Beatpoeten treffen: Robert Stadlober

Nein, wir mochten das Buch „Crazy“ nicht. Den Film aber schon.  Bei „Sonnenallee“ mochten wir Buch und Film. Und den Robert mögen wir auch. Zum einen weil er meist in guten, deutschen Filmen mitspielt. Und zum anderen weil wir glauben, dass er in Sachen Exzentrik eines Tages Ben Becker beerben wird. Und ja, nun singt er auch noch. Eigentlich schon länger. Wir trafen ihn beim Boot Boo Hook-Festival in Hannover. Ein Gespräch über rote Teppiche, Stars in der Band und ner Band namens Gary.

„Hauptsache, die Musik gefällt“

Robert, mit Filmen wie „Crazy“ und „Sonnenallee“ bist du zu einem der bekanntesten Schauspieler in Deutschland geworden. Neulich hast du das „BootBooHook“-Musikfestival in Linden mit der Band Gary eröffnet. Ist man bei einem Konzert eigentlich aufgeregter als bei einer Filmpremiere?
Nee, die Aufregung ist ähnlich, aber bei einer Filmpremiere kann man nichts mehr ändern. Der Film ist fertig. Bei einem Konzert haben wir es selbst in der Hand, ob es ein guter Abend wird.

Dafür gibt es aber keinen roten Teppich …
Ich gehe selten über rote Teppiche und zu Society-Events. Das ist nicht meine Welt.

Viele Menschen wissen gar nicht, dass duin einer Band spielst. Du betreibst sogar eine Plattenfirma. Wann hast du dich, Musik professionell zu machen?
Ich habe schon mit zwölf Jahren Musik gemacht, gerade als ich eine Gitarre halten konnte. Die Musik war noch vor der Schauspielerei da, und mit der Plattenfirma wollten wir den Menschen etwas von der alternativen Kultur zurückgeben, die uns entscheidend geprägt hat.

Würdest du für Konzerte auch Filmrollen absagen?
Wenn ich auf Tour bin, bleibt die Schauspielerei liegen. Das ist normal. Wir alle haben unsere Berufe. Und beim Schauspiel ist es leicht, weil es immer bestimmte Phasen für Projekte gibt. Und dann geht man eben zwei Monate auf Tour.

Und wenn es kurzfristig das Traumangebot für dich gibt?
Es kommt drauf an. Wir sollten mal als Vorband von Muff Potter auf Tour gehen, als mich Christoph Schlingensief anrief. Ich sollte nach Afrika kommen. Die Band hatte Verständnis und wir drehten „The African Twintowers“. Der Film ist leider nie fertig geworden.

Auf dem „BootBooHook“-Festival hast du eher entspannten Indierock gespielt. Bei deinem Bekanntheitsgrad könntest du sicher auch eine große Popkarriere hinlegen können. Warum machst du Musik für kleine Kellerklubs statt Stadionkonzerte?
Ich bin mit eher alternativer Kultur aufgewachsen, und für mich ist Musik nicht etwas, das ich auf einer Art To-do-Liste habe. Wir machen einfach die Musik, die wir machen.

In der Band Gary bist du einer von vielen. Wie geht die Band damit um, einen Star dabeizuhaben?
Früher haben wir uns Gedanken gemacht, wie man damit umgehen soll. Aber irgendwann haben wir gemerkt, dass man da nichts machen kann. Bei Bands wird meistens der Sänger befragt: Kurt Cobain von Nirvana zum Beispiel oder Noel Gallagher von Oasis. Mittlerweile freuen sich die übrigen Bandmitglieder, dass sie keine Interviews geben müssen.

Du hast zum Festivalbeginn schon um 14.30 Uhr gespielt. Für welche Band würdest du so früh vor die Bühne gehen?
Sehr viele. Und für die Lemonheads würde ich Tag und Nacht aufstehen.

Und warum sollte man sich eines eurer Konzerte auch nach dem „BootBooHook“ anschauen?
Weil wir lebende Leoparden und Feuerwerk haben. Nein. Hauptsache die Musik gefällt.

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