Beatpoeten treffen: Filiz Koç

Filiz Koc war einst Spielerin für die türkische Nationalmannschaft. Heute ist sie Model, Moderatorin und Leiterin einer Autopflegefirma im Norden Hannovers. Ein Gespräch über Fußballleidenschaft, Gehälter- und Geschlechterunterschiede und Tabus, die es offensichtlich im Frauenfußball nicht gibt.

Am vergangenen Sonntag spielten Sie im „Tatort“ zwar für die Fußballnationalmannschaft,  aber anstatt zu trainieren wurden Sie am Spielfeldrand in erotischen Posen abgelichtet – und später ermordet. Diese Filmszene scheint bezeichnend dafür, dass es beim Thema Frauenfußball in den Medien nur selten um Fußball geht. Wie sehen Sie das?
Die Frauen sind erfolgreich, nicht nur weil sie Frauen sind. Sie bringen Leistung und sind damit auch zu Recht derzeit sehr präsent in den Medien. Und sie nutzen die Werbeverträge, um auch für den Frauenfußball zu werben. Ich finde das gut.


Aber stört es Sie nicht, dass man den „ach so exotischen“ Frauenfußball nun erst entdeckt und über die doppeldeutige Schönheit des Sports philosophiert, während man bei Männern schlicht über die Spiele berichtet?
Man muss sehen, wie sich das entwickelt. Die Frauen-WM fängt ja erst an. Und natürlich ist es blöd, wenn Medien nur über „Playboy“-Fotos berichten, aber das ändert sich vielleicht noch.

Man hat oft das Gefühl, dass es immer noch um die Wiederholung von Vorurteilen geht. Warum werden Frauenfußballerinnen immer nach ihrer sexuellen Orientierung befragt?
Das habe ich mich auch schon gefragt, gerade weil es bei Männern ein Tabuthema ist. Die Gesellschaft scheint noch nicht für schwule Fußballer bereit zu sein. Aber das kommt noch. Und im Grunde ist es völlig egal. Es geht doch um den Fußball!

Trotzdem gibt es im Fußball selbst Unterschiede. Frauen verdienen zum Beispiel nur einen Bruchteil der männlichen Gehälter. Wie sind Sie während Ihrer Karriere damit umgegangen?
Ich habe immer mit Herz und Leidenschaft Fußball gespielt. Ich bin fußballverrückt. Den Frauen geht es nicht um das Geld, sondern um den Spaß.
Aber fühlt man sich da nicht trotzdem als Fußballer zweiter Klasse?
Die Menschen schauen eher Männer- statt Frauenfußball. Das muss man akzeptieren. Ich selbst musste Prioritäten setzen, wollte irgendwann eine Familie gründen und habe mir Standbeine neben dem Fußball aufgebaut.
Würden Sie das auch den jungen Profifußballerinnen empfehlen?
Natürlich. Fußball allein bringt einen beruflich nicht weiter. Ich selbst habe meine Profikarriere an den Nagel gehangen und spiele heute – wenn es meine Zeit zulässt – für den TSV Havelse. Ich habe meine Modelverträge und nutze den derzeitigen Hype um meine Person für meine Firma. Wenn die Aufmerksamkeit abflaut, habe ich es zumindest versucht, sie zu nutzen.

Das klingt ziemlich sachlich.
Ich war auch als Fußballerin immer schon ehrgeizig.

Warum spielen Sie heute noch Fußball?
Ich brauche den Ausgleich und habe mein Team, das mich unterstützt. Und ich versuche, mein Team zu unterstützen.

Sie sind jetzt 24 Jahre alt. Gibt es eigentlich eine weibliche Form von Alte-Herren-Mannschaften?
(lacht) Nein, es gibt die Mädchenmannschaften und später geht man zu den Damen. Dort gibt es keine Steigerung.

Was trauen sie den Fußballfrauen zu?
Es steckt großes Potenzial in der Mannschaft. Ich hoffe auf den Titel.

Wo schauen Sie sich die Spiele an?
Ich bin mal im Stadion, mal vor dem Fernseher. Es gibt derzeit Anfragen, über die ich noch nicht sprechen kann.

Werden Sie etwa der Oliver Kahn der Frauen-Weltmeisterschaft?
Ich kann da nichts zu sagen.

Die Begeisterung für die WM hält sich noch in Grenzen. Kann es noch ein Sommermärchengefühl geben?
Ich hoffe, dass die Euphorie noch kommt. Man kann da aber nichts vorhersehen. Und vielleicht schaut sich dann auch der eine oder andere Mann die Spiele an.

Wie wichtig wäre das für die Zukunft des Frauenfußballs?
Der Frauenfußball würde mehr in den Fokus der Wahrnehmung rücken. Das ist wichtig, gerade weil Fußball für kleine Mädchen, die sich gerade orientieren, interessanter werden würde.

Wo steht der Frauenfußball in zehn Jahren?
Ich hoffe natürlich, dass der Fußball der Frauen auf noch mehr Interesse stößt.

Schon jetzt gibt es Werbeverträge für die Spielerinnen. Das war, als Sie auf dem Höhepunkt Ihrer Karriere standen, noch anders. Ärgert es Sie manchmal, dass Sie vielleicht zu früh aufgehört haben?
Na ja, ach Quatsch. Ohne Fußball wäre ich nicht da, wo ich bin. Und ich habe durch den Fußball Ehrgeiz und Disziplin entwickelt und bin heute Model, Unternehmerin, Moderatorin und Fußballerin. Ich bin halt nicht nur ein Model und das macht mich interessant für Aufträge.

Das klingt wieder so sachlich wie mancher Fußballtrainer.
Vielleicht kommt das wirklich daher. Aber eine Sache allein würde mich nicht erfüllen. Und ich brauche die neuen Herausforderungen.

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