Beatpoeten treffen: Kay Ray

Kay Ray ist die Mensch gewordene Rache von Entertainern an unlustigen Comedians. Er raucht, pöbelt, hat keine Angst vor fiesen Witzen. Mit anderen Worten: genau unser Beuteschema. Der verbale Handkantenschlag singt nun in einer Show ausgerechnet mit dem seriösen Musicalstar Carolin Fortenbacher. Ein Gespräch über Humor an der Schmerzgrenze und wütende Zuschauer.

Herr Ray, in einem Video zu Ihrem neuen Programm „La Fortenbacher und das Kay“ sagen Sie, dass es an den Abenden selbst nur einen groben musikalischen Ablauf gibt. Ansonsten fehle ein Konzept. Dieses Vorgehen sei aber genau das Konzept. Mit Verlaub, das klingt nach purem Chaos.
Ich arbeite nie mit festem Konzept. Das macht meine Shows aus. Ich überlege mir keinen Text, keinen Ablauf. Ich bin Entertainer und kein Comedian.

Die Schauspielerin, Sängerin und erfolgreiche Musicaldarstellerin Carolin Fortenbacher arbeitet aber eigentlich anders. Wie soll das bei einem gemeinsamen Programm funktionieren?
Frau Fortenbacher weiß natürlich, welche Lieder sie singen möchte. Es gibt da eine Dramaturgie. Aber grundsätzlich gilt: Sie singt, ich rufe eher rum und spreche mit dem Publikum.

Über was denn so?
Na ja, da passiert doch immer etwas. Mal schaut einer eigenartig, mal geht einer zur Toilette, manchmal frage ich die Leute einfach, wie es ihnen gefällt.

Sie haben den Ruf, nicht besonders nett zu den Leuten zu sein. Warum sollte jemand mit Ihnen reden?
Jaja, ich weiß. Wir sind verraten und verpochert. Aber ein Entertainer muss nicht böse sein. Außerdem bin ich zur ersten Reihe sehr nett. Es gibt Wodka.

Sie sind aber böse. Auf Ihrer Internetseite steht sogar, dass Sie im Comedybereich an die Grenzen gehen, gern auch unter die Gürtellinie.
Die Leute wissen, worauf Sie sich einlassen, die anderen müssen es lernen. Ich habe in Darmstadt ein Verfahren am Hals, weil ich angeblich rassistisch und diskriminierend bin. Aber ich finde Witze über Rollstuhlfahrer und Juden nicht zwingend diskriminierend. Ich mache auch Witze über Christen und Muslime und lasse mir nicht vorschreiben, über was ich Witze machen darf.

Sind Sie ein Provokateur?
Nein, ich möchte nicht provozieren. Nur weil man etwas nicht versteht, denken die Leute man provoziert. Ich finde es eher provokant, dass man eine Bahncard fast ein halbes Jahr im Voraus abbestellen muss, wenn man nicht automatisch eine neue zugestellt bekommen möchte.

Mag sein. Aber ins Fernsehen kommen Sie so nicht. Ärgert Sie das?
Auf das Fernsehen kann ich verzichten. Ich spiele 250 Shows im Jahr. Ich habe mein Publikum, die anderen sollen Fernsehen schauen.

Aber es muss doch Leute geben, die sich bei fiesen Witzen furchtbar aufregen. Wie gehen Sie damit um?
Dafür gibt es Regeln.

Was für Regeln denn?
Naja, wenn jemand zum Beispiel sagt: „Das höre ich mir nicht länger an!“ Dann sage ich: „Ich habe Sie gar nicht eingeladen!“ In Deutschland glauben die Menschen immer, dass Sie mit einem Ticket bestimmen können, was Sie geboten bekommen. Aber die Leute dürfen dann gehen. Wenn in meinem Wohnzimmer plötzlich ungefragt Brüste gegen den TV-Bildschirm drücken, kann ich doch auch wegschalten.

Die Leute haben Eintritt bezahlt, sie könnten sich weigern.
Ich habe lange Travestieshows gemacht, ich kann es nicht ausstehen, wenn mich jemand stört. Dann bringe ich die Leute persönlich zur Tür. In München habe ich ein halbes Theater ausgeräumt. Wenn Leute stören, stört das auch die anderen Gäste.

Wie geht denn Frau Fortenbacher mit Ihnen in solchen Situationen um?
Wir haben den gleichen Witz. Wir mussten uns ja auch überlegen, was wir singen wollen. Dafür haben wir uns getroffen und hatten Spaß. Ich bin immer überrascht, welche Töne sie trifft. Aus der Idee wurde eine Freundschaft. Im Prinzip lassen wir die Leute nur an unserer Freundschaft teilhaben.

Welche Lieder sind dabei?
Tolle Songs aus dem Poprockbereich. Unser „Barcelona“ von Freddy Mercury und Montserrat Caballé kann man nicht so leicht vom Tisch wischen.

Das klingt jetzt doch nach Konzept.
Es gibt Nummern, die aus der Improvisation entstanden sind. Aber ein Gesamtkonzept ist das nicht. Dafür haben wir gar keine Zeit. Manchmal wirkt alles inszeniert, aber das ist es nicht. Ich glaube, selbst wenn ich auf der Bühne sterbe, wird es einige geben, die dann sagen: Das hat der doch geplant.

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