen High-Five oder einen schlechten Witz schenken können. Ihr seid in unserem Herzen.

Gesunde Ernährung ist das Wichtigste auf Tour

In unserer Facebook-Timeline wird ein Zeitungsartikel gehyped, in dem sich eine Akademikerin darüber beschwert, dass die Gesellschaft ihr keinen job und kein Respekt zumutet. Mir fallen diverse ähnliche Geschichten aus eben dieser „kritischen“ Zeitung ein, in denen Mitarbeiter wie Dreck behandelt und beschissen bezahlt werden. Aber für die Klicks der Empörten ist auch diesem Medium alles recht. Mir wir schlecht.

Unser Label-Babo Toby Unser Label-Babo Toby(Das Interview mit unserem Twisted-Chords-Label-Babo Toby lief in der Trust.)

In Zwickau gibt es den antirassistischen und antifaschistischen Fußballverein Marienthal United 08. In diesem Jahr organisieren die Menschen ein Turnier, bei dem sie andere, ähnliche Vereine einladen und auch Refugees, um gemeinsam einen schönen Tag zu haben. Wir durften dort die After-Show spielen. Und so kamen wir an dem Samstag doch noch zu unserem Fußballgenuss. Keine Angst: Wir haben nicht mitgespielt. Dafür endlich geduscht.

Zwickau, nachts

Mein Laptop liegt im Lutherkeller auf dem Boden, nachdem ein Vollbetrunkener gegen den Tisch geknallt ist. Er wollte nicht akzeptieren, dass ich ihm mein Mikrofon nicht geben wollte. Egge blutet an den Händen. Im Backstage riecht es nach Rauch. Draußen fällt Schneeregen. Es ist kalt, wir sind müde. Grinsen uns kurz an und verschwinden dann in unseren Schlafsack.

Oliver Polak

Am Magdeburger Hauptbahnhof wird der Zug von der Polizei geräumt. Ein Rollkoffer lag in unserem Abteil, niemand fühlte sich zuständig. Die Frau im Pelzmantel ein paar Reihen vor uns vermutete eine „islamistische Bombe“ darin. Doch der Besitzer meldet sich kurz nach der Evakuierung. Er ist auf dem Klo eingeschlafen und hat seinen Koffer vergessen. Nach anderthalb Stunden geht es weiter.

Scheiß drauf, Malle ist nur einmal im Jahr

Der Hauptbahnhof in Hannover ist sonntags die Hölle. Die größte Geste des Widerstandes wäre es, einfach mitten im Weg stehen zu bleiben. Nur im Teeladen ist Ruhe. Ich kaufe grünen Tee und freue mich über die Freundlichkeit der Verkäuferin. Müde schleppen wir uns zurück in den Alltag. Es war ein krasser Ritt. Danke!