06. April 2011 – Kauft Beatpoeten-Aktien


Quasi passend zum Thema: der Trailer zum großartigen Film „Unter dir die Stadt“

Als Musiker hat man unter anderem folgende Möglichkeiten, Geld zu verdienen:
– Lerne ein richtiges Instrument spielen und verbringe die Zeit, in der andere ihr Leben genießen, erst mit dem Üben, dann mit dem Abspielen von Klassik-, Schlager- oder Bierzeltliedern. Heinz Strunk beschreibt dieses Leben ganz gut in seinem Buch „Fleisch ist mein Gemüse“.
– Habe wahnsinnig viel Glück oder Pech (je nach Gusto) und spiele an dem einen Abend, an dem wirklich jemand von einer Plattenfirma/Booking-Agentur da ist, beziehungsweise lerne die richtigen Deal-Breaker kennen. Wenn ihr dann erstmal – natürlich gemeinsam – geklärt habt, wie die Corporate Identity eurer Band aussehen soll, geht es los mit Aufnehmen (Du verlierst meist sämtliche Rechte an deinen eigenen Liedern), Ausbessern (Es gibt immer jemanden, der besser Schlagzeug spielt, als dein langjähriger bester Freund in der Band), Mixen (Woah, was für ein Sound! Gut, dass auf Tour immer Halbplayback bzw. der Laptop mitläuft) und natürlich Aufhübschen (Design, Fotos, irgendwelche Texte, Online-Auftritte, Twitter-Scheiße). Am Ende bleibt zu hoffen, die Erwartungen der Aktiengesellschaft, beziehungsweise des Indie-Labels zu erfüllen. Meist ist nicht sonderlich klar, wer schlimmer ist.
– Schmeiß dein Instrument weg und hol dir einen Laptop, Ableton und irgendein Midi-Tool und nenn dich DJ, Produzent und Remixer. Einen Fuchs gibt es sicherlich, wenn du die fünf Stunden Best-of-Berghain-Remixe von Radiohead in der Hipster-Bar oder die Bravo-Hits auf der Studentenparty spielst. Denk immer dran: Nur weil du Lieder von anderen Menschen mit deiner Mouse auswählst, heißt es noch lange nicht, dass andere lachen dürfen, wenn du dich Künstler nennst!
– Die letzte Möglichkeit, die wir uns gerade überlegen: Mach deine Band zur Aktiengesellschaft: Haue 50.000 Berechtigungsscheine à 20 Euro raus – die Typen, die immer die Fotos, Videos und Aufnahmen für lau gemacht haben, bekommen einfach Aktien zum Vorzugspreis – und berufe eine regelmäßige Aktionärsversammlung. Vorbei die Zeiten, als du dich mit deinen Bandkollegen über die musikalisch-künstlerische Richtung gestritten hast – deine Aktionäre geben die jetzt vor. Schreibblockade? Deine Aktionäre wissen, was sie hören wollen. Weltschmerzen wegen all dem Schrecklichen in der Welt? Wenn deine Aktionäre nicht ihre zweistellige Rendite pro Quartal bekommen, wirst du erleben, was wirkliche Schmerzen sind. Und damit deine politisch-korrekten Freunde denken, es wäre ironisch, nenne es einfach Experiment oder Kunstprojekt, mit der du die Wahnsinnigkeit kapitalistischen Denkens aufdecken willst. Von wegen rein ins System und so.

Nachtrag: Nach diesem Blog-Entwurf von Herrn Carlos hat Herr Egge eine Nacht nicht geschlafen. Darf man das einfach? Nimmt das am Ende jemand ernst und fragt nach einer Kontoverbidnung? Was sollen wir mit den zu erwartetenden 60 Euro machen? Ne Art Improvisationsabend für Gesellschafter durchführen („Gib mir fünf Begriffe! Gib mir drei Instrumentvorgaben? Den Kochtopf mit dem Schneebesen streicheln oder zertrümmern?“)? Mhh. Herr Egge kommt da irgendwie nicht weiter und macht es wie die Politik und gründet mit Herrn Carlos demnächst eine Ethikkommission. Solange gibt es unsere Pladden bei den Konzerten und wir stellen Spendenquittungen für Applaus aus, wenn Ihr möchtet (anzügliche Angebote werden ggf. mit auszüglichen Gesten beantwortet). Soweit der Plan. Wer unbedingt Geld spenden möchte, unterstütze Initiativen von ausgestrahlt über Graswurzel.tv bis ai. Wir möchten nur ein wenig Eurer Liebe.

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