Wie wir “Man müsste Klavier spielen können” aufgenommen haben (Teil II)

„Mehr Kneipenatmosphäre! Wir brauchen mehr Kneipenatmosphäre.“ Zugegeben, wir waren sicherlich schon betrunken, als uns die Idee kam, bei ein paar der Lieder Kneipenatmosphäre einzubauen, wie wir sie aus der Destille kannten. Egge wollte unbedingt eine Art Shantichor einbauen, also kippten wir den Ramazotti nach und grölten ins Mikrofon.

Meine Eltern hatten uns ihr Haus für die Tage zwischen Weihnachten und Silvester 2010 in der niedersächsischen suburbanen Pampa überlassen. Im Wohnzimmer räumten wir alle zerbrechlichen Gegenstände weg, bauten auf dem Tisch alles Equipment auf, zuppelten die Mikrofone fest und öffneten die Hausbar. Manuel meinte noch, ob wir wenigstens so tun wollten, als gäbe es eine Gesangskabine. Wir lachten ihn aus und stelltem ihm ein Eierlikör in der Schokowaffel hin.

Auch bei dieser Aufnahme wollten wir alles in eins aufnahmen, also One-Take. Für jedes Lied sollten maximal drei Versuche gelten. Die beste Version würde dann auf das Album kommen. Draußen lag der schmutzige Schnee, und vom Panoramafenster des Wohnzimmers konnte man das Gewächshaus meines Vaters sehen, in dem er immer sein Gemüse züchtete. „Besser als dein überteuerter Biofrass.“

Einen Tag vorher hatten die Kollegen vom Lieber Klub aufgelegt. Bevor wir überhaupt an die Reise in die Vorstadt denken konnten, mussten wir uns  erstmal sammeln: Also fuhren wir in einen typischen Riesensupermarkt, kauften Quatsch, mit dem wir unbedingt Geräusche machen wollten. Zu Hause gab es dann erstmal Tee. Mein Bruder kam rum und erzählte Ärztewitze à la „Wenn die Urologen Weihnachtsfeier machen…“. Gut, dass uns niemand Geld für die Aufnahmen gegeben hatte.

Wir fingen gegen 15 Uhr mit den Aufnahmen an und waren so um circa 2 Uhr fertig. Zwölf Lieder, wovon es am Ende neun auf das Album schafften. Einen Tag später feierten wir Silvester. Egge haute nach Hamburg ab, ich fuhr zurück nach Leipzig, und Manuel flog nach Florida, um die Spuren abzumischen. Wir sprachen alle mehrere Wochen nicht miteinander und hatten keine Ahnung, was wir zu erwarten hatten…

sta

Teil I kann man hier nachlesen.

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