1. Mai 2013 – Braunschweig, Lübeck, Hannover

Wir haben den richtigen Zug bekommen, die Anschlüsse hatten keine Verspätung. Wir haben das Festivalgelände in der Lübecker Innenstadt sofort gefunden, haben uns durch die Massen zur richtigen Bühne gekämpft, angefangen, aufzubauen und dann bricht der Synthesizer zusammen. Immer wieder hakt es, springt der Loop raus, kommen Störgeräusche. Ein Konzert schein so unmöglich zu sein. Egge und ich schauen uns kurz an und atmen ruhig ein und aus.

Viele Stunden vorher, Hunderte Kilometer weiter südlich: Die Sonne steigt gerade über das Dach der Burg und scheint auf den leeren Burgplatz in der Braunschweiger Innenstadt. Ein paar versprengte Feiernde laufen zombiehaft durch die Straßen und singen Lieder. „Wir sind asozial, asoziale Asoziale, wir wohnen unter Brücken und in der Bahnhofsmission.“ Oder „Kniet nieder, die Hauptstadt ist da.“ Vor dem amerikanischen Fast-Food-Laden treffen sich Profi-Raver, daneben retten wieder ein paar ältere Herren die Welt und halten sich so früh schon oder noch an ihrem Bierglas fest. Ein Pärchen keift sich an. Die Polizei fährt langsam vorbei. Ein guter Morgen, um den Tag der Arbeit anzufangen.

Wir dürfen ein paar Lieder zum Einstieg bei der Demonstration spielen. Ein schöner Kontrast: Langjährige Arbeitskämpfer, junge Wilde und wir mit unseren Liedern. Schön. Eine Stunde später dann im Bürgerpark beim Fest: Familien, Kinder, Alte und Junge – schön und direkt am Wasser. Aber wir müssen natürlich schnell zum Zug.

Der ICE nach Norden ist voller Menschen, die zum Evangelischen Kirchentag in Hamburg wollen. „So viel du brauchst“ ist das Motto in diesem Jahr. Wir brauchen einen Sitzplatz, bekommen keinen angeboten und beziehen den Flurboden. Abschätzige Blicke anstatt Nächstenliebe. Dafür spielen ein paar Kinder mit uns „Ich sehe was, das du nicht siehst“.

Lübeck ist warm, doch an den Bäumen sind bislang nur einzelne Blätter. So ganz ist der Frühling noch nicht angekommen. Doch die Sonne küsst die Besucher beim 1.Mai-Fest auf dem Gelände des Treibsands. Es ist eine sehr entspannte, schöne Atmosphäre, bis 18 Uhr ist Kinderfest und dadurch der Verkauf von Alkohol verboten. Wir treten also als erste Band auf der Bühne draußen vor nüchternen Menschen auf. Wenn wir überhaupf auftreten: Denn der Synthie springt immer wieder rum, die Beats laufen nicht gerade. Verzweifelt schauen wir uns an. „Was machen wir jetzt?“ „Keine Ahnung, ich glaube ich schraube das Ding mal auf“, sage ich, hole das Taschenmesser raus und entferne die Rückenwand des Geräts. Drinnen hat sich eine Schraube gelockert und liegt auf einer Platine. „Guck mal, die lenkt sicher das Signal ab“, sagt der Techniker, der uns immer wieder gut zuredet. „So was Kleines kann es doch gar nicht sein.“ „Warum nicht? Probier mal!“ Ich schalte das Gerät wieder an, es läuft durch ohne Probleme. Der Soundcheck ist schnell durch, wir können pünktlich anfangen.

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