Beatpoeten treffen: Stromberg, sorry, Christoph Maria Herbst

Mensch, dieser Mann kann sich ausdrücken. Immer wieder muss Egge den Hörer von seinem Mund weghalten, er muss zu sehr lachen. Christoph Maria Herbst muss als kleiner Junge in einen großen Topf Ironie gefallen sein. Großartig. Beim ZDF-„Traumschiff“ durfte er auch mitspielen und sorgte dann mit einem Kreuzfahrt-Buch für einen Skandal. Ein Gespräch über Zensur, Mumienschlepper und den Stromberg in jedem.

In Ihrem Debütroman „Ein Traum von einem Schiff“ versenken Sie mit satirischer Schärfe das ZDF-„Traumschiff“. Ihr Buch wurde wegen Verstößen gegen Persönlichkeitsrechte aus den Regalen genommen, dann wurden Teile geschwärzt. Wie schauen Sie auf den Wirbel um Ihr Erstlingswerk zurück?
Mit zwei lachenden Augen. Da gab es Verfügungen, die Boulevardpresse hob mich auf den Titel. Ja, das riecht nach gelungener Werbemaßnahme, war es aber nicht. Aber im Resultat ist es so. Der Verlag hat sich sicher gefreut.

Und Sie persönlich?
Ich fand es etwas merkwürdig, eine Zensur zu erfahren. Es war für mich eine Premiere. Und dann gleich für das Debüt. Ich scheine ins Schwarze getroffen zu haben. In meiner künstlerischen Freiheit sehe ich mich aber nicht beschnitten. Es sind insgesamt vielleicht eineinhalb Seiten geschwärzt, beim Hörbuch wurde gar nichts verändert.

Keine Pieptöne?
Vielleicht hat man es vergessen. Es wirkt alles wie ein Sturm im Wasserglas.

Wirklich? Man könnte meinen, Sie wollten das „Traumschiff“ versenken.
Ich wollte nie der Oliver Pocher der Belletristik werden und einfach nur auf die Menschen einhämmern. Es ging mir eher um eine Verbeugung vor großen Schauspielern. Darum stehen viele auch mit – Vorsicht, ein juristischer Fachbegriff – Klarnamen im Buch. Vielen habe ich die Stellen aus dem Buch vorgelesen und sie haben geweint, vor Lachen und Rührung.

Aber Reaktionen auf Sätze wie „Böse Zungen behaupten, das ,MS‘ stehe für Mumienschlepper“ oder „Das Ganze hat was von schwimmender Schwarzwaldklinik“ zeigen, dass Fans erzürnt sind. Warum eigentlich?
Vielleicht weil ich die letzte heilige Kuh schlachte, das letzte Tabu unserer Gesellschaft, das „Traumschiff“. Ich habs besudelt. Da kann man nichts mehr machen. Dabei war es gar keine Absicht. Es gab keinen Verlag, der mich gezwungen hat, ein Pamphlet zu verfassen. Ich war eben an Bord und langweilte mich, also beschrieb ich Freunden in Mails, was ich auf dem „Traumschiff“ so erlebt habe. Die wollten mehr lesen. Hätte ich absehen können, wo das hinführt, mhhh, ich hätte es trotzdem gemacht.

Fühlten sich die Akteure vielleicht auch beleidigt, weil Sie Ihnen auch mangelnde Schauspielqualitäten und Trunkenheit unterstellen?
Das Buch ist eher deskriptiv und verzichtet auf Wertung. Da kann jeder rauslesen, was er möchte. Ich wollte mit meinem Roman auf keinen Fall die Fortsetzung des „Traumschiffs“ verhindern. Da müsste ich mit dem Nachmittagsprogramm anfangen, denn das ist wirklich hart. Dagegen ist das „Traumschiff“ Grimme-Preis-verdächtig.

Haben Sie sich eigentlich das Filmresultat angeschaut?
Nein, ich war mit meiner Liebsten am anderen Ende der Welt. Und ehrlich gesagt, ich muss es auch nicht sehen, auch wenn ich mir bisher alles angeschaut habe, was ich so gemacht habe. Aber ich glaube, dass ich sagenhaft schlecht war. Und so viele masochistische Anteile trage ich doch nicht in mir.

Sie könnten ja noch einmal mitfahren und es besser machen?
Wem würde das etwas bringen? Mich will da eh gerade keiner sehen. Vielleicht mach ich in 25 Jahren wieder mit. Vielleicht bringe ich mich selbst als Kapitän ins Gespräch, wobei ich Siegfried Rauch natürlich alles Glück dieser Erde wünsche.

Wie würde eigentlich das „Traumschiff“ unter der Flagge von Herbst aussehen? Sie könnten das „ZDF“ retten?
Das „ZDF“ muss man nicht retten. Die Menschen werden älter, die Zielgruppe wächst. Beim „Traumschiff“ darf man darum auch nichts ändern. Location geht da immer vor Drehbuch, Palmen vor Darsteller. Never change a winning concept. Das „Traumschiff“ ist ein Beispiel dafür, dass früher nicht alles schlecht war. Es ist ein Geländer, an dem man sich hochziehen kann. Oder um ein passenderes Bild zu bemühen: ein Treppenlift.

Das klingt schon wieder gemein. Hat Sie die Rolle als Bürodiktator Stromberg vielleicht auf ewig verbittert?
Ich schaue mit einem humorigen Blick aufs Leben. Ich bin kein Zyniker, aber hin und wieder schaue ich ironiegetränkt auf die Dinge. Stromberg hilft zu schauen. Er schärft den Blick für das Zwischenmenschliche. Man sieht Wahrheiten. Aber man sollte das alles auch nicht so ernst nehmen.

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